Von der
Ausbildung
und seinem
ersten Beruf
her war
Julius Bielz
Jurist und
Staatsbeamter;
einen Platz
in der
siebenbürgisch-sächsischen
Kulturgeschichte
hat er sich
aber als
Kunsthistoriker,
Volkskundler
und
Museologe
erworben.
Bei der
Gedenkfeier
zu seinem
100.
Geburtstag
(1984) in
Gundelsheim
sprach Dr.
Horst
Moefert in
seinem
Festvortrag
von einem „Bielz-Effekt“,
der darin
bestehe,
dass es in
der
Bielz-Familie
in jeder
Generation
jeweils
einen
Repräsentanten
gab, dessen
beachtenswerte
Leistungen
für die
siebenbürgische
Gemeinschaft
nicht in dem
erlernten
und
ausgeübten,
sondern im
Nebenberuf
erfolgte.
Moefert
nennt als
Beispiele
den
Theologen
und Pfarrer
Michael
Bielz
(1787-1886),
der als
Lithograph
und
Herausgeber
der
Zeitschrift
Transsylvania
bekannt
wurde sowie
dessen Sohn
Eduard
Albert Bielz
(1827-1898),
der Jurist
war, jedoch
als
Naturforscher
berühmt
wurde.
Julius Bielz
wurde am 18.
März 1884 in
Orlat bei
Hermannstadt
als Sohn des
Arztes
Julius
Friedrich
Bielz
(1856-1927)
und dessen
Ehefrau
Bertha,
geborene
Rannicher
(1863-1925)
geboren.
Nach
Abschluss
des
Gymnasiums
in
Hermannstadt
studierte er
an der
Rechtsakademie
von
Kecskemet
und an den
Universitäten
von Berlin,
München und
Klausenburg.
An der
letztgenannten
Universität
promovierte
er 1907
zum Dr. rer.
pol. 1908
trat er in
den
Staatsdienst,
zunächst am
königlich-ungarischen
Gerichtshof
von
Hermannstadt,
wechselte
aber schon
nach einigen
Monaten zum
österreichisch-ungarischen
Obersten
Staatsrechnungshof
in Wien, wo
er zum
Hofrat
aufstieg.
Von
1914-1918
kam er
während des
Weltkrieges
seiner
Militärpflicht
nach. Von
1919-1924
wirkte er in
Wien,
Budapest und
Rom als
rumänischer
Vertreter in
der
Liquidierungskommission
bei
verschiedenen
Verhandlungen
zur Regelung
von
Angelegenheiten,
die sich aus
der
Auflösung
der
österreichischen
Monarchie
ergaben.
Dann kehrte
er nach
Hermannstadt
zurück,
bekleidete
vorübergehend
die Stelle
eines
Sektionsrates
der neu
gegründeten
Hermannstädter
Handels- und
Gewerbekammer,
um sich dann
dem
Brukenthalmuseum
und der
Forschung zu
widmen.
Damit gab er
seinem Leben
eine neue
Wende, die
zu dem
eigentlichen
fruchtbaren
Abschnitt
seines
Schaffens
überleitete.
Gestützt auf
eine
gesicherte
Existenz,
konnte er
sich seinen
Neigungen
hinwenden,
zumal er
unverheiratet
blieb.
Nachdem er
1926 dem
Kuratorium
des
Brukenthalischen
Museums eine
Denkschrift
für die
Neugestaltung
des Museums
überreicht
hatte und
auch mit der
Durchführung
betraut
wurde,
folgte 1927
die
Ernennung
zum
ehrenamtlichen
Kustos des
Museums.
Im Jahre
1928
übernahm
Rudolf Speck
als erster
hauptamtlicher
Direktor die
Leitung des
Museums, das
sich unter
seiner
Leitung zu
einer
wissenschaftlichen
Anstalt von
europäischer
Geltung und
zum
bedeutendsten
Museum der
Südostdeutschen
entwickelte.
