Nach dem
Abitur am
Domgymnasium
in Kolberg
(Ostern
1898)
studierte
Felix
Wilhelm
Behrend im
Hauptfach
Bauingenieurwesen
an der
Technischen
Hochschule
in Berlin.
Nach acht
Semestern
wechselte er
im Sommer
1902 an die
Universität
Halle-Wittenberg,
wo er seine
Ausbildung
mit der
Promotion
zum Dr. phil.
aufgrund der
Dissertation
Psychologie
und
Begründung
der
Erkenntnislehre
am 29.
Oktober 1904
abschloss.
Im Studium
hatte ihn
besonders
der
Philosoph
Paul Natorp
(1854-1924),
ein
Hauptvertreter
des
Neukantianismus,
beeinflusst.
Später
fühlte er
sich ihm und
dem
Pädagogen
Friedrich
Paulsen
(1846-1908)
besonders
verbunden.
Nach den
Ausbildungsjahren
wurde er
Oberlehrer
in
Berlin-Charlottenburg,
nahm aber
auch am
gesamten
Ersten
Weltkrieg
teil,
zuletzt als
Leutnant.
Danach
suchte
Behrend als
Lehrer seine
pädagogischen
Ideen zu
verwirklichen.
Während des
Studiums war
er einer der
Führer der
freien
Studentenschaft
gewesen, die
sich in
Freiheit und
Selbstverantwortung
als
akademische
Bürger der
gesamten
Gemeinschaft
der
Universität
verpflichtet
fühlten. Die
Vorstellungen
dieses
Kreises
stellte er
in Der
freistudentische
Ideenkreis
(1907) vor.
Nach dem
Ersten
Weltkrieg
begann er,
außerhalb
der Schule
aktiv an der
Verwirklichung
seiner
Vorstellungen
zu arbeiten.
Seit 1919
war er
Mitglied im
geschäftsführenden
Ausschuss
des
Deutschen
und
Preußischen
Philologenverbandes
und wirkte
auf dem
Philologentag
in Kassel im
Jahre 1919
entscheidend
an der
Neuorganisation
dieses
Verbandes
mit, dessen
2.
Vorsitzender
er wurde.
Vor 1918 war
der Verband
mehr eine
Vertretung
von Berufs-
und
Standesinteressen
gewesen;
nach 1918
standen
jedoch
schulpolitische
Fragen im
Mittelpunkt,
die mit
Hilfe
persönlicher
Verbindungen
und der
Presse an
vielen
Stellen in
der
Öffentlichkeit
erörtert
wurden. So
gelang es
Behrend und
dem
Philologenverband,
radikale
Umstürzler
abzuwehren
und zugleich
den Ideen
einer
notwendigen
Reform zum
Durchbruch
zu
verhelfen.
Auf der
Reichsschulkonferenz
von 1920
erreichte
man es, dass
die
vierjährige
Grundschule
und die
neunjährige
höhere
Schule
bestehen
blieben,
wobei der
Unterricht
der
Oberstufe
der höheren
Schule ganz
im Sinne von
Behrend
aufgelockert
gestaltet
werden
sollte.
Später
wandte er
sich scharf
gegen Teile
der Reformen
des
preußischen
Kultusministers
Hans Richert
(1869-1940),
der alle
Schultypen
auf eine
einheitliche
nationale
Bildung
auszurichten
suchte.
Behrend
setzte sich
dagegen für
die
Beibehaltung
mehrerer
Reformtypen
der höheren
Schule ein,
die seiner
Meinung nach
ihren
besonderen
Beitrag in
der Bildung
leisteten.
Da der
Philologenverband
eng mit den
zuständigen
Ministerien
des
Deutschen
Reiches und
der Länder
zusammenarbeitete,
wurde
Behrend 1922
für ein Jahr
zur Beratung
in das
preußische
Ministerium
für
Wissenschaft,
Kunst und
Volksbildung
berufen.
Hier konnte
er
erreichen,
dass die von
ihm
erarbeiteten
Erlasse mit
Richtlinien
für die
Schülerselbstverwaltung
und die
Konferenzordnung
für Schulen
in Kraft
traten,
Richtlinien,
die nach
1945 zum
Teil
übernommen
wurden.
Seit 1925
war Behrend
als
Oberstudiendirektor
Leiter des
Kaiser-Wilhelm-Realgymnasiums
in
Berlin-Neukölln
und konnte
hier die
Ideen der
Schülerselbstverwaltung
und auch die
freie
Gestaltung
der
Oberstufe im
Sinne der
Arbeitsschule
Georg
Kerschensteiners
(1854-1932)
verwirklichen.
