Wer sich um
die
Geschichte
Pommerns
bemüht, wird
sofort auf
das
Greifen-Geschlecht
stoßen. Der
Greif, sein
Wappentier,
ziert noch
heute viele
pommersche
Städtewappen
und ist auch
in einigen
Namen
pommerscher
Städte zu
finden.
Sucht man
aber nach
der
Genealogie
des
Geschlechts,
das 1637 im
Dreißigjährigen
Krieg
erlosch, so
wird uns als
erster
gesicherter
Vertreter
der
,Greifen‘
Herzog
Wartislaw
genannt,
dessen Sohn
Bogislaw I.
vom Kaiser
Friedrich
Barbarossa
1181 als
reichsunmittelbarer
Herzog
anerkannt
wurde.
Bedeutendster
Vertreter
wurde in 450
Regierungsjahren
aber Herzog
Bogislaw X.,
über den
hier zu
berichten
ist.
Bogislaw
wurde am
29.5.
(3.6.?) 1454
geboren.
Sein Vater
Erich II.
(Herzog von
Pommern-Wolgast)
hatte 1451
die
16jährige
Sophia,
Tochter von
Herzog
Bogislaw IX.
(Seitenlinie)
geheiratet;
sie starb
1497. Nach
allem, was
uns die
Geschichte
und
Geschichten
um Bogislaw
berichten,
muß die Ehe
der Eltern
trotz vieler
Kinder nicht
glücklich
gewesen
sein; man
lebte
getrennt,
und die
Mutter
kümmerte
sich kaum um
ihre Kinder.
Paul Heyse
(Nobelpreis
1910) hat
uns mit
seinem
Schauspiel
,Hans Lange‘
ein Bild
davon
gegeben, wie
ein
pommerscher
Bauer aus
dem
Rügenwalder
Amt den
jungen und
völlig
vernachlässigten
Herzog aus
Verantwortungsgefühl
erzog und
ihn auf
seine
künftigen
Pflichten
hinwies. Als
Bogislaws
Vater 1474
starb,
huldigten
ihm schon
nach wenigen
Monaten die
Stände
seines
pommerschen
Erbteils. Da
aber 1464
der
Stettiner
Herzog Otto
III.
20jährig und
kinderlos
starb, war
Bogislaw
auch in den
Besitz des
Teilherzogtums
Pommern-Stettin
gelangt, das
in
brandenburger
Lehnsabhängigkeit
geraten war,
die der
selbstbewußte,
junge Herzog
indes nie
anerkennen
wollte.
Seine 1477
geschlossene
Ehe mit
Margaretha
von
Brandenburg
blieb
kinderlos
und
vermochte
nicht,
solche
Differenzen
auszugleichen.
– Mit
Schneid,
Geschick und
einiger
Rücksichtslosigkeit
hat Bogislaw
sich bemüht,
das nach dem
Tod seines
ohne Erben
verstorbenen
Onkels
Wartislaw X.
1478 wieder
vereinigte
Pommern in
den Griff zu
bekommen,
denn
Staatswesen,
Regierungsmacht,
Rechtsprechung,
Münzwesen,
Stände und
Städte
bedurften
dringend
klarer und
einheitlicher
Richtlinien.
Viel ist ihm
dabei
gelungen,
doch sind
auch
Mißerfolge
nicht
ausgeblieben.
In seinen
Bemühungen
um
Reichsunmittelbarkeit
folgte er
einem Aufruf
Kaiser
Maximilians
nach
Innsbruck
und brach
anschließend
– der Kaiser
hatte von
seinen
Plänen
Abstand
genommen –
zu einer
Reise ins
Heilige Land
auf – sein
lange
gehegter
Wunsch! Er
betrat
Palästina
nach
mancherlei
Abenteuern
am 3.8.1497,
wurde dort
auch zum
Ritter
geschlagen
und konnte
diese
Auszeichnung
nun an
Angehörigen
seines
Gefolges
selbst
vollziehen.
