Für
alle, die
sich mit dem
Deutschtum
in Rußland
befassen,
ist der „Amburger“
ein
feststehender
Begriff, wie
etwa der
Putzger,
Brockhaus,
Plötz oder
Duden für
andere
Gebiete.
Erik
Amburgers in
Jahrzehnten
aufgebaute
Personalkartei
mit Angaben
über mehr
als 200000
Persönlichkeiten
aus dem –
vor allem –
städtischen
Deutschtum
Rußlands,
über andere
im einstigen
Rußland
tätig
gewesene
Westeuropäer
und über die
russische
Führungsschicht
– kurz
gesagt,
vorwiegend
über die
Geschichte
des
ausländischen
Elements in
Rußland –
hat sich im
Laufe der
Zeit zu
einer
internationalen
Auskunftszentrale
ersten
Ranges
entwickelt.
Erik
Amburgers
Leistung und
Erfolg ist
mit seiner
Biographie
eng
verknüpft.
Am 4.8.1907
wurde er in
St.
Petersburg
als Sohn des
Arztes Dr.
Nikolai
Amburger und
dessen
Gattin Gerda
geb.
Schottländer
geboren.
Seine
väterliche
Familie war
über
anderthalb
Jahrhunderte
mit dem
Wirtschaftsleben
Rußlands eng
verknüpft,
aber auch
die
mütterlichen
Verwandten
wirkten seit
Mitte des
19.
Jahrhunderts
in der
russischen
Industrie.
Erik
Amburger
besuchte in
St.
Petersburg
die deutsche
St.
Katharinenschule
auf der
Basiliusinsel
– wo auch
der
Unterzeichnende
seinen
ersten
Schulunterricht
genoß – und
mußte 1918
nach der
Oktoberrevolution
mit Mutter
und
Geschwistern
seine
Heimatstadt
verlassen,
wo sein
zurückgebliebener
Vater 1920
einer Seuche
zum Opfer
fiel. Über
Reval kam
Amburger
nach
Heidelberg,
wo er 1926
die
Reifeprüfung
bestand und
an dessen
Universität
er seine
ersten
Semester –
bei den
bekannten
Historikern
F. Baethgen,
K. Hampe und
W. Andreas –
studierte.
Seit 1927
setzte er
sein Studium
in Berlin
fort, wo er
1933 bei K.
Stählin zum
Dr. phil.
promovierte.
Seine
hervorragende
Dissertation
über „Rußland
und Schweden
1762–1772“
ließ bereits
sein
Interessengebiet
erkennen.
Die
politischen
Verhältnisse
verwehrten
Amburger die
ersehnte
Hochschullehrerlaufbahn.
Auch größere
Arbeiten
durfte er
nicht
veröffentlichen.
Im November
1939 wurde
er zur
Wehrmacht
eingezogen.
Den Krieg
verbrachte
er – zuletzt
als
Obergefreiter
– in einem
Baubataillon
in Polen,
Frankreich
und Rußland,
verunglückte
jedoch im
April 1943
an der
Lowatfront
so schwer,
daß ihm ein
lebenslänglicher
Schaden
blieb. Im
Mai 1945
geriet er in
Prag in
sowjetische
Gefangenschaft,
aus der er
im September
d. Js. von
Rumänien aus
entlassen
wurde.
Zunächst war
er an der
Volkshochschule
in Berlin
(Ost) tätig,
jedoch
bereits seit
1946 an dem
von Prof.
Max Vasmer
geleiteten
Institut für
Slawistik an
der (Ost-)Berliner
Akademie der
Wissenschaften
als
Spezialist
für
deutsch-russische
Wissenschaftsbeziehungen
– seinen
Neigungen
entsprechend
-–
beschäftigt.
Als
Westberliner
Grenzgänger
sah er sich
im Frühjahr
1953
genötigt,
diese
Tätigkeit
einzustellen.
Als
Stipendiat
der
Deutschen
Forschungsgemeinschaft
wurden ihm
Forschungen
über
russische
Manufakturen
des 17.
Jahrhunderts
und die
Auswanderung
von
Deutschen
nach Rußland
übertragen.
1957 erhielt
Amburger
endlich
einen festen
Arbeitsplatz
an dem von
Prof. Ludat
geleiteten
Institut für
kontinentale
Agrar-und
Wirtschaftsforschung
– Sektion
Geschichte –
an der
Universität
Gießen,
zuletzt als
Akademischer
Oberrat.
1962 wurde
ihm ein
Lehrauftrag
an der
Universität
Marburg
erteilt,
1968 ist
Erik
Amburger
dort zum
Honorarprofessor
im
Fachbereich
Geschichtswissenschaft
ernannt
worden.
Die
wissenschaftliche
Leistung
Amburgers
mit wenigen
Worten zu würdigen
ist eine
unlösbare
Aufgabe. An
die 200
größere
Arbeiten,
Bücher,
Broschüren,
Aufsätze,
dazu eine
Vielzahl
wohlfundierter
Rezensionen,
sind aus
seiner Feder
erschienen.
Er war 1948
an den
Publikationen
zum
250jährigen
Jubiläum der
Berliner
Akademie der
Wissenschaften
und seit
1950 an der
Edition der
Leibniz-Ausgabe
beteiligt,
veröffentlichte
1957 die
wirtschaftsgeschichtliche
Studie über
die Familie
Marselis,
1961 eine
Geschichte
des
Protestantismus
in Rußland
und Beiträge
zur
Geschichte
der
deutschrussischen
kulturellen
Beziehungen
und gab 1962
die
Erinnerungen
Friedrich
von
Schuberts
(1789-1814)
heraus. 1966
erschien
seine
grundlegende
Geschichte
der
Behördenorganisation
Rußlands von
Peter dem
Großen bis
1917, 1968
die
Untersuchung
über die
Anwerbung
ausländischer
Fachkräfte
für die
Wirtschaft
Rußlands vom
15. bis ins
19.
Jahrhundert
und 1980 das
zweibändige,
monumentale
Werk über
Ingermanland,
eine junge
Provinz
Rußlands im
Wirkungsbereich
der Residenz
und
Weltstadt
St.
Petersburg-Leningrad.
Eine
Geschichte
seiner
Familie –
ebenfalls
das Ergebnis
langjähriger
Forschungen
– befindet
sich im
Druck.
Wesentlichen
Anteil hatte
Amburger
auch in
seiner
Eigenschaft
als Mitglied
des J. G.
Herder-Forschungsrates
und der
Baltischen
Historischen
Kommission
am
Zustandekommen
des von W.
Lenz
herausgegebenen
„Deutschbaltischen
Biographischen
Lexikon
1710-1960“
(Köln 1970)
sowie an der
von M. Ottow
und W. Lenz
1977
herausgegebenen
Presbyteriologie
„Die
evangelischen
Prediger
Livlands bis
1918“.
Die Titel
dieser
Hauptwerke
kennzeichnen
die bereits
eingangs erwähnte
Spannweite
der
Interessengebiete
Erik
Amburgers.
Eine Fülle
von
Spezialuntersuchungen
zur
Geschichte
einzelner
Personen und
Familien
bilden in
seinem Opus
die Brücke
zwischen
vertriebenen
oder
rückgewanderten
Deutschen
und ihren
einstigen-östlichen
Wohn- und
Arbeitsbereichen,
wie etwa im
Baltikum und
– vor allem
– in Rußland.
In der
Geschichtsschreibung
Deutschlands
und Rußlands
hat sich
Erik
Amburger
einen
bleibenden
Ehrenplatz
erworben –
aere
perennius.
Roland
Seeberg-Elverfeldt
(1987)