Ernst Moritz
Arndt
stammte aus
Rügen, wo
sein Vater
Landwirt
war. Arndt
besuchte die
Gelehrtenschule
in
Stralsund.
Nach dem
Abschluß der
Schule
studierte er
von 1789 bis
1794
Geschichte,
Theologie
und
Sprachen,
schließlich
auch
Naturwissenschaften
in
Greifswald
und Jena. In
den Jahren
von 1798 bis
1799
unternahm er
eine
Bildungsreise,
die ihn nach
Österreich,
Ungarn,
Italien und
Frankreich
führte. Im
Jahre 1800
wurde er
Privatdozent
für
Geschichte
und
Philosophie
in
Greifswald,
1805
Professor.
Aber auch
dort hielt
es den
unruhigen
Geist nicht
lang, in den
Jahren von
1806 bis
1809 hielt
er sich in
Schweden
auf, wo er
Mitarbeiter
der
schwedischen
Gesetzeskommission
für Pommern
war. In den
Jahren von
1809 bis
1816 wurde
er
schließlich
bekannt als
einer der
namhaftesten
Mitstreiter
des
Freiherrn
vom Stein im
Kampf gegen
Napoleon. Im
Jahre 1818
war er
wieder als
Professor,
diesmal in
Bonn tätig.
Dort wurde
der
schwärmerische
Liberale, in
seiner
Sprache
bisweilen
sehr
drastisch
und
polemisch,
1820 wegen
sogenannter
„demagogischer
Umtriebe“
vom Amt
suspendiert.
Im Jahre
1822 wurde
zwar das
laufende
gerichtliche
Verfahren
gegen ihn
eingestellt,
doch bis zum
Jahre 1840
durfte er
keine
Vorlesungen
halten. Das
änderte sich
erst unter
dem
Regierungsantritt
Friedrich
Wilhelms IV.
Er wurde
wieder
eingesetzt
als
Professor.
Im Jahre
1848 war
Ernst Moritz
Arndt als
Abgeordneter
für Solingen
in der
Paulskirche
Anhänger der
preußischen
„Erbkaiserpartei".
Ernst Moritz
Arndt war
ein Kind der
Aufklärung,
der sich
gegen das
ancien
régime
wandte. So
war es nicht
verwunderlich,
daß er
zunächst auf
Seiten der
französischen
Revolution
im Jahre
1789 stand,
doch später
stieß ihn
diese
Bewegung ab.
Zu einer
theologischen
Tätigkeit
als Pastor
konnte er
sich nicht
durchringen.
Hervorhebenswert
ist, daß
Ernst Moritz
Arndt ein
typischer
Repräsentant
war, der
hin- und
hergeworfen
war zwischen
zwei
Nationen,
zwischen
Schweden und
Deutschland,
da ja die
Schweden
nach 1648 in
Vorpommern
Fuß gefaßt
und viele
Pommern im
18.
Jahrhundert
geprägt
hatten, wie
etwa auch
den
bekannten
Feldmarschall
Gebhard von
Blücher, der
auch noch
als
schwedischer
Untertan
geboren war
und seinen
militärischen
Dienst unter
schwedischen
Fahnen
begonnen
hatte. Im
Zuge der
nachfolgenden
Ereignisse
der
französischen
Revolution
bekannte
sich Arndt,
und nun in
besonders
krasser
Weise, zu
Deutschland.
Dennoch
blieb der
schwedische
Einfluß auch
weiterhin
erhalten.
Vor allem
ist Arndt
durch den
Schweden
Thomas
Thorild
beeinflußt,
der
seinerseits
von den
Deutschen
Geistern wie
Kant, Herder
und
Klopstock
beeinflußt
war. Doch
andererseits
fußte
Thorild
stark auf
einer
schwedischen
Volkstradition,
verbunden
mit einer
Forderung
nach
„germanischen
Rechtsideen“,
die zu einer
neuen
„Volksordnung“
führen
sollten.
