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Ignaz von Born gelang es zwar nicht, Kaiser Joseph II. dazu zu bewegen,
einer Freimaurerloge beizutreten, doch war es ihm erlaubt worden, in der
Loge „Zur Eintracht“ tätig zu bleiben, was sonst Staatsangestellten
untersagt war. Mozarts Sarastro soll der Gestalt Borns nachempfunden
sein, was ein weiterer Hinweis darauf ist,
daß
der recht junge Gelehrte am Wiener Hof eine Sonderstellung einnahm.
In Siebenbürgen geboren, besuchte Born zunächst Schulen in Hermannstadt
und Wien, trat dann in den Jesuitenorden ein (1759), wo er es 16 Monate
lang aushielt. 1760 betrieb er in Prag Rechtsstudien, war danach
bestrebt, durch ausgedehnte Reisen Einblick in die Bergwerke Europas zu
erhalten, um seine Mineralogie- und Geologiekenntnisse zu vertiefen.
Deutschland, Holland, Frankreich und Spanien waren seine ersten
Reiseziele. Eine „metallurgische“ Reise im Jahre 1770, die von Born in
einer sehr präzisen Beschreibung festhielt (Briefe über
mineralogische Gegenstände auf seiner Reise durch den Temesvárer Banat,
Siebenbürgen, Ober-und Niederungarn an Johann Jakob Ferber geschrieben,
Frankfurt u. Leipzig, 1774; 1777 auch englisch, 1780 französisch,
1778 italienisch), trug wesentlich dazu bei, den Autor bekannt zu
machen. In Prag, wo der gebürtige Siebenbürger seit 1770 Beisitzer im
Bergamt war und Vorlesungen hielt, bildete sich um ihn ein Kreis junger
Wissenschaftler. Dieser war im Gegensatz zu den Seibtianern, denen die
schöngeistige Literatur am Herzen lag (Klopstock, Gellert, Hagedorn
wurden durch Karl Heinrich Seibt in Prag bekannt gemacht) und zu den
Sonnenfelsianern und deren aufgeklärten Radikalismus vor allem bemüht,
gesellschaftlich-aufklärerische Ziele zu erreichen und die
Wissenschaften zu fördern. Die Bornianer gründeten eine
wissenschaftliche Vereinigung, die bis 1784 „Privatgesellschaft in
Böhmen“, seit 1785 aber „Königliche Gesellschaft der Wissenschaften“
hieß. Born selbst arbeitete an den Actis literaris Bohemiae et
Moraviae mit, war Initiator der Abbildungen böhmischer und
mährischer Gelehrter und Künstler“ (1773-1777). Außer der Herausgabe
wissenschaftlicher Abhandlungen von Zeitgenossen (Ferber, 1773; Kern,
1776) hat Born in seiner Prager Zeit auch über geologische Fragen seiner
böhmischen Umgebung gearbeitet (so etwa 1773 über den erloschenen Vulkan
bei Eger). Sein Renommee war der Grund dafür, daß ihn Maria Theresia
1776 mit der Leitung des Wiener Naturalienkabinetts betraute. 1778 und
1780 erschienen die ersten Bände der Beschreibung der Sammlungen des
Kabinetts; eine Fortführung der Katalogisierung war nicht möglich, da
Joseph II. Ignaz von Born für wichtige Neuerungen im Bergbauwesen in
Anspruch nahm. Borns Verfahren, Erze anzuquicken, wurde zunächst in
Schemnitz erprobt, dann im gesamten Kaiserreich eingeführt. Außerdem
gelang es Born, auf chemischem Wege Wachs zu bleichen und beim
Salzsieden große Mengen Brennholzes einzusparen. Seine Erfolge sind in
öffentlichen Ehrungen anerkannt worden (1779 wurde Born wirklich
Hofrath; seine Erfindungen wurden großzügig honoriert). Die Gesundheit
des Gelehrten war vor allem seit seiner Reise im Jahre 1770
beeinträchtigt, als Born im Bergwerk von Felsö-Bánya (heute: Baia Sprie)
bei einem Unfall fast ums Leben gekommen war. Trotzdem war er rastlos
tätig, gab Physikalische Arbeiten der Freimaurerloge heraus, eine
Bergbaukunde, war auch schriftstellernd wirksam (seine Satire Die
Staatsperücke unterstützte die josefinischen Reformbestrebungen).
Eine Geschichte der Regierung Leopolds II. und eine Gesamtdarstellung
der Mineralogie konnte Ignaz von Born nicht mehr fertigstellen. Er starb
am 28. August 1791 in Wien.
Wissenschaftliche Gesellschaften von London bis Siena, von Padua bis
Berlin wählten Born zum Mitglied, Ehrungen aus seiner Geburtsheimat
Ungarn waren nicht gerade alltäglich, so daß es nicht erstaunlich ist,
wenn in seinem Nekrolog zu lesen ist: „An Geisteskraft und angeborenem
Talente wohl der Größte unter den Todten dieses Jahres; an Wirkungen,
die sein thätiger Geist auf die Wissenschaften und auf seine Mitmenschen
hatte, unbeschreiblich merkwürdig für sein Zeitalter!“ Engagement für
die politischen und gesellschaftlichen Anliegen seiner Zeit,
unermüdliches Forschen und Bemühen, die Ergebnisse der Forschung in
Technologien und praktische Wirksamkeit umzusetzen, Interesse an Kunst
und Literatur, Sammlerinstinkt und Ordnungsvermögen: das alles zeichnete
den mit nicht ganz 50 Jahren Dahingegangenen aus, dessen Werke heute
meist nur noch von historischem Wert sind.
Werke:
Die Staatsperücke, eine Erzählung, Wien 1772. – Index rerum naturalium
Musei Caesarei Vindobonensis, Wien 1778 u. 1780. – Ueber das Anquicken (Amalgamiren)
der gold- und silberhaltigen Erze, Rohsteine, Schwarzkupfer und
Hütten-Speise, Wien 1786. – Catalogue methodique et raisonne de la
Collection des Fossiles de Mdlle Eleon, de Raab, Wien 1790. –
Bergbaukunde (mit von Tebra), 2 Bde., Leipzig, 1789.
Lit.:
Siebenbürgische Quartalschrift, 1792, Bd. II, S. 227-229. – Joseph
Trausch: Schriftsteller-Lexikon, Kronstadt, 1868, Neudruck 1983 (Hg. von
Hermann A. Hienz), Köln Wien, I, S. 162-168. – Hans Schebesch: Der
Siebenbürger Ignaz von Born – Urbild für den Sarastro in Mozarts
„Zauberflöte“, in: Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 33 (1984), H. 2,
S. 136-137. – Robert Podratzky: Ignaz, Edler von Born berichtet über den
Banater Bergbau 1770, in: Beiträge zur deutschen Kultur 4 (1987), H. 2,
S. 45-50.
Bild:
Von Kempelen: Mechanismus der menschlichen Sprache, Wien, 1791 (Foto
Bayerische Staatsbibliothek München).
Horst Fassel
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