Der
Dichtermusiker
Matthäus
Apelles von
Löwenstern
ist heute
lediglich
durch seine
Beiträge zum
evangelischen
Kirchenlied
bekannt. Das
Evangelische
Kirchengesangbuch
von 1950
wie das
Evangelische
Gesangbuch
von 1993
enthalten
das Lied
„Nun preiset
alle Gottes
Barmherzigkeit“,
dessen Worte
und Weise
von dem
geadelten
Schlesier
stammen.
Musikalisch
Gebildete
wissen
zudem, daß
Johann
Sebastian
Bach sieben
Kirchenlieder
von Apelles
für
4-stimmigen
Chor setzte.
Als
Notenbeilage
bieten wir
deshalb das
Lied „Singt
dem Herrn
ein neues
Lied“ in
zwei
Fassungen:
Die eine in
der
Originalnotierung
von 1644 für
Gemeindegesang
und
unbezifferten
Generalbaß
für die
Orgelbegleitung
und zum
anderen die
Fassung
Johann
Sebastian
Bachs für
4-stimmigen
Chor. Dabei
läßt sich
beobachten,
wie die
kirchentonartlich
geprägte
Originalfassung
ein
Jahrhundert
später in
der
Gesangbuch-Quelle
Bachs dem
Dur-Moll-System
angepaßt und
stellenweise
rhythmisch
verändert
war.
Als Sohn
eines
Sattlers
Appelt wurde
der
Dichtermusiker
im damaligen
Fürstentum
Oppeln
geboren. Als
Matthäus
Appelt
Neostadiensis
ist er 1610
bis 1613 als
Schüler des
Gymnasiums
in Brieg,
südöstlich
von Breslau,
nachweisbar.
Dort scheint
seine
musikalische
Begabung
gefördert
worden zu
sein. Das
von
Scultetus in
Hymnopoei
Silesiorum
(Wittenberg
1711)
behauptete
Studium an
der
Universität
Frankfurt an
der Oder
scheint
nicht
stattgefunden
zu haben,
denn die
Studie von
G.



Kliesch
Der Einfluß
der
Universität
Frankfurt/Oder
auf die
schlesische
Bildungsgeschichte
(Würzburg
1961) ergab
keinen
Studierenden
Appelt oder
so ähnlich.
Vielmehr
scheint er
in Neustadt,
später in
der
Nachbarstadt
Leobschütz
in den
Schul- und
Kirchendienst
getreten zu
sein. Hier –
die Zeit von
1613 bis
1625 belegt
– dürfte er
gottesdienstliche
Werke
geschaffen
haben, die
er erst
später
publizieren
konnte.
Einer
Berufung von
1620 an den
Hof des
Markgrafen
Johann Georg
von
Brandenburg
nach Troppau
ist er nicht
gefolgt,
möglicherweise
waren die
Wirren des
30jährigen
Krieges der
Grund dafür.
Die Stelle
in
Leobschütz
mußte Appelt
1625 im Zuge
der
Gegenreformation
aus
konfessionellen
Gründen
verlassen.
Doch hatte
er Glück im
Unglück,
denn er
erhielt
einen Ruf
des Herzogs
Heinrich
Wenzel von
Oels-Münsterberg.
In der
kleinen
Residenz
Bernstadt,
östlich von
Breslau,
übernahm er
die Aufsicht
über das
Schulwesen.
Da er sich
im
Verwaltungsdienst
bewährte,
wurden ihm
weitere
Aufgaben
übertragen.
1631
ernannte ihn
der Herzog
zum Rat und
Secretarius,
1634 erhob
ihn Kaiser
Ferdinand
II. in den
Adelsstand,
die Würde
eines
Kaiserlichen
Rats kam
hinzu. Da
seine
Ehefrau
Martha Adam
1636
gestorben
war,
verehelichte
er sich im
folgenden
Jahr zum
zweiten Mal.
Die Wahl
fiel auf
Barbara von
Tarnau und
Kühschmaltz,
die reiche
Erbin von
Langenhof
bei
Bernstadt.
Nach dem Tod
von Herzog
Heinrich
Wenzel im
Jahr 1639
vereinigte
dessen
Bruder und
Mitregent
Karl
Friedrich
das Oelser
Herrschaftsgebiet.
Wegen der
Unsicherheiten
und Plagen
des
30jährigen
Krieges
residierte
er im „Oelser
Haus“ in der
befestigten
Stadt
Breslau, so
daß auch
Matthäus
Apelles von
Löwenstern
dort gewohnt
haben
dürfte.
Breslau
erlebte in
jenen
Jahrzehnten
eine Blüte
seines
Musiklebens,
unter
anderen
wirkten
Samuel
Besler
(1574-1625),
Simon Besler
(1583-1633)
und
Ambrosius
Profe
(1589-1661)
in der
schlesischen
Metropole.