Auch Ernst
Moritz Arndt
lehnte sich
hier im
romantischen
Sinne sehr
stark an. Im
Jahre 1808
schrieb er
„Versuch
einer
Geschichte
der
Leibeigenschaft
in Pommern
und Rügen“.
Diese
Schrift war
eine
Kampfschrift
gegen das
Bauernlegen
Gustavs IV.
Schweden und
führte mit
zur
Aufhebung
der
Leibeigenschaft
in Pommern
und Rügen im
Jahre 1806.
Ein
weiteres,
bekannteres
Werk war
„Germanien
und Europa",
das im Jahre
1803
erschien. Es
war eine
Kampfansage
gegen den
Geist Roms,
gegen den
Katholizismus,
der seiner
Auffassung
nach die
Zerstörung
der
griechischen
Harmonie
zwischen
Natur und
Geist, in
seiner
Verfallszeit
das
Christentum
und seit der
Renaissance
und
Reformation
die
verderbliche
Selbstgesetzlichkeit
des
Absolutismus
hervorgebracht
habe. Ernst
Moritz Arndt
huldigte dem
Ideal einer
vom
Einzelnen
innerhalb
eines Volkes
geübten
Humanität,
bei der dann
der Staat
das Volk
beschützen
sollte in
seinen
natürlichsten
Rechten, das
Volk, das
durch Klima
wie Sprache
in seinen
Grenzen
bestimmt
war. In
seinem Buch
„Fragmente
über
Menschenbildung“
(1805) ging
er von einer
Gutartigkeit
des Menschen
als
Grundlage
der
Erziehung
aus. Von
dieser These
ausgehend,
schuf er
auch sein
Buch „Geist
der Zeit“
(1806). Er
bekannte
sich in
diesem Buch
zum
Zusammenschluß
Nord- und
Süddeutschlands,
damit in
Gegensatz
geratend zu
Napoleonischen
Vorstellungen.
Arndt stand
stark unter
dem Einfluß
Skandinaviens
und der
Romantik,
die bei dem
Theologen
aufklärerisch-heidnische
Elemente
nicht
ausschlossen.
Ernst Moritz
Arndt trat
für die
„Uridee der
Volksfreiheit“
ein, bei der
sich die
germanischen
Völker,
hinweg über
alle Stände,
einigen
sollten,
etwa nach
dem Vorbild
der Schweiz.
Nach der
Flucht vor
der
Besetzung
Greifswalds
durch
französische
Truppen, im
Jahre 1806,
wurde er
stark durch
eine
Schwedin
beeinflußt,
Elisabeth
Maria von
Munk, die
ihn jetzt
zum
Christentum
führte. Zwar
war er immer
noch
skeptisch,
dennoch
näherte er
sich
vermeintlich
dem
Christentum.
Er faßte
Luther als
den Apostel
des
menschenfreundlichen
Christus in
seiner
ursprünglichen
Reinheit
auf.
Freilich
fühlte sich
Ernst Moritz
Arndt nicht
an die
Kirche
gebunden.
Seiner
Auffassung
nach mußte
sich der
Staat auf
die
„Volkskultur“
gründen.
In den
Schriften
und
Äußerungen
von Ernst
Moritz Arndt
verbanden
sich
germanische
und
christliche
Vorstellungen
zu einem
kaum zu
begreifenden
schwärmerischen
Gemisch.
In den
Jahren
zwischen
1812 und
1814 rief er
das deutsche
Volk zum
Kampf gegen
den
Antichristen
Napoleon
auf. Das war
die Zeit,
als
er
Mitstreiter
des
Freiherrn
vom Stein
war.