Um den
drohenden
Sparmaßnahmen
an Schulen
entgegenwirken
zu können,
erarbeitete
Behrend für
die
Verbandstagung
des
Philologenverbandes
im Jahre
1927 in
Schülerzahlen
und
Klassenzahlen
an den
höheren
Knabenschulen
Preußens von
1896 bis
1927
Unterlagen,
durch die
nachgewiesen
wurde, dass
zwar die
Zahl der
Schüler
nicht
wesentlich
zugenommen
hatte, dass
aufgrund der
schlechten
Lage am
Arbeitsmarkt
aber mehr
Schüler bis
zum Abitur
blieben,
nicht wegen
gesunkener
Abituranforderungen,
sondern um
nicht
frühzeitig
arbeitslos
zu werden.
Im Jahre
1929 wurde
Behrend auf
der
Verbandstagung
in Wien zum
1.
Vorsitzenden
des
Deutschen
Philologenverbandes
gewählt.
Dieses Amt
musste er
unter dem
Druck der
neuen
Machthaber
schon am 25.
März 1933
niederlegen,
da er zwar
evangelisch
war, aber
aus einer
jüdischen
Familie
stammte und
außerdem der
Deutschen
Demokratischen
Partei
angehörte.
Auch wurde
er noch im
selben Jahr
als
Studienrat
an eine
andere
Schule in
Berlin
versetzt und
1935
zwangsweise
in den
Ruhestand
geschickt.
Im Herbst
1938 gelang
Behrend die
Flucht in
die
Niederlande,
und mit
Hilfe
niederländischer
Kollegen
konnte er
Mitte 1939
nach
Großbritannien
fliehen,
wohin seine
Frau und
seine Kinder
schon vorher
gelangt
waren. Nach
zeitweiliger
Internierung
zu Beginn
des Zweiten
Weltkriegs
arbeitete
Behrend ab
1942 als
Lehrer an
verschiedenen
englischen
Grammar
Schools.
Anfang 1949
folgte er
seinem Sohn
nach
Australien,
wo Behrend
auch starb,
nachdem er
noch einmal
Deutschland
besucht
hatte. Als
eine Art
Gutmachung
hatte ihn
der Deutsche
Philologenverband
am 25.
Oktober 1952
zum
Ehrenmitglied
ernannt.
Behrend war
wohl der
wirkungsvollste
Schulpolitiker
im
Preußischen
und
Deutschen
Philologenverband
in der
Weimarer
Republik.
Zudem konnte
er als
Vorsitzender
des
Wissenschaftlichen
Prüfungsamtes
für Berlin
und
Brandenburg
die Auswahl
des
Lehrernachwuchses
beeinflussen.
Er sorgte
auch dafür,
dass das
Zentralinstitut
für
Erziehung
und
Wissenschaft
in Berlin
nach 1918
erneut tätig
werden
konnte. Da
es seiner
Initiative
gelang, auf
allen Ebenen
durch Lehrer
die Anliegen
der höheren
Schule zu
erörtern,
konnte er
sie vor
radikalen
Veränderungswünschen
schützen, an
ihnen aber
auch
notwendige
Reformen
durchsetzen.
In
zahlreichen
Schriften
vertrat
Behrend
seine
Anliegen, so
in Die
Stellung der
höheren
Schule im
System der
Einheitsschule
(1919),
Die
Entwicklung
des höheren
Schulwesens
in
Deutschland
(1923),
Gegenstand
und Umfang
der
Pädagogik
(1925),
Die Zukunft
des
deutschen
höheren
Schulwesens
(1924 und
1925),
Arbeitsschule
und
Arbeitsunterricht
(1925, 3.
Auflage
1931) und
Reformanstalten
und
Oberrealschule
(1928). Nach
1945 legte
er in
Grundlagen
der
Erziehungs-
und
Bildungstheorie
(1949) die
Summe seiner
pädagogischen
und
schulpolitischen
Überzeugungen
dar.
Lit.:
Nachweise
bei: Klaus
Bürger,
Behrend,
Felix
Wilhelm, in:
Altpreußische
Biographie,
Bd. V, 1.
Lieferung,
Marburg/Lahn
2000, S.
1548-1549.
Bild:
Bernhard
Fluck,
Gymnasium
Auftrag
Fortschritt.
Deutscher
Philologenverband
und
Gymnasium im
19. und 20.
Jahrhundert.
Düsseldorf
2003, S.
418.
Klaus Bürger