Edward
Carstenn
besuchte in
Elbing die
Städtische
Knabenschule,
dann von
1896-1900 in
Berlin das
Gymnasium
Zum Grauen
Kloster
und
anschließend
in Elbing
die
Oberrealschule.
Nach
bestandenem
Abitur
begann
Edward
Carstenn das
Studium der
Geschichte
in Kiel,
setzte es an
der
Albertina in
Königsberg
Pr. fort, wo
er 1909 mit
einer
vielbeachteten
Dissertation
über
Elbings
Verfassung
zu Ausgang
der
polnischen
Zeit
promovierte.
Ein Jahr
später
bestand er
das
Staatsexamen
für die
Fächer
Geschichte,
Erdkunde und
Deutsch. Der
junge
Historiker
wurde
nacheinander
Lehrer an
den
Lehrerseminaren
in
Wongrowitz
und
Bromberg.
Anschließend
wurde er
Mittelschullehrer
und ab 1923
für gut drei
Jahre
Direktor der
Knabenmittelschule
in
Danzig-Neufahrwasser.
Bei der
Umstellung
der
Lehrerausbildung
in Preußen
1926 erhielt
der aus
Elbing
stammende
Mittelschuldirektor
in Danzig
einen Ruf
nach Elbing
als Dozent
für
Geschichte
und Methodik
des
Geschichtsunterrichts
an die
Pädagogische
Akademie,
seit 1928
als
Professor.
Bis auf eine
kurze
Unterbrechung
1932/33
blieb er auf
diesem
Lehrstuhl
bis zum Ende
des Zweiten
Weltkriegs.
Während des
Krieges war
der
Professor
zeitweise
Soldat. In
der
Vertreibung
kehrte der
Lehrerausbilder
Professor
Dr. Edward
Carstenn an
eine Schule
als Lehrer
zurück,
diesmal an
die
Oberrealschule
in Wetter an
der Ruhr,
bis er 1951
in den
Ruhestand
trat.
Der
gebürtige
Elbinger war
mit seiner
Vater- und
Hochschulstadt
so eng oder
noch fester
verbunden
als es seine
Eltern
waren. Und
er kannte
die
Stadtgeschichte
sehr genau,
wie er auch
die
Geschichte
vor allem
des
westlichen
Preußenlandes
besonders
intensiv
studiert
hatte.
Zahlreiche
Veröffentlichungen
über den
Deutschen
Orden, die
Stadt Danzig
und
besonders
über Elbing
und die
Zugehörigkeit
der großen
preußischen
Städte zur
Hanse
dokumentieren
das. Anfang
der 30er
Jahre wurde
er
beauftragt,
eine neue
Stadtgeschichte
zum
Stadtjubiläum
1937 zu
schreiben.
Aus diesem
Grund wurde
an der
Pädagogischen
Akademie,
die ab 1933
Hochschule
für
Lehrerbildung
hieß, zu
seiner
Entlastung
ein zweiter
Historiker
berufen:
Professor
Dr. Heinrich
Wolfrum.
Professor
Dr. Carstenn
war ein
gründlicher
Forscher.
Das
reichhaltige
Stadtarchiv
Elbing bot
ihm die
Möglichkeit,
echte
Quellenforschung
zu
betreiben,
alte und oft
schwer zu
entziffernde
Urkunden zu
lesen und
richtig zu
verstehen.
Daher ist es
nicht
verwunderlich,
dass in
seinen
Veröffentlichungen
Ereignisse
zu finden
sind, die in
anderen
Veröffentlichungen
fehlen, aber
auch, wenn
er
gelegentlich
Fachkollegen
vorhielt,
die Quellen
und alten
Akten zu
wenig selber
oder gar
nicht
studiert zu
haben.
Den Auftrag
seiner
Heimatstadt
erledigte
der
Historiker
pünktlich.
Zur
700-Jahrfeier
der Stadt
erschien
1937 sein
Buch
Geschichte
der
Hansestadt
Elbing.
Die kleine
Auflage war
sofort
vergriffen
und noch im
selben Jahr
erschien
eine zweite
und höhere
Auflage im
Elbinger
Verlag von
Leon
Sauniers
Buchhandlung
Kurt Brunk.
