Jacob Caro
gehörte
ähnlich wie
der 20 Jahre
jüngere
Adolf
Warschauer
dem Posener
Judentum an,
das sich
seit der
Mitte des
19.
Jahrhunderts,
insbesondere
seit den
Erschütterungen
des Jahres
1848, bewußt
und intensiv
dem
Deutschtum
zuwandte und
oft eine
betont
national-deutsche
Haltung
vertrat. Dem
Sohn des
Gnesener
Rabbiners
Josef Chaim
Caro schien
freilich
zunächst
ebenfalls
das Rabbinat
vorbestimmt
zu sein,
doch
entschloß
sich der
hochbegabte
Student, der
die
Reifeprüfung
in Posen
abgelegt
hatte, zum
Studium der
Geschichte
in Leipzig.
Dort lenkte
ihn
Professor
Heinrich
Wuttke auf
das Studium
der
Geschichte
Polens, da
Caro die
polnische
Sprache
beherrschte.
Mit einer
Dissertation
über das
Interregnum
Polens im
Jahre 1587
promovierte
er 1860 in
Leipzig und
revanchierte
sich bei
seinem
Doktorvater
durch
„schätzbare
Bemerkungen“
bei der
Herausgabe
des
„Städtebuchs
des Landes
Posen“
(Leipzig
1864).
Die Kritiken
der
Dissertation
waren so
positiv, daß
der Verleger
Perthes den
jungen
Gelehrten
mit der
Fortsetzung
der
Geschichte
Polens im
Rahmen der
Heeren-Ukertschen
Sammlung
„Geschichte
der
europäischen
Staaten“
beauftragte.
Den ersten,
bis 1302
reichenden
Band hatte
der damals
auch noch
junge
Richard
Roepell
(1808-1893)
im Jahre
1840
veröffentlicht
und sich
damit
sogleich
einen Namen
gemacht, die
Arbeit dann
aber nicht
fortgesetzt.
Caro ging
rasch ans
Werk, und
schon 1863
erschien der
von 1302 bis
1386
reichende
zweite Band.
Danach ging
es freilich
viel
langsamer
voran, und
als 1886 und
1888 die
beiden Teile
des fünften
Bandes
erschienen,
war erst das
Jahr 1506
erreicht.
Den
erwarteten
sechsten
Band, der
das 16.
Jahrhundert
behandeln
sollte, hat
Caro in den
ihm noch
verbleibenden
16
Lebensjahren
nicht mehr
geschrieben,
doch hat er
sich mit
dieser
monumentalen
und zugleich
minutiösen
Darstellung
von zwei
Jahrhunderten
polnischer
Geschichte
die volle
Anerkennung
der
deutschen
wie der
polnischen
Geschichtsschreibung
erworben.
Die Bände
2-4
erschienen
1897 in
Warschau
auch in
polnischer
Übersetzung,
und der
polnische
Historiker
Fryderyk
Papée
würdigte
Caros
Leistung in
einem
Nachruf 1904
mit den
Worten: Sein
Werk sei
„die einzige
aus den
Quellen
schöpfende
Arbeit, die
die
Gesamtheit
der
Geschichte
des
polnischen
Mittelalters
erfaßt und
die noch
lange Zeit
ein
unentbehrliches
Werk für den
Historiker
der
Jagiellonenzeit
bleiben
wird“.
Wenn die
„Geschichte
Polens“ auch
Caros
wichtigstes
Werk war, so
erlangte er
doch auch
auf anderen
Gebieten der
politischen
Geschichte
und der
Literaturgeschichte
erhebliche
Bedeutung.
Nachdem er
sich 1863 in
Jena mit
einer Arbeit
über den
polnischen
Chronisten
Johann
Długosz
habilitiert
hatte (die
Arbeit trägt
den
Untertitel:
ein Beitrag
zur
Literaturgeschichte
des XV.
Jahrhunderts),
wurde er für
vier Jahre
wissenschaftlicher
Reisebegleiter
der
Großfürstin
Helene
Pavlovna,
der Witwe
des jüngeren
Bruders
Michael des
Zaren
Nikolaus I.,
die eine
württembergische
Prinzessin
und eine
hochgebildete
Frau war.
Auf diesen
Reisen
konnte er
auch die
Archive in
Moskau und
Petersburg
benutzen und
seine
ohnehin
umfassende
Bildung in
Italien und
der Schweiz
noch mehr
erweitern.
1868 wurde
er
außerordentlicher
Professor in
Jena, 1869
in Breslau,
erhielt aber
erst 1882
dort als
Nachfolger
Roepells
einen
ordentlichen
Lehrstuhl
für
Geschichte,
den er bis
zu seinem
Tode
innehatte.
Er war als
Kenner der
internationalen
Literatur –
z. B.
schrieb er
gedankenreiche
Skizzen über
Pico
Mirandola,
Dante,
Shakespeare,
Lessing und
Swift –,
insbesondere
aber als
hervorragender
Redner
berühmt. So
hielt er
eine
vielbeachtete
Gedächtnisrede
auf Heinrich
v.
Treitschke
1896, die
Festrede bei
der Feier
der
Universität
Breslau zur
Jahrhundertwende
1900 und die
Festrede bei
der
feierlichen
Gründung der
Deutschen
Gesellschaft
für Kunst
und
Wissenschaft
in Posen.
(Letztere
unter der
Überschrift:
Zur
Geschichte
des
Hochschulgedankens
in der
Provinz
Posen,
gedruckt in
der
Zeitschrift
der
Historischen
Gesellschaft
für die
Provinz
Posen 17,
1902, S.
1-21.) Von
den weiteren
Arbeiten,
die der
Geschichte
Polens
galten, ist
vor allem
seine
zweibändige
Ausgabe der
Kanzlei des
Posener
Bischofs und
Unterkanzlers
Stanislaw
Ciołek (1382-1437) zu nennen (Liber Cancellariae Stanislai Ciołek), die in Band 45
und 52 des
Archivs für
Österreichische
Geschichte
1871 und
1874
erschien.
Seine
Leistungen
für die
Landesgeschichte
wurden durch
die
Ernennung
zum
Ehrenmitglied
der
Historischen
Gesellschaft
für die
Provinz
Posen und
des Vereins
für
Geschichte
und Altertum
Schlesiens
gewürdigt.
Seine
Schüler und
Freunde
gaben
zu seinem
Gedächtnis
in Breslau
1906 seine
Vorträge und
Essays
heraus.
Diesen ist
eine
ausführliche
biographische
Skizze
vorgestellt.
Erwähnenswert
ist, daß
Jacob Caros
jüngerer
Bruder
Ezechiel
Caro
(1845-1915),
seit 1891
bis zu
seinem Tod
Rabbiner der
Reform-Synagoge
in Lemberg,
ebenfalls
als
Historiker
hervorgetreten
ist, vor
allem durch
seine
Studien zur
Verwaltung
der
westpreußischen
Stadt
Dirschau, wo
er einige
Jahre
Rabbiner war
(Erfurt
1890), und
durch das
grundlegende
Werk:
Geschichte
der Juden in
Lemberg von
den ältesten
Zeiten bis
zur Teilung
Polens
(Krakau
1894).
Während
Jacob Caro
vollständig
zum
deutschen
Bildungsbürger
geworden war
und zu den
berühmtesten
Breslauer
Professoren
gehörte,
blieb sein
Bruder
stärker mit
der
Tradition
der
Vorfahren
verbunden.
Gotthold
Rhode