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Eduard von Bonin
entstammte einer bereits seit dem 13. Jahrhundert bezeugten pommerschen
Adelsfamilie. Schon als Dreizehnjähriger kam er mit dem Ernst des
Krieges in Berührung; während des Rückzugs Blüchers auf Lübeck im
Gefolge der preußischen Niederlage vom Oktober 1806 geriet er in
französische Gefangenschaft, wurde aber auf Ehrenwort wieder
freigelassen. Nach der Absolvierung des Gymnasiums an seinem
Garnisonsort Prenzlau und der Beförderung zum Leutnant (1810) nahm er
als Adjutant an den Feldzügen 1813 und 1814 teil und bekam vor Paris das
Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. 1842 wurde er Oberst und 1848
Kommandeur einer Infanteriebrigade. Eine historisch bedeutsame Rolle
spielte Bonin erstmals im Kampf um Schleswig-Holstein 1848 bis 1850. Im
März des Revolutionsjahres 1848 hatten sich die vereinigten
schleswig-holsteinischen Stände nach Ankündigung einer Einverleibung
Schleswigs in den dänischen Staat von Dänemark losgesagt und eine
provisorische Regierung gebildet, die von Preußen vor allem durch
Bereitstellung eines Observationskorps in Holstein unterstützt und vom
Deutschen Bund anerkannt wurde. Am 10. April 1848 überschritten
preußische Truppen unter General Wrangel (in der Funktion eines
Bundesfeldherrn) und Bonin, der das Kommando der Linienbrigade
innehatte, die Eider und schlugen am 23. desselben Monats die Dänen am
Danewerk und bei Schleswig. Bonin wurde General. Nachdem Preußen unter
dem Druck Englands und Rußlands, bevollmächtigt durch die Frankfurter
Zentralgewalt zu Unterhandlungen mit Dänemark, mit diesem am 26. August
1848 den Waffenstillstand von Malmö hatte abschließen müssen, übernahm
Bonin den Oberbefehl des schleswig-holsteinischen Heeres, das er im
Winter 1848/49 reorganisierte und auf die Grundlage der allgemeinen
Wehrpflicht stellte. Auf der Seite der Patrioten im Lande, drängte er im
Gegensatz zu Berlin und Frankfurt auf einen neuen Kampf.
Der Krieg wurde am 3.
April 1849 fortgesetzt, nachdem die Friedensverhandlungen gescheitert
waren; Reichs- und preußische Truppen traten den
schleswig-holsteinischen zur Seite. Die Schleswig-Holsteiner siegten
noch im selben Monat unter Bonin bei Kolding an der Ostküste Jütlands
gegen die Dänen, während diese im Juli aber die von Bonin
eingeschlossene Festung Friedericia entsetzen konnten. Kein Jahr nach
dem Abschluß eines von den großen Mächten erzwungenen zweiten
Waffenstillstands, im April 1850, legte Bonin sein Kommando nieder und
trat in die preußische Armee zurück, wurde Kommandant von Berlin und
darauf Divisionskommandeur.
