Der in Wien
geborene,
aus
nordböhmischer
Familie
stammende
Mediävist
Heinrich
Appelt hat
an der
Universität
seiner
Vaterstadt
Geschichte
studiert,
daneben noch
Kunstgeschichte
und
Germanistik.
Hier, in
Wien,
absolvierte
er auch von
1931 bis
1933 den 38.
Kurs des
Instituts
für
österreichische
Geschichtsforschung,
der die
Grundlagen
für seine
Ausbildung
in den
sogenannten
historischen
Hilfswissenschaften
legte. Seine
Hausarbeit
galt hier
den
gefälschten
Papsturkunden
des Klosters
St.-Benigne
in Dijon.
Die
landschaftliche
Ausrichtung
dieser
Themenstellung
läßt noch
nichts von
den
Arbeitsfeldern
verspüren,
denen sich
der junge
Historiker
bald
zuwenden
sollte,
ebensowenig
wie die
Dissertation
über die
Eigenklöster
des Bistums
Basel, mit
der er 1932
zum Doktor
phil.
promoviert
wurde. Wohl
aber wird in
ihnen der
Einfluß
seines
akademischen
Lehrers Hans
Hirsch
deutlich,
der in
seinem
wissenschaftlichen
Werk eine
enge
Verbindung
von
Diplomatik,
d.h. der
Urkundenwissenschaft
und
Urkundenkritik
mit Fragen
der
mittelalterlichen
Verfassungsgeschichte,
insbesondere
des
Hochmittelalters
praktizierte.
Es sind
diese
methodischen
Grundsätze,
die auch das
Oeuvre
Heinrich
Appelts
stets
geprägt
haben und
die er in
einer langen
Reihe von
Studien auf
Probleme der
Reichs- und
Landesgeschichte
angewendet
hat.
Nach
Abschluß des
Wiener
Studiums
holte Leo
Santifaller,
ebenfalls
ein
Absolvent
des Wiener
Instituts,
dessen
Leiter er
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
werden
sollte,
Heinrich
Appelt 1934
als
Assistenten
an die
Universität
Breslau.
Diese
Breslauer
Zeit hat für
die weitere
wissenschaftliche
Laufbahn
Heinrich
Appelts
entscheidend
die Weichen
gestellt.
Hier traf er
auf Hermann
Aubin,
dessen
interdisziplinäre
Konzeption
einer
geschichtlichen
Landeskunde
die von Hans
Hirsch
gelegten
Grundlagen
festigte und
noch
verbreiterte,
hier wuchs
er unter dem
Einfluß
Santifallers
noch stärker
in die
kritische
Arbeit an
den
mittelalterlichen
Urkunden
hinein,
indem er die
Hauptlast
der Arbeit
am neu
konzipierten
Schlesischen
Urkundenbuch
trug.
Mit einer
urkundenkritischen
Arbeit zu
den
Urkundenfälschungen
des Klosters
Trebnitz,
die zugleich
grundlegende
Studien zur
Verfassungsgeschichte
der
deutschen
Ostsiedlung,
insbesondere
der
deutschrechtlichen
Dörfer,
unternahm,
hat Heinrich
Appelt sich
1939 in
Breslau
habilitiert.
Ende 1943
wurde er aus
dem
Kriegsdienst
heraus zum
Nachfolger
Santifallers
auf dem
Lehrstuhl
für
mittelalterliche
Geschichte
ernannt und
hat das
Kriegsende
wie die
unmittelbare
Nachkriegszeit
in Breslau
erlebt und
überlebt.
Über diese
Zeit hat er
in
beeindruckenden,
nüchternen
und
scharfsichtigen
Erinnerungen
berichtet.
Im Sommer
1945 gelang
ihm die
Rückkehr
nach Wien,
wo er für
eine
Übergangszeit
als
Lehrbeauftragter
am Institut
für
österreichische
Geschichtsforschung
tätig war,
bevor er
1948 eine
außerordentliche,
später eine
ordentliche
Lehrkanzel
für
mittelalterliche
Geschichte
und
historische
Hilfswissenschaften
in Graz
übernahm.
1963 ist er
als
Ordinarius
an das
Wiener
Institut
zurückgekehrt,
das seine
wissenschaftlichen
Anfänge
geprägt hat,
und dort hat
er bis zu
seiner
Emeritierung
im Jahr 1980
gelehrt und
geforscht.
Sein Oeuvre
entfaltete
sich seit
der Berufung
nach Graz
und stellt
für die Zeit
seit dem
Zweiten
Weltkrieg
ohne Zweifel
die
glänzendste
Editionsleistung
in der
diplomatischen
Tradition
des Wiener
Instituts
dar. Er hat
1951 die
Neubearbeitung
der „Regesta
Imperii“
Johann
Friedrich
Böhmers für
die Zeit
Konrad II.
vorgelegt,
dann aber
die große
Aufgabe der
Edition der
Diplome
Kaiser
Friedrich
Barbarossas
in Angriff
genommen,
von der 1975
der 1. Band
erschien und
mit dem 5.
