Johannes
Adolf
Bertram
wurde als
Sohn eines
Tuchkaufmanns
geboren,
besuchte das
Bischöfliche
Gymnasium
Josephinum
in
Hildesheim
und erhielt
1877 ein
ganz
vorzügliches
Reifezeugnis.
Anschließend
studierte er
in Würzburg
und München,
empfing am
31. Juli
1881 in
Würzburg die
Priesterweihe,
setzte dann
das
Theologiestudium
in Innsbruck
fort und
begab sich
anschließend
nach Rom, wo
er
Kirchenrecht
studierte
und Kaplan
an der
deutsch-österreichischen
Nationalstiftung
St. Maria
dell'Anima
war. 1883
wurde er in
Würzburg zum
Doktor der
Theologie
und 1884 in
Rom zum
Doktor des
Kanonischen
Rechtes
promoviert.
1884 nach
Hildesheim
zurückgekehrt,
trat Bertram
in die
Diözesanverwaltung
ein,
bewährte
sich und
wurde 1893
zum Domvikar
und 1894 zum
Domkapitular
ernannt.
Neben den
Amtsgeschäften
widmete er
sich in
seiner
geschichtsträchtigen
Vaterstadt
mit großem
Eifer
historischen
und
kunsthistorischen
Studien.
1905
erfolgte
seine
Ernennung
zum
Generalvikar
des Bistums
Hildesheim,
ein Jahr
später die
Wahl zum
Bischof
dieser
Diasporadiözese.
Im
"Gewerkschaftsstreit"
setzte er
sich für das
Zusammengehen
von
Katholiken
und
Protestanten
in
christlichen
Gewerkschaften
ein, zeigte
sich also
hier
progressiv.
Am 27. Mai
1914 wählte
das
Breslauer
Domkapitel
Bertram zum
Fürstbischof
der Diözese.
Es stand
dabei unter
großem Druck
der
preußischen
Regierung,
die, da auch
die
Katholiken
Berlins dem
Breslauer
Bischofsstuhl
unterstanden,
auf dessen
Besetzung
mit dem
politisch
zurückhaltenden
Bertram
besonderen
Wert legte.
Der Vatikan
akzeptierte
diese
Entscheidung,
so daß
Bertram am
28. Oktober
1914 die
Leitung der
Riesendiözese,
die mit
einem
kleinen Teil
ihres
Gebietes (Österreichisch-Schlesien)
in die
Donaumonarchie
hineinreichte,
übernehmen
konnte. Ende
1916 erhob
Papst
Benedikt XV.
Bertram zum
Kardinal,
gab dies
aber wegen
des Ersten
Weltkrieges
erst drei
Jahre später
bekannt.
Kurz darauf
übernahm
Bertram das
traditionsgemäß
zwischen
Köln und
Breslau
wechselnde
Amt des
Vorsitzenden
der Fuldaer
Bischofskonferenz,
der alle
deutschen
Bischöfe
außer den
bayerischen
angehörten.
Im Ringen um
die
politische
Zukunft
Oberschlesiens
versuchte er
mäßigend zu
wirken,
erhielt aber
1920 von der
Interalliierten
Kommission
ein für das
Abstimmungsgebiet
geltendes
Einreiseverbot.
Der nach der
Abstimmung
an Polen
gefallene
Teil
Oberschlesiens
wurde vom
Bistum
Breslau
abgetrennt
und 1925 zum
Bistum
Kattowitz
erhoben.
Gemäß dem
1929 vom
Vatikan und
der
preußischen
Regierung
abgeschlossenen
Konkordat
verlor das
Bistum
Breslau
seinen
Delegaturbezirk
(Provinzen
Brandenburg
und
Pommern),
aus dem 1930
das Bistum
Berlin
entstand,
wurde aber
zum
Erzbistum
erhoben.
Kardinal
Bertram war
primär an
der
Seelsorge
interessiert
und lernte
auf seinen
vielen
Firmungsreisen,
bei
Kircheneinweihungen
und
Wallfahrten
(St.
Annaberg)
die
Erzdiözese
Breslau und
die
Diözesanen
kennen und
bemühte sich
eifrig um
pastorale
Verbesserungen.
Das
katholische
Volk liebte
und verehrte
ihn, den
frommen und
über immense
Arbeitskraft
verfügenden
Erzbischof
mit der
unscheinbaren
Gestalt und
der
schwachen
Stimme.
Als einer
der ersten
katholischen
Kirchenführer
Deutschlands
warnte
Bertram am
Jahresende
1930
öffentlich
vor
übertriebenem
Nationalismus
und
einseitiger
Rassenverherrlichung.
Auch nach
dem Abschluß
des
Reichskonkordates
(1933) gab
er sich
keinen
Illusionen
über den
Nationalsozialismus
hin,
besonders
über dessen
Kirchenfeindlichkeit.
Es ging ihm,
der
konservativ
geprägt war,
die Zeit des
Kulturkampfes
nicht
vergessen
hatte und
zum
"Alleinregieren"
neigte,
darum, der
Kirche das
Überleben
der NS-Zeit
zu sichern
und den
Zusammenbruch
der
seelsorglichen
Betreuung
der
Gläubigen
und auch der
kirchlichen
Verwaltung
zu
vermeiden.
In schier
unzähligen
schriftlichen
Eingaben
wandte er
sich gegen
Übergriffe
der neuen
Machthaber,
in der Sache
hart, aber
im Ton nach
Möglichkeit
Schärfen
vermeidend -
aus Gründen
der
Zweckmäßigkeit
und auch
seines
Verständnisses
von
staatlicher
Obrigkeit.