Er widmete
das 539
Seiten und
45
Bildtafeln
umfassende
Werk dem
früheren
Elbinger
Stadtrat und
Archivar
Ferdinand
Neumann und
dem
Gymnasialdirektor
Max Töppen,
ein noch
heute in
deutschen
und
polnischen
Fachkreisen
hochgeschätzter
Historiker
und
Ehrenbürger
der Stadt.
Neumann war
1869 und
Töppen 1893
gestorben.
Mit seiner
sehr
lebendig
geschriebenen
Stadtgeschichte,
die
ursprünglich
zwei Bände
umfassen
sollte, was
die damalige
Papierbewirtschaftung
verhinderte,
ein
umfangreiches
Fußnoten-,
Sach- und
Personenregister
umfasst,
habilitierte
sich der
Elbinger
Hochschulprofessor
1942 an der
Universität
Königsberg.
Den Verlust
der Heimat
konnte der
Elbinger
nicht
verschmerzen.
Die
Geschichte
der Stadt
blieb auch
in Westfalen
Mittelpunkt
seiner
Forschungen
und
Überlegungen
– allerdings
ohne
Stadtarchiv.
Er
veröffentlichte
Aufsätze und
hielt immer
wieder
Vorträge vor
wissenschaftlichen
Kreisen,
Arbeitsgemeinschaften
und auf
Heimatveranstaltungen.
Sehr wichtig
war für ihn
die
Mitarbeit in
der
Arbeitsgemeinschaft
Westfalen
und der
deutsche
Osten in
der
Fachstelle
Ostdeutsches
Volkstum des
Westfälischen
Heimatbundes.
An den
wichtigsten
Heimattreffen
der
Westpreußen
und seiner
Elbinger
Landsleute
nahm er
teil. Als
1951 in
Herne ein
Treffen für
die Menschen
aus den 1920
bei
Deutschland
verbliebenen
sechs
westpreußischen
Kreisen und
Restkreisen
östlich der
Weichsel,
des 1922
gebildeten
Regierungsbezirks
Westpreußen,
stattfand,
wurde
gleichzeitig
der Gründung
der Elbinger
Hochschule
vor 25
Jahren
gedacht.
Professor
Dr. habil.
Edward
Carstenn
hielt den
Festvortrag.
Ein in
Elbing
ausgebildeter
Lehrer aus
Ostpreußen,
Hans
Herrmann,
sprach das
eindrucksvolle
Gebet der
Heimatlosen
von Ottfried
Graf
Finckenstein.
Dann
referierte
der
Professor.
Mit seinem
Thema
Streiter für
Preußens
Selbständigkeit:
Achatius von
Zehmen aus
Stuhm
zog er in
einem
überfüllten
großen Saal
seine
Zuhörer in
seinen Bann.
So ähnlich
ist es wohl
am 26.
August 1937
gewesen, als
er in Elbing
im Saal der
ehemaligen
Ressours
Humanitas
(im
Stadtgarten)
über
Elbings
deutsche
Sendung in
Preußen
sprach und
einleitend
begrüßt
hatte:
„Liebe alte
Elbinger,
die ihr von
nah und fern
herbei
eiltet zum
Jubelfest
unserer
Vaterstadt
...“
Besonders
gerne kam
der
Historiker
in den 50er
Jahren zu
Seminaren
der
Westpreußischen
Jugend, um
über die
heimatliche
Geschichte
und ihre
Feinheiten
zu
referieren.
Obwohl seine
Kräfte
bereits
nachließen,
im Kreis der
jungen
Landsleute
blühte er
jedes Mal
auf. Seine
Vorträge, wo
immer er sie
auch hielt,
waren stets
sorgfältig
erarbeitet,
von Hand auf
DIN A5-
Hochformatpapier
mit steiler
Schrift gut
leserlich
geschrieben.
Seine
Aufsätze
erschienen
u.a. in den
Elbinger
Nachrichten,
in DER
WESTPREUSSE,
im
Westpreußen-Jahrbuch
und in den
Ostdeutschen
Monatsheften.
Für die
Elbinger
Hefte, deren
Mitherausgeber
er war,
verfasste er
eine kleine
Elbinger
Geschichte
und für
Bernhard
Heisters
Elbinger
Heimatbriefe
Nr. 9
schrieb er
eine
Elbingisch-Preußische
Geschichtstafel.
