„Der Heimat
Rauch ist
leuchtender
als fremdes
Feuer“.
Dieses
schöne und
vielsagende
Wort konnte
man über dem
Eingang des
Hauses „Romowe“
von Herbert
Brust in
Neukuhren an
der
Samlandküste
lesen. Hier
wohnte das
Ehepaar
Herbert und
Edith Brust
viele Jahre.
Die
Schriftstellerin
Margarete
Kudnig
schrieb
einmal über
Brust im
Zusammenhang
mit diesem
Haus: „Ob er
geahnt hat,
daß er dies
Haus mit der
reichen
Sammlung von
alten
Instrumenten,
... und vor
allem mit
einem Schatz
kostbarer
Manuskripte,
ob er es
geahnt hat,
daß er dies
alles nie
wiedersehen
sollte?“
Das
Geburtshaus
Herbert
Brusts, der
später vor
allem als
Komponist
des
Ostpreußenliedes
Land der
dunklen
Wälder
bekannt
geworden
ist, stand
am
Königsberger
Schloßteich,
just an der
Stelle, wo
später die
Stadthalle
erbaut
wurde, in
deren
Konzertsälen
auch Werke
von ihm zur
Aufführung
kamen. 1901
zogen die
Eltern, ein
Kaufmannsehepaar,
in ein
schönes
Patrizierhaus
in der
Magisterstraße,
ganz nahe am
Pregel.
Das
musikalische
Talent des
Jungen
machte sich
früh
bemerkbar.
Vierzehn
Jahre war er
erst alt,
als seine
instrumentale
Liebe sich
der Orgel
zuwandte,
die er bis
zuletzt als
sein
liebstes
Instrument
bezeichnete.
In Walter
Eschenbach,
Kirchenmusikdirektor
und
Domorganist,
fand er
einen
verständnisvollen
Lehrer und
großzügigen
Förderer,
ferner im
Dirigenten
des
Haberberger
Oratorien-Vereins,
dem
Orgelvirtuosen
Reinhold
Lichey. So
spielte er
bereits als
16jähriger
die Orgel
der
Löbenichtschen
Kirche.
Von 1919 bis
1922
studierte
Brust an der
Berliner
Hochschule
für Musik
unter den
Professoren
Fischer und
Koch. In
diesen drei
fruchtbaren
Jahren
erwarb sich
Brust eine
gründliche
Kenntnis der
Kompositionslehre
und der von
ihm virtuos
beherrschten
Instrumentierungskunst.
Auch mit den
Stilelementen
der modernen
Musik setzte
er sich
auseinander.
Sie sollten
später
gerade in
seinen
religiös und
weltanschaulich
unterbauten
Werken zum
Tragen
kommen, wie
in dem
Großen
Totenspiel
(Text von
Ernst
Wiechert),
in den
Göttersprüchen
oder den
Gesängen ums
Brot.
Nach
Abschluß der
Meisterklasse
für
Komposition
und Ablegung
des Examens
ging Brust
nach
Königsberg
zurück, und
zwar als
freischaffender
Künstler und
Mitarbeiter
des
Ostmarken-Rundfunks.
Hier
entstanden
bald darauf
seine
Bläser- und
Kammermusiken,
die
Funkhaus-Weihe-Kantate,
die
Oratorien
Das große
Totenspiel
und
Ostpreußenland
mit dem
Schlußchor
Land der
dunklen
Wälder.
Durch
Anregung der
Königsberger
Hartungschen
Zeitung
hatte er den
jungen
Dichter
Erich
Hannighofer
gefunden
(seit 1945
in Rußland
verschollen),
dessen
eindrucksvolle
Wortwahl den
Zauber
dieses
Stückes bis
heute
ausmacht.
Anfang 1933
wurde das
Oratorium
Ostpreußenland
im
Königsberger
Rundfunk
uraufgeführt
und fand
einen tiefen
Widerhall.
