Als Sohn
eines
wohlhabenden
Gastwirts
und einer
Pfarrerstochter
geboren,
besuchte
Crüger die
Schule im
seinem
Heimatort
benachbarten
Guben, bis
er mit 15
Jahren eine
Schulwanderung
begann. Sie
führte ihn
über Sorau
nach
Breslau, an
das
Jesuitenkollegium
in Olmütz,
an die
„Poetenschule“
in
Regensburg
(dort war
ein Schüler
G. Gabrielis
sein
Lehrer),
schließlich
nach
Österreich
und Ungarn (Preßburg),
über Mähren
und Böhmen
nach
Freiberg
(Sachsen),
ehe er 1615
eine Stelle
als
Hauslehrer
in Berlin
annahm.
Gleichzeitig
besuchte er
das Berliner
Gymnasium
und
bereitete
sich auf ein
Theologiestudium
in
Wittenberg
vor, für das
er in den
Jahren 1620
bis 1622
eingeschrieben
war. Durch
seine beiden
ersten
Kompositionen,
Concentus
musicus zu
hochzeitlichen
Ehren
(1619) und
den ersten
Teil seiner
Meditationum
musicarum
Paradisus
primus
oder erstes
musikalisches
Lustgärtlein
(1622) wurde
er als
Komponist
bekannt und
daraufhin
1622 zum
Kantor an
die Berliner
Nikolaikirche
berufen.
Verbunden
war damit
eine
Lehrtätigkeit
am Gymnasium
zum Grauen
Kloster.
Vierzig
Jahre lang,
bis zu
seinem Tode,
übte er
dieses Amt
aus. Als
Komponist,
(Gesangbuch-)
Editor,
Musiktheoretiker,
als Director
chori musici,
Pädagoge und
Organisator
prägte er
das
Musikleben
in Berlin
und führte
es zur
Blüte.
1628
heiratete
Crüger die
Witwe Marie
Aschenbrunner
(† 1636),
schließlich
1637
Elisabeth
Schmidt.
Durch die
Nöte des
Dreißigjährigen
Krieges,
Pest und
Hunger,
verloren sie
die meisten
ihrer Kinder
sehr früh.
Auch Crüger
erkrankte
und litt in
den
dreißiger
Jahren
zeitweise an
schweren
Depressionen.
Aus diesen
Jahren
liegen keine
Publikationen
vor.
Ein Schüler
Crügers
beschreibt
diesen als
einen
stillen und
den Musikern
am Hofe
allzu
demütigen
Mann,
„welcher
sich vor den
Augen der
Stolzen
nicht
stattlich
genug halten
wollte.
Einige am
Hofe hielten
dafür, daß
er gar zu
Luthers und
der
Reformierten
Kirche
unanständlich
wäre, blieb
dannenhero...
in seinem
pulvero
scholastico
sitzen und
starb
darüber in
gloriis
dahin...“
(nach
Fischer-Krückeberg).
Obwohl eine
Berufung an
den Hof als
Domkapellmeister
nicht
zustande
kam, stand
Crüger beim
Großen
Kurfürsten
Friedrich
Wilhelm von
Brandenburg
und seiner
Frau Luise
Henriette in
hohem
Ansehen.
Seine eigene
überkonfessionelle
Einstellung
traf sich
mit der
Vermittlungspolitik
des
Kurfürsten
zwischen
Lutheranern
und
Reformierten.
Dieser
beauftragte
ihn mit
einer
Bearbeitung
des gesamten
Lobwasser-Psalters
(deutsche
Übersetzung
des
französischen
Goudimelschen
Psalters der
Reformierten),
der
Psalmodia
sacra
(1657/58).
Die
Besetzung
mit vier
Vokal- und
drei ad
libitum
konzertierenden
Instrumentalstimmen
entsprach
der, die
Crüger auch
für die
Geistlichen
Kirchenmelodien
(1649)
gewählt
hatte. Sein
Nachfolger
im Amt, J.G.
Ebeling,
übernahm
diese
beliebt
gewordene
Besetzungsform,
die „zur
verbreitetsten
Art des
Choralsatzes
in der
späteren
Figuralmusik“
(Krummacher)
wurde.
