Die von den
Göttinger
Bürgern als
„Hexe von
Haimberg“
verschriene
Lou stand
mehrmals im
Mittelpunkt
von
Skandälchen,
Affären und
Klatsch –
durch ihre
engen
Beziehungen
zu vielen
Großen jener
Zeit. Sie
war
Gefährtin
Nietzsches,
die Muse
Rainer Maria
Rilkes,
literarisches
Vorbild und
enge
Freundin
Gerhart Hauptmanns und wissenschaftliche Partnerin von Sigmund Freud
– dazu
selbst eine
Autorin von
hohen
Graden.
Geboren in
Petersburg
als Tochter
eines
russischen
Generals
hugenottischdeutscher
Herkunft,
studiert sie
1880/81 in
Zürich u.a.
Religionsgeschichte.
1882 kommt
es zu einer
schicksalhaften
Begegnung,
deren Spuren
bis in das
späte Leben
Lou
Andreas-Salomés
nachweisbar
sind. Sie
trifft in
Rom mit Paul
Rée und
dessen
Freund
Friedrich
Nietzsche
zusammen. Es
entsteht ein
von Lou
Andreas-Salome
immer
geistig
gewolltes
Dreiecksverhältnis.
Die Lösung
dieser
Beziehung
stürzt
Nietzsche in
eine tiefe
Daseinskrise,
in der als
Befreiungsversuch
„Also sprach
Zarathustra“
entstand.
1887
heiratet Lou
Andreas-Salomé
in Berlin
den
Orientalisten
F. C.
Andreas. Im
Mai
desselben
Jahres kommt
es zu der
über ihr
Leben
bestimmenden
Begegnung:
In
München/Wolfratshausen
trifft sie
Rainer Maria
Rilke. 1899
und 1900
reist sie
mit ihm nach
Rußland.
1903
Übersiedlung
nach
Göttingen,
F.C. Andreas
folgt einem
Ruf an die
dortige
Universität.
1911/1912
Studium der
Psychoanalyse
bei Freud
und Adler.
Um 1920
dichterische
Arbeiten.
Dann nur
noch
psychoanalytische
Tätigkeit in
der
Nachfolge
Freuds.
Lou
Andreas-Salomé
war eine
unabhängige,
jenseits
aller
Konventionen
lebende
Frau.
Trotzdem ist
die
Gottanerkenntnis,
ein
religiöser
Grundzug in
ihren
theologischen,
philosophischen
und
literaturwissenschaftlichen
Publikationen,
nicht zu
verkennen.
Ihre Romane
und
Erzählungen
weisen sie
als
feinsinnige
Schilderin
auch des
russischen
Lebens aus.
Ihre
Darstellung
interessanter
Naturen ist
stark von
der
Psychoanalyse
beeinflußt.
Wenn man Lou
Andreas-Salomés
Bedeutung
nur an ihren
Beziehungen
zu
Nietzsche,
Rilke und
Freud
festmacht,
verkennt man
ihre
Lebensleistung.
Doch ist man
dabei, das
Werk der
Schriftstellerin
und
Psychologin
in seiner
Komplexität
aufzuarbeiten
und so von
Mythen und
Legenden zu
befreien.
Werke: Im Kampf um Gott, R. 1885; Henrik Ibsens Frauengestalten, Ess. 1892;
Friedrich
Nietzsche in
seinen
Werken, B.
1894; Ruth,
R. 1895; Aus
fremder
Seele, E.
1896;
Fenitschka.
Eine
Ausschweifung,
En. 1898;
Menschenkinder,
En. 1899;
Ma. Ein
Porträt,
R. 1901; Im
Zwischenland,
En. 1902;
Die Erotik,
Es.
1910/1979;
Drei Briefe
an einen
Knaben, En.
1917; Das
Haus, R.
1919; Der
Teufel und
seine
Großmutter,
Dicht. 1922;
Die Stunde
ohne Gott,
En. 1922;
Rödinka. E.
1923; Rainer
Maria Rilke
(Gedenkbuch),
1928; Mein
Dank an
Freud, Aut.
1931;
Lebensrückblick,
Aut.
1951/1968;
Briefwechsel
mit Rilke,
1952/1975;
In der
Schule bei
Freud, Tgb.
1958;
Briefwechsel
mit Sigmund
Freud, 1966;
Friedrich
Nietzsche,
Paul Rée und
Lou von
Salomé,
1970.
Friedrich
Nietzsche,
Paul Rée und
Lou von
Salomé. Die
Dokumente
ihrer
Begegnung,
hg. v. E.
Pfeiffer
1971.
– Der ital.
Komponist
Guiseppe
Sinopoli
schrieb eine
Oper über
Lou Salomé,
(Urauff.
1981).
Lit.: Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, München,
1981; rororo
Literatur-Lexikon
20. Jahrb.,
Hamburg,
1971;
dtv-Lexikon
der
Weltliteratur,
München,
1971;
Müller-Loreck,
L.: Die
erzählende
Dichtung L.
A.S.s. Ihr
Zusammenhang
mit der Lit.
um 1900. Hg.
v. Ulrich
Müller u.a.
Stg., 1976.
Arnfried
Thomas