Balthasar
Ludwig
Tralles war
Sohn des
Breslauer
Kaufmanns
Johann
Christian
Tralles.
Sein
Großvater
Christian
Tralles,
Doktor der
Medizin, war
Stadt-Physikus
zu Breslau
sowie
Leibarzt des
Kurfürsten
von Sachsen,
Friedrich
Augusts I.
aus dem Haus
Wettin, der
auch
polnischer
König war.
Großvater
Tralles
starb 1698
in Warschau.
Balthasar
Ludwig
Tralles
begann im
19.
Lebensjahr
ein
medizinisches
Studium an
der
Universität
in Leipzig.
Gleichzeitig
befaßte er
sich mit
Physik,
Mathematik
und
Philosophie.
Gegen das
Ende seines
Studiums
ging er nach
Halle, wo er
zum Doktor
der Medizin
und
Chirurgie
promoviert
wurde. Ein
weiteres
Studium im
Ausland,
konnte er
sich aus
finanziellen
Gründen
nicht
leisten; er
kehrte
deshalb nach
Breslau
zurück.
Wegen großer
Konkurrenz
war er eine
Zeitlang
ohne Arbeit.
1734 diente
er in
Dresden als
ärztlicher
Begleiter
des schwer
kranken
Feldmarschalls
Graf
Wackerbart.
Danach bot
man ihm die
Stelle des
Leibarztes
am königlich
sächsischen
Hofe an. Aus
religiösen
Gründen
jedoch (Tralles
war im
Unterschied
zum Dresdner
Hof
evangelisch)
nahm er
diesen
einträglichen
Posten nicht
an. Tralles'
Verhalten
wurde am
Königshof
und im
Kreise der
Ärzte weit
und breit
kommentiert.
Die ganze
Angelegenheit
hatte jedoch
für Tralles
einen
günstigen
Ausgang. Sie
lenkte die
Aufmerksamkeit
der
Ärzteschaft
auf ihn und
brachte ihm
Anerkennung
und
Popularität
ein.
Tralles war
ein
vorzüglicher
Beobachter
und verstand
sich das
Vertrauen
der
Patienten
und die
Achtung
seiner
Kollegen zu
gewinnen und
zu erhalten.
Er war ein
begabter,
gewissenhafter
und
tüchtiger
Arzt. Seine
wissenschaftlichen
Arbeiten:
Über die
Cholera,
Über
Opium,
Über
Pocken
erregten das
Interesse
des
schweizerischen
Anatomen,
Psychologen,
Botanikers
und Poeten
Albrecht von
Haller
(1708-1777),
der in den
Jahren 1736
bis 1753
Professor
der
Anatomie,
Medizin und
Botanik an
der
Universität
in Göttingen
war, und
trugen ihm
seine
Sympathie
ein. Diesem,
der
Verfasser
einer großen
Anzahl
vielbändiger
Werke in den
erwähnten
Forschungsgebieten,
einer
umfangreichen
Bibliographie
der
medizinischen
Klassiker
und etwa
12.000
wissenschaftlicher
Rezensionen
war, hatte
Tralles
seine
Empfehlung
und den
Vorschlag zu
einer
Professur an
der
Universität
zu Göttingen
zu
verdanken.
Mit einem
Gedicht über
das
Schlesische
Sudetengebirge,
das er
Haller
widmete,
bedankte
sich Tralles
für die
Unterstützung.
Tralles
erreichte
sehr schnell
die höchsten
Stufen der
wissenschaftlichen
Laufbahn. In
kurzer Zeit
wurde er
Assessor des
Breslauer
Medizinal-Kollegiums
und Mitglied
der
Akademien zu
Wien und
München.
Im Jahre
1752 hatte
Tralles,
angeregt
durch einen
Besuch bei
seinem
schwer an
Cholera
erkrankten
Freund
Pastor
Volkmer in
Petersdorf
im
Sudetengebirge,
sein
medizinisches
Werk Über
die Cholera
veröffentlicht.
1762 bekam
Tralles von
Stanislaus
Leszczynski,
König von
Polen, der
mit
Lothringen
abgefunden
worden war
und in
Lunéville
residierte,
das Angebot,
bei ihm die
Stelle eines
Leibarztes
anzutreten.
Er lehnte es
jedoch ab.
1767
entschied er
sich für die
ehrenvolle
Stellung
eines
Leibarztes
am Hofe von
Sachsen-Gotha.
