Am 7. Juni
1907 wurde
Pater
Hilarius
Breitinger
geboren. Er
kam eher
zufällig mit
dem Osten in
Kontakt,
dafür ließen
ihn die hier
gewonnenen
Erfahrungen
nicht mehr
los. Immer
wieder
meldete sich
die
Vergangenheit,
die er in
exponierter
Stellung,
als
Deutschenseelsorger
und später
als
Apostolischer
Administrator,
erleben
durfte und
musste. Auf
den
Bundestreffen
der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
(LWW) war er
regelmäßig
als Betreuer
der
katholischen
Deutschen
aus Polen
tätig.
Auf den
bürgerlichen
Namen Lorenz
Breitinger
wurde er am
7.6.1907 in
Glattbach
bei
Aschaffenburg
als Sohn des
Schreinermeisterehepaares
Martin und
Barbara
Breitinger
geboren.
Nach seinem
Abitur
entschied er
sich zum
Studium der
Theologie
und trat in
den Orden
der
Franziskaner-Minoriten
ein. 1932
wurde er zum
Priester
geweiht. Die
Franziskaner
stellten
seit Jahren
den
Seelsorger
der
deutschen
Katholiken
in Posen an
der dortigen
Franziskanerkirche.
Seit der
Machtübernahme
verschärfte
sich die
Situation
und Pater
Venatius
Kemp wurde
1934
ausgewiesen.
Die deutsche
Ordensleitung
hatte sich
in Absprache
mit dem
Vatikan für
Pater
Breitinger
als
Nachfolger
entschieden
und schickte
ihn nach
Posen.
Trotz
zahlreicher
Vorbehalte
und
Schwierigkeiten
seitens des
polnischen
Klerus
konnte P.
Breitinger
seine
Aufgabe zur
Zufriedenheit
aller
erfüllen.
Ein
wichtiger
Aspekt war
dabei seine
Anpassung,
indem er
polnisch
lernte.
Diese
Anerkennung
in Posen
konnte
jedoch nicht
verhindern,
dass auch er
auf die
Liste der im
Kriegsfalle
zu
internierenden
Personen
kam. Gleich
am 1.
September
1939 wurde
auch P.
Hilarius
verhaftet
und
deportiert.
Als
Ordensmitglied
stand er im
besonderen
Fokus des
Pöbels, der
an der
Straße
stehend die
Deportierten
schmähte und
ihnen Gewalt
antat. Ihm
galten viele
Angriffe,
getroffen
wurde, wie
er
vermutete,
jedoch statt
seiner der
großgewachsene
Dr. Gustav
Klusak
(1903-1987),
der
Vorsitzende
der
Westpolnischen
Landwirtschaftlichen
Gesellschaft
(Welage)
in Posen,
des
Berufsverbandes
der
deutschen
Landwirte
und spätere
Bundessprecher
der
Landsmannschaft
Weichsel-Warthe
(LWW)
von
1969-1971.
Als eine
geistige
Stütze und
ein guter
Helfer in
dieser
Notzeit
erwies sich
der bereits
greise
evangelische
Superintendent
Dr. Arthur
Rhode
(1868-1967),
der P.
Hilarius Mut
machte und
ihn dank
seiner
Polnischkenntnisse
wortgewaltig
verteidigen
konnte.
Nach der
Befreiung
durch die
deutsche
Wehrmacht
begann die
Propaganda.
Auch P.
Breitingers
Bericht
wurde
missbraucht.
Die Zahl von
etwa 5.800
Verschleppungsopfern
wurde durch
das
NS-Regime
auf das
zehnfache
gefälscht,
um den
Volkszorn zu
schüren und
den Angriff
auf Polen zu
rechtfertigen.
Mit der
Propaganda
begann auch
die
Umsetzung
der
NS-Politik
im
Warthegau,
die sich mit
aller
Grausamkeit
und
Brutalität
gegen die
Polen
richtete,
aber auch
gegen die
Kirchen im
Allgemeinen.
Die
Rassentrennung
und
Entrechtung
der Polen
wurde für
das
polnische
Volk für die
nächsten
Jahre zum
Alltag –
zumeist von
den
Deutschen
kaum
wahrgenommen,
da man sich
auf die
eigenen
Probleme
konzentrierte.
