30. Juni
1139 starb
Bischof Otto
I. von
Bamberg. An
jenem Tage
endete ein
Leben, das
für das
Bistum
Bamberg von
erheblicher
Bedeutung
ist, in der
Geschichte
Pommerns
jedoch einen
unauslöschlichen
Platz
einnimmt.
In den
sechziger
Jahren des
11.
Jahrhunderts
als Sproß
einer im
Nordostteil
der
Schwäbischen
Alb
beheimateten
adligen
Familie
geboren, für
den
geistlichen
Stand
bestimmt,
früh
verwaist,
war Otto um
1090 mehrere
Jahre lang
Kaplan der
Kaiserschwester
Judith, die
mit Herzog
Władisław
Hermann von
Polen
verheiratet
war. Nach
Ottos
Rückkehr aus
Polen zog
ihn Kaiser
Heinrich IV.
bald an
seinen Hof,
übertrug ihm
etwas später
die Leitung
des bereits
begonnenen
Speyerer
Dombaues und
erhob ihn
Anfang 1102
zum Kanzler
des
deutschen
Reiches.
Zweimal
hatte Otto
bereits die
Übernahme
eines
Bistums aus
der
kaiserlichen
Hand
abgelehnt,
als Kaiser
Heinrich IV.
ihm am
Weihnachtsfest
des Jahres
1102 in
Mainz das
Bistum
Bamberg
übertrug,
ohne daß
Otto
ernsthaft
widersprach.
Otto ergriff
nun von
seinem neuen
Amt zwar
Besitz, bat
aber den
Papst um
Bestätigung.
Insgesamt
gesehen
gelang es
Ottos
diplomatischem
Geschick,
bei seiner
eigenen
Bischofsinvestitur,
die erst
1106
abgeschlossen
war, Kaiser
und Papst
einen für
beide Seiten
gangbaren
Weg zu
zeigen.
Ottos
Übernahme
des
Bamberger
Bistums
stellte ein
Modell der
Lösung des
Investiturstreits
dar, und
manches
Element
dieser
praktischen
Einigung von
Kaiser und
Papst findet
sich im
Wormser
Konkordat
tatsächlich
wieder. Im
Bistum
Bamberg, das
in der Zeit
des
Investiturstreits
erhebliche
Schäden
verschiedener
Art erlitten
hatte, fand
Bischof Otto
ein
vielfältiges
Arbeitsfeld
vor.
Begünstigt
durch die
Langjährigkeit
seines
Episkopats,
sorgte er
mit Erfolg
für die
äußere
Sicherheit,
beseitigte
die
Zuchtlosigkeit
in Teilen
der
Weltgeistlichkeit
und des
Mönchstums,
gründete
verschiedene
Klöster, gab
der
Bamberger
Domschule
ihr früheres
Ansehen
zurück,
baute den
Bamberger
Dom und die
Kirche des
Bamberger
Klosters
Michelsberg
wieder auf.
Als
Reichsfürst
war er um
einen
Ausgleich
zwischen den
kaiserlichen
und den
päpstlichen
Interessen
bemüht und
genoß unter
seinesgleichen
hohes
Ansehen.
War das
Leben Ottos
von Bamberg
in seinen
ersten sechs
Jahrzehnten
segensreich,
mit etlichen
Erfolgen
ausgestattet
und auch von
Bedeutung
für das
deutsche
Reich
gewesen, so
hatte es
seinen
Höhepunkt
doch bei
weitem noch
nicht
erreicht.
Erst die
letzten 16
Jahre des
Lebens
Bischof
Ottos I. von
Bamberg sind
mit einer
späteren
ostdeutschen
Landschaft,
nämlich
Pommern,
verbunden.
Das
Epitheton
Ottos von
Bamberg,
Apostel der
Pommern,
offenbart
sein Werk
und die
Bedeutung
Ottos in der
pommerschen
Geschichte.