Den Kurs
einer
"flexibleren
Vorwärtsverteidigung"
(L. Volk)
lehnte er
auch nach
Ergehen der
Enzyklika
"Mit
brennender
Sorge" von
1937 ab, die
scharfe
Angriffe
gegen die
nationalsozialistische
Kirchenpolitik
enthalten
hatte. Sein
ohne
Rücksprache
mit den
anderen
deutschen
Bischöfen
"in deren
Namen"
ausgesprochener
Glückwunsch
zu Hitlers
Geburtstag
am 20. April
1940 stieß
besonders
bei Bischof
Konrad Graf
von Preysing
(Berlin) auf
Widerspruch.
1942 bot
Bertram
seinen
Rücktritt
als
Vorsitzender
der
Bischofskonferenz
an, wurde
jedoch, nun
körperlich
sehr
geschwächt,
gerade auch
wegen seiner
ausgleichenden
Art,
weiterhin
sehr
geschätzt
und blieb im
Amt.
Im Januar
1945 verließ
Bertram auf
ärztlichen
Rat hin das
dann als
Festung
verteidigte
Breslau und
begab sich
nach Schloß
Johannesberg
bei Jauernig,
dem
Sommersitz
des
Fürstbischofs.
Die Sowjets
respektierten
ihn,
Tschechen
wollten ihn
ausweisen.
Da starb
Adolf
Kardinal
Bertram im
87.
Lebensjahr.
Er war fast
64 Jahre
Priester, 39
Jahre
Bischof, 30
Jahre
Oberhirte
des Bistums
bzw.
Erzbistums
Breslau
gewesen. Die
Beisetzung
erfolgte in
Jauernig und
schließlich
am 9.
November
1991 im Dom
zu Breslau.
Die
Beurteilung
Bertrams ist
ganz
unterschiedlich.
Kritiker
werfen ihm
vor allem
vor, nicht
öfter und
energischer
gegen
Maßnahmen
des
Hitler-Regimes
protestiert
zu haben und
speziell
nicht gegen
die
Verfolgung
und
Ermordung
der Juden
aufgestanden
zu sein. Er
sei
insgesamt zu
kompromißlerisch
gewesen.
Andererseits
hat Bertram
vielen Juden
direkt oder
indirekt
Hilfe
zukommen
lassen, und
es ist
zweifelhaft,
ob ein
generell
härterer
Kurs gegen
die
politischen
Machthaber,
etwa während
des Krieges,
letztlich
wirklich von
Nutzen
gewesen
wäre. Man
wird sich
der
Problematik,
sachlich und
um
Objektivität
bemüht,
weder von
Kritikasterei
noch vom
Streben nach
Verherrlichung
motiviert,
stellen
müssen. Bei
der
Gesamtwürdigung
Bertrams
darf der
Blick nicht
auf die Zeit
von 1933 bis
1945
konzentriert
sein.
Kardinal
Bertram
gehört zu
den großen
Bischöfen
der
katholischen
Kirche
Deutschlands
im 20.
Jahrhundert.
Dem
hochverdienten
Kirchenhistoriker
Hubert Jedin,
einem
Halbjuden,
ist
zuzustimmen,
wenn er bei
der
Beurteilung
des von ihm
geschätzten
Kardinals
schreibt:
"Auch große
Persönlichkeiten
haben
Grenzen, die
ihnen nicht
durch das
Wollen,
sondern
durch ihr
Werden und
Sein
gesteckt
sind."
Bibliographie:
Adolf
Kardinal
Bertram,
Teil 2:
Schrifttum,
zusammengestellt
von Werner
Luber und
Hans Ludwig
Abmeier,
Köln u.a.
1994.
Werke:
Geschichte
des Bistums
Hildesheim,
3 Bde.,
Hildesheim
1899-1925. -
Kirche und
Volksleben,
Breslau
1916. - Im
Geiste und
Dienste der
Katholischen
Aktion,
München
1929.
Lit.:
Hubert Jedin:
Kardinal
Adolf
Bertram. In:
ders.:
Kirche des
Glaubens -
Kirche der
Geschichte,
Bd. 1,
Freiburg i.
Br. 1966, S.
485-494. -
Ludwig Volk:
Adolf
Kardinal
Bertram
(1859-1945).
In:
Zeitgesch.
in
Lebensbildern
[Bd. 1]. Hg.
v. Rudolf
Morsey.
Mainz 1973,
S. 274-286
u. 312. -
Emil Brzoska:
Ein Tedeum
für Kardinal
Bertram,
Köln 1981. -
Joachim
Köhler:
Kardinal
Bertram im
Kreuzfeuer
der Kritik.
In: Arch. f.
schles.
Kirchengesch.
40, 1982, S.
247-262. -
Werner
Marschall:
Adolf
Kardinal
Bertram
(1859-1945).
In:
Schlesische
Lebensbilder
6, 1990, S.
165-173. -
Adolf
Kardinal
Bertram,
Teil 1:
Beiträge.
Hg. v.
Bernhard
Stasiewski.
Köln u.a.
1992. -
Veritati et
caritati.
Dokumentensammlung
anläßlich
der
feierlichen
Überführung
Kardinal
Adolf
Bertrams von
Jauernig
nach
Breslau, 7.
November
1991, Bonn
o.J.
Bild:
Oberschlesisches
Landesmuseum
Ratingen-Hösel
Hans-Ludwig
Abmeier