Die
Leistungen
dieses aus
dem Banat
stammenden
Literaturhistorikers,
Verlegers,
Schriftstellers,
Übersetzers
und
Wissenschaftlers,
Verfassers
zahlreicher
ästhetischer
und
ethnographischer
Werke, sind
bislang kaum
bekannt
geworden.
Dies ist mit
aller
Wahrscheinlichkeit
dem Umstand
zuzuschreiben,
daß es für
Ludwig
Aigner im
Zeitalter
des
Dualismus
vonnöten
war, seine
Arbeiten
meistens mit
dem
ungarischen
Namen Lajos
Abafi zu
zeichnen,
denn nur so
gelang es
ihm, sich in
Budapest
durchzusetzen.
1840 in der
Banater
Heidegemeinde
Großjetscha
(ung.:
Nagyjecsa,
rum.: lecea
Mare) von
adeligen
Eltern
geboren,
besuchte er
von 1850 bis
1853 die
Handelsschule
in Temeswar
und war
anschließend
bis 1857 in
einer
Buchhandlung
als Lehrling
tätig.
Gleichzeitig
erlernte er
als
Privatschüler
in einem
Temeswarer
Gymnasium
das
Lateinische.
Zwischen
1858 und
1860 in der
Buchhandlung
des Josef
Schwaiger in
Preßburg, ab
1860 in der
Buchhandlung
Ferdinand
Pfeifer in
Budapest,
1863 in
Leipzig und
ab November
desselben
Jahres bis
zum 16.
3.1865 bei
dem Kölner
Buchhändler
Wilhelm
Greven,
anschließend
bei Julius
Weise in
Stuttgart,
kehrte
Ludwig
Aigner im
Frühjahr
1868 nach
Budapest
zurück, wo
er zunächst
in den
Buchhandlungen
Rath und
Osterlamm
beschäftigt
wurde und am
1.7.1868
gemeinsam
mit Rautmann
(ab April
1869
selbständig)
eine
Buchhandlung
eröffnete.
Es ist
anzunehmen,
daß sein oft
zitierter
väterlicher
Freund, der
Volksliedersammler
Frigyes
Pesty, in
ihm das
Interesse
für die
Dichtkunst
des Volkes
erweckt
hatte. Für
sein 1865
erschienenes
Werk „Die
Geschichte
und die
Theorie der
Ballade und
Romanze“ (A
ballada es
románcz
története és
elmélete)
erntete er
ein
besonderes
Lob der
Kisfaludy-Gesellschaft.
Sein erster
Artikel „Preßburger
Brief über
die
Kazinczy-Feier
1859“
erschien auf
dem
Umschlagblatt
der
Zeitschrift
„Divatcsarnok“
(=
Modehalle,
Nr. 2/1860).
Zwischen
1860-1863
schrieb er
Beiträge und
Kritiken
über das
Buchwesen in
den
Publikationen
„Schöngeistiger
(d.h.
Belletristiacher)
Beobachter“
und „Kranz“
der
Arany-János-Gesellschaft,
außerdem in
den
„Wissenschaftlichen
Abhandlungen“,
in der
„Sonntags-Zeitung“,
in den
„Kritischen
Blättern“
und in der
Wiener „Buchhändler-Correspondenz“.
Archäologische
Beiträge
veröffentlichte
er in den
Raaber
„Historischen
und
Archäologischen
Heften“,
ferner eine
Abhandlung
über
madjarische
Mythologie,
die er auch
in den in
Pest
erscheinenden
deutschsprachigen
Blättern
„Fata
Morgana“
brachte.
Seine
journalistische
und
wissenschaftliche
Tätigkeit
erstreckte
sich auf
folgende
Periodika:
„Der
Beobachter (Figyelö:
1876-1890),
„Corvina“:
(1878-1894);
„Entomologische
Blätter“ »Rovartani
Lapok:
1895-1899)
u.a. Im
Jahre 1884
gründete er
die
historische
Zeitschrift
„Unsere
Heimat“ (=
Hazánk) und
trug durch
seine rege
Tätigkeit
zur
Erhaltung
wesentlicher
Stoffe aus
dem
kulturellen
und
literarischen
Leben bei.
Ab 1890
beschäftigte
sich Ludwig
Aigner
hauptsächlich
mit
Entomologie
und
veröffentlichte
1898 in
Budapest
„Die
Geschichte
der
Entomologie
in Ungarn“
(A lepkészet
története
Magyarországon),
ein
bedeutendes
Werk, ist es
doch bis
heute die
einzige in
Ungarn
erschienene
zusammenfassende
Arbeit
dieser Art
geblieben.
Sein
umfangreiches
Schaffen
führte ihn
in die
verschiedensten
Bereiche.
Von
besonderer
Bedeutung
ist die ins
Deutsche
übertragene
und von
Ludwig
Aigner
veröffentlichte
Arbeit „Petöfis
poetische
Werke“
(1880-1883,
Budapest).
