Eduard Briese ist der Sohn evangelisch-deutscher Handwerker, die
sich in der
ehemaligen
Hauptstadt
des rumänischen
Fürstentums
Moldau, in
Jassy,
niedergelassen
hatten. In
Roman und
Jassy
besuchte
Otto Briese
die Schule,
war von
1906-1911
Schüler der
Kunstschule,
wo er
einerseits
Malkurse
belegte,
andererseits
von
1906-1909
recht
erfolgreich
Instrumentalmusik
ausübte. Als
junge
Künstler
1909 den
Lecomte-de-Nouy-Preis
für eine
Zeichnung
erhielt und
anschließend
in Wien und
München
Zeichen- und
Malunterricht
nahm, mag
die
endgültige
Entscheidung
gefallen
sein. Otto
Briese
widmete sich
in den
nächsten 54
Lebensjahren
mit viel
Ausdauer und
Erfolg der
Malerei.
Als
Zeichenlehrer
und
Kunsterzieher
ist er seit
1912 in
Vaslui und
Jassy tätig.
Ab 1933 ist
er Professor
an der
Jassyer
Kunstakademie,
1945 wird er
zum Direktor
dieser
Institution
ernannt. In
den
Kriegsjahren
befand sich
Briese –
ebenso wie
die meisten
namhaften
Künstler
Rumäniens –
im Banat, wo
er weiterhin
junge
Talente
ausbildete
und seine
eigenen
künstlerischen
Arbeiten
vorantrieb.
Als
Initiator
des
Kulturlebens
in Rumänien
war der Deutschmoldauer
schon früh
am Werk:
1918
gründete er
zusammen mit
den Malern
C. Bacalu,
A. Baesu,
St.
Dimitrescu
die Jassyer
Künstlervereinigung
„Arta
românească“,
die
entschieden
gegen den
Akademismus
auftrat.
Nach 1945
war Briese
einer der
Mitbegründer
des „Flacăra“-Kreises,
der die
Stunde Null
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
überwinden
helfen
sollte.
Zusammen mit
dem
Bukarester
deutschen
Kunstkritiker
und
Romanschriftsteller
Oscar Walter Cisek hat
Briese 1926
die erste
Großschau
neuer
Graphik in
Rumänien veranlaßt
und
mitgestaltet.
Aber die
Hauptleistungen
des
Künstlers
liegen auf
dem Gebiet
der Malerei.
Seine
Zeichnungen,
die eine
ausgeprägte
Neigung zu
Porträtskizzen
erkennen
lassen, sind
bisher nie
in einer
Einzelausstellung
zu sehen
gewesen. Und
solche
Einzelausstellungen
hat der
Maler oft
genug
gezeigt.
Insgesamt
waren von
1911 bis
1962 drei
Dutzend
Einzelausstellungen
von Otto
Briese in
allen
größeren
Städten
Rumäniens zu
sehen.
Außerdem hat
er bei
nationalen
und
internationalen
Gemeinschaftsausstellungen
zahlreiche
Preise
erhalten.
Otto Briese
ist einer
der ersten,
die in der
Moldau die
Landschaftsmalerei
publikumswirksam
machten.
Dabei hat er
sowohl die
von
Deutschen
bewohnten
Landstriche
– das
Buchenland
und das
Banat (vor
allem die
Gegend von Sarul Dornei
und Lugosch)
— in
nuancierter
spätimpressionistischer
Manier im
Bild
festgehalten,
als auch
typisch
rumänische
Gegenden
(vor allem
die
Klostereinsamkeiten
von Agapia,
Văratec,
Neamj haben
es ihm
angetan,
aber auch
die Küsten
des
Schwarzen
Meeres in
Bessarabien
und bei
Balcic, im
heutigen
Bulgarien).
Die Poesie
abgelegener
Winkel
schwingt in
Brieses
Gemälden
mit, und der
gebürtige
Jassyer gilt
auch heute
noch als
Modellstifter
für die
Erfassung
pittoresker
Vorstadtszenarien.
Die auf
sieben
Hügeln
gelegene
moldauische
Hauptstadt
mit ihrem
Dächer- und
Sprachengewirr,
mit ihrer
bunten
Menschenvielfalt
kommt in
Brieses
harmonischen
Farbpanoramen
zur
Geltung. Er
hat bei der
Ausgestaltung
dieser
Vorstadtidyllen
keinen
ebenbürtigen
Nachfolger
gefunden.
Stadtgeschichte
mit ihrer
bescheidenen
Nostalgie
wird so am
Leben
erhalten.
Auch als
Porträtist,
als
Nachfolger
einer von
München aus
angeregten
und weitergepflegten
Tradition
des
Stillebens
ist Otto
Briese in
Erinnerung
geblieben.
Seine
Blumenbilder
sind in
zahlreichen
Museen und
Privatsammlungen
zu sehen.
Lit.:
Grigore V.
Coban,
Pictorul
Otto Briese
(Der Maler
Otto
Briese),
Temeswar
1936 (Jassy,
1937). – O.
Tafrali,
Istoria
artelor
(Geschichte
der Künste),
1939. –
Claudiu
Paradeis,
Valori ale
picturii
romanesti
(Werte der
rumänischen
Malerei),
Bukarest,
1970. – I. Maftei,
Personalitati
iesene
(Persönlichkeiten
aus Jassy),
Jassy, 1972,
S.
105/107. –
H. Fassel,
Aus der Zeit
hinaus. Zur
Retrospektive
Otto Briese,
in:
„Neue
Literatur“,
8/1981, S.
111/113. –
H. Fassel,
Der Jassyer
Maler Otto
Briese, in:
„Volk I
Kultur“,
11/1982, S.
14, 23.
Horst Fassel