Tralles
betreute
auch den an
einer
schweren
Lungenentzündung
leidenden
Bruder des
preußischen
Königs
Friedrich
II., Prinz
Ferdinand.
Als bei dem
Kranken nach
mehreren
Tagen keine
Besserung
eintrat,
verordnete
Tralles zum
vierten Mal
einen
Aderlaß. Das
rief seitens
der übrigen
Ärzte
heftige
Opposition
hervor.
Unterstützt
durch die
Autorität
eines
Kollegen,
setzte er
seine
Entscheidung
durch. Dank
dieser
Therapie
erzielte man
beim Prinzen
Ferdinand in
kurzer Zeit
eine
Besserung
seines
Gesundheitszustandes.
Während
eines
Aufenthaltes
bei der
Gräfin
Schaffgotsch
in
Neuhof/Böhmen,
kam es zu
einer
Begegnung
Tralles mit
den
Vertretern
und Gründern
der älteren
klinischen
Schule zu
Wien, den
bekannten
Ärzten
Gerhard van
Swieten
(1700-1772)
und Anton de
Haen
(1704-1776).
In Neuhof
ist Tralles
auch mit der
Kaiserin
Maria
Theresia
zusammengetroffen
und konnte
mit ihr
sprechen,
denn sie
nahm an
medizinischen
Disputationen
Anteil. Sie
bewertete
seinen
Professionalismus
hoch.
Ähnliche
Gespräche
hatte
Tralles
früher mit
dem
Preußenkönig
Friedrich
II. geführt,
fernerhin
auch mit der
geistreichen
Herzogin von
Sachsen-Gotha,
Luise
Dorothea.
Außer dem
medizinischen
Beruf ging
Tralles auch
der
Philosophie,
Dichtung und
Theologie
nach. In
seiner
Abhandlung
über das
Dasein und
die
Immaterialität
der
menschlichen
Seele
(herausgegeben
1778 in
Breslau; in
Latein schon
1776) kam
Tralles zu
Feststellungen,
die den
späteren
Auffassungen
eines der
bedeutendsten
Vertreter
der
deutschen
klassischen
Philosophie,
Johann
Gottlieb
Fichte
(1762-1814),
ähnlich
sind.
Tralles war
sein ganzes
Leben lang
unermüdlich
und höchst
aktiv in der
Verfolgung
seiner
medizinischen
und
wissenschaftlichen
Ziele. Im
Alter von 80
Jahren gab
er seine
Tätigkeit
zum Teil auf
und ließ
sich nur
noch
konsultieren.
Mit 90
Jahren starb
der berühmte
Breslauer.
Lit.:
G.B. Preuss:
Physici
Vratislavienses.
Memoria
Jaenisiana
quam
Miscellaneis
Medico-Literariis
renovatum
Academiae
Caesareae
Leipoldino-Carolinae
Curiosorum
Collegio
Vratislawiensi,
[w:]
Academiae
Cesareo
Leopoldinae
Carolinae
Naturae
Curiosorum,
Ephemerides
sive
observationum
Medico-Physicarum
a
Celeberrimis
Viris, tum
Medicis, tum
allis
eruditis in
Germania cum
extra cam
communicatorum,
Norimbergae
1715, S. 16,
22. – A.W.E.
Th.
Henschel:
Jatrologiae
Silesiae
specimen
primum
exhibens
brevissimam
medicorum
Silessiorum
saeculi
XIII. ad
XVI.
notitiam cui
catalogus
medicorum
Silesiae
recentiorum
eorumque
celebriorum
adiectus est
prodromus,
Vratislaviae
1847
(Appendix,
Catalogus
Medicorum
Silesiorum
Recentiorum
Eorumque
Celebriorum
Prodromus,
Sec.
XVII-XVIII).
–
Schlesische
Gesellschaft
für
vaterländische
Cultur.
Philosophisch-historische
Abtheilung,
H. I, 1868.
– J.
Graetzer:
Lebensbilder
hervorragender
schlesischer
Ärzte aus
den letzten
vier
Jahrhunderten,
Breslau
1889, S.
82-85, 170,
213. – B.
Seyda:
Dzieje
medycyny w
zarysie
[Geschichte
der Medizin
im
Überblick],
Warschau
1973, S.
187. – W.
Eckart:
Geschichte
der Medizin,
Berlin-Heidelberg
1990, S.
171, 177,
192-193.
Włodzimierz
Kaczorowski