Abraham
Calovius,
Sohn eines
kurfürstlichen
Rentmeisters,
wurde 1612
in
Mehrungen/Ostpreußen
geboren. Die
Grundschule
besuchte er
in seiner
Vaterstadt.
In Thorn und
Königsberg
absolvierte
er die
Gymnasiallaufbahn.
In
Königsberg
studierte er
zunächst das
Fach
Philosophie,
das er 1632
mit dem
Magistergrad
abschloß.
Zur gleichen
Zeit
unterzog er
sich auch
der
theologischen
Ausbildung
an der
Albertina.
Zu seinen
theologischen
Lehrern
zählten
insbesondere
Johannes
Brehm und
Coelestin
Myslenta,
die nach dem
Übertritt
Johann
Sigismunds
zum
Reformiertentum
(1613) alles
daran
setzten, das
Luthertum im
Preußenland
- in
Sonderheit
im
Lehrbetrieb
der
Theologischen
Fakultät der
preußischen
Landesuniversität
– zu
verteidigen.
1634 ging er
nach
Rostock, wo
er den
theologischen
Doktorgrad
erwarb. Nur
drei Jahre
später zog
es Calovius
nach
Königsberg
zurück; hier
wurde er zum
außerordentlichen
Professor
für
Theologie
ernannt
(1640). An
der
Albertina
feierte er
außergewöhnliche
Lehrerfolge,
da in der
Zeit nach
dem
Dreißigjährigen
Krieg
unzählige
Studenten in
das vom
Krieg
weitgehend
verschonte
Preußen
kamen (u.a.
Studenten
aus
Südosteuropa
– hier vor
allem aus
Siebenbürgen
–, Dänemark,
Schweden,
Kurland und
Livland).
1643 nahm
Calovius
einen
ehrenvollen
Ruf an die
Danziger
Trinitatiskirche
an. Auch an
dieser
Wirkungsstätte
war er vor
das
innerprotestantische
Konfessionsproblem
–
lutherisch-reformiert
– gestellt.
Er sah seine
Aufgabe in
Danzig in
erster Linie
darin, die
Wiederbelebung
des
lutherischen
Charakters
der Stadt zu
fördern, die
sich im
Reformationszeitalter
früh zum
Luthertum
bekannt
hatte.
Auf dem vom
polnischen
König
Wladislaus
IV. nach
Thorn
einberufenen
Religionsgespräch
(1645) stieß
Abraham
Calovius mit
dem damals
bekanntesten
Vertreter
des
Synkretismus,
dem
Helmstedter
Theologen
Georg Calixt,
zusammen.
Das
Religionsgespräch
in Thorn
verlief
jedoch – was
die
angestrebte
Einheit der
Konfessionen
anging –
ohne
Ergebnisse.
Deshalb sah
Calovius
danach auch
keinen
Hinderungsgrund,
sich weiter
polemisch
und
kontrovers
mit den
Reformierten
und
Sektierern
auseinanderzusetzen.
1650, als er
vergeblich
auf einen
abermaligen
Ruf an die
Königsberger
Universität
wartete,
nahm er eine
Berufung auf
die dritte
theologische
Professur
nach
Wittenberg
an. Ein
Hauptgrund,
warum
Calovius
überhaupt
für die Wahl
vorgeschlagen
wurde, war,
daß ein „Doctor,
der in
Streitschriften
und anderen
theologischen
Exercitiis
wohl
erfahren
sei“ für
diese Alma
mater
gesucht
wurde. Wenig
später
wählte man
Calovius zum
Pfarrer und
Generalsuperindenten
(1652).
Sehr rasch
erlangte die
Universität
Wittenberg
durch ihn
neues
Ansehen, und
zum letzten
Male in
ihrer
Geschichte
wurde diese
Hochschule
durch den
ostpreußischen
Theologen zu
einem von
Studenten
bevorzugten
Studienort.
In seinen
Vorlesungen
sollen
bisweilen
über 500
Zuhörer
gesessen
haben.
Der
synkretistische
Streit wurde
nun von
Wittenberg
aus
fortgeführt,
wobei es
zwischen den
beiden
Kontrahenten
Calovius und
Calixt zu
keiner
erneuten
persönlichen
Kontaktaufnahme
kam, da
Calixt
bereits 1656
starb.
Um die
lutherische
Lehre auf
ein neues
Fundament zu
stellen, gab
Calovius
1655 ein
erneuertes
lutherisches
Bekenntnis
„Consensus
repetitum
fidei
Lutheranae“
heraus, das
sich aber
auf die
Dauer nicht
durchgesetzt
hat. Die von
1655-1677
verfaßte
dogmatische
Hauptarbeit
„Systema
locorum
theologicorum“
ist neben
den „Loci“
des Johann
Gerhard die
„wohl
bedeutendste
und
charakteristischste
Dogmatik des
orthodoxen
Luthertums“
(F. Lau).
Für die
Philosophiegeschichte
sind
besonders
die
Frühwerke „Gnostologie“
(1633) und
„Noologie“
(1650)
wichtig, da
sich hier
gedankliche
Vorwegnahmen,
die später
bei Kant
auftauchen,
finden.
Abraham
Calovius war
ein
vielseitig
gebildeter
Theologe,
für den,
fern allen
philosophischen
und
dogmatischen
Streits um
die rechte
Lehre, das
Zentrum der
theologischen
Wissenschaft
die
Biblische
Theologie
war. Nicht
ohne Grund
wird heute
in der
theologischen
Forschung
seine
Bedeutung
für die
Auslegung
der Heiligen
Schrift im
Jahrhundert
nach der
Reformation
hervorgehoben.
Calovius
starb am 25.
Februar 1686
in
Wittenberg.
Er ist der
bislang am
wenigsten
erforschte
Theologe der
lutherischen
Orthodoxie.
Wenn auch
heute einige
Aspekte
seines
Wirkens und
Werkes von
der
Forschung
aufgearbeitet
wurden, so
steht eine
Gesamtbiographie
bislang noch
aus.
Werke:
Eine Ausgabe
seiner
Schriften
wurde nie
erstellt.
Die wohl
größte
Sammlung der
gedruckten
Arbeiten
Calovius'
befindet
sich in der
Biblioteka
Gdańska PAN.
Lit.:
G. Hoffmann,
Lutherische
Schriftauslegung
im 17.
Jahrhundert,
dargestellt
am Beispiel
Abraham
Calovs, in:
Das Wort und
die Wörter.
FS Gerhard
Friedrich,
Stuttgart
1973,127-142;
W. Hubatsch,
Das Thorner
Religionsgespräch
von 1645 aus
der Sicht
des
Geistlichen
Ministeriums
der
Dreistadt
Königsberg,
in: Thorn,
Königin der
Weichsel
1231-1981.
Hrsg. von B.
Jähnig und
P. Letkemann,
Göttingen
1981,
239-258, J.
Wallmann,
Artikel
Abraham
Calov, in:
TRE Bd. 7,
Berlin 1981,
563-568
(dort
weitere
Lit.!).
Ulrich
Hutter