Zusammen mit
Gerhard
Strecke und
Richard Wetz
gründete
Hermann
Buchal
wenige Jahre
nach dem
Ersten
Weltkrieg
die
Schlesische
Tonkünstlergilde
und wurde
neben dem
Initiator
Strecke zu
einer
Schlüsselfigur
bei dem fast
unbegreiflichen
Aufschwung,
den das
schlesische
Musikleben
in den
beiden
Jahrzehnten
zwischen den
Weltkriegen
erlebte.
Zwei Jahre
nach dem
Versailler
Friedensschluß,
die er als
freischaffender
Musiker in
seiner
oberschlesischen
Heimat
verbracht
hatte,
erhielt er
einen Ruf
als Lehrer
an das
Schlesische
Konservatorium
in Breslau,
der
Musikstadt
Schlesiens,
wurde drei
Jahre später
Direktor
dieser
damals
bedeutendsten
musikalischen
Ausbildungsstätte
des Landes
und wirkte
an ihr als
Lehrender
bis zur
Vertreibung
nach dem
Zusammenbruch
im Jahre
1945. Seine
pädagogische
Tätigkeit
konnte er
schon ein
Jahr später
in Jena
fortsetzen,
wurde 1950
von der
Universität
Jena zum
Professor
ernannt und
beendete
seine
Lehrtätigkeit
im Jahre
1952, um
sich dann
ganz dem
Komponieren
zu widmen.
Hermann
Buchal wurde
als der
jüngste Sohn
unter neun
Kindern dem
Buch- und
Papierhändler
Gustav
Buchal und
dessen
Ehefrau
Martha im
Jahre 1884
in
Patschkau,
einer
kleinen
Stadt in der
Nähe von
Neisse,
geboren.
Seine früh
zutage
tretende
musikalische
Begabung
dürfte er
vor allem
dem
künstlerisch
vielseitig
veranlagten
Vater
verdankt
haben, der
auch dem
Abiturienten
des
Gymnasiums
seiner
Vaterstadt
kein
Hindernis in
den Weg
legte, als
dieser den
Wunsch zum
Musikstudium
äußerte.
Wenn sich
auch in dem
kleinen
Städtchen,
das gern
„das
schlesische
Rothenburg“
genannt
wurde, kein
anspruchsvolles
Musikleben
entfalten
konnte,
erhielt
Hermann
Buchal in
seiner
Kindheit und
Jugendzeit
doch vor
allem auf
dem Gebiet
der
Kirchenmusik
durch das
Wirken
tüchtiger
Musiker in
seiner
Heimatstadt
vielfältige
und, wie
sich später
zeigen
sollte,
tiefgehende
Anregungen,
besonders
durch den
Chorrektor
Paul Speer.
So war seine
Bewerbung
zum Studium
am Königlich
Akademischen
Institut für
Kirchenmusik
in Berlin
erfolgreich;
im Jahre
1906
siedelte er
in diese
Stadt über,
damals eine
Musikstadt
von
Weltrang.
Dieses
Institut
bildete in
einem
relativ
kurzen, aber
wegen der
kleinen Zahl
der
Studierenden
intensiven
Studium
neben
Kirchenmusikern
auch die
Seminarmusiklehrer
und seit
kurzem die
Musiklehrer
für die
höheren
Lehranstalten
aus. Mit
welchem
Erfolg dies
geschah,
zeigt der
große
Aufschwung,
den die
Schulmusik
auf allen
Ebenen in
den
folgenden
beiden
Jahrzehnten
nahm.
Gleichzeitig
war das aber
auch den
hervorragenden
Lehrern zu
verdanken,
die Buchal
dort
vorfand.
Direktor war
zu seiner
Zeit Robert
Radecke, in
Theorie
verdankte
Buchal
Arthur Egidi
seine
handwerkliche
Grundlegung,
der
Bülow-Schüler
Franz von
Hennig
wirkte als
Klavierpädagoge.
Den tiefsten
Eindruck auf
Buchal
machte der
Lehrer für
katholische
Kirchenmusik,
Carl Thiel –
Schlesier
wie Radecke
–, der den
Studierenden
für die
Ideale des
Cäcilianismus
durch das
Vorbild
seiner
eigenen
Kompositionen
wie als
Dirigent in
der
Aufführungspraxis
zu
begeistern
verstand.
