Friedrich
Andreae
entstammte
einer
angesehenen
Reeder-Familie,
die eine
lange Reihe
evangelischer
Theologen
und
Kaufleute
aufzuweisen
hat. Auf dem
alten
Klostergymnasium
in Magdeburg
erfuhr er
früh für ein
ganzes Leben
richtungsweisende
humanistische
Bildüng.
Seine
historischen
Interessen
galten von
Anfang an
dem Ancien
régime im
weitesten
Sinne,
sowohl was
dessen
führende
Persönlichkeiten
wie auch die
kulturellen
Leistungen
betrifft.
Sein Studium
der
Geschichte
im nahen
Berlin
schloß er
1905 mit
einer von
Max Lenz und
Otto Hintze
betreuten
Dissertation
ab, die nur
als
Teildruck
erschienen
ist:
„Preußische
und
russische
Politik in
Polen von
der
taurischen
Reise
Katharinas
II. (Januar
1787) bis
zur
Abwendung
Friedrich
Wilhelms II.
von den
Hertzbergischen
Plänen
(August
1789)". In
Berlin war
er auch
schon
Schüler
Theodor
Schiemanns,
dem er seine
Habilitationsschrift
(„Beiträge
zur
Geschichte
Katharinas
II. Die
Instruktion
vom Jahre
1767 für die
Kommission
zur
Abfassung
eines neuen
Gesetzbuches")
1912 zum 65.
Geburtstag
widmete.
Berlin war
auch der Ort
der
Berührung
mit dem
Stefan
George-Kreis.
Seine
Habilitation
für
osteuropäische
Geschichte
fand 1912
statt, an
der
Oder-Universität
Breslau, die
eben ihre
100-Jahrfeier
begangen und
ein
wissenschaftliches
Arbeitsfeld
zu bieten
hatte, dem
Andreae
zeitlebens
sich zu
verschreiben
bereit war.
Dem
Gedächtnis
Gustav
Schmollers
war die
Untersuchung
„China und
das 18.
Jahrhundert"
(Grundrisse
und
Bausteine
zur Staats-
und
Geschichtslehre)
gewidmet
(1908,
1917),
welche die
Bereitschaft
belegt, über
das
zaristische
Rußland
hinaus auch
den „Fernen
Osten" in
den Blick zu
nehmen. Ein
Festvortrag
zur
700-Jahrfeier
der
Grundsteinlegung
des
Magdeburger
Domes, der
die
einfühlsame
Verknüpfung
kirchlicher
und
kunstgeschichtlicher
Aspekte
belegt, war
eine Art
abschließende
Würdigung
der
Vaterstadt,
während nun
in der Fülle
regionaler
Vorträge und
Veröffentlichungen
die
Wahlheimat
Schlesien
zur
beherrschenden
Thematik
wurde. Das
Jubiläumsjahr
1913
zeitigte
aufschlußreiche
Editionen,
gefolgt von
Veröffentlichungen
im Zeichen
der neuen
Grenzlandsituation
von 1919,
die
Oberschlesien
stärker in
den Blick
rückten, und
langfristigen
Planungen,
welche die
1922 seitens
der
Historischen
Kommission
für
Schlesien
betreuten
„Schlesischen
Lebensbilder"
betrafen,
deren
Haupttriebkraft
im
Zusammenwirken
mit
gebürtigen
Schlesiern
Andreae
wurde. Vier
Bände kamen
innerhalb
eines
Jahrzehntes
heraus und
wurden
beispielgebend
für eine
Reihe
anderer
deutscher
Landschaftsbiographien.
Im Blick auf
sie wie auch
auf das nur
scheinbar
provinzielle
Anliegen
einer
Breslauer
Universitätsgeschichte
entstand
eine
Personalkartei
von über
8000 Namen,
deren
Auswertung
freilich in
mehrfacher
Hinsicht
Opfer der
schmerzlichen
Zeitläufe
werden
sollte
(Teilerhaltung?).
Um die
Pressestelle
der
Universität
erwarb sich
Andreae an
in den
zwanziger
Jahren
allseits
anerkannte
Verdienste.
