Georg F.
Heinrich
Abegg
stammte aus
einer alten
badischen
Familie, die
auf
verschiedenen
Gebieten
eine Reihe
bedeutender
Wissenschaftler
hervorgebracht
hat. Er
wirkte fast
50 Jahre als
Arzt und
Mitglied des
Medizinalkollegiums
der Provinz
Westpreußen
in Danzig.
Als
langjähriges
Mitglied und
Stellvertreter
des
Direktors
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig
gründete er
1876 als
Medizinische
Sektion in
dieser den
ärztlichen
Verein. Sein
soziales
Engagement
in der Stadt
hat sein
persönliches
Wirken als
Arzt noch
überlebt.
Georg
Heinrich
Abeggs
Vater,
Professor
Heinrich
Abegg, war
als Jurist,
Strafrechtler
und
Kriminalist
tätig
gewesen. Da
er noch im
Geburtsjahr
des Sohnes
einen Ruf
auf eine
Professur an
der
juristischen
Fakultät der
Universität
Breslau
annahm,
wuchs Georg
Heinrich
Abegg in
Breslau in
Schlesien
auf. Er
besuchte
hier das St.
Maria-Magdalena-Gymnasium,
das er
Ostern 1844
mit dem
Abitur
verließ. In
Breslau
begann er
ein
Medizinstudium
und ging
dann nach
Heidelberg,
wo er den
Studenten
und später
bekannten
Dichter
Joseph
Victor
Scheffel
(1826 bis
1886, 1876
geadelt)
kennenlernte,
mit dem ihn
eine lange
und enge
Freundschaft
verband.
Seine
Doktordissertation
De
capacitate
arteriarum
et venarum
pulmonalium
wurde am 2.
Juni 1848 in
Breslau
angenommen.
Diese Arbeit
war bereits
vorher mit
einem
akademischen
Preis
ausgezeichnet
worden. Nach
dem
Staatsexamen
im selben
Jahr betrieb
Abegg seine
weitere
Ausbildung
in Prag und
Wien. Beide
Orte galten
damals als
führend in
der
physikalischen
Diagnostik
und in der
pathologischen
Anatomie.
Nach einem
Aufenthalt
in Würzburg
betätigte er
sich im
Auftrage der
Regierung
bei der
Bekämpfung
der
Cholera-Epidemie
in Schlesien
und wurde
anschließend
Militär-Assistenzarzt
in Breslau,
Neisse und
Schweidnitz.
In dieser
Eigenschaft
wurde Abegg
1851 nach
Danzig
versetzt, wo
er für die
Dauer seines
beruflichen
Lebens
blieb. Er
übernahm die
schwierige
und
verantwortungsvolle
Stelle eines
Armenarztes,
von denen es
damals in
Danzig
insgesamt
nur drei
gab. Im
Jahre 1856
trat er in
die
Naturforschende
Gesellschaft
(NFG) in
Danzig ein,
in der er
bis an sein
Lebensende
sehr
engagiert
und
vorausschauend
wirkte.
Aufgrund
seiner
praktischen
Erfahrung
und seiner
großen
Einsatzbereitschaft
übernahm er
1857 die
Leitung des
Diakonissenhauses.
1863 wurde
er zweiter
Lehrer an
der in
Danzig
ansässigen
Hebammen-Lehranstalt
und fand
hier nun
seine
eigentliche
Berufung als
Arzt. Drei
Jahre später
bereits
wurde er
nach dem
Tode von Dr.
Fischer
dessen
Nachfolger
als Direktor
des
Königlichen
Provinzial
Hebammeninstitutes,
eine
Stellung,
die in den
Jahren von
1835 bis
1850 der
berühmte
Physiologe
Carl Theodor
Ernst von
Siebold aus
Würzburg
innegehabt
hatte. Das
Institut lag
im Osten der
Danziger
Altstadt, in
der
Niederstadt,
in der
Straße
Langgarten.