Für die 1951
gegründete
und von
Professor
Dr. Alfons
Perlick in
Dortmund
geleitete
und sehr
aktive
Fachstelle
Ostdeutsches
Volkstum
des
Westfälischen
Heimatbundes
konnte er
wertvolle
Beiträge
leisten. So
wurde auch
das Elbinger
Heft Nr. 17
Elbing,
die Hanse
und
Westfalen
von Edward
Carstenn
unter einem
leicht
erweiterten
Titel 1955
ein zweites
Mal
aufgelegt.
Für Elbings
Stadthistoriker
Carstenn war
es stets
selbstverständlich,
die
Landesgeschichte
nicht außer
Acht zu
lassen. Er
stellte z.B.
fest: „Elbings
Hansezeit
ohne Kulm
und Thorn zu
betrachten,
die beiden
wichtigsten
Vermittler
in das
Weichsel-Warthe-Gebiet,
ist
ausgeschlossen.“
Ein anderes
Forschungsfeld
war für
Carstenn die
Geschichte
des
Deutschen
Ordens.
Edward
Carstenn
muss man
gekannt
haben, um
den Menschen
und seine
inneren
Werte, seine
auch gegen
Widerstände
stets feste
Haltung zu
verstehen
und zu
beschreiben.
Daher soll
an dieser
Stelle nicht
vergessen
werden, was
Dr. Fritz
Pudor 1956
zum 70.
Geburtstag
des
Wissenschaftlers
geschrieben
hat:
„Dazu kam
seine
besondere
Freude an
der Natur,
am Wandern,
an der
blühenden
Kunst und am
Theater. Wer
mit Edward
Carstenn
irgendwann
einmal
zusammen
traf oder
mit ihm
lange Zeit
hindurch in
gemeinsamen
geistigen
und
wissenschaftlichen
Bestrebungen
verbunden
war, oder
sich sogar
seiner
Freundschaft
erfreuen
durfte, kann
davon
berichten,
dass er
jederzeit
den Eindruck
einer fest
in sich
gefügten
Persönlichkeit
erhalten hat
und dass
sich für ihn
ein
wechselseitiges
Geben und
Nehmen
eröffnete.
So war es
vor
Jahrzehnten
und so ist
es auch
heute noch.
Wer Edward
Carstenn
näher kennt,
der weiß,
dass er
jederzeit
für seine
Freunde,
aber auch
für seine
wissenschaftlichen
Auffassungen,
eingetreten
ist und
dabei
menschlich
besonders
bemerkenswerte
Eigenschaften
entwickelt
hat, ja dass
er dabei
immer wieder
die heute
leider so
ganz in
Vergessenheit
geratene
Bürgertugend
der
Zivilcourage
zu bewähren
versteht.
Bei einem in
vielen
Wissenschaften
bewanderten
Gelehrten
kommen
gerade diese
menschlichen
Charakterzüge
als ein
besonderes
Zeichen
seines
Wesens
hinzu. Wer
Edward
Carstenn nur
als Redner
oder aus
seinen
Schriften
kennt, muß
alles das
entbehren,
was darüber
hinaus den
Wert seiner
Persönlichkeit
ausmacht,
auch wenn er
das schon in
seinen
Vorträgen
und
schriftlichen
Ausführungen
zu spüren
vermag.“
Lit.:
Ernst
Wermke, in:
Bibliographie
zur
Geschichte
von Ost- und
Westpreußen.
– Fritz
Grause,
Carstenn,
Edward, in:
Altpreußische
Biographie,
Bd. 3, S.
880. – Fritz
Pudor,
Edward
Carstenn 70
Jahre, in:
Westpreußen-Jahrbuch,
Bd. 6, 1956.
– Kürschners
Gelehrtenkalender
1954. –
Nachrufe in:
Elbinger
Nachrichten
140/1957 und
Der
Westpreuße
17/18, 1957.
– Zehn Jahre
ostdeutsche
Forschungsstelle
Dortmund/Münster,
1962. –
Hans-Jürgen
Schuch,
Edward
Carstenn,
Fünfzig
Jahre nach
seinem Tod,
in: Elbinger
Nachrichten
05/2007. –
Korrespondenz
und
Aufzeichnungen
des
Verfassers.
Bild:
Privatarchiv
des Autors.
Hans-Jürgen
Schuch