Theodor
Bierschenk
wurde am 16.
August 1908
in Sompolno
in
Mittelpolen
(Russisch-Polen)
als Sohn des
Pastors und
Schulleiters
Alexander
Bierschenk
(1875-1975)
geboren.
Nach dem
Schulbesuch
in Sompolno
und dem
Abitur im
Lodzer
Deutschen
Gymnasium
(1926)
studierte er
Geschichte
an der
Jagiellonischen
Universität
in Krakau,
wobei sein
berufliches
Ziel der
Dienst im
deutschen
Schulwesen
in Polen
war. Am
Schluss
seines zügig
absolvierten
Studiums
stand im
Jahre 1932
das
Magisterexamen
mit einer
sehr gut
bewerteten
Arbeit bei
Prof. Jan
Dąbrowski
über Die
Genesis des
polnisch-brandenburgischen
Bündnisses
von 1421.
Bierschenk
erteilte als
Lehrer
Unterricht
in
Laurahütte/Oberschlesien
und in
Bromberg
(1932
-1935),
zuerst am
deutschen
Lyzeum, dann
am deutschen
Gymnasium.
Die
restriktive
Minderheitenpolitik
der Zweiten
Polnischen
Republik und
die damalige
Situation
der
deutschen
Volksgruppe
in Polen
empfand
Bierschenk –
wie viele
seiner
Altersgefährten
– als
Herausforderung,
sich
politisch zu
engagieren.
Deshalb
beendete er
mit dem
ausgehenden
Schuljahr
1934/35
seinen
Schuldienst
und schloss
sich der
Jungdeutschen
Partei in
Bromberg an,
die von
Bielitz und
Oberschlesien
her eine
Erneuerung
und
organisatorische
Einigung des
gesamten
Deutschtums
in Polen
begonnen
hatte. Nach
kurzer
Tätigkeit in
Lodz war
Bierschenk
von Sompolno
aus um die
Aktivierung
des
Deutschtums
auf der
Kujawischen
Seenplatte,
im
Warthebruch
sowie im
Kalischer
und Dobriner
Land bemüht.
„Dabei
fand er auch
mit Dr. Kurt
Lück und dem
Kreis um die
‚Deutschen
Monatshefte
in Polen‘
den Zugang
zu
historisch-wissenschaftlicher
Tätigkeit,
die ihn sein
Leben lang
fesselte"
(Dr. Richard
Breyer,
Sprecher der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
1981-1993).
Das
Schicksal
von Flucht
und
Vertreibung,
das ihn und
seine über
Pommern nach
Hessen
gelangte
Familie
traf,
bestimmte
sein
weiteres
Leben und
Wirken. Im
Rahmen der
Dokumentation
der
Vertreibung
und in
Zusammenarbeit
mit dem
Göttinger
Arbeitskreis
verfasste er
das
bedeutsame
Buch Die
deutsche
Volksgruppe
in Polen
1934-1939
(Holzner-Verlag
Würzburg
1954).
Nachdem im
Jahre 1953
zum Vollzug
des
Lastenausgleichs
34
Heimatauskunftsstellen
eingerichtet
wurden,
wurde
Bierschenk
wegen seiner
fundierten
Kenntnisse
und seiner
Herkunft die
Leitung der
Heimatauskunftsstelle
Polen II mit
Sitz in
Hannover
übertragen.
Diese
Dienststelle
war für das
seinerzeitige
Generalgouvernement
mit ganz
Galizien
(Warschau,
Radom,
Lublin,
Krakau,
Lemberg),
für
Wolhynien,
Polesien,
den Bezirk
Białystok
und das
Wilnaer
Gebiet
zuständig.
Da sich die
Feststellung
und
Bewertung
der
Vermögensschäden
der
Geschädigten
oft als sehr
schwierig
erwies,
wurde bald
bestimmt,
dass
sämtliche
Feststellungsanträge,
die
landwirtschaftliches
Vermögen und
die
Grundvermögen
betrafen,
von allen
Ausgleichsämtern
im
Bundesgebiet
den
betreffenden
Heimatauskunftsstellen
zur
Begutachtung
zuzuschicken
seien. Dazu
waren noch
viele
Anträge auf
Betriebsvermögen
zu
bearbeiten,
wenn die
besonderen
Verhältnisse
dies
erforderten.
Bierschenk
leitete die
Dienststelle
bis zum
Erreichen
der
gesetzlichen
Altersgrenze.
Bierschenk
konnte durch
seine
berufliche
Tätigkeit
seine
Kenntnisse
im
Vertriebenen-
und
Lastenausgleichsrecht,
die er sich
bereits in
seiner
vielseitigen
landsmannschaftlichen
Tätigkeit
zuvor
angeeignet
hatte,
erweitern.
Er gehörte
1949 zu den
Gründern der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
auf
Bundesebene,
in der sich
vor allem
die
Deutschen
aus der
früheren
preußischen
Provinz
Posen, aus
Mittelpolen
mit dem
Schwerpunkt
Lodz, aus
Wolhynien
und aus
Galizien
zusammengefunden
hatten.
