Freiherr
Karl
Friedrich
von Conradi
war der
letzte
Vertreter
eines
alteingesessenen
Danziger
Patriziergeschlechts,
das in der
Geschichte
der Stadt
oft eine
bedeutende
Rolle
gespielt
hat. Sein
eigenes
Leben ist
nahezu
völlig
unbekannt
und gewann
offenbar
erst
Bedeutung
durch die
Abfassung
seines
Testaments
im Jahre
1794. Schon
kurze Zeit
nach seinem
Tode wurde
zu Michaelis
1801 das
„Von
Conradi’sche
Provinzial-Schul-
und
Erziehungs-Institut“
in Jenkau,
etwa 10
Kilometer
südwestlich
der Stadt,
an der
Straße von
Danzig nach
Berent, auf
der Danziger
Höhe in
landschaftlich
reizvoller
Lage
eröffnet.
Als
Conradinum
ist es auch
in die
pädagogische
Literatur
eingegangen
und hat in
der
deutschen
Bildungsgeschichte
und in der
mit Schulen
gut
ausgestatteten
Stadt Danzig
eine
besondere
Bedeutung
gehabt. Nach
dem Kriege
haben die
Polen in dem
erhalten
gebliebenen
Schulgebäude
in
Danzig-Langfuhr
eine
staatliche
Schiffbau-Schule
eingerichtet
und erheben
den
Anspruch,
mit dieser
die
Tradition
des
Conradinums
fortzuführen.
Die Familie
Conrad oder
Conradi ist
im
Weichselland
weit
verbreitet
und in
Danzig schon
1472 mit der
Geburt eines
Andreas
Conrad
nachweisbar,
der in
Leipzig
studierte
und Kaufmann
wurde wie
seine
Nachkommen
auch. Erst
der
Urgroßvater
unseres
Schulstifters,
Israel
(1634-1715),
nannte sich
Conradi und
wurde in
Danzig ein
bekannter
Arzt und
Naturforscher,
der Bücher
in
lateinischer
Sprache
veröffentlichte.
Der
Großvater
Gottfried
Conradi
(1667-1733)
brachte es
bis zum
Major der
Stadtgarnison
und
Kommandanten
der Danziger
Festung
Weichselmünde
und wurde
von der
Krone Polen
1730 in den
erblichen
Adelsstand
erhoben.
Dessen Sohn
Eduard
Friedrich
von Conradi
(1713-1799)
wirkte als
Schöffe,
Ratsherr
und
derjenige
Bürgermeister
von Danzig,
dem 1793 die
schwierige
Aufgabe der
Überleitung
der
selbständigen
Stadt unter
der
Oberhoheit
des Königs
von Polen an
den
preußischen
König
zufiel. Er
wurde 1776
von Kaiser
Joseph II.
geadelt und
von König
Friedrich
Wilhelm III.
in den
erblichen
Freiherrnstand
erhoben.
1741
heiratete er
in erster
Ehe Anna
Elisabeth,
die Tochter
und spätere
einzige
Erbin des
Danziger
Ratsherrn
und
Bürgermeisters
von
Schwartzwald.
Dieser Ehe
entstammte
Karl
Friedrich
von Conradi.
Über sein
Leben wissen
wir nur, daß
er in Danzig
die Schule
besuchte,
ein Studium
aufnahm und
auf Reisen
war. Der
Danziger
Weltreisende
Johann
Reinhold
Forster
berichtete
später, daß
er 1767
gemeinsam
mit Conradi
eine Reise
in England
von London
über Bath
und Bristol
nach Oxford
unternommen
habe.
Weiteres ist
unbekannt.
Er erhielt
den Titel
eines
königlich
polnischen
Kammerherrn,
„was in
seinen
Verhältnissen
nicht schwer
war“,
bemerkt
Neumann
dazu. Der
Grund für
diese
Spärlichkeit
der
Nachrichten
über sein
Leben kann
wohl nur in
einer
außerordentlich
zurückhaltenden
Lebensführung
oder in dem
ihm von
seinen
Biographen
nachgesagten
Hang zur
Schwermütigkeit
und zur
körperlichen
Anfälligkeit
gesehen
werden. Auch
ein Bildnis
von ihm ist
nicht
bekannt.
Nach dem
Tode seiner
Mutter 1786
erbte Karl
Friedrich
von Conradi
als einziger
Nachfahre
den überaus
umfangreichen
von
Schwartzwaldschen
Güterkomplex,
und nun
werden die
Nachrichten
über sein
Leben und
sein Denken
ausführlicher.