Zahlreiche
politische
Schriften
und Lieder
entstanden
in dieser
Zeit, etwa
„Katechismus
für den
deutschen
Kriegs- und
Wehrmann“,
„Was
bedeutet
Landsturm
und
Landwehr?"“,
„Der Rhein,
Deutschlands
Strom, nicht
Deutschlands
Grenze“,
„Was ist des
Deutschen
Vaterland?“,
„Der Gott,
der Eisen
wachsen
ließ“. Diese
Werke waren
geschaffen
für die
deutsche
Erhebung
gegen
Napoleon. In
der Schrift
„Was
bedeutet
Landsturm
und
Landwehr?“
heißt es
1813:
„... Nun, da
Gott den Weg
gewiesen
hat, müssen
alle Völker
sich
erheben, vor
allem aber
muß in allen
Landschaften,
Kreisen und
Gauen das
deutsche
Volk sich
erheben,
denn kein
Volk ist von
ihm
(Napoleon)
mehr
geschunden
und
gemißhandelt
worden, als
gerade das
deutsche
Volk.“
Zahlreich
sind Ernst
Moritz
Arndts
Schriften
allerlei
Inhalts, so
etwa auch
„über den
deutschen
Studentenstaat“
und den
„Entwurf der
Erziehung
und
Unterweisung
eines
Fürsten“.
Auch entwarf
er den Plan
„einer
deutschen
Gesellschaft“.
Auch dieser
war
verschroben
und ohne
alle
realistische
Einsicht.
Die deutsche
Gesellschaft
sollte in
lokalen
Bünden
zusammengeschlossen
sein.
Steinsche
Gedanken
eines alten
Ständestaates
flossen bei
den
Arndtschen
Vorstellungen
mit ein.
1858
erschienen
von Arndt:
Meine
Wanderungen
und
Wandelungen
mit dem
Reichsfreiherrn
vom Stein.
Ohne Zweifel
ist Arndts
Einfluß auf
die
Neoromantik
in Schweden
und
Deutschland
äußerst
stark
gewesen. Den
in
Frankreich
entstandenen
Nationalismus
hat er in
Deutschland
sehr stark
gefördert.
Vielleicht
geschah dies
nicht bewußt,
aber er
steht an der
Wiege des
deutschen
Nationalismus.
Deutschland
sollte den
Ausgleich
der
europäischen
Völkerideen
herbeiführen,
allerdings
eine
politische
Auswertung
im Sinne der
Herrschaft
über andere
Völker
lehnte Arndt
ab, da er
dies als
eine
Vergewaltigung
der von Gott
geschaffenen,
deshalb
unverletzlichen
Volkspersönlichkeit
ansah. Ein
„völkischer“
Gedanke
wuchs bei
Ernst Moritz
Arndt.
Schließlich
näherte er
sich sehr
stark dem
Staat
Preußen an,
nicht
zuletzt bis
zu einer
Freundschaft
mit
Gneisenau,
Jahn und den
Burschenschaftlern.
Dies brachte
ihn in
Gegensatz zu
dem einst
vertretenen
Liberalismus.
Ernst Moritz
Arndt schuf
auch
Kirchenlieder.
In den
Jahren
zwischen
1830 und
1840 wurde
er zum
Mahner
deutscher
Einigkeit.
Der Pommer
Ernst Moritz
Arndt
spiegelt in
besonderen
Weise die
Umbruchzeit
der ersten
Hälfte des
19.
Jahrhunderts
wider, die
weitreichende
Folgen
hatte.
Lit.: D.
Lange: Der
Dichter
Arndt. 1910.
E. Cremer:
Ernst Moritz
Arndt als
Geschichtsschreiber,
Kiel 1926. –
W. v.
Eichborn:
Ernst Moritz
Arndt und
das deutsche
Nationalbewußtsein.
1932. – H.
Plath: Ernst
Moritz Arndt
und sein
Bild vom
deutschen
Menschen.
1935. – L.
Haas: Arndt
und Stein,
Erlebnisse
und
Darstellungen.
Bonn 1946.
O.F. Bollnow:
Von Arndt
bis Fröbel.
1952.
Hubertus
Neuschäffer