Aus Crügers
Arbeit als
Pädagoge und
für diese
Aufgabe
entstanden
seine
musiktheoretischen
Schriften,
Elementarlehren
für den
Schulunterricht
und
Kompositionslehren
(Synopsis
musica
1630, 2.
Aufl. 1654).
Wie auch in
den anderen
Bereichen
verband er
dabei
Traditionelles
mit Neuem,
so daß es
zur
Zusammenfassung
älterer
wichtiger
Lehrbücher,
aber auch
zur
Weiterführung
ihrer
Inhalte kam.
Rezipiert
wurden seine
Werke von
bedeutenden
deutschen
Musiktheoretikern
bis hin zur
Zeit Bachs.
Die
Dreiklangsharmonik
und damit
auch die
barocke
Affektenlehre
gewannen für
Crüger an
Bedeutung,
daraus folgt
ein Abrücken
von den
Kirchentonarten.
Übernahm er
reformatorische
Choräle,
versah er
sie mit
Vorzeichen,
bildete also
Leittöne und
wies sie
damit
entweder als
Dur- oder
Mollweise
aus.
Für die
Verwendung
in der
Schule,
insbesondere
zur
musikalischen
Gestaltung
der Metten-
und
Vespergottesdienste
komponierte
Crüger die
Laudes
vespertinae
(1645), 6
stimmige
Magnificat-Kompositionen,
in denen er
ungewöhnliche
Tonarten
verwendete,
und die
Hymni
selecti
(erschienen
1680) im
schlichten
vierstimmigen
Kantionalstil.
In den
Magnificatvertonungen
auf die acht
ursprünglichen
Kirchentöne
(Meditationum
musicarum
Paradisus
secundus,
1626) zu 2-8
Stimmen
setzte
Crüger neue
Stilmittel
wie
doppelchöriges
und
solistisches
Konzertieren
über dem
Generalbaß
ein. Die
Entwicklung
vom
Geistlichen
Konzert hin
zur Kantate
wird
spürbar.
Heute ist
uns Crüger
hauptsächlich
als
evangelischer
Kirchenliedkomponist
ein Begriff.
Seine
„Entdeckung“
der Gedichte
Paul
Gerhardts,
der 1657 bis
1666
Diakonus an
der
Nikolaikirche
war, sich
aber auch
schon seit
1643 einige
Jahre in
Berlin
aufgehalten
hatte, war
besonders
fruchtbar.
Erst Crügers
Vertonungen
und Edition
machten die
Gerhardt-Lieder
zu den
bedeutendsten
Kirchenliedern
bis in die
heutige
Zeit.
Wichtig sind
ebenso die
Vertonungen
von Texten
Johann
Heermanns
und des
Gubener
Bürgermeisters
Johann
Franck.
Dabei gelang
es Crüger,
kleine
„Kunstwerke“
zu schaffen
und den für
die Gemeinde
angemessenen
Ton zu
finden.
Wichtigen
Worten des
Textes
verlieh er
durch die
Melodieführung
Bedeutung,
manchmal
setzte er
Tonmalereien
und Affekte
ein. Nicht
alle
Melodien
sind völlige
Neuschöpfungen.
Gerne griff
Crüger bei
Bearbeitungen
auf Melodien
des
Goudimelschen
Psalters
zurück, die
sich wegen
ihrer
eingänglichen,
beschwingten
Melodik und
Rhythmik
ohnehin
großer
Beliebtheit
erfreuten.
Rund 75
Weisen sind
von ihm
selbst
geschaffen,
fast dreißig
umgearbeitet,
bald zwanzig
sind als
Erstpublikation
ohne
Quellenangabe
erschienen.
Im 18.
Jahrhundert
ging die
Verwendung
der
Crüger-Melodien
zurück,
selbst in
der
Praxis
Pietatis
Melica
waren sie
kaum noch zu
finden. Seit
dem 19.
Jahrhundert
wurden sie
wieder
bekannter.
Nicht nur im
Evangelischen
Gesangbuch,
sondern auch
im
Gotteslob
sind Crügers
Melodien mit
den von ihm
ausgewählten
dazugehörigen
Texten heute
zu finden.