In seinem
Testament
vom 28.
November
1794 schrieb
Conradi:
„Die
Leibesschwäche,
womit ich
seit einiger
Zeit
befallen
bin,
veranlaßt
mich, meinen
längst
verfaßten
Vorsatz,
durch
Errichtung
einer
testamentarischen
Disposition
zur
Ausführung
zu bringen.
... Den Plan
zu der
vorgedachten
Erziehungs-
und
Schul-Anstalt
kann ich
hier nur im
Allgemeinen
entwerfen
und ich
behalte mir
die
weitläufigere
Ausführung
vor.“ Als
Begründung
für diesen
Plan gibt er
an, daß sein
Familienname
wahrscheinlich
aussterbe
und durch
das
Einbringen
seiner
sämtlichen
Güter in die
Stiftung „in
Andenken
erhalten
werden“
könne. Das
Fehlen
„weitläufigerer“
Ausführungen
in seinem
Testament,
die Conradi
auch später
nicht
nachgetragen
hat, und die
historischen
Umstände im
Weichselland
(1793 wurde
Danzig
preußisch,
von 1807 bis
1814 war es
ein
Freistaat
von
Napoleons
Gnaden)
führten
dazu, daß
seine
Stiftung
einen
außerordentlich
wechselhaften
Lauf durch
die
Geschichte
nehmen mußte.
Zunächst
heiratete
Conradis
Vater 1790
mit 77
Jahren in
zweiter Ehe
Renate
Wilhelmine
von Gralath,
Tochter des
bekannten
Danziger
Bürgermeisters
Daniel
Gralath. Als
Conradi 1798
erst
56jährig
starb, focht
sein Vater
das
Testament
an, so daß
von den
vorgesehenen
elf Gütern
nur noch
sechs für
die Stiftung
übrig
blieben,
zusätzlich
allerdings
Häuser in
Danzig und
ein
beachtliches
Barvermögen.
Die
Schwierigkeiten
setzten sich
fort, da von
den beiden „Testaments-Executoren“
der eine die
Erfüllung
seiner
Aufgabe
ablehnte,
der andere
aber, sein
Freund, der
Geheime
Kriegsrat
Carl
Friedrich
von Beyer,
Danzig
inzwischen
verlassen
hatte und
Präsident
der
Regierung
von
Neuostpreußen
im weit
entfernten
Płock
geworden
war. Dennoch
übernahm
dieser die
schwierigen
juristischen
Verhandlungen
mit dem
Vater, mit
der Stadt
und mit der
Provinzialregierung
und auch die
weitere
Ausgestaltung
der nur im
Grundsatz
von Conradi
getroffenen
Bestimmungen
über die
Einrichtung
des „Von
Conradischen
Schul- und
Erziehungs-Instituts“.
Schon zu
Michaelis
1801 konnten
die
Absichten
Conradis im
Einvernehmen
mit der
Königlich
preußischen
Regierung in
Danzig
verwirklicht
werden: Die
beiden
Landschulen
in
Nassenhuben
und Bankau
und das
Institut in
Jenkau,
verbunden
mit einem
Alumnat
(Internat
mit einigen
Freiplätzen)
nahmen ihren
Betrieb auf.
Für Jenkau
konnte als
erster
Direktor der
später in
der
Pädagogik
sehr bekannt
gewordene
Reinhold
Bernhard
Jachmann,
der dritte
Prediger und
Rektor der
gelehrten
Schule in
Marienburg,
gewonnen
werden.
In die
beiden
Landschulen,
Nassenhuben
in der
Danziger
Niederung,
Bankau auf
der Höhe,
sollten
„alle Kinder
aus meinen
Gütern
männlichen
und
weiblichen
Geschlechts
und die
Kinder aus
angrenzenden
Dörfern“
Zutritt
haben, hieß
es im
Testament.
Daneben
stand die
Provinzialschule
in Jenkau,
„welche zur
Ausbildung
der in denen
von mir
fundirten
Landschulen,
und in
anderen
Schulen in
den ersten
Vorkenntnissen
unterrichteten
Jünglinge
männlichen
Geschlechts
dergestalt
bestimmt
ist, daß der
größere
Theil zu
erfahrenen
Landwirthen,
zu
Schullehrern
und zu
Handwerkern
vorbereitet,
ausgezeichnete
Genies aber
im Studiren
so weit
geführet
werden, daß
sie entweder
auf die
Academie
oder auf ein
Gymnasium
geschickt
werden
können.“
Karl
Friedrich
Freiherr von
Conradi
wurde am 19.
