Boleslaus
war der
älteste Sohn
Herzog
Wladislaus’
I. von
Krakau-Schlesien
(reg.
1138–1146,
† 1159) aus
dem
polnischen
Herrschergeschlecht
der Piasten
und dessen
Gemahlin
Agnes von
Babenberg,
Tochter
Markgraf
Leopolds
III. von
Österreich
und
Halbschwester
des
römisch-deutschen
Königs
Konrad III.
Boleslaus
heiratete in
erster Ehe
1142 oder
1141
Svinislava
(† zwischen
1155 und
1160), die
Tochter des
Fürsten
Vsevolod
Olegovič von
Kiew, in
zweiter Ehe
Christina (á
wohl 1150, †
23. Februar
zwischen
1204 und
1208) aus
einem
sächsisch-thüringischen
Grafengeschlecht.
Den Ehen
entsprangen
wohl neun
Kinder,
darunter
Jaroslaus
(á
um 1142, †
22. März
1201),
Herzog von
Oppeln (vor
1198–1201)
und Bischof
von Breslau
(1198–1201),
und sein
Nachfolger
als Herzog
von
Schlesien
Heinrich I.
(á
1165/70, †
1238), der
die spätere
Landesheilige
Hedwig aus
dem Haus der
Andechs-Meranier
heiratete.
Boleslaus’
Leben
bewegte sich
zwischen
Deutschland
und Polen
mit
Schlesien im
Zentrum. Im
Konflikt um
das
Seniorat,
die
Vorherrschaft
in Polen,
zwischen
seinem Vater
Wladislaus
als Senior
und dessen
Bruder
Boleslaw IV.
von Masowien
(reg.
1146–1173)
vermittelte
Boleslaus
die Hilfe
des Fürsten
von Kiew,
die mit der
Eheschließung
zwischen ihm
und
Svinizlava
abgesichert
wurde.
Dennoch
unterlag
Wladislaus
und mußte
1146 mit
seiner
Familie nach
Deutschland
flüchten.
Sein
Schwager,
König Konrad
III. (reg.
1138–1152),
wies der
Familie das
thüringische
Altenburg
als
Aufenthaltsort
zu, nahm
Boleslaus
jedoch auf
seinem
Kreuzzug in
das Heilige
Land 1147
mit.
Boleslaus
begleitete
auch Kaiser
Friedrich I.
Barbarossa
(reg.
1152–1190)
auf seinen
Italienzügen
1154/55 und
1158–1162.
Um diese
Zeit
heiratete er
eine nicht
näher
bekannte
Gräfin
Christina,
eine
Eheverbindung
aus der
Situation
des Exils
heraus. Nach
dem Tod
seines
Vaters 1159
konnten
Boleslaus
und seine
Brüder auf
kaiserlichen
Druck ihr
schlesisches
Erbe 1163
wieder in
Besitz
nehmen. Mit
der Zeit kam
es jedoch zu
Streitigkeiten
zwischen
Boleslaus,
seinem
Bruder
Mieszko
(reg.
1163–1211)
und seinem
ältesten
Sohn
Jaroslaus,
die mit
Unterstützung
Boleslaus
IV. 1172 zur
Verbannung
Boleslaus’
führten. Im
Folgejahr
kehrte er
jedoch mit
Hilfe des
Kaisers
zurück, dem
Boleslaus
tributpflichtig
wurde; das
Gebiet von
Ratibor
mußte er an
Mieszko,
jenes von
Oppeln an
seinen Sohn
abtreten.
Als
Oberhaupt
der älteren
Piastenlinie
wollte
Boleslaus
das
eigentlich
ihm
zustehende
Seniorat
übernehmen,
weshalb er
sich 1177 an
einer
Verschwörung
gegen den
Senior
Mieszko III.
von
Großpolen
(reg.
1138–1202)
beteiligte,
in deren
Folge er
jedoch
abermals von
seinem
Bruder und
seinem Sohn
vertrieben
wurde. Mit
Hilfe des
neuen
Seniors,
Herzog
Kasimir des
Gerechten
von Krakau
(reg.
1177–1194),
konnte
Boleslaus
noch im
selben Jahr
und nun
endgültig
nach
Schlesien
zurückkehren.
Seine
gesamtpolnischen
Pläne gab er
auf, fortan
ging es ihm
um die
Sicherung
seines
Besitzes.
Ins Heilige
Land und
nach Italien
gereist,
zwischen
Deutschland
und Polen
stehend,
mußte
Boleslaus –
durch die
Machtumstände
bedingt –
seine
politischen
Ziele von
der
Herrschaft
über
Gesamtpolen
auf jene
über
Schlesien
beschränken.
Mit Italien
und
Deutschland
hatte
Boleslaus
weiter
entwickelte
Länder
kennengelernt.
