Henning
Friedrich
von
Bassewitz
wurde als
Sohn eines
Gutsbesitzers
und
Landrates
auf dem Gut
Dalwitz im
nordöstlichen
Mecklenburg
geboren. Die
Bassewitz
waren in
Mecklenburg
eine der
alteingesessenen,
ritterschaftlichen
Familien.
Als
Landrat
beiden
Seiten
verpflichtet,
sowohl der
Ritterschaft
als auch dem
Landesherrn,
versuchte
Philip Cuno
von
Bassewitz,
der Vater
Henning
Friedrichs,
zwischen
diesen
Parteien zu
vermitteln,
die
Streitigkeiten
zwischen
ihnen zu
schlichten,
als, um die
Wende vom
17. zum 18.
Jahrhundert,
der
mecklenburgische
Herzog mit
aller Gewalt
versuchte,
die
ständischen
Privilegien
zu
beschneiden.
Philip Cuno
von
Bassewitz
folgte dem
Grundsatz:
“Ein
Edelmann muß
treu und
artig dem
Fürsten
dienen, doch
sein
Vaterland
und sich nie
unterdrücken
lassen.”
Henning
Friedrich
von
Bassewitz
hat stets
betont, daß
er sich
dieser
Maxime
seines
Vaters
angeschlossen
habe. Im
Jahre 1703
war er
zunächst als
Kammerjunker
in die
Dienste
seines
Landesherrn,
Friedrich
Wilhelm von
Mecklenburg-Schwerin,
getreten, da
dieser
seinem Vater
erklärt
hatte, er
könne den
Sohn eines
seiner
verdientesten
Vasallen
nicht einem
fremden
Herrn
überlassen.
Nicht zu
vergessen
ist, daß
damals
turbulente
Zeiten
herrschten.
Der
Nordische
Krieg
(1700–1721)
bestimmte
den
Ostseeraum.
Im Jahre
1710 verließ
Bassewitz
den
mecklenburgischen
Dienst und
ging nach
Holstein.
Gerade in
jenem Jahr
spitzte sich
die
Auseinandersetzung
zwischen dem
mecklenburgischen
Herzog und
der
Ritterschaft
zu, so daß
es naheliegt
anzunehmen,
daß
Bassewitz
aus diesen
Gründen den
mecklenburgischen
Hof verließ.
Denn als
Ständevertreter
befand er
sich in
einer
Doppelrolle,
die zu
starken
Interessenkollisionen
führen mußte.
Im übrigen
hatte
Henning
Friedrich
von
Bassewitz im
Jahre 1703
geheiratet.
Der
22jährige
schrieb im
Jahre 1702
an seinen
Vater: “Ich
laß mir
alles
gefallen,
muß aber
gestehen,
daß oft
diverse
Gedanken
führe, in
dem fast die
edle
Freiheit gar
zu zeitig
und zu
wohlfeil
verliere,
ist es aber
von Gott
ausersehen,
und meiner
Eltern Will,
so zweifle
nicht, es
werde ein
erwünschtes
Ende nehmen.
Doch wollte
wohl nicht
gern den
Dienst ganz
quittieren,
sondern
meine die
Gage so
jetzso habe
zu behalten,
und dann nur
auf
Verlangen
meine Cour
zu
machen, damit ich doch dermal einst zu großer Honneur gelange.”
Bassewitz’
Frau war
Anna Maria
von
Clausenheim,
Tochter
eines Ende
des 17.
Jahrhunderts
nobilitierten
holsteinischen
Etatsrats
und Domherrn
zu Hamburg,
Clausen,
dessen
Bruder und
dessen Neffe
im Dienste
des späteren
Herzogs Karl
Friedrich
von
Schleswig-Holstein-Gottorf
standen.
Bassewitz
bemerkte
selbstironisch,
bringe seine
Frau auch
wenig Ahnen,
so bringe
sie dafür
ein nicht
unbeträchtliches
Kapital mit
in die Ehe.
Ahnen habe
er selbst
genug.
