Am 15.
Oktober 1815
wurde Moritz
Brosig als
jüngster
Sohn eines
Rittergutsbesitzers
in
Fuchswinkel
bei Neisse
geboren. Als
er drei
Jahre alt
war, starb
der Vater,
und die
Familie zog
nach
Breslau.
Hier wuchs
Brosig auf.
Er besuchte
das
Matthiasgymnasium
bis zur
Prima.
Anschließend
war er 3
Monate am
Lehrerseminar,
das er dann
aber wegen
seiner
schwachen
Gesundheit
verlassen
mußte.
Daraufhin
entschloß er
sich,
Kirchenmusiker
zu werden.
Er wurde
Schüler des
Domorganisten
und
Königlichen
Musikdirektors
im Institut
für
Kirchenmusik
an der
Breslauer
Universität
Joseph Franz
Wolf.
Seit 1838
als Organist
an St.
Adalbert
tätig,
vertrat
Brosig
seinen
Lehrer des
öfteren an
der Domorgel
und wurde
nach dessen
Tod 1843 zu
seinem
Nachfolger
als
Domorganist
ernannt.
Brosig wurde
berühmt für
sein
Orgelspiel
und seine
Improvisationskunst,
obwohl er
nie
außerhalb
des Doms
konzertierte.
Im Jahr 1853
bewarb er
sich um die
durch den
Tod von
Bernhard
Hahn
freigewordene
Stelle des
Domkapellmeisters,
die er gegen
die
Konkurrenz
von P.
Cornelius
und B. Hahn
d. J.
erhielt.
1871 wurde
er
zusätzlich
Dozent am
Institut für
Kirchenmusik
der
Universität
Breslau.
Diese
verlieh ihm
1879 den
Titel Dr.
phil. h.c.,
nachdem er
eine
„Modulationstheorie“
(1865) und
eine
„Harmonielehre“
(1874)
geschrieben
hatte. Von
der
„Harmonielehre“
erschien
schon 8
Jahre später
die dritte
Auflage, und
noch im Jahr
1899 gab
Carl Thiel
ihre vierte
Auflage als
„Handbuch
der
Harmonielehre
und
Modulation“
heraus.
Während der
Amtszeit
Brosigs als
Domkapellmeister
wurde 1868
in Bamberg
der
„Allgemeine
Cäcilien-Verein“
gegründet.
Noch im
selben Jahr
wurde Brosig
zum
Mitbegründer
des
„Schlesischen
Cäcilien-Vereins“
in Oppeln.
Schon im
folgenden
Jahr aber
distanzierte
er sich
wieder von
ihm, weil er
seine zu
radikale
Rückwärtsgewandtheit
nicht
mitmachen
wollte. Die
orchesterbegleitende
Musik wurde
im Breslauer
Dom
weiterhin
gepflegt,
sie
verschwand
nicht
gänzlich wie
z. B. in
Regensburg.
Allerdings
führte auch
Brosig
Reformen
durch.
Messen von
Haydn,
Mozart und
Cherubini,
die ihm zu
unliturgisch
erschienen,
verschwanden
aus dem
Repertoire,
ebenso die
zu
feierlichen
Anlässen
üblichen
Bläserintraden
(Einzugsmusiken).
Vom Jahr
1860 an
wurde im Dom
in den
Kartagen nur
a capella
musiziert.
Brosig
vertrat also
eine
gemäßigte
Reform der
Kirchenmusik,
die die
Vokalmusik
des 16./17.
Jahrhunderts
ihrem
künstlerischen
Wert und
ihrer
liturgischen
Funktion
nach
entsprechend
würdigte,
aber ebenso
die
zeitgemäßen
kompositorischen
Mittel
einbezog und
auf
instrumentale
Ausdrucksmittel
nicht
verzichten
wollte.
Seine
Auffassung
zur
cäcilianischen
Reform
veröffentlichte
Brosig 1880
in seiner
Schrift
„Über die
alten
Kirchenkompositionen
und ihre
Wiedereinführung“.
Brosigs
Kompositionen
waren vor
allem in
Schlesien
und darüber
hinaus im
österreichischen
und
süddeutschen
Raum
geschätzt
und weit
verbreitet.
Er schrieb,
bis auf
wenige
kammermusikalische
Werke und
Lieder, nur
Kirchenmusik.
Sechs
Verlage
veröffentlichten
einen
erheblichen
Teil seiner
Orgelmusik
und
Vokalkompositionen.
Brosig
schrieb gute
Musik für
den
gottesdienstlichen
Gebrauch.
Seine
Orgelmusik
läßt
stilistische
Verwandtschaft
zu der F.
Mendelssohns
erkennen.
Seine
Zeitgenossen
lobten
Brosigs
melodische
Erfindungsgabe
und seine
abwechslungsreiche
Harmonik.
Für die
Vokalkompositionen
konstatiert
Rudolf
Walter
Einflüsse
der
Kirchenmusik
F. Schuberts
und C. M.
von Webers
auf Brosig.
Ein Aufsatz
in der
„Zeitschrift
für kath.
Kirchenmusik“
von 1869
hebt hervor:
„Dem
Vokalchor
fällt in
richtiger
Würdigung
der
Hauptanteil
zu. Dabei
ist indes
keine der
Singstimmen
bis an die
äußersten
Grenzen
ihres
Umfanges
geführt, so
daß in
dieser
Hinsicht die
Ausführung
nur bequem
zu nennen
ist. Das
Orchester,
nirgends die
Hauptsache
überwuchernd,
ist in so
weit
angewandt,
als es zur
wahren
Charakterisierung
des Textes
beitragen
hilft.“ In
kritischer
Distanz
sowohl zur
traditionellen,
klassischen,
opernhaften
Orchestermesse
als auch zum
radikal-cäcilianischen
Ausmerzen
jeder
Orchestermusik
im
Kirchenraum
versuchte
Brosig, in
seinen
Kompositionen
dem
liturgischen
Ort gerecht
zu werden
und in
zeitgemäßen
musikalischen
Ausdrucksformen
qualitätvolle
Musik zu
schaffen.
Er wurde auf
diese Weise
ein
wichtiger
Vertreter
der
sogenannten
„Breslauer
Schule“ der
Domkapellmeister
des 19. und
20.
Jahrhunderts,
die den
Breslauer
Dom zu einem
weithin
ausstrahlenden
Zentrum
guter
Kirchenmusik
machte.
1884 trat
Brosig
69jährig von
seinem Amt
zurück und
starb 1887
in Breslau.
Lit.:
Riemann
Musiklexikon,
Personalteil
A-K, Mainz
1959 und
Ergänzungsband,
Mainz 1972.
– MGG
(Enzyklopädie
Musik in
Geschichte
und
Gegenwart)
Bd. 15
Supplement,
Art. M.
Brosig. –
Matysiak,
Waldemar,
Breslauer
Domkapellmeister
von
1831-1925,
Diss.
Breslau
1934. –
Walter,
Rudolf, Die
Breslauer
Dommusik von
1805-1945,
in: Pankalla,
G./Speer, G.
(Hrsg.),
Musik in
Schlesien im
Zeichen der
Romantik.
Liudgera
Speer