Band 1990
vollendet
wurde. Unter
seiner
Leitung ist
auch das
Urkundenbuch
der
Steiermark
energisch
weitergeführt
worden.
Parallel
dazu hat
Heinrich
Appelt
jedoch auch
die Arbeit
wieder
aufgenommen,
derentwegen
er 1934 nach
Breslau
gegangen
war.
Unbeirrt
durch die
Rückschläge,
die der
Verlust fast
aller
Vorarbeiten
mit sich
gebracht
hatte,
gestützt auf
die noch in
Breslau
angelegte
Fotosammlung
der
Überlieferung,
die vor
Kriegsende
nach Wien
überführt
worden war,
hat er die
Edition des
Schlesischen
Urkundenbuches
vorangetrieben
und durch
eindringende
Studien zur
Diplomatik
der
schlesischen
Urkunde und
zur
Rechtsgeschichte
der
deutschen
Siedlung in
Schlesien
begleitet.
1963 konnte
die erste
Lieferung
des Werks
erscheinen
und 1971 war
der erste
Band
abgeschlossen.
Seitdem hat
er die
Editionsarbeit
in jüngere
Hände
gegeben,
ohne das
Thema
Schlesien
aus dem Auge
zu
verlieren,
für dessen
Erforschung
er durch
seine
Editionsarbeit
eine sichere
Ausgangsbasis
geschaffen
hat.
Heinrich
Appelt ist
diese
außerordentliche,
durch
zahlreiche
quellenkritische
Untersuchungen
untermauerte
Leistung auf
dem Gebiet
der
Urkundenedition
durch
unermüdliche
Anstrengung
und
Konzentration
auf die
Aufgaben
gelungen,
die er sich
gestellt
hat. Fast
ebensoviel
verdankt das
Gelingen dem
Geschick des
akademischen
Lehrers,
geeignete
Mitarbeiter
auszubilden
und zu
selbständiger
Arbeit
heranzuziehen.
Mit ihnen
hat er in
Gemeinschaftsarbeit
„Teamwork“
in den
Geisteswissenschaften
geübt, lange
bevor
offizielle
Wissenschaftsförderung
solche
Verfahrensweisen
entdeckte.
Die
wissenschaftliche
Öffentlichkeit
hat ihm
diesen
rastlosen
Einsatz
gedankt,
indem sie
ihn in ihre
Vereinigungen
und Gremien
berief. Die
Österreichische
Akademie der
Wissenschaften
und die
Medieval
Academy of
America
machten ihn
ebenso zu
ihrem
Mitglied,
wie ihn die
Monumenta
Germaniae
Historica in
den Kreis
ihrer
Zentraldirektion
holten.
Selbstverständlich
war er auch
Mitglied der
Historischen
Kommission
für
Schlesien.
Seine
Schüler und
ehemaligen
Mitarbeiter
setzen heute
Teile seiner
Arbeit in
verschiedenen
Zusammenhängen
fort, unter
anderem im
Johann-Gottfried-Herder-Institut
bei der
Weiterarbeit
am
Schlesischen
Urkundenbuch.
Lit.: Zu
Leben und
Werk
Heinrich
Appelt vgl.
das
Schriftenverzeichnis
in:
Mitteilungen
des
Instituts
für
Österreichische
Geschichtsforschung
88 (1980),
Seite
164-169; 91
(1983),
Seite 516;
94 (1986),
Seite 520f.,
sowie die
Einleitung
der
Herausgeber
Othmar
Hageneder/Herwig
Weigl zu:
Heinrich
Appelt,
Kaisertum,
Königtum,
Landesherrschaft.
Gesammelte
Studien zur
mittelalterlichen
Verfassungsgeschichte
( =
Mitteilungen
des
Instituts
für
Österreichische
Geschichtsforschung,
Ergänzungsband
28)
Wien/Köln/Graz
1988, Seite
7-10;
weiter:
Heinrich
Appelt,
Erinnerungen
eines
österreichischen
Historikers
an die
Universität
Breslau
1944-45, in:
Jahrbuch der
Schlesischen
Friedrich-Wilhelm-Universität
zu Breslau
28 (1987),
Seite
365-380;
ders.,
Persönliche
Erinnerungen
an Hermann
Aubin, in:
Erinnerungen
an Hermann
Aubin
(1885-1969)
hg. v.
Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat
e.V.,
Marburg
1987, Seite
34-40;
Wolfgang
Weber,
Biographisches
Lexikon zur
Geschichtswissenschaft
in
Deutschland,
Österreich
und der
Schweiz,
Frankfurt/Main
1984, Seite
12f.
Peter
Johanek