Als Sohn des Albrecht
Magnus
Herzog von
Braunschweig
stammte er,
im Deutschen
Orden eine
Ausnahme,
aus reichsfürstlichem
Geschlecht.
Durch die
systematische
Heiratspolitik
seines
Großvaters
Otto v.
Lüneburg,
der 1235 zum
Herzog
erhoben
worden war,
ergab sich
die
Verwandtschaft
Luthers auch
mit den
Thüringer
Landgrafen
und somit
dem
Deutschordenshochmeister
Konrad von
Thüringen
(1239-1240)
und dessen
Schwägerin,
der hl.
Elisabeth.
Sein
Großvater
Otto hatte
bereits
1240/41
einen
Kreuzzug
nach Preußen
zur Hilfe
für den
Deutschen
Orden
unternommen,
sein Vater
Albrecht
1265. Wenn
auch somit
starke
Affinitäten
zum
Deutschen
Orden
vorhanden
waren, so
trat doch
nur Luther
in ihn ein,
während ein
Bruder
Templer, ein
anderer
Johanniter
wurde. Der
Aufstieg
Luthers
bedingte
wohl, daß
drei seiner
Neffen später
ebenfalls
dem
Deutschen
Orden
beitraten.
1297 ist
Luther
erstmals als
Ordensbruder
in Preußen
nachweisbar,
bis 1304
stets im
Gefolge des
jeweiligen
Landmeisters,
doch ohne
Amt.
1308-1312
urkundete er
als Komtur
von Gollub,
einer der
bedeutenderen
Komtureien
des
Kulmerlandes
an der
Grenze zu
Masowien.
1314-1330
verwaltete
er die
Komturei
Christburg,
die wegen
ihrer
Bedeutung
nach der
Übersiedlung
der
Ordensleitung
von Venedig
auf die
Marienburg
1309
allmählich
mit dem
Großgebietigeramt
des Obersten
Trappiers
verbunden
wurde,
vielleicht
zum
erstenmal
unter
Luther.
Allerdings
urkundete er
als Oberster
Trappier nur
1314-1318,1324
(?) und
1327-1330;
die
Verbindung
jenes Amtes
mit der
Komturei
Christburg
war also
noch nicht
völlig
festgelegt.
Am 17.
Februar 1331
wurde Luther
zum
Hochmeister
gewählt. Er
starb am 18.
April 1335
und ist auf
eigenen
Wunsch im
Chor des
Königsberger
Doms, seiner
Gründung,
begraben, wo
sich bis zum
Zweiten
Weltkrieg
seine
Grabplatte
und eine
hölzerne
Liegefigur
mit
Porträtcharakter
– ein
bedeutendes,
kurz nach
dem Tode
entstandenes
Kunstwerk -
befanden.
Die Stärke
seiner
Amtsführung
liegt in der
Innenpolitik,
wobei
besonders
der Bereich
des
Landesausbaus
zu nennen
ist, der
bereits in
seiner
Christburger
Amtszeit
eine
bedeutende
Rolle
spielte,
während er
außenpolitisch
daran
interessiert
war, den
Krieg mit
Polen, der
seit der
Annektion
Pommerellens
durch den
Orden
1308/09
immer wieder
aufflammte,
ohne
Nachteile
für den
Orden zu
beenden.
Wesentlich
ist seine
Bautätigkeit,
bereits in
der Komturei
Christburg
im Bereich
der
Pfarrkirchen,
später aber
auch für die
Burgen. Auf
ihn geht der
Bau der
Annenkapelle
der
Marienburg
zurück als
Grablege der
Hochmeister,
die
reichsfürstengleiche
Stellung
besaßen,
sicher
veranlaßt
durch seine
Herkunft.
Bleibende
Bedeutung
erlangte er
ebenfalls
für die
Dichtkunst,
als Anreger
der
Danielparaphrase,
Thilos von
Kulm Buches
„Von siben
ingesigelen"
und vor
allem die
Übertragung
der
preußischen
Ordenschronik
Peters von
Dusburg
durch
Nikolaus von
Jeroschin.
Seine anhand
der
entsprechenden
Statutenänderungen
nachweisbare
Religiosität
traf sich
mit dem
einem
fürstlichen
Hause
eigenen
Traditionsbewußtsein.