In diesem
Umkreis
lebte der zu
ansehnlichem
Wohlstand
gelangte
ehemalige
Lehrer und
Kantor als
Förderer von
Künstlern
und
Gelehrten,
als
Wohltäter
von Schulen
und als
hilfsbereiter
Freund der
Armen. Er
starb
54jährig an
der Gicht.
Seine
Hausorgel
vermachte er
der
Bernhardin-Kirche.
Als
Tonsetzer
betätigte
sich
Löwenstern
auf vier
Gebieten: er
verfaßte
evangelische
Kirchenlieder,
schrieb zu
einem
Schauspiel
Chormusik,
setzte
traditionelle
Motetten und
pflegte das
modische
Kirchenkonzert.
Die 30 Titel
seiner
Sammlung
Früelings-Mayen
von 1644
sind meist
zweistimmig
gesetzt
(Melodie und
Baß), einige
für
vierstimmigen
Chor
ausgearbeitet.
Sie
verbreiteten
sich rasch,
wie Johannes
Zahn in
Die Melodien
der
deutschen
evangelischen
Kirchenlieder
nachgewiesen
hat.
Löwenstern
trug auch
zur
Vorgeschichte
der Oper
bei, zu der
das
Sprechdrama
mit Musik
gehört. Das
Spiel
Judith
von Martin
Opitz (1635)
hatte
Andreas
Tscherning
um zwei Akte
erweitert.
Zugleich
damit
erschienen
1646 die von
Löwenstern
vertonten
Chöre dazu
im Druck.
Das sind
teils
homophone
Strophenlieder,
teils
imitatorisch
gearbeitete
Sätzchen.
Motetten
Löwensterns
liegen in
handschriftlichen
Stimmen in
der
Breslauer
Stadtbibliothek.
Für sie ist
man auf die
Beschreibung
in der
Dissertation
von Hugo
Steinitz
angewiesen,
der
Partituren
angefertigt
haben
dürfte.
Diese
Kompositionen
sind für
vier bis
acht Stimmen
auf
lateinische
oder
deutsche
Texte
gesetzt.
Steinitz
führt unter
anderem neun
achtstimmige
Sätze in
farbiger
Abstufung
von zwei
Chorgruppen
an.
Wiederholt
flocht
Löwenstern
Kirchlied-Melodien
in seinen
Satz ein.
Bei der
achtstimmigen
Motette
„Herr Gott
Israel“ ist
der Anlaß
bekannt: sie
war für die
Weihe des
Schlosses
Vielguth bei
Oels im
November
1628
bestimmt.
Die elf
Kirchenkonzerte
Löwensterns
sind in der
Art des
italienischen
Franziskaner-Paters
Ludovico
Grossi da
Viadana
(1564-1645)
gestaltet.
Grossi schuf
geringstimmige
Vertonungen
mit
sorgfältig
ausgerundeter
Melodik, die
lediglich
von Orgel zu
begleiten
sind. In den
unruhigen
Kriegsjahren
von
Löwensterns
Wirksamkeit
traten bei
der
Kirchenmusik
häufig
Besetzungsschwierigkeiten
auf. Wie der
deutsche
Großmeister
Heinrich
Schütz
verfaßte er
deshalb
Sätze mit
sparsamster
Besetzung.
Löwensterns
Kompositionen
sind
Gebrauchsmusik
im guten
Sinn des
Wortes.
Manche
Motetten und
Geistlichen
Konzerte
wären auch
für die
kirchenmusikalische
Praxis am
Ende des 20.
Jahrhunderts
brauchbar.
Doch
gehörten
dazu ein
fleißiger
Musikhistoriker,
der
Partituren
herstellte,
und ein
wagemutiger
Verleger,
der die
Kompositionen
im Druck
vorlegte.
Lit.:
Joh.
Gottfried
Walter:
Musicalisches
Lexicon,
Leipzig
1732, S. 368
f. – Hugo
Steinitz:
Über das
Leben und
die
Kompositionen
des Matthäus
Apelles von
Löwenstern,
Diss.
Rostock
1892. –
Johannes
Zahn: Die
Melodien der
deutschen
evangelischen
Kirchenlieder,
Bd. 5,
Gütersloh
1892, S.
416. –
Gerhard
Strecke:
Matthaeus
Apelles von
Löwenstern,
in: Der
Oberschlesier
9 (1927), S.
256-260. –
Peter
Epstein:
M.A.v.L.,
in:
Schlesische
Lebensbilder
3, Breslau
1928, S.
42-47. –
Musik und
Geschichte
und
Gegenwart 8,
Kassel [u.a.]
1960, Sp.
1117-1121. –
F. Feldmann:
Die
Schlesische
Kirchenmusik,
in: G.
Hultsch
(Hg.): Das
Ev.
Schlesien,
VI/2, Lübeck
1975, S.
80-82.
–
The New
Grove of
Music and
Musicians
11, London
1980, S.
289.
Rudolf
Walter