Bassewitz
war im
übrigen im
weiteren
Leben des
Lobes voll
für seine
Frau. Aus
der Ehe
gingen elf
Kinder
hervor. Als
Bassewitz
für sich und
seine
Nachkommen
im Jahre
1726 in den
Grafenstand
des Heiligen
Römischen
Reiches
deutscher
Nation
erhoben
wurde,
erfuhr das
ursprüngliche
Bassewitzsche
Wappen des
aufrecht
stehenden
Keilers eine
Erweiterung
um den
Clausenheimschen
Palmenbaum
und die
estländischen
und
livländischen
Landesembleme,
da Bassewitz
in Estland
und Livland
Güterbesitz
erworben und
von der
Zarin
Katharina I.
verliehen
bekommen
hatte.
Im Jahre
1710 wurde
Henning
Friedrich
von
Bassewitz
bereits
Landrat und
Amtmann von
Husum und
Schwabstedt,
herzoglich
holsteinischer
Ämter. Die
Amtmannstelle
bedeutete
für
Bassewitz
neben einer
großen
Befugnis auf
rechtlichem
und
verwaltungstechnischem
Gebiet auch
und vor
allem eine
finanzielle
Einnahmequelle.
So war es
nicht
verwunderlich,
daß
Bassewitz
mit seinem
Vorgänger,
dem Etatsrat
von Baner,
ein Abkommen
geschlossen
hatte,
wonach
dieser ihm
die
genannten
Ämter gegen
einen
Vorschuß von
5000 Talern
und Zahlung
noch
weiterer
8000 mit
höherer
Genehmigung,
d.h. der des
Herzogs,
abtrat.
Bassewitz
hatte aber
Gutsbesitz
in
Mecklenburg.
Diese Güter
wurden seit
1710 von
seinem
Bruder
Joachim Otto
von
Bassewitz
übernommen.
Dieser
ordnete sich
den Plänen
des Bruders
völlig unter
und wirkte
auch als
Landwirt. In
zahlreichen
Briefen
haben die
Brüder über
landwirtschaftliche
Fragen
korrespondiert.
Im Jahre
1714 mußte
Henning
Friedrich
von
Bassewitz
für kurze
Zeit ein
zweites Mal
den Dienst
quittieren –
nachdem er
bereits
infolge der
Ausführung
eines
diplomatischen
Auftrages in
St.
Petersburg
schon einmal
seinen
Posten
verlassen
hatte –, da
er einen
großen
Konkurrenten
in dem
Hessen und
damaligen
holsteinischen
Premierminister
Georg
Heinrich
Freiherr von
Schlitz,
genannt von
Goertz,
hatte.
Dieser war
beim Vormund
des jungen
Fürsten, dem
Fürstbischof
Christian
August von
Lübeck, dem
Administrator
der
herzoglichen
Lande, in
Diensten.
Doch
schließlich
gelangte
Bassewitz
wieder an
die Macht,
nachdem
Goertz durch
seine
gewaltsame
Politik
gescheitert
und im Jahre
1718 in
Schweden
hingerichtet
worden war.
Bassewitz
trat also
wieder in
holsteinische
Dienste und
wurde nun
engster
Berater und
Mitarbeiter
des
holsteinischen
Herzogs Karl
Friedrich
(1700–1739),
dessen Sohn
Karl Peter
Ulrich
sowohl
Thronprätendent
der
schwedischen
als auch der
russischen
Krone werden
sollte.
Bassewitz
hat von 1718
bis 1733 in
holsteinischem
Dienste
gestanden
und die
holsteinische
Politik
maßgeblich
gestaltet.
Doch
nebenbei hat
er in jener
Zeit durch
seinen
Bruder immer
wieder
versucht, in
Mecklenburg,
im alten
“Bassewitzdistrikt”
südlich von
Gnoien,
Güter zu
erwerben.
Wie bereits
bemerkt,
hatte er
auch in
Livland und
Estland
Güter
erworben,
die als
russische
Ostseeprovinzen
mit
deutscher
Verwaltungssprache
seit 1721
zum
Russischen
Reich
gehörten.
Bassewitz
wurde in die
estländische
Ritterschaft
aufgenommen.