Viele
Zuschriften
voller
Begeisterung
erreichten
den Sender.
Einige
Werkstudenten
waren von
der
Schlußhymne
Land der
dunklen
Wälder...
ergriffen
und sangen
sie zur
Laute auf
den Straßen
Königsbergs
und auch im
Rundfunk.
Die Jugend
brachte sie
in ihre
Singkreise,
und bald war
das
Ostpreußenlied
landauf,
landab
bekannt.
Eine
Berufung als
Professor
nach
Frankfurt
a.M. lehnte
Brust 1939
ab.
Viele der
Werke Brusts
gelangten
über die
Grenzen
Ostpreußens
hinaus in
die Konzert-
und
Musikprogramme,
sie fanden
über den
Rundfunk den
Weg zu
ungezählten
Menschen,
die das Land
Ostpreußen,
das er
musikalisch
darstellte,
nur vom
Hörensagen
kannten. Das
Schaffen des
Komponisten
fand im In-
und Ausland
hohe
Anerkennung.
So vertonte
er weitere
Texte von
Erich
Hannighofer
(Memelruf)
sowie von
Charlotte
Wüstendörfer
(Memelfahrt),
Walter
Scheffler
(Wandern und
Lieben)
und Agnes
Miegel
(Memelland).
Seine
Bernsteinkantate
nach Texten
von
Margarete
Kudnig
gehört zu
den
repräsentativsten
Arbeiten aus
der Feder
Herbert
Brusts. Im
Werkverzeichnis
sind 96
Kompositionen
zu finden.
Im Frühjahr
1941 wurde
Herbert
Brust zur
Wehrmacht
eingezogen.
Wie so viele
Künstler
seiner
Generation
wurde er
durch den
Zweiten
Weltkrieg
und die
Vertreibung
aus seiner
Heimat
mitten aus
fruchtbarem
Schaffen
gerissen.
Herbert
Brust
brauchte
lange, bis
er die
Trennung von
dem Land
seiner Väter
innerlich
verarbeitet
hatte und
neue
Kompositionen
vorlegte.
In
Schiffdorf
bei
Bremerhaven
gründete
sich das
Ehepaar
Brust
schließlich
eine neue
Existenz. An
der
Schiffdorfer
Kirche
konnte er
bald darauf
die Stelle
des
Organisten
übernehmen
und später
am
Wilhelm-Raabe-Gymnasium,
dann am
Humboldt-Gymnasium
Musikunterricht
erteilen
sowie die
dortigen
Schulorchester
und
Schulchöre
leiten. Auch
die
Rundfunksender
übertrugen
wieder Werke
von Brust.
Es gab
etliche
Konzertaufführungen.
Von den
Werken
Herbert
Brusts ist
das
Ostpreußenlied
zum
Inbegriff
der fernen
Heimat
geworden, es
„wurde
geboren aus
einer großen
glühenden
Liebe zur
Heimat“.
Weitere
Werke:
Ostpreußenouvertüre,
für großes
Orchester
(op. 14),
Fünf
Nehrungsgesänge,
für eine
Singstimme
und Klavier
(op. 33),
Musik zum
Hörspiel ‚Im
Hause Simon
Dachs‘ (op.
50), Drei
Gesänge auf
Texte von
Agnes Miegel
(op. 96).
Lit.:
Altpreußische
Biographie,
Bd. III
(1975), S.
877 (Werner
Schwarz). –
H. Brust:
Aus meinem
Leben. Mit
Werkverzeichnis.
In: Ostpr.
Musik I
(1937). – E.
Brust: Land
der dunklen
Wälder und
kristall’nen
Seen: Das
Ostpreußenlied,
seine
Entstehung
und sein
Komponist
Herbert
Brust,
Bremerhaven
s. a. – E.
Kroll:
Musikstadt
Königsberg,
Freiburg i.
Br. 1966.
Bild:
Das
Ostpreußenblatt,
Folge 16
(1970).