Die
Leistungen
Buchals im
Institut
verschafften
ihm Eingang
in die
Meisterklasse
für
Komposition
von Prof.
Friedrich
Gernsheim an
der
Königlichen
Akademie der
Künste, wo
er auf
Staatskosten
Unterricht
erhielt.
Nebenbei
gewann er
erste
praktische
Erfahrungen
als
Kirchenmusiker
in Berlin.
Sein Lehrer
Carl Thiel
sorgte 1908
dafür, daß
als Opus 1
die
Komposition
„Angelus“
für drei
Solo-Frauenstimmen
und
vierstimmigen
gemischten
Chor a. c.
im Druck
erschienen.
Später
sollte er
mit diesem
seinem
Lehrer und
dem
Seminarlehrer
und
bedeutenden
Volksliedsammler
Georg Amft
zusammen im
Gesamtvorstand
des
Allgemeinen
Cäcilienvereins
die
stilistische
Entwicklung
der
katholischen
Kirchenmusik
beeinflussen.
Nach
Abschluß der
Meisterschule
erhielt er
einen Ruf
als Dozent
für Klavier,
Orgel,
Theorie und
Komposition
an das
Konservatorium
in Beuthen
O/S. Damit
wechselte
Buchal
wieder in
seine Heimat
trotz aller
Warnungen
seiner
Lehrer, die
seinen
Weggang von
Berlin für
die weitere
künstlerische
Entwicklung
als einen
Abbruch
seiner
Laufbahn
bezeichneten
und darauf
verwiesen,
daß es
unendlich
schwer sein
würde,
später in
Berlin
wieder Fuß
zu fassen.
Das ist
Buchal auch
nicht mehr
gelungen.
Der
Kriegsdienst
beendete im
Jahre 1915
seine
Lehrtätigkeit
in Beuthen
O/S, denn
nach seiner
Rückkehr
mußte er
sich als
freischaffender
Künstler
seinen
Lebensunterhalt
verdienen.
Die Wende
brachte im
Jahre 1921
seine
Berufung
nach
Breslau. Als
er dort die
Leitung des
Schlesischen
Konservatoriums
übernommen
hatte,
berief er
Gerhard
Strecke zum
Leiter des
Privatmusiklehrerseminars
dieser
Anstalt.
Zusammen mit
Heinrich
Haberstrohm
und vor
allem dem
aller neuen
Musik
besonders
aufgeschlossenen
Ernst August
Voelkel
hatte sich
ein
künstlerisch
hervorragender
aktiver
Kreis
gefunden,
der durch
sein
pädagogisches
Wirken,
seine
kompositorischen
Leistungen
und sein
Einwirken
auf die
musikalische
Öffentlichkeit
zum
Kernstück
eines
eigenständigen
und
selbstbewußten
schlesischen
Musiklebens
wurde. Die
Gründung und
das Wirken
der
„Schlesischen
Tonkünstlergilde“
waren
lediglich
ein äußeres
Zeichen für
diese
Entwicklung.
Daran
änderte auch
wenig, daß
Buchal
infolge der
nationalsozialistischen
Kulturpolitik
seines
Direktorpostens
beim
Schlesischen
Konservatorium
enthoben,
dieses
aufgelöst
und in der
Nachfolge
die
Schlesische
Landesmusikschule
gegründet
wurde, an
der er
immerhin
seine
Lehrtätigkeit
fortsetzen
und um so
mehr als
Pianist
konzertieren
konnte. Von
seinem
kompositorischen
Werk ist
durch den
Zweiten
Weltkrieg
und seine
Folgen
vieles
verschollen
oder
vernichtet.
Mindestens
36 mit
Opuszahlen
bezeichnete
Werke von
insgesamt
103 sind z.
Z. nicht
mehr
nachzuweisen.
Glücklicherweise
konnte der
inzwischen
mehr als
Sechzigjährige
in Jena,
besonders
nach der
Emeritierung,
noch reife
Kompositionen
schaffen,
die von
einer
ungebrochenen
Vitalität
zeugen. Vier
Bereiche
stehen auch
in diesen
Jahren
wieder im
Vordergrund
seiner
kompositorischen
Arbeit, die
kennzeichnend
für sein
gesamtes
Lebenswerk
sind: das
Sinfonische,
die
Klaviermusik,
die
Kammermusik,
die
Vokalmusik.
