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Dietrich Burggraf von Altenburg gehörte zu den bedeutenden Hochmeistern,
unter denen in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts der Staat des
Deutschen Ordens in Preußen zu einer Macht von europäischer Bedeutung
aufstieg. Er war ein Sohn Dietrichs II., des vorletzten Burggrafen von
Altenburg. Den Namen der Mutter kennen wir ebenso wenig wie das Jahr
seiner Geburt oder das seines Eintritts in den Deutschen Orden. Erste
Erwähnungen kriegerischer Taten des jungen Deutschordensbruders gehören
wohl in das Jahr 1307. Er war im nördlichen Grenzbereich des
Ordenslandes eingesetzt, dem Bereich, der am weitesten gegen Litauen
vorgeschoben war, mit dem der Deutsche Orden in dauerndem Krieg lag.
Spätestens 1323 war Dietrich Komtur der Grenzkomturei Ragnit. Seit 1325
konnte er als Komtur von Balga seine militärischen Erfahrungen durch
solche in der Verwaltung des Landes ergänzen. Als der Deutsche Orden
nach der Ermordung des Hochmeisters Werner von Orseln (18. November
1330) am 17. Februar 1331 den schon älteren, wenig kriegserfahrenen
Luther von Braunschweig zum Hochmeister wählte, berief man Dietrich in
das erneuerte Amt des Obersten Marschalls, das man seit 1320 hatte ruhen
lassen. Als Obersten Marschall betraute ihn der Orden mit der Führung
des Krieges gegen Polen, der 1329 voll ausgebrochen war. Nachdem
Dietrich zunächst großangelegte Plünderungszüge nach Kujawien und
Großpolen unternommen hatte, dabei aber in der Schlacht bei Płowce (27.
September 1331) nur knapp einer vernichtenden Niederlage entgangen war,
eroberte er 1332 systematisch die Städte
und Burgen Kujawiens. Nach einem
vergeblichen Gegenstoß
des polnischen Königs beendete im Herbst 1332 ein Waffenstillstand die
Kriegshandlungen.
Als Oberster Marschall scheint er das Vertrauen des Ordens gewonnen zu
haben. Nach dem Tod Luthers von Braunschweig wählte ihn am 3. Mai 1335
das Generalkapitel zum Hochmeister. Als solcher verstärkte er vor allem
den Kampf gegen Litauen, errichtete eine Kette von Burgen memelaufwärts
und unternahm eine Reihe größerer Feldzüge, denen fürstliche Teilnehmer
Glanz verliehen, so vor allem König Johann von Böhmen im Jahre 1337. In
seiner Außenpolitik näherte er sich sehr stark dem gebannten Kaiser
Ludwig dem Bayern. Von ihm ließ er sich in einer am 15. November 1337
ausgestellten Urkunde das Land Litauen schenken. Die neuerrichtete
Bayerburg sollte Sitz eines Erzbistums werden. Der von der Ordensführung
entworfene Urkundentext nennt Ziele, die weit jenseits des damals
Realisierbaren lagen. Neben solchen fast visionären Zielen stand eine
handfeste Politik im Innern. Befestigungen in den Grenzzonen,
Ordensburgen im Landesinneren wurden ausgebaut, nicht zuletzt das
Haupthaus Marienburg weiter ausgestaltet, wovon Zeitgenossen den Bau der
Nogatbrücke mit ihren heute noch erhaltenen Torbefestigungen
hervorheben. Der Landesausbau wurde mit der Gründung neuer Dörfer und
Güter fortgesetzt. Besondere Bemühungen des Hochmeisters galten
anscheinend den westlichen Landesteilen: Er selbst hat den Städten
Schwetz und Lauenburg Handfesten erteilt. Besonders hartnäckig bemühte
er sich um die Festlegung der Privilegien der großen pommerellischen
Klöster, vor allem Olivas, dessen teilweise gefälschte Urkunden er
überprüfen ließ. Als Ordensoberhaupt sorgte er in zahlreichen Gesetzen
für Bewahrung der Ordensdisziplin. In seiner Regierungszeit setzte sich,
offenbar gefördert durch ihn, die Blüte der Deutschordensliteratur fort.
Dietrich berief den Deutschordensdichter Nikolaus von Jeroschin zu
seinem Kaplan, und dieser vollendete unter ihm seine Versübertragung der
Chronik des Peter von Dusburg. Der unbekannte Dichter der 1338
vollendeten Versparaphrase des Buches Hiob rühmt in seiner Schlußrede
Weisheit, Tatkraft und Mut des Hochmeisters.
Eine der wichtigsten Aufgaben der Regierungszeit Dietrichs war die
Beendigung des seit langem ruhenden Krieges mit Polen durch einen
Friedensschluß. Einen Anfang hierzu hatte schon im ersten Regierungsjahr
des Hochmeisters ein Schiedsspruch der Könige Johann von Böhmen und Karl
von Ungarn in Vyšehrad gemacht. Auf seiner Grundlage entstand 1337 in
Inowracław ein umfangreiches Vertragswerk, das aber ohne Abschluß blieb.
Stattdessen strengte Polen 1339 vor päpstlichen Richtern einen Prozeß
gegen den Deutschen Orden an, auf dem polnische Zeugen die Härte der
Ordenskriegsführung aufleben ließen. Doch fiel das Urteil so einseitig
aus, daß sich die Ordensdiplomatie beim Papst erfolgreich dagegen wehren
konnte. Nach einem päpstlichen Kompromißvorschlag nahmen die Parteien
die Gespräche wieder auf. Zu Verhandlungen, bei denen Markgraf Karl von
Mähren (der spätere Kaiser Karl IV.) vermitteln sollte, begab sich
Dietrich nach Thorn. Dort aber erkrankte er. In der Nacht zum 6. Oktober
1341 ist er in Anwesenheit des Markgrafen, den er noch hatte zu sich
rufen lassen, gestorben.
Lit:
Bernhard Schmid, in: Altpreuß. Biographie, 10-11. – Heinz Maybaum, in:
NDB Bd. 3,
S. 684. – Carl August Lückerath, in: Lexikon des Mittelalters, Bd.
3,1989, Sp. 1026.
Klaus Conrad
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