Er selbst
hat sich mit
seinem
Herzog, der
1725 die
Tochter des
russischen
Zaren Peter
des Großen,
Anna
Petrovna,
heiratete,
sieben Jahre
im
Russischen
Reich
aufgehalten,
und es ist
auf ihn
zurückzuführen,
daß
dynastische
Beziehungen
zwischen dem
Haus
Schleswig-Holstein-Gottorf
und Romanov
angebahnt
wurden. Nach
dem Tode
Peters des
Großen 1725
haben Herzog
Karl
Friedrich
und
Bassewitz
unter der
Zarin
Katharina I.
sehr großen
politischen
Einfluß
gehabt, was
auch dazu
geführt hat,
daß sie 1727
nach deren
Tod das
Russische
Reich
verlassen
mußten.
Die
Bedeutung
von
Bassewitz
für den
Verlauf der
Geschichte
des
Herzogtums
Holstein-Gottorf
liegt damit
vor allem
auf
auswärtigem
Gebiet. Das
kleine
Herzogtum
geriet
damals in
die Strudel
der großen
Politik, in
die
Auseinandersetzungen
der
Ostseeländer
Dänemark,
Schweden und
Rußland
hinein. Die
politischen
Ansprüche
des
Holsteiner
Herzogs
gegenüber
Dänemark
sollten mit
Hilfe
Schwedens
und Rußlands
erfüllt
werden. Im
Ergebnis
wurde der
Sohn des
Herzogs Karl
Friedrich,
Peter, im
Jahre 1742
russischer
Thronerbe
und
russischer
Großfürst –
und
schließlich,
bereits nach
dem Tode von
Bassewitz,
im Jahre
1761
russischer
Zar. Das
herzogliche
Haus
Schleswig-Holstein-Gottorf
war auf den
russischen
Thron
gelangt und
blieb dort
bis 1917.
Bassewitz
hatte die
letzten 15
Jahre seines
Lebens
wieder in
Mecklenburg,
auf dem
Hauptgut
Prebberede,
gelebt. Als
Landespolitiker
und als
Klosterhauptmann
von
Dobbertin
war er bis
zum Ende
seines
Lebens für
das Wohl des
Landes tätig
gewesen.
Lit.:
Peter
Friedrich
Arpe: Das
verwirrte
Cimbrien, in
der
merkwürdigen
Lebensbeschreibung
Herrn H. F.
Grafen von
Bassewitz.
Kiel 1771. –
Aus dem
Leben des
Reichsgrafen
Henning
Friedrich
von
Bassewitz
mit einigen
Nachrichten
über die
Familie
Bassewitz
Wendischer
Linie. Hrsg.
Adolph Graf
von
Bassewitz.
o.O. 1858. –
Julius von
Maltzan:
Einige gute
Mecklenburgische
Männer.
Wismar 1882.
– Robert
Pries: Das
Geheime
Regierungs-Conseil
in
Holstein-Gottorf
1716-1773.
Neumünster
1955. –
Hubertus
Neuschäffer:
Die
Doppelrolle
des Adels
als
Gutsbesitzer
und
Staatsdiener.
In:
Staatsdienst
und
Menschlichkeit.
Hrsg. C.
Degn, D.
Lohmeier.
Neumünster
1980,
S. 103-127.
– Ders.:
Artikel über
HFB in:
Schleswig-Holsteinisches
Biographisches
Lexikon. Bd.
5.
Neumünster
1979. – Ders.:
Henning
Friedrich
Graf von
Bassewitz
(1680-1749).
Zur
Rußlandpolitik
eines
schleswig-holsteinischen
Premierministers.
In:
Schleswig-Holstein.
2/78, S.
7-10. Husum
1987. –
Svetlana
Dolgova,
Marina
Osekina:
Henning
Friedrich
Graf von
Bassewitz.
In: Die
Gottorfer
auf dem Weg
zum
Zarenthron.
Hrsg. M.
Lukitschev,
R. Witt. S.
21-26.
Schleswig
1997. –
Hubertus
Neuschäffer:
Der
Mecklenburger
Henning
Friedrich
Graf von
Bassewitz
1680-1749.
Schwerin
1998.
Bilder:
Kupferstich
18. Jhdt.
(im Besitz
des Verf.,
hier
abgebildet);
Ölgemälde
(unbekannter
Meister) im
Bildarchiv
des
Schlosses
Gripsholm/
Schweden;
Ölgemälde
(unbekannter
Meister) im
Bildarchiv
des
Schlosses
Hesselby in
Schweden.
Hubertus
Neuschäffer