So übernahm
Bierschenk
im Jahre
1950 den
Vorsitz im
Landesverband
Niedersachsen
der LWW, den
er bis 1994
innehatte,
und führte
die beiden
großen
Bundestreffen
der
Landsmannschaft
in Hannover
in den
Jahren 1958
und 1970
durch.
Gleichzeitig
engagierte
sich
Bierschenk
im
Bundesverband
der
Landsmannschaft:
von 1953 bis
1989 als
Bundespressereferent
und als
Schriftleiter
des
monatlich
erscheinenden
Mitteilungsblattes
Weichsel-Warthe,
einer
Beilage zu
den
Zeitschriften
der drei
Hilfskomitees
(Posener
Stimmen,
Weg und
Ziel und
Das
heilige Band
– Der
Galiziendeutsche),
sowie von
1955 bis
1990 als
Schriftleiter
des
Jahrbuchs
Weichsel-Warthe,
in dem er
stets mit
eigenen
Beiträgen
vertreten
war.
Viele
Landsleute
aus dem
Zwischenkriegspolen
verdanken
ihm
wertvolle
Informationen
und
Ratschläge
in Fragen
des
Vertriebenenrechts,
des
Lastenausgleichs,
des
Fremdrentenrechts
und in
Spezialfragen
der
Spätaussiedler.
In
zahlreichen
regionalen
Tagungen hat
er die
ehrenamtlichen
Mitarbeiter
und
Mitarbeiterinnen
durch
Vorträge und
Fallbesprechungen
sachkundig
informiert.
Ein weiteres
Anliegen war
für
Bierschenk
die
Zusammenführung
und der
Zusammenhalt
seiner
Landsleute,
Freunde und
Weggefährten,
insbesondere
der
ehemaligen
Lehrer und
Studenten.
Viele Jahre
betreute er
die früheren
Vereine
Deutscher
Hochschüler
in Polen,
die sich
nach 1945 in
einem
eigenen
Verein
zusammen
fanden. Er
sorgte in
seiner
umsichtigen
Arbeit
dafür, dass
Berichte
über das
Wirken der
fünf
deutschen
Hochschulgruppen
verfasst
wurden, die
er gemeinsam
mit einem
eigenen
Überblick im
Eigenverlag
unter dem
Titel Die
Vereine
Deutscher
Hochschüler
in Polen
1922-1939
herausgab.
Sein
unermüdliches
Wirken galt
auch der
Förderung
des
kulturellen
Erbes der
Deutschen
aus Polen.
So war
Bierschenk
aktives
Mitglied der
Historisch-Landeskundlichen
Kommission
für Posen
und das
Deutschtum
in Polen,
viele Jahre
Vorstandsmitglied
der Stiftung
Kulturwerk
Wartheland
und Mitglied
im
Stiftungsrat
Nordostdeutsches
Kulturwerk
(Lüneburg).
Unschätzbare
Verdienste
hat sich
Bierschenk
auch als
Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied
im
Bundesvorstand
der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
und als
ehrenamtlicher
Leiter der
Bundesgeschäftsstelle
in Hannover
(1970-1990)
erworben.
Für sein
Engagement
ehrte ihn
der Bund der
Vertriebenen
1972 mit der
Goldenen
Ehrennadel
und die
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
mit dem Dr.
Kurt-Lück-Preis,
dem
Kulturpreis
der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe.
Mit
ausgeprägter
Zielstrebigkeit,
großer
Ausdauer,
unbeirrbarer
Beharrlichkeit
und
beispielhaftem
Idealismus
hat sich
Bierschenk
jahrzehntelang
ehrenamtlich
in die
landsmannschaftliche
Arbeit
eingebracht
und für
seine
Landsleute
aus dem
Zwischenkriegspolen
eingesetzt.
Bierschenk
war – wie
der
langjährige
Bundessprecher
und
Osteuropahistoriker
Dr. Richard
Breyer
(1917-1999)
in einem
Nachruf für
ihn
feststellte
– ein Mann,
„der wie
kaum ein
anderer in
konsequenter
Linie aus
der
Volksgruppe
von einst in
die jetzige
Landsmannschaft
hineinragte
und stets
aus freiem
Willen sein
Bestes für
beide
geleistet
hat. Es
geschah aus
einer
Grundhaltung
heraus, die
man heute
weithin nur
noch mit
einer
gewissen
Wehmut als
‚glühenden
Idealismus‘
bezeichnen
kann.“
Lit.:
Außer den
bereits
genannten
Veröffentlichungen
verfasste
Bierschenk
zahlreiche
Beiträge in
den
Jahrbüchern
Weichsel-Warthe
und in den
213 Folgen
der
Vierteljahreszeitschrift
Kulturwart:
Beiträge zur
deutsch-polnischen
Nachbarschaft.
Bild:
Privatarchiv
des Autors.
Karl Bauer