Wenn Helm
und Ziesemer
ihn einen
feingebildeten
Mann, eine
bedeutende
Persönlichkeit
nennen, so
geht dies
sehr wohl
auf
mittelalterliche
Wertungen
zurück.
Allerdings
muß
offenbleiben,
ob er
wirklich „sepius
in choro
cantat, quum
notas novit
dulciter
modulare et
signanter
sanctissimam
Elizabeth
tanquam sibi
specialem
matronam
devotissimis
obsequiis et
laudibus
venerabatur",
wie der
Chronist
Wigand von
Marburg
– aufgrund
seiner
Herkunft
besonders
auf die
Verwandtschaft
Luthers mit
der hl.
Elisabeth
hinweisend –
am Ende des
14. Jhs.
berichtet;
doch ist
unter Luther
das
fürstliche
Element des
Hochmeisters
in Preußen
in
besonderem
und
positivem
Maße zum
Ausdruck
gekommen.
Allerdings
dürfen wir
sicher nicht
so weit
gehen, die
Parallele
zwischen der
Marienburg
als neuem
Musensitz
und der
Wartburg zu
ziehen.
Luther trat jedoch nicht
nur als
Anreger auf,
er dichtete
auch selber.
Dies ist
eindeutig
überliefert
durch
Nikolaus von
Jeroschin,
der eine
Legende der
hl. Barbara
in deutschen
Versen
bezeugt. Der
Orden hatte
eine
besondere
Beziehung zu
Barbara: Ihr
Haupt sollte
in die
pommerellische
Burg
Sartowitz an
der Weichsel
gekommen
sein, die
1242 vom
Orden
erobert
wurde, wobei
man das
durch einen
Zettel als
solches
gekennzeichnete
Haupt fand
und nach
Kulm
überführte.
Zwar ist
Barbara
keineswegs
Patronin des
Ordens
geworden,
sondern
gerade im
14. Jh. in
verstärktem
Maße Georg,
doch hat sie
im
westlichen
Ordensland,
besonders im
Kulmerland,
stets eine
gewisse
Rolle
gespielt.
Luther
mochte als
Komtur von
Gollub und
Christburg,
also in der
engeren
Nachbarschaft
jenes
Geschehens,
damit in
Berührung
gekommen
sein; in
jener Zeit
dürfte seine
Dichtung
auch
entstanden
sein.
Erhalten ist
sie nicht,
diente
jedoch neben
Nikolaus vor
allem einer
um 1350
entstandenen
„Translatio
et miracula
S. Barbarae"
als Quelle.
Die Autorschaft Luthers für
das Buch der
Makkabäer
ist
umstritten.
Sie stützt
sich auf ein
braunschweigisches
Initialwappen
in der
Vorrede des
Dichters,
welches Helm
und Ziesemer
zuletzt
„gleichsam
als
Eigentumsmarke"
betrachteten,
hier jedoch
das geistige
Eigentum
meinen. Die
Argumentation
ist
keineswegs
zwingend,
auch nicht
unter
Berücksichtigung
der
Tatsache,
daß noch
drei Neffen
im Orden
lebten, doch
wäre es
immerhin
möglich. Der
sonst in
jener Zeit
unübliche
Stoff hat
eine
besonders
enge
Verbindung
zum
Deutschen
Orden als
mit dem
Heidenkampf
befaßten
Ritterorden,
wie es
bereits im
Prolog der
Deutschordensstatuten
zum Ausdruck
kommt und in
Ordensdichtungen
(Daniel,
Nikolaus von
Jeroschin)
sowie
bildlichen
Darstellungen
in Preußen
deutlich
wird. Das
Original der
Handschrift
entstand vor
der
Danieldichtung;
es ist auf
jeden Fall
zu Lebzeiten
Luthers zu
datieren,
vor 1322
zumindest in
Arbeit, wenn
nicht gar
abgeschlossen.
Das Buch der
Makkabäer
stellt
jedenfalls
ein
beachtliches
Beispiel der
Deutschordensdichtung
des 14.
Jahrhunderts
dar.
Lit.:
Udo Arnold,
Luther von
Braunschweig,
in: Die
deutsche
Literatur
des
Mittelalters.
Verfasserlexikon,
2. Auflage,
Bd. 5,
Berlin 1984.
Abb.:
Grabmal. Hölzerne
Liegefigur
aus Dom zu
Königsberg,
Mitte
14.Jhdt.
(Ausschnitt)
Udo Arnold