1123 wurde
Bischof Otto
von Herzog
Bolesław
III. von
Polen, der
die
Pomeranen
unter Herzog
Wartislaw I.
unterworfen
und zur
Annahme des
Christentums
verpflichtet
hatte,
gebeten,
diese zu
missionieren.
Nach
sorgfältigen
politischen
und
organisatorischen
Vorbereitungen
reiste
Bischof Otto
mit etlichen
Bamberger
Priestern
und
Begleitern
1124 über
Prag,
Breslau und
Gnesen nach
Pommern. Er
missionierte
in Pyritz,
Cammin,
Wollin,
Stettin,
Garz auf
Usedom,
Lebbin,
Cloden,
Kolberg und
Beigard
(Persante),
ordnete dort
den Bau je
einer Kirche
– für
Stettin und
Wollin je
zweier
Kirchen – an
und ließ an
ihnen – fast
ausnahmslos
deutsche –
Priester
zurück.
Die
Ausdehnung
des
Herrschaftsbereichs
des
Pommernherzogs
Wartislaws
I. in den
Peeneraum
hinein und
eine religiöse
Reaktion
machten
1128 eine
zweite
Pommernreise
Ottos von
Bamberg
erforderlich.
Das
Hauptereignis
dieser
Fahrt, über
die der
deutsche
König seine
schützende
Hand hielt,
war der
Usedomer
Landtag, auf
dem
die Großen
des neuen
Landesteils
das
Christentum
annahmen.
Bis
zu seinem
Tode
unterstützte
und leitete
Bischof Otto
die junge
pommersche
Missionskirche;
denn trotz
aller seiner
Bemühungen
wurde kein
Bistum für
Pommern
errichtet.
Das geschah
erst
1139/40.
Die beiden
Missionsfahrten
Bischof
Ottos,
dessen
langjährige
Zuständigkeit
für Pommern
und das
Wirken
etlicher
Priester aus
der
Bamberger
Diözese in
Pommern
hatten die
Übertragung
ausgeprägt
Bamberger
Kultformen
auf Pommern
zur Folge,
die
jahrhundertelang
wirksam war.
Bischof
Ottos
Sarkophag
steht im
Bamberger
Kloster
Michelsberg,
dem der
Entschlafene
jahrzehntelang
stark
verbunden
war. Bald
nach seinem
Tod wurden
drei
Otto-Biographien
verfaßt;
sie sind
übrigens
vorzügliches
Quellenmaterial
für die
frühe
pommersche
Geschichte.
1189 wurde
Bischof Otto
I. von
Bamberg
heiliggesprochen.
Lit.:
Paul
Großkopf,
Otto von
Bamberg, der
Pommernapostel,
Berlin 1913.
– Hellmuth
Heyden,
Kirchengeschichte
Pommerns
1,2. umgearb.
Aufl.
(Osteuropa
und der
deutsche
Osten III
5),
Köln-Braunsfeld
1957, insb.
S. 6-16 u.
20f. . –
Roderich
Schmidt,
Pommern und
seine Kirche
im Wandel
der
Geschichte.
Betrachtungen
zur
gegenwärtigen
Situation,
Leer 1977,
S. 20 u.
29f. –
Jürgen
Petersohn,
Der südliche
Ostseeraum
im
kirchlich-politischen
Kräftespiel
des Reichs,
Polens und
Dänemarks
vom 10. bis
13.
Jahrhundert.
Mission –
Kirchenorganisation
–
Kultpolitik
(Ostmitteleuropa
in
Vergangenheit
und
Gegenwart
17), Köln
Wien 1979,
S. 213-258,
262-277,
456-472. –
Dietmar
Lucht,
Pommern und
das Reich
vom Beginn
des 12.
Jahrhunderts
bis zum
Jahre 1181,
Baltische
Studien NF
70 (1984),
S. 8-13.
Dietmar
Lucht