Die
Bibliothek
des Museums
wurde zum
Mittelpunkt
eines
repräsentativen
Kulturinstituts
der
Deutschen in
Rumänien. Zu
dieser
Entwicklung
hat Bielz
als
produktiver
Mitarbeiter
wesentlich
beigetragen.
Er widmete
sich vor
allem der
Volkskunst,
deren
Sammlungen
neu- und
umgestaltet
wurden. Er
legte
außerdem
eine
Sammlung
kirchlicher
Altertümer
an. Für
beide
Sammlungen
verfasste er
Museumsführer.
Allmählich
weitete er
seine
volkskundlichen
und
kunstgeschichtlichen
Studien auf
weitere
Gebiete aus,
wobei er den
siebenbürgisch-sächsischen
Trachten,
der
Goldschmiedekunst,
der
Töpferkunst,
den bemalten
Kacheln, den
bäuerlichen
Möbeln und
deren
Bemalung und
dem
sonstigen
Kunsthandwerk
eine
besondere
Aufmerksamkeit
widmete. Er
nahm sich
auch der
Klärung
zahlreicher
anderer
Fragen an,
so der
Identifizierung
von Porträts
von
Künstlern
und anderer
Persönlichkeiten
oder
einzelner
Kunstwerke.
Auch
Bauwerke
beschäftigten
ihn.
Julius Bielz
hat sodann
mehrere
führende
Ehrenämter
im deutschen
Kulturleben
innegehabt
und diesem
fördernde
Impulse
verliehen.
1927
übernahm er
den Vorstand
des
Sebastian-Hann-Vereins
für
heimische
Kunstbestrebungen,
1930 gehörte
er zu den
Gründern der
Gesellschaft
der Freunde
des Baron
Brukenthalischen
Museums und
wurde auch
deren
Präsident,
1937 traute
man ihm den
Vorsitz der
Deutschen
Theatergemeinschaft
in Rumänien
an; seit
1933 gehörte
er dem
Ausschuss
des Vereins
für
siebenbürgische
Landeskunde
an; von 1937
bis 1940
leitete er
als
Vorsitzender
den
Kulturrat
der
Deutschen
Volksgemeinschaft
in Rumänien.
Von 1931 bis
1947
erschien
unter der
Redaktion
von Bielz
und Rudolf
Speck die
Zeitschrift
Mitteilungen
aus dem
Baron
Brukenthalischen
Museum,
in der er
auch
zahlreiche
Beiträge
veröffentlichte.
Eine
entscheidende
Zäsur in der
Geschichte
des Museums
brachte der
politische
Umsturz in
Rumänien vom
23. August
1944, dem
die
Verfolgung,
Diskriminierung,
Enteignung
und
Deportation
von
Deutschen
folgte. Für
einige Jahre
verstummte
das deutsche
Kulturleben.
Das
Brukenthalmuseum
konnte
trotzdem
auch unter
diesen
schwierigen
Bedingungen
noch einige
Jahre
bestehen.
1946 und
1947
erschien
noch je ein
Band der
Mitteilungen
des Museums.
Außer den
Kirchlichen
Blättern
waren sonst
alle
deutschen
Zeitungen
und
Zeitschriften
verboten
worden. 1945
wurde Bielz
vom
evangelischen
Presbyterium
Hermannstadt
in die neu
eingerichtete
Stelle eines
akademischen
Kustos des
Museums
berufen. Im
Jahre 1948
folgte die
Enteignung
und
Verstaatlichung
des Museums,
das laut
Testament
von
Brukenthal
der
evangelischen-sächsischen
Kirche in
Hermannstadt
gehörte.
Direktor
Rudolf Speck
wurde von
den
kommunistischen
Machthabern
verhaftet,
und er ist
im Gefängnis
1953
verstorben.
Das Museum
erhielt eine
vom
sozialistischen
Staat
ernannte
Direktion
und vor
allem
rumänische
Mitarbeiter.
