Nachkomme
eines
siebenbürgisch-sächsischen
Bauerngeschlechts,
1847-1857
Gymnasium in
Schäßburg,
1857-1860
Studium der
Theologie
und
Germanistik
in Jena,
Berlin und
Wien,
1860-1861
Gymnasiallehrer
in Bistritz
(rum.
Bistrita),
ab 1861
Gymnasiallehrer
in Schäßburg,
1863 Heirat
mit
Friederike
Müller,
Schwester
des späteren
Sachsenbischofs
Friedrich
Müller. In
A.
Mannesalter
fiel die
Teilung des
habsburgischen
Reiches in
eine
österreichisch
und eine
ungarisch
beherrschte
Hälfte, der
sogenannte
Ausgleich,
der
Siebenbürgen
den Wechsel
von der Herrschaft
Wiens unter
die
Herrschaft
Budapests
brachte. Der
sogenannte
„Königsboden“,
das
Hoheitsgebiet
der
Siebenbürger
Sachsen, das
von ihnen in
eigener
Regie
verwaltet
worden war,
wurde über
ihre Köpfe
hinweg
aufgelöst
und der
ungarischen
Verwaltung
unterstellt,
die
nichtungarische
Bevölkerung
einer
großangelegten
Magyarisierungskampagne
unterworfen.
Auch konnte
das
Sachsentum
der rasanten
industriellen
Entwicklung
im Herzen
Europas
nicht folgen
und geriet
wirtschaftlich
ins
Hintertreffen.
Im Verein
mit den
politischen
Kräften
lehnten sich
auch die
sächsischen
Intellektuellen
gegen die
rücksichtslose
Entnationalisierungspolitik
der
regierenden
ungarischen
Kreise auf
und bemühten
sich darum,
ihrem
kleinen Volk
das Rückgrat
zu stärken,
endeten aber
meistens
darin, es
mehr oder
weniger
platt zu
glorifizieren.
Nur A.
bewahrte
sich eine
gewisse
Distanz zur
Geschichte
und zum
Charakter
der
Minderheit,
aus der er
hervorgegangen
war, und
schuf auf
den Gebieten
der Lyrik,
Novellistik
und
Dramatik,
auf denen er
sich nach
dem Vorbild
der Weimarer
Klassik
betätigte,
dauerhaftere
Werke als
seine
sächsischen
Zeitgenossen.
In dem
Versuch, den
Verlust der
Autonomie
geistig zu
bewältigen,
wurzeln
Gedichte wie
„Die
Privilegien“,
eine
schonungslos
kritische
Betrachtung
über den
praktischen
Wert
verstaubter
Vorrechte,
„Der
Birnbaum“,
der „allein
im
Feldesraum“
steht,
Sinnbild des
isolierten,
allen
Stürmen
ausgesetzten
Volkssplitters,
„Vom Tage“,
dessen
Wortlaut:
„Deiner
Sprache,
deiner
Sitte, /
Deinen Toten
bleibe
treu!“ usw.
auch in
Deutschland
bekanntgeworden
ist.
Volkstümlicher
sind aber
„Bauernstube“,
„Erntezeit
auf dem
Lande“ und
ähnliche
Gedichte
geworden, in
denen die
idyllische
Seite des
siebenbürgisch-sächsischen
Dorflebens
eine
einmalige
Prägung
erfahren
hat, sowie
„Die
Bergglocke“,
„Die Mutter
schläft“ und
zwei, drei
Titel aus
dem Zyklus „Totenkranz“,
wo A.
ergreifende
Worte zu Tod
und
Totenehrung
fand.
Wie sehr die
Gegenwart
den Dichter
in ihren
Bann gezogen
hat, zeigt
sich am
deutlichsten
in seinen
Novellen,
die beide
Aspekte des
krisenhaften
Zustandes
verzeichnen,
in den das
Sachsentum
geraten war.
In „Die
Kandidaten“
und „Auf dem
Königsboden“
bestimmt
mehr die
politische
Misere das
Geschehen,
in „Die
Dorfschule“
und „Das
Haus eines
Bürgers“
hingegen
mehr die
wirtschaftliche
und das
Ringen um
Fortschritt.
Attraktiver
sind aber
die beiden
historischen
Novellen
„Eise“ und
„Herr Lukas
Seiler“. A.
hat ihre
Handlungen
in den
Mongolensturm
von 1241
bzw. in
die
Herrschaftszeit
Gabriel Báthoris
(1608-1613)
verlegt, der
den Sachsen
an den
Kragen
wollte. Ihr
Inhalt ist
aber mehr
auf
innersächsische
Probleme
gerichtet
als auf die
Auseinandersetzung
mit dem
äußeren
Feind. Die
Novelle „Die
Literaten“
bildet
insoweit
einen
Sonderfall,
als sie
äußerlich
nichts mit
den
Siebenbürger
Sachsen zu
tun hat,
sondern in
einer
binnendeutschen
Stadt
spielt.