Als Beispiel
sei hier nur
genannt:
Lobet
den Herren
alle, die
ihn Ehren
(EG 447 mit
Satz, Gl
671).
Besonders
erfolgreich
und damit
wirkungsgeschichtlich
bedeutend
war die
Herausgabe
eines
Gesangbuches
mit dem
Titel
Praxis
Pietatis
melica.
Schon 1640
erschien,
wenn auch
unter
anderem
Titel, die
erste, bis
zur Mitte
des 18.
Jahrhunderts
allein in
Berlin die
45. Auflage,
immer wieder
jedoch
erweitert
und
verändert.
Weitere
„Raubdrucke“
kamen
beispielsweise
in Frankfurt
a.M. heraus;
es ist damit
das am
meisten
aufgelegte
Gesangbuch.
Praxis
pietatis
melica. Das
ist: Ubung
der
Gottseligkeit
in
Christlichen
und
trostreichen
Gesängen/
Herrn D.
Martini
Lutheri
fürnemlich/
wie auch
anderer
vornehmer
und
gelehrter
Leute:
Ordentlich
zusammen
gebracht/
Vnd über
vorige
Edition mit
gar vielen
schönen/
neuen
Gesängen
(derer
insgesamt
500)
vermehret:
Auch zur
Beforderung
des so wol
Kirchen- als
Privat=Gottesdienstes/
mit
beygesetzten
Melodeyen/
nebst dazu
gehörigem
Fundament/
verfertiget
Von Johann
Crügern Gub.
Lus. Direct.
Mus. in
Berlin/
[...]
Gedruckt zu
Berlin/ und
verleget von
Christoff
Runge/ Anno
1653.
So lautet
der Titel.
In der
Kirche mit
liturgischer
Funktion und
zu Hause zur
privaten
Erbauung und
Lehre
sollten die
Lieder
gesungen
werden. Das
war zwar
schon ein
Anliegen der
Reformatoren
gewesen, im
Frühpietismus
und in der
Reformorthodoxie
gewann diese
Praxis aber
als Ausdruck
der
persönlichen
Andachtsfrömmigkeit
an
Bedeutung.
Neu an
diesem
Gesangbuch
war die
inhaltliche
Zusammenstellung:
Sowohl der
Stamm der
„alten“
protestantischen
Lieder als
auch
zeitgenössische
geistliche
Dichtung,
vertont von
Crüger, die
so mit der
Zeit zu
„Kirchenliedern“
wurden,
waren darin
enthalten.
Geistliches
Singen ist
für Crüger
Liebesgespräch
zwischen
Christus und
der Kirche,
hier wird
die Liebe
„praktisch“
und gewinnt
Gestalt –
„Übung der
Gottseligkeit“.
In die
Vorrede von
1640 fügte
Crüger
später ein:
Zum
Lobgesang
„dann wir
von Gott
Vatern
erschaffen:
Von Gott
Sohn unserm
Heyland so
teuer
erlöset: Vom
heiligen
Geist
geheiliget:
Auch
endlichen
vom tode zum
Ewigen leben
aufferwecket
werden/ daß
wir nebest
den Heiligen
Himmel-Musicanten
im höhern
Chor die
göttliche
Majestät
loben und
preisen
sollen.“
Lit.:
Blankenburg,
Walter, Art.
Crüger. In:
Musik in
Geschichte
und
Gegenwart,
Bd. 2,
Kassel 1952,
Sp.
1799-1814
(neue
Ausgabe in
Vorb.). –
Biographisch-bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. 1,
Herzberg
1970,
Sp.
1172-1174. –
Bunners,
Christian,
Art. Crüger.
In:
Theologische
Realenzyklopädie,
Bd. 8,
Berlin/New
York 1981,
S. 241f. (in
diesen
Artikeln
Werke und
weitere
Lit.).
Bild:
Gemälde von
Michael
Conrad Hirt,
1663.
Evangelisches
Konsistorium
Berlin-Brandenburg;
Repr. nach
Musik in
Geschichte
und
Gegenwart,
Bd. 2,
Kassel 1952,
Tafel 61,
Abb. 1.
Heike
Wennemuth