Bielz war es
vergönnt,
als
Angestellter
weiterhin im
Museum zu
bleiben und
wissenschaftlich
und
publizistisch
tätig zu
sein. Als in
den
fünfziger
Jahren die
speziellen
Repressionsmaßnahmen
gegen die
Deutschen
eingestellt
wurden,
wurde er
1955 sogar
zum
Abteilungsleiter
und
stellvertretenden
Direktor des
Museums
ernannt. In
Hermannstadt
wurde ferner
eine
deutsche
Forschungsabteilung
der
Klausenburger
Zweigstelle
der Akademie
der
Wissenschaften
eröffnet und
Bielz als
Mitarbeiter
in die
Sektion für
Gesellschaftswissenschaften
aufgenommen.
Seine
Arbeiten
gehörten in
jenen Jahren
zu den
wenigen
landeskundlichen
Veröffentlichungen
über die
Deutschen in
Rumänien und
er selbst zu
den wenig
noch tätigen
Wissenschaftlern.
Er hat in
den
fünfziger
Jahren den
rumänischen
Kunsthistoriker
und das
Akademiemitglied
George
Oprescu auf
die
siebenbürgischen
Kirchenburgen
aufmerksam
gemacht und
diesen auf
dessen
Dokumentations-
und
Feldforschungsreisen
begleitet.
Das Ergebnis
war ein Buch
von Oprescu
über die
Kirchenburgen
der
Siebenbürger
Sachsen in
rumänischer
Sprache (Bisericile
cetăţi ale
saşilor din
Areal),
in dem der
Verfasser
nicht nur
auf den
hohen Wert
dieser
Denkmäler
hinwies,
sondern auch
die
Tüchtigkeit
und den
Gemeinschaftssinn
der Sachsen
lobte. Das
war in jener
Zeit eine
wichtige
moralische
Aufmunterung
für die nach
dem Krieg so
hart
getroffenen
und
diffamierten
Deutschen
Rumäniens.
Dieser
segensreichen
Arbeit wurde
Bielz
unerwartet
entrissen,
als er am 9.
Juni 1958
während
eines
Konzertes an
Herzversagen
zusammenbrach
und
verstarb. Er
wurde am 11.
Juni in
Hermannstadt
auf dem
Zentralfriedhof
beerdigt.
Das Werk von
Bielz zählt
etwa 100
veröffentlichte,
wissenschaftliche
Abhandlungen
und
Mitteilungen.
Mehrere
Ausstellungen
verdanken
seiner
Initiative
und
Durchführung
ihr
Entstehen.
Nicht
zuletzt war
Bielz ein
bedeutender
Sammler von
Gegenständen
siebenbürgischer
Kunst,
wodurch er
den geerbten
Bestand um
beachtliche
Stücke
vermehrte.
Diese reiche
Sammlung hat
er dem
Brukenthalmuseum
übergeben.
Seit 1997
bildet sie
im so
genannten
„Schatzkästlein“
auf dem
Kleinen Ring
in
Hermannstadt
mit anderen
Sammlungen
den
Grundbestand
des
„Sächsischen
Volkskundemuseums
Emil Sigerus“.
Das
Brukenthalmuseum
ist 2006 dem
rechtmäßigen
Eigentümer –
das ist
die
Evangelische
Kirche in
Rumänien –
zurückerstattet
worden.
Im Frühjahr
des Jahres
2007 wurde
im Rahmen
der
Veranstaltungen
der
Europäischen
Kulturhauptstadt
Hermannstadt
im
Friedrich-Teutsch-Haus
eine
Ausstellung
„Sammlungen
und Sammler“
gezeigt,
angefangen
mit Samuel
Brukenthal,
fortfahrend
mit Emil
Sigerus,
Julius Bielz,
Helmut
Klima, Karl
Engber,
Horst Klusch,
Mircea Braga
und Ilie
Moise.
Werke
(Auswahl):
Siebenbürgisch-sächsische
Volkskundereise
durch
Deutschland.