Sein Verlag
edierte auch
zahlreiche
Banater
Autoren, die
er nach
Möglichkeit
unterstützte
und
förderte.
Ludwig
Aigner lebte
für die
Wissenschaft
und für die
Literatur.
Nachdem er
1896 sein
Geschäft –
seinen
Verlag –
aufgegeben
und 1901
eine Stelle
als Laborant
an der
naturwissenschaftlichen
Abteilung
des
Ungarischen
Nationalmuseums
angenommen
hatte,
opferte er
sein
gesamtes
Vermögen für
die
Herausgabe
seiner
Arbeiten.
Diese späte
Würdigung
soll ein
Zeichen
dafür sein,
daß seine
Verdienste
der Nachwelt
wohl bewußt
geworden
sind und
entsprechend
anerkannt
werden.
Werke:
Veröffentlichungen
unter seinem
Familiennamen
Ludwig
Aigner oder
unter
Pseudonymen
wie Jécsai
Lajos,
Jecsai A.
Lajos, Ajgö
Lajos, Apor
Lajos in
folgenden
Blättern und
Zeitschriften:
„Hefte für
Schulwesen“
(1868),
„Vaterland“
(Nr.
66/1868),
Szanas
„Beobachter“
(1871-1876)
und „Kranz“
(1879-1881),
„Ungarn und
die Große
Welt“
(1875), im
Blatt der
Petöfi-Gesellschaft
(1876),
„Hauptstädtische
Blätter“
(1877),
„Jahrhunderte“
(1878),
„Literarische
Berichte aus
Ungarn (=
deutschsprachige
Zeitschrift),
„Deák
Album“,
„Historisches
Magazin“
(1880-84),
„Ungarischer
Salon“
(1878-88),
„Ungarischer
Sprachwart“,
„Erinnerung“,
„Kaschauer
Blätter“
u.a.m.
Erwähnenswert
sind vor
allem
folgende
Veröffentlichungen:
„Über
ungarische
Volkspoesie“
(Aus: Archiv
für
Literaturgeschichte);
„Über die
Elegie“.
Budapest
1869
(preisgekröntes
Werk). „Über
das
ungarische
Volkslied“.
Budapest
1873; 2.
Ausgabe ebda
1879. (=
deutschsprachig).
„Mikes
Kelemen“.
Ebda. 1878
(Ztschr.
Magyar
Könvesház =
Ungarisches
Bucharchiv,
48,50).
„Franz
Kazinczy als
Freimaurer“,
ebda. (ohne
Orts- und
Zeitangabe)
„Petöfis
poetische
Werke“. 2
Bde,
Budapest
1880-3 (=
deutschsprachig,
mit mehreren
Mitarbeitern).
„Zur
Geschichte
der
Ungarischen
Legion in
Italien
(ohne Orts-
u.
Zeitangabe).
Er verfaßte
und gab
heraus:
„Ungarische
Bücherkunde
(1869-70);
das Projekt
„Ungarisches
Buchmuseum“
1875
begonnen. In
diesem
mehrbändigen
Werk versah
er die
Beiträge mit
biographischen
und anderen
Bemerkungen.
Von diesem
Unternehmen
sind 140
Hefte
erschienen.
1878 die
Sammlung
„Nationale
Bibliothek“
(erschienen:
42 Bände)
begonnen. Ab
1876
Schriftleiter
beim
„Beobachter“,
von dem 27
Bde (132
Hefte)
erschienen
sind. 1884
„Unsere
Heimat“,
eine
historische
Zeitschrift,
begründet,
von dem 11
Bde (55
Monatshefte)
erschienen.
1878
Schriftleiter
bei CORVINA
(offizielles
Vereinsorgan
des
Ungarischen
Landesvereins
der
Buchhändler).
Quellennachweis:
Szinnyei,
József:
Magyar irók
élete és
munkái
(Leben und
Werke
ungarischer
Schriftsteller),
Bd. l,
Budapest
1891, S.
10-12;
Gyula:
Magyar
néprajzi
lexikon
(Ungarisches
volkskundliches
Lexikon),
Bd. l,
Budapest
1977, Litera
A. Absatz 3;
Kenyeres,
Agnes:
Magyar
életrajzi
lexikon
(Ungarisches
biographisches
Lexikon),
Bd. l,
Budapest
1967, S.
1-2; Vende,
Ernst (Ernö):
Schrifttum,
Wissenschaft
und Kunst.
In: Das
Komitat
Torontal,
(Reihe:
Ungarns
Komitate und
Städte.
Hrsg. von
Borovszky
Samuel/Samu)
Budapest
1912, S.
266; Kleines
NBZ-Lexikon.
Banatdeutsche
Persönlichkeiten.
In: Neue
Banaler
Zeitung.
(Seite:
NBZ-Kulturbote),
Temeswar,
28. 2.1980.
Hans Dama