Der
Greifswalder
Medizin-Professor
Christian
Calenus hat
als
Historiker
1555 darüber
geschrieben
(,Bogislaw
X. Wallfahrt
nach
Jerusalem‘).
Bei seiner
Rückkehr
wurde
Bogislaw in
Rom von
Papst
Alexander
VI.
empfangen,
der ihm
anerkennend
einen
kostbaren
Hut und ein
geweihtes
Schwert
schenkte. Im
April 1498
war der
Herzog
wieder in
Stettin und
erhielt
einen
festlichen
Empfang.
Aber erst
nach einem
Streit mit
der Stadt
wurde dem
Herzog der
Baugrund für
eine
Erweiterung
des
Stettiner
Herzogschlosses
bewilligt,
die 1503
begann.
Trotz
Kriegsschäden
des Jahres
1945 steht
der Bau noch
heute.
Ebenfalls
1503 starb
seine zweite
Frau: Anna,
die Tochter
des Königs
Kasimir IV.
von Polen,
die er 1491
nach dem Tod
Margarethas
(† 1489)
16jährig
geheiratet
und mit der
er acht
Kinder
hatte. Diese
Ehe führte
in seiner
Politik zu
verwandtschaftlichen
Rücksichten,
die auch der
Deutsche
Ritterorden
zu spüren
bekam. Mit
der
Einführung
des
Reichskammergerichts
1495 hatte
sich auch in
Deutschland
das römische
Individualrecht
in Lehre und
Anwendung
durchgesetzt,
das eigene
Rechte und
persönliches
Eigentum
mehr
schätzte,
doch uraltes
Rechtsempfinden
auch erst
ablösen
mußte – an
der
Entwicklung
der 1456
gegründeten
Greifswalder
Universität
hat der
Herzog
lebhaft
Anteil
genommen.
Kolumbus
hatte 1492
die „Neue
Welt“
entdeckt,
während
Deutscher
Orden und
Hanse-Bund
wesentliche
Machtfaktoren
im Osten
geworden
waren. Dazu
ließ die
Entwicklung
des
Glaubenslebens
das
Bedürfnis
nach einer
Reform
erkennen,
wie sie dann
mit Luthers
Thesen-Anschlag
in
Wittenberg
auch
ausgelöst
wurde; War
es ein
Zufall, daß
der Herzog
den jungen
Rektor
Johannes
Bugenhagen,
den späteren
Dr.
Pomeranus
und
Beichtvater
Luthers,
nach der
eigenen
Geschichte
forschen
ließ, woraus
die erste
pommersche
Landes-Chronik
geworden
ist? Mit all
diesen
Problemen
mußte
Bogislaw
fertig
werden, sein
Land neu
zusammenführen
und
regierbar
machen.
Seine
Auseinandersetzungen
mit den
Brandenburgern
um die
Lehnsabhängigkeit
hat er bis
zu seinem
Tod am
5.l0.1523
nie
vernachlässigt,
ohne
freilich ein
befriedigendes
Ergebnis zu
erreichen.
Martin
Wehrmann,
dessen
„Geschichte
von Pommern“
noch heute
als ein
Standardwerk
gilt, hat
als
Landsmann
sehr
freimütig
über ihn
geurteilt:
Ein großer
Herrscher
oder gar ein
Held sei er
nicht
gewesen,
doch mit
seinem
praktischen
Sinn und
seiner Gabe,
tüchtige
Männer zur
Mitarbeit
heranzuziehen
der Schöpfer
des
pommerschen
Staates
geworden.
Lit.:
ADB und NDB.
– Martin
Wehrmann:
Geschichte
von Pommern,
1919. –
Oskar
Eggert:
Geschichte
Pommerns. –
Diverse
Beiträge zur
pommerschen
Geschichte
in den
„Baltische
Studien“.
Bild:
Privatarchiv
des Autors
Friedrich
Birkholz