Sonderdruck
aus dem
Siebenbürgisch-Deutschen
Tageblatt,
Hermanstadt
1927. – Die
Sammlung
heimischer
Altertümer
des Baron
Brukenthalischen
Museums, in:
Ostland,
Hermannstadt,
Nr. 3, 1928,
S. 247-250.
– Führer
durch die
volkskundliche
Sammlung des
Baron
Brukenthalischen
Museums,
Hermannstadt
1928. –
Führer durch
die Sammlung
kirchliche
Altertümer
des Baron
Brukennthalischen
Museums.
Hermannstadt,
1929. – Das
Werk des
Sebastian
Hann, in:
Mitteilungen
des Baron
Brukenthalischen
Museums
(hinfort
abgekürzt:
Mitteilungen),
Nr. 2, 1932,
S. 37-42. –
Porträtkatalog
der
Siebenbürger
Sachsen, in:
Archiv des
Vereins für
siebenbürgische
Landeskunde,
Hermannstadt,
Bd. 49,
1936, S.
1-100; auch
als
Sonderdruck,
Leipzig-Hamburg
1936. – 150
Jahre
deutsches
Theater in
Hermannstadt,
in: Deutsche
Kultur in
der Welt,
Bd. 16,
1939, S.
39-44. – Die
volkstümliche
Möbelmalerei
der
Siebenbürger
Sachsen, in:
Klingsor,
Kronstadt,
Heft 16,
1939, S.
268-271. –
Das deutsche
Kunsthandwerk
in
Siebenbürgen,
in: Deutsche
Leistungsschau
/auf der 9.
Hermannstädter
Mustermesse,
Hermannstadt,
1941. –
Schrifttum
zur Kunst in
Siebenbürgen.
Krakau 1943.
–
Siebenbürgische
Exlibris des
16.
Jahrhunderts,
in:
Mitteilungen,
Leipzig, Nr.
2, 1947, S.
43-45. – Die
Graphik in
Siebenbürgen,
in:
Mitteilungen,
Nr. 1, 1947;
als
Sonderdruck
Kronstadt
1947, – Die
sächsische
Goldschmiedekunst
Siebenbürgens,
Bukarest
1957.
(Erschien
auch in
rumänischer,
englischer,
französischer
und
russischer
Sprache.). –
Die
Volkstracht
der
Siebenbürger
Sachsen,
Bukarest
1957
(Erschien
auch in
rumänischer
Sprache).
Lit.:
Hermann A.
Hienz (Hrsg),
Julius Bielz,
in: Beiträge
zum
Schriftsteller-Lexikon
der
Siebenbürger
Deutschen,
Folge 6,
1982, S.
100-114 (=
Beilage zur
Zeitschrift
für
Siebenbürgische
Landeskunde,
Köln-Wien,
Heft 2,
1982).
Erfasst
außer der
Biographie
über Bielz
19 Titel mit
Literatur
über ihn,
100 Titel
von Werken,
12 Titel mit
Verschiedenes,
17 von
Manuskripten,
39 von
Vorträgen
und 13 mit
Besprechungen.
– Rudolf
Speck, Dr.
Julius Bielz,
Präsident
der
Gesellschaft
der Freunde
des
Brukenthalischen
Museums, 60
Jahre alt,
in:
Mitteilungen,
Nr.9/10,
1944, S.
7-8. –
Harald
Krasser,
Julius Bielz.
Ein
Lebenswerk
im Dienste
unserer
Kunst- und
Volkskundeforschung,
in:
Hermannstädter
Zeitung,
1968, Nr.
21. – In
memoria Dr.
Julius Bielz.
Die
Gedenkfeier
zu seinem
100.
Geburtstag,
in:
Siebenbürgische
Zeitung,
München,
31.3.1984,
S. 4. –
Julius Bielz,
in: Stefan
Stefănescu
(Hrsg.),
Enciclopedia
istoriografiei
româneşti,
Bucureşti,
1978, S. 60.
– Julius
Bielz, in:
Walter Myß
(Hrsg.),
Lexikon der
Siebenbürger
Sachsen,
Innsbruck
1993, S. 52.
Bild:
Lexikon
der
Siebenbürger
Sachsen.
Michael
Kroner