Zu den
bedeutendsten
Gelehrten,
die aus der
Universität
Dorpat
hervorgegangen
sind und an
ihr gelehrt
haben,
gehört der
Chirurg
Ernst von
Bergmann. In
Riga als
Sohn eines
Pastors
geboren,
besuchte er
das
Livländische
Landesgymnasium
in Birkenruh,
studierte
von
1854-1860 an
der
Universität
Dorpat
Medizin, wo
er (1860)
zum Dr. med.
promovierte
und
Assistent an
der
Chirurgschen
Klinik
wurde. Er
war von
1864-1871
Privatdozent
der
Chirurgie in
Dorpat,
wurde 1865
ins Ausland
abkommandiert
und ging
1866 als
Kriegschirurg
nach Böhmen.
Er nahm
1870/71 am
deutsch-französischen
Krieg als
leitender
Chirurg
teil. Von
1871-1877
war Bergmann
ordentlicher
Professor
der
Chirurgie in
Dorpat. Er
wurde zum
Wirklichen
Staatsrat
ernannt und
nahm 1877
als
Konsultant-Chirurg
der
russischen
Donau-Armee
am
russisch-türkischen
Kriege teil.
1878 verließ
Bergmann
seine
baltische
Heimat; er
wünschte
sich aus den
russischen
Verhältnissen
heraus,
denn, so
sagte er, es
bestehe
zwischen den
Anschauungen
eines
Deutschen
und eines
Russen,
zwischen
Pflichtbewußtsein
und
Arbeitsweise
eine nicht
zu
überbrückende
Kluft.
Dennoch
wurde ihm
der Abschied
von der
Heimat nicht
leicht. Er
ging
zunächst
nach
Würzburg, wo
er von
1878-1882
als
Ordinarius
der
Chirurgie an
der dortigen
Universität,
deren Rektor
er auch war,
und als
Oberwundarzt
des
Julius-Spitals
gewirkt hat.
1882 wurde
er als
ordentlicher
Professor
der
Chirurgie
und Direktor
der
Chirurgischen
Universitätsklinik
nach Berlin
berufen.
Bergmann war
Präsident
der
Deutschen
Gesellschaft
für
Chirurgie
und der
Berliner
Medizinischen
Gesellschaft,
deren
Ehrenpräsident
er 1906
wurde,
Vorsitzender
der
Versammlung
Deutscher
Naturforscher
und Ärzte in
Nürnberg,
Bayerischer
und
Preußischer
General-Arzt,
Ehrendoktor
der
Universitäten
St. Louis
und
Edinburgh
sowie
Ehrenprofessor
der
Medizinischen
Fakultät in
Kostantinopel.
Bergmann,
der sich
bleibende
Verdienste
um die
Einführung
der Asepsis
in die
Chirurgie
und als
Begründer
der
Hirnchirurgie
erworben
hat, wurde
besonders
bekannt
durch seine
richtige
Diagnose bei
der zum Tode
führenden
Krankheit
des
damaligen
Kronprinzen
und Kaisers
Friedrich
III. Die von
ihm als
lebensrettend
erkannte und
geforderte
Operation
des
Patienten
unterblieb,
der Kaiser
starb.
Konsultationsreisen
führten
Ernst von
Bergmann
nach St.
Petersburg
und Moskau,
nach
Konstantinopel
und Spanien,
in
verschiedene
Städte des
In- und
Auslandes.
Kaiser
Wilhelm II.
verlieh ihm
den
Hohenzollernorden
und berief
ihn zum
lebenslänglichen
Mitglied des
Herrenhauses.
Ernst von
Bergmann,
der in
Berlin die
„Rettungsgesellschaft
für Erste
Hilfe und
Bergung von
Kranken“
gegründet
hat, sagte
aus Anlaß
seines 70.
Geburtstages
in einer
Dankesrede
u.a.: „Wenn
ich etwas
geleistet
habe, so lag
es in der
Liebe zur
Kunst, der
eines
Chirurgen
und Arztes.
Diese Kunst
habe ich
geliebt und
verehrt, mit
jedem
Jahrzehnt
meines
Lebens mehr.
Ich liebe
sie desto
aufrichtiger
und inniger,
je weniger
ich meine
Arbeit und
Leistung
anschlage.
Ich gehöre
nicht zu
jenen, die
schieben,
wohl aber
habe ich
mich gern
und
dankbaren
Herzens
schieben
lassen. Ich
wurde der
Chirurgie
zugeschoben
und habe das
nie bereut.“
Ernst von
Bergmann
heiratete in
erster Ehe
in Dorpat
(1866)
Hildegard
Adelmann (+
1868) und
nach deren
Tode Pauline
Asbrand,
genannt von
Porbeck
(1871). Aus
dieser Ehe
stammt
Gustav von
Bergmann,
geboren am
24. Dezember
1878 in
Würzburg,
der durch
bahnbrechende
Forschungen
auf dem
Gebiet der
Inneren
Medizin und
der
Wechselbeziehungen
zwischen
Leib und
Seele (die
nicht zu
trennen
sind)
Weltruf
erlangt hat.
Ernst von
Bergmann
starb in
Wiesbaden am
25. März
1907. Unter
seinen
zahlreichen
fachwissenschaftlichen
und
populären
Schriften
verdienen
besondere
Erwähnung
„Die Lehre
von den
Kopfverletzungen“
(1880) und
„Die
chirurgische
Behandlung
der
Hirnverletzungen“
(1888).
Lit.:
Deutsch-Baltisches
Biographisches
Lexikon
1710-1960.
Köln/Wien
1970; Alice
Freifrau v.
Brand, geb.
v. Bergmann:
Ernst v.
Bergmann
(1836/1907).
Baltisches
Erbe, Bd. I,
hrsg. v.
Erik
Thomson,
Frankfurt/Main
1964.
Erik Thomson