Ganz der
Historie
gewidmet
sind A.
dramatische
Werke. Von
den
zahlreichen
Entwürfen
hat er nur
drei zu Ende
geführt. In
„Die
Flandrer am
Alt“
gestaltet er
die
Einwanderung
der Sachsen
nach
Siebenbürgen
und ihr
Zusammentreffen
mit der
fremden
Natur und
den Kumanen,
die seit
längerem
dort
ansässig
waren. (Die
Chroniken
berichten,
daß unter
den Siedlern
auch „flandrenses“,
also
Flanderer
gewesen
seien, daher
der Titel.)
Dieses
Schauspiel
wurde in
Siebenbürgen
immer wieder
aufgeführt
und
verschaffte
A. den Ruf
eines
Nationalautors
der
Siebenbürger
Sachsen.
Sachs von
Harteneck,
die
Hauptgestalt
des
Trauerspiels
„Harteneck“,
von 1697 bis
zu seiner
Hinrichtung
im Jahre
1703
Sachsengraf,
also
höchster
Beamter
seines
kleinen
Volkes, ist
die
Symbolfigur
des
Abwehrkampfes
geworden,
den die
deutschen
Siedler
gegen den
ungarischen
Adel geführt
haben. Am
„Ulrich von
Hutten“
arbeitete A.
fast sein
ganzes Leben
lang, auf
dieses Drama
setzte er
seine
Hoffnung, im
gesamten
deutschen
Sprachraum
anerkannt zu
werden, doch
der
Durchbruch
gelang ihm
nicht, auch
der „Hutten“
konnte sich
keine der
deutschen
Bühnen
erobern.
A. Schaffen
beschränkte
sich aber
nicht auf
die
klassischen
Genres, er
hat auch in
den
publizistischen
Sparten des
literaturkritischen
Aufsatzes
und der
Rezension
Beachtenswertes
hinterlassen,
sein
ästhetischer
Horizont ist
aber
verengt, er
verdammt den
progressiven
naturalistischen
Realismus,
der sich in
ganz Europa
durchsetzte,
und gebärdet
sich als
Feind
Ibsens,
Zolas und
Tolstois.
Mehr Lob hat
er sich
durch die
Übersetzung
weiter Teile
des Versepos
„Ruinae
Pannonicae“
von
Christian
Schesäus
verdient,
dem größten
dichterischen
Talent unter
den
siebenbürgisch-sächsischen
und
ungarländischen
Humanisten.
Werke: Novellen: Herr Lukas Seiler, 1861; Die Dorfschule, 1866; Das
Haus eines Bürgers,
1868; Die
Kandidaten,
1872;
Traugott,
1874; Die
Literaten,
1877; Auf
dem
Königsboden,
1880; Eise,
1887; Die
Gewerbegenossen,
1889;
Dramen:
Die
Flandrer am
Alt, 1883;
Harteneck,
1886; Ulrich
von Hütten,
1893;
Ausgaben:
Die Flandrer
am Alt,
Hist.
Schauspiel
in 5 Akten,
Leipzig u.
Hermannstadt
1883;
Harteneck,
Trauerspiel
in 5 Akten,
Wien u.
Hermannstadt
1886; Altes
und Neues,
Gesammelte
siebenbürgisch-sächsische
Erzählungen,
Wien u.
Hermannstadt
1890; Ulrich
von Hutten,
Hist. Drama
in 5 Akten,
Hermannstadt
1893;
Gedichte,
Hermannstadt
1893 (Ausg.
letzter
Hand); Der
Schneideraufruhr
in
Hermannstadt
(Prosaanthologie),
Bukarest
1956;
Ausgewählte
Schriften,
Bukarest
1966.
Lit.: Adolf Schullerus, Michael Albert, Sein Leben und Dichten, Hermannstadt
1898; Dieter
Schlesak,
Auseinandersetzung
mit einer
Lebensform
(Einleitung
Ausgew.
Schriften,
Bukarest
1966); Die
Literatur
der Siebenbürger
Sachsen in
den Jahren
1849-1918.
Reihe:
Beiträge zur
Geschichte
der
rumäniendeutschen
Dichtung,
Bukarest
1979.
Michael
Bürger