Im März 1852 berief
König Friedrich Wilhelm IV. Eduard von Bonin als Kandidat des Prinzen
Wilhelm, des späteren Kaisers, in das Amt des Kriegsministers. Bonin war
sich über die Reformbedürftigkeit der preußischen Armee, namentlich der
Landwehr, im klaren, die er enger mit der Linie zu verbinden suchte,
scheiterte aber aus politischen Gründen. Als Preußen im Krimkrieg, dem
Konflikt Englands und Frankreichs (und schließlich auch Österreichs) mit
Rußland, neutral blieb, wurde Bonin als Hasser Rußlands und einer der
Befürworter einer westlichen Option, zu denen vor allem Prinz Wilhelm
und Angehörige der gemäßigt liberalen „Wochenblattpartei" gehörten,
Anfang Mai 1854 entlassen. Besonders hatte es den König empört, daß sich
der Minister vor der Kreditkommission des Landtags im Sinne seiner
außenpolitischen Konfessionen geäußert hatte. Von seiner militärischen
Umgebung war dem König seine Entscheidung erleichtert worden, indem sie
den ihr wenig genehmen General mit liberalen Neigungen als für sein Amt
ungeeignet bezeichnet hatte. Der Sturz Bonins aber, den Prinz Wilhelm
gegen sich gerichtet betrachtete, löste einen tiefgreifenden Konflikt
zwischen dem Thronfolger, der der Prinz ja war, und dem König aus. Bonin
wurde abermals Divisionskommandeur (in Neiße) und 1856 Vizegouverneur
der Bundesfeste Mainz. Aber noch einmal sollte Bonin eine politische
Rolle spielen. Als Prinzregent Wilhelm 1858 sein Kabinett der „Neuen
Ära" berief, kehrte Bonin in das Kriegsministerium zurück. Denn dem
Prinzen lag schon seit längerem eine Heeresreform am Herzen - und für
eine solche mußte Bonin, der ja
längst um die Mängel der Armee, insbesondere die Gebrechen der
Organisation der Landwehr wußte und sich einst um ihre Milderung bemüht
hatte, als der rechte Mann erscheinen. Er stimmte mit Prinzregent
Wilhelm darin überein, daß die Landwehr nicht mehr integrierender
Bestandteil des Feldheeres sein solle, da sie den Anforderungen, die an
eine aktive Kampftruppe gestellt werden mußten, nicht genügen könne.
Mochte Bonin über die Stellung des Kriegsministers, der ja für den Teil
des Militärwesens verantwortlich zeichnete, der der Zustimmung des
Landtags unterworfen war, mit dem Prinzregenten und noch mehr mit dem
Chef des Militärkabinetts, Edwin von Manteuffel, in manchem nicht einig
sein, die den Bereich der der Mitsprache des Parlaments entzogenen
Kommandogewalt möglichst weit gesteckt sehen wollten - ausschlaggebend
für Bonins Ausscheiden aus seinem Amte Ende November 1859 waren solche
Divergenzen nicht. Zum Bruch zwischen dem Prinzen und seinem Minister
kam es über die Frage, wie die Reform mit einer Beschränkung des
Militärbudgets verbunden werden könne. Auf eine solche hatte Bonin
gedrungen, um die auszuarbeitende Militärvorlage für den Landtag
annehmbar zu machen. Aber Prinz Wihelm war unnachgiebig geblieben. „Der
Friede selbst, ohne welchen keine Wohlfahrt, weder des Ganzen noch des
einzelnen, zu denken wäre, würde durch eine Beschränkung der inneren
Tüchtigkeit und Schlagfertigkeit der Armee gefährdet werden“, hatte er
Bonin kurz vor dessen Entlassung geschrieben.
Das Ausscheiden Bonins,
dessen liberale wie konstitutionelle Gesinnung bekannt war, und seine
Ersetzung durch den streng konservativen Albrecht von Roon haben die
parlamentarische Behandlung der Heeresreform, die in einen
Heereskonflikt und schließlich sogar in einen Verfassungskonflikt
hineintreiben sollte, wesentlich erschwert. Der abgelöste Minister
beendete seine Laufbahn als kommandierender General des 8. Armeekorps in
Koblenz. Obwohl tüchtig und militärisch erfahren, auch persönlich
liebenswürdig, ist Eduard von Bonin zweimal als Minister glücklos
gewesen. Das lag im tieferen daran, daß er in den militärischen wie den
zivilen Führungszirkeln Haß auf sich zog, weil, wie es Roon in seinen
Erinnerungen ausdrückt, „er der Popularitätshascherei und des
Liebäugelns mit dem Liberalismus beschuldigt wurde“.
Lit.:
Walter Bußmann: Zwischen Preußen und Deutschland. Friedrich Wilhelm IV.,
Berlin 1990. - Rudolf Schmidt-Bückeburg: Das Militärkabinett der
preußischen Könige und deutschen Kaiser. Seine geschichtliche
Entwicklung und staatsrechtliche Stellung. 1787-1918, Berlin 1933. -
Heinrich Otto Meisner: Der Kriegsminister. 1814-1914. Ein Beitrag zur
militärischen Verfassungsgeschichte, Berlin 1940. - Eberhard Kessel:
Moltke, Stuttgart 1957. - Hans Branig: Eduard Wilhelm Ludwig von Bonin,
in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 447 (mit weiterer Literatur).
Peter Mast
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