Im vierten
Jahrzehnt
des 13.
Jahrhunderts
wurde an der
Ostsee
zwischen
unterer
Weichsel und
Peipussee
die
Grundlage
des
Deutschordensstaates
geschaffen,
der mehr als
dreihundert
Jahre lang
die
Geschichte
des
deutschen
Nordostens
bestimmte.
Der Mann,
der
praktisch
den Aufbau
dieses
Staatswesens
an Ort und
Stelle
leitete,
hieß Hermann
Balk.
Vorausgegangen
war seit 997
der
dreimalige
vergebliche
Versuch, die
ostbaltischen
Heiden in
diesem Raum
friedlich zu
missionieren,
gecheitert
an
gewaltsamer
heidnischer
Reaktion
gegen die
Neugetauften
Der
polnische
Herzog
Konrad von
Masowien
hatte darauf
den
Deutschen
Orden zum
Schutz
herbeigerufen,
dessen
Hochmeister
Hermann von
Salza das
Werk eines
neuen
Ordensstaates
plante und
durch
Privilegien
des Herzogs,
des
Staufenkaisers
Friedrich
II. und des
Papstes
Gregor IX.
rechtlich
vorbereitete
und
absicherte.
1230 wurde
vom
Generalkapitel
des Ordens
Hermann Balk
mit der
Durchführung
beauftragt.
Er stammte
wohl aus dem
Soester
Gebiet, war
vermutlich
um 1190
geboren.
1223 wird er
zuerst
urkundlich
genannt. Mit
fünf
Ordensrittern
und einer
kleinen
Mannschaft
brach er
1230 auf,
errichtete
eine kleine
Befestigung
Vogelsang,
überschritt
die Weichsel
und gründete
1231 Thorn
im dem Orden
geschenkten
Kulmerland.
Bis 1238
wurden die
heidnischen
Prußen
weichselabwarts
zurückgedrängt,
in schneller
Folge die
Burgen Kulm,
Marienwerder,
Rehden und
Elbing
angelegt. In
Thorn und
Kulm
gründete der
zum
Landmeister
ernannte
Balk zwei
Städte mit
deutschen
Siedlern, in
Elbing eine
dritte mit
der Hilfe
der über See
kommenden
Lübecker.
Entlang der
Weichsel war
damit das
Rückgrat des
preußischen
Deutschordensstaates
geschaffen,
drei der
später auf
sechs
angewachsenen
großen
Handelsstädte
errichtet.
Kulm und
Thorn
verlieh
Hermann Balk
am
28.12.1233
namens des
Hochmeisters
Hermann von
Salza die
Kulmer
Handfeste
als
Rechtsurkunde
und schuf
damit auch
für das Land
das fortan
geltende
Recht.
Elbing
erhielt
hingegen das
Lübische
Recht. 1234
wurden die
Preußen in
Pomesanien
an der
Sirgune
geschlagen.
In Schlesien
wo der
Meister 1232
für Preußen
warb, hat er
auch die
ersten
deutschen
Siedler für
die Städte
Kulm und
Thorn
gewonnen.
Auch die
ländliche
Siedlung
setzte Balk
in Gang, als
er im Januar
1236 den
Edelherrn
Dietrich von
Depenow mit
Klein Quedin
bewidmete.
1230/21,
sobald der
Deutsche
Orden an der
Weichsel
erschienen
war, setzten
auch die
Bemühungen
des in
Livland 1202
tätigen der
dort bereits
über ein
ansehnliches
Gebiet von
Kurland bis
zum
Finnischen
Meerbusen
verfügte, um
eine
Vereinigung
mit dem
Deutschen
Orden ein.
Die
Schwertbrüder
versprachen
sich
Vorteile von
der ihnen
fehlenden
Besitz- und
Nachschubbasis
der
Deutschordensritter
im Altreich,
von deren
weitergehenden
Privilegien
und eine
Sicherung
ihres von
dem
dänischen
König
Waldemar II.
angefochtenen
nordestnischen
Territorialbesitzes.
Hermann Balk
nahm 1235
zeitweise an
den
langwierigen
Verhandlungen
teil. Im
gleichen
Jahr wurde
östlich vom
Kulmerland
der
rivalisierende
kleine
Ritterorden
von Dobrin
(seit 1228)
durch
päpstlichen
Spruch dem
Deutschen
Orden
inkorporiert
und so
ausgeschaltet.
Als die
Schwertbrüder
durch die
vernichtende
Niederlage
von Saule in
Litauen 1236
unersetzliche
personelle
Verluste
hatten
hinnehmen
müssen und
Semgallen,
halb Kurland
und Ösel
durch
Aufstände
verlorengingen,
gelang dem
Hochmeister
durch sein
diplomatisches
Geschick am
14. Mai 1237
die
Ordensvereinigung
durch
päpstlichen
Spruch.
Hermann Balk
wurde im
Sommer 1237
vom
Generalkapitel
in Marburg
auch zum
Meister in
Livland
ernannt und
brach mit 60
Ordensrittern
und einem
kleinen Heer
von Knappen
und Pilgern,
vom Kaiser
finanziell
unterstützt,
an die Düna
auf. Unter
Vermittlung
des
päpstlichen
Legaten
Wilhelm von
Modena löste
er geschickt
die
undankbare
Aufgabe, dem
überlebenden
Teil der
Schwertbrüder
die
Preisgabe
Nordestlands
an den
dänischen
König
abzuringen,
die vom
Papst
angeordnet,
vom Kaiser
aus
politischen
Gründen
nicht
bestritten
und den
Umständen
nach
unumgänglich
war.
Balk führte
in Livland
die
Ordensvereinigung
faktisch
durch,
errang für
den Orden
eine
Gebietsvergrößerung
in der Wiek
und
finanzielle
Verbesserungen
im
Livengebiet
und
bereitete
auch die
Rückbehaltung
der großen
nordestnischen
Landschaft
Jerven für
den Orden
vor. Am 13.
Januar 1238
setzte er
durch
Besitzverleihung
den neuen
Missionsorden
der
Dominikaner
in Elbing
an, und am
7. Juni 1238
schloß er
unter
Vermittlung
des Legaten
Wilhelm in
Stensby auf
Seeland den
Vertrag, in
dem der
Orden
Harrien und
Wierland,
die
nordestnischen
Landschaften,
an Waldemar
II.
zurückgab,
der
seinerseits
auf Jerwen,
Ösel und die
Wiek
verzichtete,
ein
diplomatisches
Meisterstück.
Vor dem
Unwillen der
überlebenden
Schwertbrüder
mußte der
Meister
allerdings
dann im
Sommer aus
Livland
weichen, im
Februar 1239
finden wir
ihn in
Würzburg, am
5. März,
wohl des
gleichen
Jahres, ist
er
gestorben,
nach einem
Jahrzehnt
aufreibender
Einsätze und
Reisen. Das
von ihm
errichtete
Staatswesen
wuchs weiter
und
überdauerte
drei
Jahrhunderte,
es führte
das Land zu
hoher
kultureller
Blüte. Die
Anfänge der
späteren
deutschen
Provinzen
Ost- und
Westpreußen
sind Hermann
Balks Werk.
Lit.:
Walther
Hubatsch,
Hermann
Balk(e), in:
Neue
Deutsche
Biographie.
– F.
Benninghoven,
Der Orden
der
Schwertbrüder.
Fratres
milicie
Christi de
Livonia.
(Ostmitteleuropa
in
Vergangenheit
und
Gegenwart,
Bd. 9).
Köln, Graz
1965, s.
Register,
mit
Hinweisen
auf die
ältere
Literatur.
Friedrich
Benninghoven