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Der
gebürtige
Breslauer Jude begann 1857 in seiner Vaterstadt mit dem Studium der
Naturwissenschaften, das er in Heidelberg bei Bansen, Kirchhoff und
Helmholtz fortsetzte. Am 20.10.1860 wurde er in Breslau mit einer bei
Bunsen angefertigten Arbeit aus dem
Bereich der Chemie zum Dr. phil.
promoviert. Daraufhin studierte er
– zunächst in Breslau, dann in Berlin
bei Graefe und Virchow – Medizin, wobei er sich besonders der
Augenheilkunde zuwandte. Mit seiner Breslauer Preisarbeit über die
Geschichte der Geburtshilfe erwarb er am 18.3.1863 in Berlin den Titel
eines Dr. med. Die folgenden drei Jahre war er als Assistent bei R.
Förster an der Breslauer Universitätsaugenklinik tätig. Nach Reisen zu
bedeutenden Augenärzten in Berlin, Wien und Paris ließ er sich 1866 für
immer in Breslau nieder, wo er eine private Augenklinik eröffnete. 1868
habilitierte er sich und wurde 1874 außerordentlicher unbesoldeter
Professor, was er bis zum Ende seines Lebens blieb. Zwei Jahre vor
seinem Tode wurde er zum Geheimen Medizinalrat ernannt.
Cohns
herausragende Bedeutung liegt auf dem Gebiet der Hygiene des Auges, als
dessen Begründer er gilt. Er
beschäftigte sich u.a. mit Beleuchtungstechnik, Lichtmessung, der
Beziehung zwischen Sehleistung und verschiedenen Faktoren, wie
Helligkeit, Schriftgröße und -art, Körperhaltung. Aus diesem Bereich
stammt auch sein wissenschaftliches Hauptwerk, das 1892 erschienene
„Lehrbuch der Hygiene des Auges“. Besonders erfolgreich setzte er sich
für die augenärztliche Schulhygiene ein. So wies er z. B. auf Grund
statistisch ausgewerteter Massenuntersuchungen nach, daß es eine
schulisch bedingte Kurzsichtigkeit gab. Cohn gab sich jedoch nicht mit
den Ergebnissen als solchen zufrieden, sondern leitete daraus praktische
Forderungen für die schulischen Verhältnisse ab, wie die Anstellung von
Schulärzten, hellere Klassenräume mit künstlicher Beleuchtung, bessere
Schulbänke, das Tragen von Brillen, die Schließung zweier Breslauer
Gymnasien wegen „augenmörderischer“ Zustände. Als Statistiker tat er
dies im Vertrauen auf die „Majestät der großen Zahlen“, zum Teil auch
auf polemische Art und nicht immer mit dem rechten Maß sowie in der
Hoffnung auf staatliche Verordnungen. Mit ihrer Hilfe setzte er auch die
Anwendung der Credeschen Tropfen gegen Augeneiterungen bei Neugeborenen
durch. Ein weiteres Arbeitsgebiet war die Photographie des Augeninneren,
dem er sich in den Jahren 1886 bis 1889 intensiv widmete, ohne jedoch
das Ziel einer Photographie des Augenhintergrundes zu erreichen.
Cohns
Bestrebungen galten nicht nur der Gewinnung neuerwissenschaftlicher
Ergebnisse auf dem Gebiet der Augenhygiene, sondern in besonderem Maße
auch deren Umsetzung in die Tat. Noch
heute sind drei medizinische Fachausdrücke
mit seinem Namen verbunden.
Werke (Auswahl): Untersuchungen der Augen von 10060 Schulkindern nebst
Vorschlägen zur Verbesserung der
den Augen nachteiligen Schuleinrichtungen. Leipzig 1867; Studien über
angeborene Farbenblindheit. Breslau 1879; Die Hygiene des Auges in den
Schulen. Wien 1883 (auch engl., russ.); Lehrbuch der Hygiene des Auges.
Wien, Leipzig 1892; Über Verbreitung und Verhütung der Augeneiterung bei
Neugeborenen ... Berlin 1896; Dreißig Jahre augenärztlicher und
akademischer Lehrtätigkeit. Breslau 1897 (mit Bibliographie S. 46-60);
Tafeln zur Prüfung der Sehschärfe der Schulkinder, Soldaten, Seeleute
und Bahnbeamten. Breslau 1898 (7. Aufl.); Die Sehleistung von 50000
Schulkindern. Nebst Anweisung zu ähnlichen Untersuchungen für Ärzte und
Lehrer. Breslau 1899. – Etwa 200 Aufsätze in Fachzeitschriften.
Lit.: J. Pagel, Biographisches Lexikon hervorragender
Ärzte des 19. Jhs. Berlin, Wien 1901,
Sp. 335-337 (mit Porträt); Crzellitzer, Hermann Cohn +, in: Berliner
Klinische Wochenschrift 43,1906, S. 1297f.; A.E. Fick, Hermann Cohn +,
in: Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 44,2, 1906, S. 543-546
(mit Porträt); J. Hirschberg, Hermann Cohn +, in: Centralblatt für
praktische Augenheilkunde 30, 1906, S. 283-285; ders., Geschichte der
Augenheilkunde. Bd. 6,2. Hildesheim, New York (ND Berlin 1818) 1977, S.
170-174; W. Haberling u.a., Biographisches Lexikon der hervorragenden
Ärzte aller Zeiten und Völker, Bd. 2. Berlin, Wien 1930, S. 65 f.;
Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Bd. 2. München, Berlin,
Wien 1967, C179.
Ulrich Schmilewski
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