Juli 1798 in
der
Oberpfarrkirche
St. Marien
in einer
Gruft unter
der
Aller-Heiligen-Kapelle
(der
ehemaligen
Bibliothek)
beerdigt und
sein Grab im
Steinbuch
unter der
Nr. 272
verzeichnet.
Die
Grabplatte
im Boden des
südöstlichen
Teils der
Kirche mit
Inschrift
und Wappen
ist bis auf
den heutigen
Tag erhalten
geblieben.
Über den
weiteren Weg
des
Conradinums,
der von
zahlreichen
erhalten
gebliebenen
Schulprogrammen
anschaulich
geschildert
wird, seien
nur kurz
folgende
Abschnitte
mitgeteilt:
1. 1801 –
1814
gelehrte
Schule (sechsklassiges
Gymnasium)
in Jenkau
bei Danzig.
2. 1819 –
1843
Schullehrer-Seminar
mit
Erziehungsanstalt
zur
Ausbildung
der Lehrer.
3. 1843 –
1879 Höhere
Bürgerschule
(Sieben
Klassen) mit
Lateinunterricht.
4. 1879 –
1900
Realprogymnasium
(zunächst
sieben, ab
1892 sechs
Klassen) mit
Lateinunterricht.
5. 1900 –
1913
Realschule
(ohne
Latein) und
Aufbau eines
Progymnasiums
in Langfuhr.
Feierliche
Einweihung
des neuen
Conradinums
in der
Kruse-Straße
in
Danzig-Langfuhr
am 17.
Oktober 1900
in
Anwesenheit
des
Oberpräsidenten
der Provinz
Westpreußen,
Gustav von
Goßler, der
übrigens vor
seiner
Berufung
nach Danzig
1891
preußischer
Kultusminister
gewesen war.
6. 1913 –
1945 Ausbau
zur
Oberrealschule
mit
dreiklassigem
Progymnasium,
dreiklassiger
Vorschule
und Alumnat.
Lit.:
Otto L. F.
Neumann:
Darstellung
der von
Conradi’schen
Stiftung von
ihrem
Entstehen
bis zur
fünfzigjährigen
Stiftungsfeier
des
Provinzial-Instituts
am 12. Juli
1852 von O.
E. F.
Neumann
Instituts-Director.
Zweite
Auflage.
Vermehrt
durch ...,
Danzig, Th.
Anguth,
1868. –
Ernst
Bonstedt:
Von
Conradisches
Provinzial-Schul-
und
Erziehungs-Institut.
Bericht über
das mit
einem
Alumnat
verbundene
Realprogymnasium
zu Jenkau
bei Danzig
für das
Schuljahr
von Ostern
1892 bis
Ostern 1893
erstattet
von dem
Direktor Dr.
Ernst
Bonstedt.
Danzig 1893.
– Ernst
Bonstedt:
Das von
Conradische
Schul- und
Erziehungs-Institut
und seine
bisherigen
Schulformen.
In: Von
Conradisches
Provinzial-Schul-
und
Erziehungs-Institut
Bericht ...
von Ostern
1893 bis
Ostern 1894
erstattet
von dem ...
Danzig 1894.
– Weichbrodt,
Dorothea:
Patrizier,
Bürger,
Einwohner
der Freien
und
Hansestadt
Danzig in
Stamm- und
Namentafeln
vom 14. bis
18.
Jahrhundert.
Klausdorf
1986. –
Lingenberg,
Heinz:
Danzig als
Schulstadt
bis zum Ende
des 19.
Jahrhunderts.
In: Zur
Bildungs-
und
Schulgeschichte
Preußens.
Hrsg. von U.
Arnold.
Lüneburg
1988. –
Bahr, Rudi:
Das
Conradinum.
Eine
Stiftung des
Freiherrn
von Conradi
anno 1794.
Kulturwerk
Danzig
Schriftenreihe
II, Heft 8,
Düsseldorf
1995. –
Rundbriefe
der
Vereinigung
ehemaliger
Conradiner.
Z. B. Nr. 82
vom Herbst
1996.
Bild:
Grabstätte
Conradis in
St. Marien
zu Danzig,
Grabplatte;
Aufnahme des
Verfassers.
Hans-Jürgen
Kämpfert