Die
katholischen
Kirchen im
Warthegau
wurden
vielfach
geschlossen;
Zugang war
für Polen
nur in einer
einzigen pro
Kreis
gestattet.
Von den 681
Priestern
des
Erzbistums
Gnesen-Posen
waren
bereits Ende
1941 etwa
450 in
Lagern
interniert.
Sie wurden
ins
Generalgouvernement
ausgewiesen,
starben in
Arbeitslagern
oder wurden
Opfer von
medizinischen
Experimenten
im KZ
Dachau. Nur
noch 14
Priester
waren für
die deutsche
Seelsorge
und 32 für
die
polnische im
Einsatz.
Da die
Leitung des
Erzbistums
durch die
Flucht
Kardinal
Hlonds
vakant war,
und man
seitens der
Gauleitung
Lösungsangebote
aus dem
Reich
ablehnte,
traf Papst
Pius XII.
1941 die
Entscheidung,
den
Domkapitular
Dr. Joseph
Paech
(1880-1942)
zum
Apostolischen
Administrator
für die
deutschen
Katholiken
des
Warthegaus
zu ernennen.
P.
Breitinger
war seine
rechte Hand
und leitete
die
Verhandlungen
mit der
Gauleitung,
die die
Kirchen im
Reichsgau
Wartheland
in Vereine
umwandeln
wollte.
Wegen seiner
Herzerkrankung
trat Dr.
Paech
bereits 1942
von seiner
Funktion
zurück und
P.
Breitinger
erhielt am
2.5.1942 die
Ernennung zu
seinem
Nachfolger.
Ende 1944
wurde der
Untergang
des Dritten
Reiches
durch den
Vormarsch
der Roten
Armee
deutlich
sichtbar und
seine
polnischen
Freunde
rieten ihm,
Posen zu
verlassen.
Nach seiner
Flucht
kehrte er in
seine
fränkische
Heimat
zurück, wo
er als
Volksmissionar
eingesetzt
wurde. 1947
wurde er zum
Guardian des
Franziskanerklosters
Würzburg
ernannt und
leitete
seither bis
zu seiner
Emeritierung
verschiedene
Ordensfilialen,
so seit 1953
das
oberbayerische
Kloster
Maria Eck
und seit
1959 das
Wiener
Antonius-Seminar
verbunden
mit der
Krankenhausseelsorge.
1964 wurde
er zum
Provinzial
der
österreichischen
Klosterprovinz
gewählt.
Nach acht
Jahren
kehrte er
dann als
Guardian der
Grazer
Filiale und
Stadtpfarrer
des
Stadtteils
Graz-Mariahilf
in die
Seelsorge
zurück. Die
Kirchenleitung
ernannte ihn
zum
Konsistorialrat.
1978 kehrte
der
inzwischen
71-jährige
P. Hilarius
in seine
Wahlheimat,
das Kloster
Maria Eck in
Oberbayern,
zurück. Hier
betreute er
die
Wallfahrtseelsorge
und die
verschiedenen
Schwestergemeinschaften,
die den
väterlichen
Senior
ebenso
schätzten
wie seine
Ordensbrüder
selber. Im
Un-Ruhestand
in Maria Eck
fand P.
Hilarius nun
auch Zeit,
seine
Lebenserinnerungen
niederzuschreiben.
Anlässlich
seines 60.
Priesterjubiläums
im Jahr 1992
erteilte
auch Papst
Johannes
Paul II. dem
Jubilar in
„Würdigung
seines
unermüdlichen
pastoralen
Dienstes und
verdienstvollen
Wirkens als
Apostolischer
Administrator
der
deutschen
Katholiken
im
Warthegau“
seinen
apostolischen
Segen.
Im Alter von
87 Jahren
verstarb P.
Hilarius
Breitinger
am 23.
August 1994
im Kloster
Maria Eck –
ein
gesegnetes
Alter für
einen Mann,
der auf der
deutschen
Liste für
das KZ
Dachau und
später auf
der
Todesliste
der
polnischen
Kommunisten
stand.
Bild:
Privatarchiv
des Autors.
Martin
Sprungala