Bereits im
Jahre 1819
auf
Initiative
von von
Franz
Christian
Brunatti in
Danzig
angesiedelt,
entsprach es
inzwischen nicht mehr
dem
damaligen
aktuellen
Standard
eines
Krankenhauses.
Schon 1860
und dann als
Direktor
1869 hatte Abegg auf
diesen
Mißstand
hingewiesen.
Durch sein
inzwischen
erhebliches
Ansehen in
der Stadt
und durch
seinen
persönlichen
Einsatz
gelang es
ihm, daß
1878 unter
seiner
Leitung ein
Neubau im
Westen der
Stadt, in
der
Sandgrube,
begonnen und
1880 als
Provinzial-Hebammen-Lehranstalt
in Betrieb
genommen
wurde. Ganz
allgemein
hatte die
Wiedereinrichtung
der
preußischen
Provinz
Westpreußen
mit der
Hauptstadt
Danzig im
Jahre 1878
zu einer
Aufbruchstimmung
im ganzen
Lande
geführt.
Abegg sah
sich in
einer
besonderen
Weise
ausgezeichnet,
indem er im
selben Jahr
in das neu
gegründete
Medizinalkollegium
der Provinz
Westpreußen
berufen
wurde.
Es ist ganz
erstaunlich,
in welchem
Maß Heinrich
Abegg sich
neben seiner
zeit- und
energieraubenden
Tätigkeit
als Arzt und
Lehrer auch
im Verbands-
und im
Wissenschaftsbereich
eingesetzt
hat. Nach
20jähriger
Mitgliedschaft
in der
Naturforschenden
Gesellschaft
(NFG)
gründete er
deren
medizinische
Sektion als
zweite von
später
insgesamt
neun
Sektionen,
die ihre
erste
Sitzung am
19. Dezember
1876
abhielt.
Abegg wurde
ihr
Vorsitzender
und blieb
es, bis er
Danzig
verließ.
Anschließend
wurde er zum
Ehrenvorsitzenden
ernannt.
Auch hierin
zeigte sich
das Ansehen
Abeggs in
der Provinz
Westpreußen,
aber auch
umgekehrt,
die Wirkung,
die er
auszuüben in
der Lage
war. Alle
Mitglieder
der
Naturforschenden
Gesellschaft,
die Ärzte
waren,
gehörten der
Sektion an.
1890 konnte
diese zu
einem Verein
der Ärzte
Westpreußens
ausgestaltet
werden.
Dieser
Verein nahm
auch solche
Ärzte auf,
die nicht
Mitglieder
der
Naturforschenden
Gesellschaft
waren,
jedoch mußte
der Vorstand
des Vereins
aus den
eingeschriebenen
Mitgliedern
der
Gesellschaft
gewählt
werden.
Auf
wissenschaftlichem
Gebiet hat
Abegg eine
Reihe von
Arbeiten
veröffentlicht,
die im
Archiv für
Gynäkologie,
in der
Berliner
klinischen
Wochenschrift,
im
Centralblatt
für
Gynäkologie,
in der
Monatsschrift
für
Geburtskunde
und in der
Festschrift
zur Feier
des
50jährigen
Jubiläums
der
„Gesellschaft
für
Geburtshilfe
und
Gynäkologie“
in Berlin
erschienen
sind. Seine
viel
beachteten
Beiträge
zur
Geburtshülfe
und
Gynäkologie
erschienen
zwischen
1873 und
1882 in
Danzig und
Berlin. Bei
der dritten
Auflage des
Lehrbuchs
für Hebammen
hat Abegg
mitgewirkt.
Er war einer
der ersten
Befürworter
der
Anwendung
des
sogenannten
„Credè-Handgriffs“
bei
Geburten,
den er
natürlich
auch selbst
anwandte.
