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Da der Vater
Heinrich Theodor Behrend (1817-1893) als preußischer Landespolitiker
mehrfach umzog, bevor er sich auf sein Gut bei Danzig zurückzog, kam
Paul erst zum Abschluß seiner Schulzeit ab 1870 an das Gymnasium in
Elbing, das er Ostern 1872 mit dem Reifezeugnis verließ. Anschließend
begann er Chemie an der Universität Heidelberg zu studieren, wo er
Schüler der berühmten Chemiker Robert Wilhelm Bunsen (1811-1899) und
Gustav Robert Kirchhoff (1824-1887) war. Nach seinem Wechsel an die
Universität Leipzig (1873) wandte er sich der Agrikulturchemie zu und
wurde dort im Dezember 1876 unter Vorlage der Dissertation „Über
Sulfurylchlorid und sein Verhalten gegen Alkohole“ zum Dr. phil.
promoviert. Danach arbeitete er 1876-1882 als Assistent an der
Agrikulturchemischen Versuchsstation der Universität Halle, wo er Prof.
Max Maercker beim Entstehen von dessen Arbeiten auf dem Gebiet der
Spiritusfabrikation unterstützte. In Halle habilitierte sich Behrend am
23. November 1881, wofür er die Arbeit „Studien über die Einwirkung der
wichtigsten Pflanzennährstoffe auf das Leben einiger Culturpflanzen nach
Versuchen von Lawes und Gilbert in England“ vorlegte, die Teil seiner
Schrift „Die Resultate der hauptsächlichsten Felddüngungsversuche von
Lawes und Gilbert in England und ihre Bedeutung für die deutsche
Landwirtschaft“ (1881) war.
Schon 1881
erhielt er einen Ruf an die Landwirtschaftliche Hochschule Komaba bei
Tokio, den er aber ablehnte. Einen Ruf auf die ordentliche Professur für
allgemeine Chemie und landwirtschaftliche Technologie an der
Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim bei Stuttgart nahm er 1882 an.
Schnell legte Behrend hier die veraltete Zuckerfabrik still, da
Zuckerfabrikation damals schon aus dem Bereich der Landwirtschaft
herausgewachsen und eine eigene Industrie geworden war. Er erweiterte
die bisherige Technische Werkstätte zu einem
Landwirtschaftlich-Technologischen Institut, das u. a. über eine
Brennerei und eine Brauerei verfügte, die beide als Versuchsbetriebe
dienten und von Behrend modernisiert wurden. Im Zuge der Umwandlungen
gründete er 1889 eine Versuchsstation für Gärungsgewerbe, die eine
chemische und eine hefephysiologisch-bakteriologische Abteilung besaß,
ferner eine Hefezuchtanstalt und eine Untersuchungsstelle zur
bakteriologischen und mikroskopischen Überprüfung von Milch und
Molkereiprodukten. Nach seiner Ernennung zum Kollegialmitglied der Kgl.
Württembergischen Zentralstelle für Gewerbe und Handel wurde Behrend
Referent für alle chemisch-technischen Angelegenheiten in dieser
Behörde. 1899 lehnte er einen Ruf an die Technische Hochschule
Braunschweig ab, nahm aber 1904 die Berufung an die entstehende
Technische Hochschule in Danzig an, wo er bis zur Wahl des ersten
Rektors Hans von Mangoldt (1854-1925) auch die Rektoratsgeschäfte
führte.
In seiner
wissenschaftlichen Arbeit hatte Behrend in Halle Vorlesungen besonders
zur Agrikulturchemie gehalten unter Einbeziehung der wissenschaftlichen
Versuchstätigkeit der Landwirte. In Hohenheim beschäftigte er sich
besonders mit organischer Experimentalchemie sowie mit der Technologie
der Gärungsgewerbe, des Zuckers und des Wassers. Seine besondere
Leistung bestand in der schnellen Modernisierung und Erweiterung der ihm
anvertrauten Institute. Leider starb der ideenreiche Hochschullehrer
schon früh und konnte in Danzig nur am Aufbau der Technischen Hochschule
mitwirken.
Lit.:
Nachweise bei: Klaus Bürger, Behrend, Paul Gerhard, in: Altpreußische
Biographie, Bd. V, 2. Lieferung, Marburg/Lahn 2007, S. 1753f. (im
Druck).
Bild:
Geistige Welt, ca. 1905, benutzt in: Dt. Biogr. Archiv II, Fiche G 7,
Feld 20.
Klaus Bürger
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