Als sinniger
Rezensent
von
Neuerscheinungen
zur
schlesischen
Kultur- und
Bildungsgeschichte
war er ein
idealer
Mitarbeiter
der
„Jahresberichte
der
deutschen
Geschichte",
von 1925 an
der ihnen
folgenden
„Jahresberichte
für deutsche
Geschichte".
Der beliebte
akademische
Lehrer, in
dessen
Vorlesungen,
Übungen und
Studienfahrten
(oft über
die
deutschen
Staatsgrenzen
hinaus)
Vertreter
der
verschiedenen
Bekenntnisse
und
weltanschaulichen
Richtungen
gleichermaßen
ihren Platz
fanden, ein
selbstloser
Förderer von
Nachwuchskräften
auch
außerhalb
des eigenen
Doktorandenkreises,
ein
begnadeter
Plauderer,
der an
treffsicheren
Anekdoten
geschichtliche
Erkenntnisse
zum
Aufblitzen
brachte,
schien als
Teilnehmer
des Ersten
Weltkrieges
zunächst
gefeit gegen
berufliche
Folgerungen,
die sich
nach 1933
auf Grund
der
Nürnberger
Gesetze
gegen ihn
auszuwirken
ankündigten.
Als
unentbehrlich
eingeschätzt
für die vom
Breslauer
Universitätsbund
in Gang
gebrachte
Anthologie
zur
125-Jahrfeier
der
Schlesischen
Friedrich-Wilhelms-Universität,
schien ihm
nach der
Nötigung,
seine
Lehrtätigkeit
einzustellen,
wenigstens
das
Nischendasein
als
Universitäts-Archivar
Versorgung
und
wissenschaftliche
Weiterarbeit
zu sichern;
die
Anthologie
„Aus dem
Leben der
Universität
Breslau"
erschien
pünktlich
1936, doch
ohne
Namensnennung
ihres
Schöpfers,
der Anfang
1939 einem
Gallenleiden
erlag. Seine
Witwe konnte
noch im
Todesjahr
des
Heimgegangenen
nach England
emigrieren.
Die
Beisetzung
von
Friedrich
Andreae
erfolgte im
Familiengrab
in
Magdeburg.
Hauptteil
des
wissenschaftlichen
Nachlasses
befand sich
bei
Kriegsausbruch
im
Universitäts-Archiv
Breslau und
dürfte in
der
Hauptsache
wohl dort
ungefährdet
erhalten
geblieben
sein.
(Bericht u.a.
eines
Historikers
aus der
Bundesrepublik,
der
anläßlich
seiner
Einladung
der heutigen
Breslauer
Technischen
Hochschule
auch im
Universitäts-Archiv
vorsprechen
konnte.)
Übersicht
der
gedruckten
Veröffentlichungen
durch R.
Samulski in
der
Zeitschrift
des Vereins
für
Geschichte
Schlesiens,
Bd. 73,
1939, S.
346–358 (162
Nummern,
zusätzlich
Sachweiser).
Zeitlebens
hat Andreae
als
Mitherausgeber
besonderen
Wert auf den
illustrierten
Band „Die
Universität
zu Breslau,
hrsg.
zusammen mit
August
Grisebach,
Berlin,
Deutscher
Kunstverlag
1928"
gelegt.
Lit.:
Nachruf in
der
Zeitschrift
des Vereins
für
Geschichte
Schlesiens,
Bd. 73,
1939, S.
342–345
durch Kurt
Groba. – L.
Malten, Das
zweite
Jahrzehnt
des Univ.
Bundes
Breslau
1931-1941,
1941, S.
26f. – H.
Aubin, Die
letzte
Historikergeneration
an der
Universität
Breslau,
Vjschr.
Schlesien
1961, S.
133–138,
hier S.
134f. – L.
Petry, Zur
Rolle für
Geschichte
Schlesiens,
Bd. 73,
1939, S der
Universität
Breslau in
der NS-Zeit,
in Schles.
Forschungen
3, Würzburg.
Ludwig Petry