Vom
Zisterzienserkloster
Pforta, wo
seine
Eltern,
seine erste
Frau und
sein Sohn
Johann
bestattet
waren,
gingen
beispielhafte
kolonisatorische
und
wirtschaftliche
Fortschritte
aus, die
Boleslaus
ebenfalls
Anregungen
zur
Entwicklung
seines
Herrschaftsbereichs
gegeben
haben
werden. In
Schlesien
förderte er
den Bergbau,
ließ
Edelmetalle
wie Gold und
Silber sowie
Erze
abbauen. Als
sichtbares
Zeichen
seiner
Herrschaft
ließ er
Münzen
schlagen.
Den Handel
förderte er
des
weiteren,
indem er
offensichtlich
die
Handelsstraße
von Halle
über
Magdeburg,
Meißen und
Pforta über
die
Stationen
Bunzlau,
Gröditzburg,
Liegnitz
(die beiden
letzten Orte
waren seine
bevorzugten
Aufenthaltsorte)
und Leubus
in Richtung
Breslau
ausweitete.
Am
wichtigsten
war jedoch
der von ihm
eingeleitete
Landesausbau:
unbebautes
Herzogsland
verlieh er
an die
eingesessene
Bevölkerung
zur
Vergrößerung
der
Anbauflächen,
im oberen
Ohletal – im
Bereich des
späteren
Klosters
Heinrichau –
förderte er
die
Ansiedlung
von Böhmen,
und er ließ
auch
deutsche
Siedler ins
Land kommen.
Auskunft
über den
letzten
Vorgang gibt
die einzige
von
Boleslaus
erhaltene
Urkunde, die
Stiftungsurkunde
für das
Kloster
Leubus aus
dem Jahre
1175. Darin
heißt es:
„Alle
Deutschen,
die künftig
die Güter
des Klosters
bebauen
oder, durch
den Abt auf
ihnen
angesiedelt,
dort Wohnung
nehmen
werden,
sollen für
alle Zeit
von allem
polnischen
Recht
ausnahmslos
frei sein.“
Damit wird –
zunächst
noch auf den
Bereich des
Klosters
Leubus
beschränkt –
eine
Grundvoraussetzung
für die
folgende
deutsche
Besiedlung
Schlesiens
gewährt,
nämlich die
Befreiung
vom
polnischen
Recht und
damit die
Beibehaltung
des den
künftigen
Siedlern
geläufigen
deutschen
Rechts.
Diese
Urkunde
Herzog
Boleslaus’
I. steht
damit am
Anfang einer
das ganze
Land
erfassenden
grundlegenden
Veränderung
im Zuge der
deutschen
Ostsiedlung;
sie ist der
erste Hiweis
auf deutsche
Siedler in
Schlesien.
Zugleich
informiert
die Urkunde
darüber, daß
Boleslaus
ein Kloster
– Leubus am
Lauf der
Oder –
gründete und
dieses mit
Zisterziensermönchen
aus Pforta
besetzte.
Mit seiner
Zustimmung
zur
Ersetzung
der
Benediktiner
des
Vinzenzklosters
auf dem
Elbing in
Breslau
durch
Prämonstratenser
öffnete
Boleslaus
Schlesien
einem
weiteren
modernen
Mönchsorden.
Seine
Vorliebe
gehörte
jedoch
seiner
Gründung
Leubus, in
der er
begraben ist
und die zu
einer ersten
Grablege der
schlesischen
Piasten
wurde.
Herzog
Boleslaus I.
von
Schlesien,
der in der
zweiten
Hälfte des
13.
Jahrhunderts
den Beinamen
„der Lange“
erhielt,
steht somit
mit Leben
und Werk
zwischen
Deutschland
und Polen.
Sein
bleibendes
historisches
Verdienst
ist die
durch ihn
eingeleitete
deutsche
Besiedlung
Schlesiens,
die das Land
grundlegend
verändern
sollte.
Lit.:
Neue
Deutsche
Biographie
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Polski
Słownik
Biograficzny
2, S. 262f.
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[Genealogie
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Wrocław
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Benedykt
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Wysoki –
tułacz,
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malkontent.
Przyczynek
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Rückkehrer
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Ein Beitrag
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62, 1971, S.
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Heinrich der
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(Schriften
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17) München
2002, S.
93–106,
110f.,
117–124 –
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Bd. 1, Nr.
45 (Abb. der
Urkunde bei
Norbert
Conrads
(Hg.):
Schlesien.
Deutsche
Geschichte
im Osten
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Berlin 1994,
S. 116).
Bild:
Grabplatte
Herzog
Boleslaus’
I. von
Schlesien im
Kloster
Leubus. Aus:
Hermann
Luchs:
Schlesische
Fürstenbilder
des
Mittelalters.
Breslau
1872, Tafel
6.
Ulrich
Schmilewski