Abegg war
von der
Ausübung
seines
Berufes
wirtschaftlich
unabhängig,
so daß er
seinen
sozialen
Neigungen
und seiner
Hilfsbereitschaft
nachgeben
und
wohltätige
oder
gemeinnützige
Veranstaltungen
fördern
konnte. Er
schuf
schließlich
die
„Abegg-Stiftung
zur
Einrichtung
gesunder
Familienwohnungen
für Arbeiter
und kleine
Handwerker“,
deren
Aufsichtsrat
er mit
großem
Einsatz
führte. Es
gelang ihm
und der
Stiftung,
eine große
Zahl von
Wohnungen zu
bauen, die
sein
Anliegen in
weiten
Kreisen der
Bevölkerung
bekannt
machten.
Auch die
Einrichtung
der
Kinderheilstätte
in Zoppot
ging auf das
unermüdliche
Arbeiten
Abeggs
zurück.
Nachdem er
bereits zum
Medizinalrat
und zum
Geheimen
Sanitätsrat
ernannt
worden war,
erhielt er
anläßlich
seines
50jährigen
Doktorjubiläums
am 2. Juni
1898 die
Ernennung
zum
Ehrenbürger
der Stadt
Danzig.
Dieser Tag
wurde für
Abegg auch
ohnedies ein
unvergeßlicher
Festtag, da
ihm
zahlreiche
Mitbürger
und Freunde
aus der
Stadt und
der Provinz
ihren Dank
und ihre
Glückwünsche
überbrachten.
Am Anfang
des Jahres
1900 erlitt
Heinrich
Abegg einen
Schlaganfall,
der dazu
führte, daß
er seine
sämtlichen
Tätigkeiten
und Ämter
aufgeben
mußte. Für
ihn, der
sich
zeitlebens
nie geschont
hatte,
sondern
stets seinen
vielfältigen
Aufgaben
hingebungsvoll
gedient
hatte, war
das eine
völlig neue
Situation.
Mit seiner
Frau verließ
er am 30.
Mai Danzig
in der
Hoffnung, in
seiner Villa
in
Wiesbaden,
in der Nähe
seines
einzigen
Sohnes und
in milderem
Klima
Erholung und
Genesung zu
finden. In
den ersten
Wochen
schien sich
diese
Hoffnung
auch zu
erfüllen,
doch
überlebte er
den Herbst
nicht. Sein
Ansehen in
Danzig blieb
noch lange
lebendig. Zu
dem, was er
in Danzig
geschaffen
hatte,
gehörte auch
eine in
vielen
Jahren
gewachsene
Münzsammlung.
Er hatte sie
testamentarisch
der Provinz
Westpreußen
vermacht.
Sie ging
1929 an das
Staatliche
Landesmuseum
im Schloß
von Oliva
über. Die
Naturforschende
Gesellschaft
gedachte
ihres
langjährigen
Vizedirektors
am Jahrestag
ihres
158jährigen
Bestehens,
am 2. Januar
1901, mit
einem
Nekrolog auf
Heinrich
Abegg durch
seinen
langjährigen
Freund und
Berufskollegen
Dr.
Oehlschläger.
Werke:
Über
Luftreinigung
in
Krankenhäusern.
Casper’s
Vierteljahrsschrift.
1860. –
Bericht über
die
Hebammen-Lehranstalt
von 1819 bis
1868.
Danzig.
1869. – Über
Rettungsmittel
bei
Verblutungsgefahr.
Schriften
der NFG,
Band III, H.
4. 1875. –
Die
wichtigsten
Neuerungen
in der
Krankenbehandlung.
Schriften
Band IV, H.
1. 1876.
Lit.:
E. Schumann:
Geschichte
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig.
Danzig 1893.
–
Oehlschläger:
Nekrolog auf
Heinrich
Abegg. In:
Schriften
der
Naturforschenden
Gesellschaft
in Danzig.
Neue Folge,
Band X, Heft
4. Danzig
1902. – S.
Rühle: In:
Altpreußische
Biographie,
Band 1, S.
1.