Bei einem
Schlesier
ungewöhnlich
ist die
ständige
Auseinandersetzung
mit der
großen
sinfonischen
Form. Zwei
Jugendsinfonien
ohne
Opuszahlen,
dazu die 2.,
3. und 4.
Sinfonie
sind
verloren;
die 1., 5.
bis 7. sind
erhalten,
davon
entstanden
die beiden
letzten nach
dem Kriege
und erlebten
in Jena ihre
Uraufführung.
Das Klavier
war sein
ureigenstes
Instrument.
Zwischen
seinem Opus
11, dem
Klavierkonzert
Es-Dur und
dem Opus
102, der
Sonate für
Violoncello
und Klavier,
liegen eine
große Zahl
von heute
wenig
beachteten
künstlerisch
hochwertigen
Kompositionen
für Klavier
solo oder in
kammermusikalischer
Besetzung
vor, die
allerdings
dem
Klavierspieler
technisch
viel
abverlangen;
denn Buchal
war selbst
ein Pianist
von hohen
Graden. Er
trat
konzertierend
auf und
bildete auch
Schüler
heran, die
sich noch
nach seinem
Tode in
Konzertsaal
und Rundfunk
erfolgreich
für seine
Werke
einsetzten.
Die beiden
Klavierkonzerte
stehen in
etwa am
Anfang und
am Ende
seines
kompositorischen
Werkes, die
4
Klaviersonaten
reichen vom
op. 19 bis
zum op. 95.
Seine
Sonaten für
Violine,
Viola,
Violoncello
mit Klavier,
das
Klaviertrio
in a-Moll
(ein
früheres
ging
verloren),
das
Klavierquintett,
besonders
die kostbare
Sonate für
Englischhorn
und Klavier,
stellen
einen Schatz
von
Kammermusik
dar, der
gehoben zu
werden
verdient.
Die
Klavierliedkomposition,
ca. 150
Lieder,
begleitet
sein
Schaffen vom
op. 7 bis zu
seinem
letzten op.
103. Als
letztes sei
jener Teil
des
Schaffens
genannt, in
dem sich
Wesen und
Charakter
Buchais am
tiefsten
ausweisen:
die große
Zahl
geistlicher
Kompositionen,
die der
tieffromme
Katholik vor
allem für
den
Gottesdienst
schuf. Von
Kindheit an
hat er die
Musik im
Dienste
Gottes
erlebt und
selbst,
trotz aller
Bedrängnisse
zunächst
durch das
nationalsozialistische,
später durch
das
kommunistische
Regime, als
Chorleiter
und Organist
praktiziert.
Seine
zahlreichen
Motetten,
seine
Messen,
seine
Litanei,
seine Chöre
für
verschiedene
Anlässe des
Kirchenjahres
und die
Liedsätze zu
Kirchenliedern
beweisen
das. Aber
auch die
Themen
seiner
Kantaten und
Oratorien,
der
Weihnachtskantate
nach Texten
von O. J.
Bierbaum,
der Kantate
„Der
Gottsucher“
nach Angelus
Silesius,
„Der
Wanderer“
nach Worten
von Carl
Hauptmann,
des
Oratoriums
„Maria“, das
den
Rosenkranz
vertont, und
„Das Ewige
Wort“ nach
dem
Johannes-Evangelium
zeigen nicht
nur seine
Verwurzelung
in der
großen
Dichtung
seiner
schlesischen
Heimat,
sondern jene
Bindung an
den
Gottesglauben,
der sein
gesamtes
musikalisches
Werk stützt
und trägt
und der
seinen am
Schluß
vieler
Partituren
angebrachten
Vermerk „Omnia
Ad Majorem
Dei Gloriam“
zur
wesentlichen
und
glaubwürdigen
Aussage
macht.
Lit.:
Joseph
Thamm:
Hermann
Buchal;
Leben und
Schaffen, in
Pankalla-Speer
(Hrsg.):
Zeitgenössische
Schlesische
Komponisten,
Bd. l,
Dülmen o. J.
mit
vollständigem
Werkverzeichnis
und
ausführlichen
Literaturangaben.
MGG
(Enzyklopädie
Musik in
Geschichte
und
Gegenwart)
Bd. 15
Supplement
Art. Hermann
Buchal
(Speer),
Bärenreiter
Verlag
Kassel;
Rieman
Musiklexikon,
Personenteil
A-K, Mainz
1959
Gotthard
Speer