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Der aus einer deutschen Apothekerfamilie stammende Czerny studierte von
1860 bis 1866 in Prag und Wien, wobei seine Studienschwerpunkte Biologie
und Ophthalmologie waren. Nach der Promotion am 19. Dezember 1866 und
verschiedenen Tätigkeiten in Wien, u.a. an der Hautklinik Ferdinand von
Hebras, ferner bei dem berühmten Augenheilkundler Ferdinand von Arlt
sowie bei Johann Ritter von Oppolzer, Primararzt am Wiener Allgemeinen
Krankenhaus, erfolgte im Jahre 1868 Czernys Einstellung als Assistent
Theodor Billroths, die mit einer Spezialisierung auf dem Gebiet der
Chirurgie verbunden war. Ein herausragendes Forschungsergebnis während
seiner Wiener Zeit als Mitarbeiter Billroths war das Gelingen einer
Kehlkopfexstirpation beim Hund, den Czerny mit Hilfe eines künstlichen
Kehlkopfes wieder zum Bellen brachte. Die im Tierversuch von Czerny
angewandte Operationsmethode wurde später für entsprechende Eingriffe
beim Menschen modifiziert. Im Kriegsjahr 1870 besuchte Czerny gemeinsam
mit Billroth die deutschen Lazarette in Weißenburg und Mannheim.
Nach der Habilitation für das Fach Chirurgie im Sommer 1871 wurde
Vincenz Czerny gegen Ende desselben Jahres zum ordentlichen Professor
für Chirurgie nach Freiburg i. Br. berufen, wo er auch die Leitung der
Chirurgischen Universitätsklinik antrat. Wissenschaftliche und
persönliche Verbindungen hatte er damals mit Adolf Kußmaul geknüpft,
Professor der Inneren Medizin, dessen Tochter Luise er 1872 heiratete,
sowie mit Hermann Nothnagel, Professor für Arzneimittellehre.
Im Jahre 1877 wechselte Vincenz Czerny nach Heidelberg über, wo er die
Nachfolge des bekannten Chirurgen Gustav Simon antrat. 29 Jahre wirkte
Czerny als ordentlicher Professor in der Neckarstadt: 1906 legte er
dieses Amt nieder und widmete sich in der Folgezeit ganz dem von ihm
selbst in Heidelberg gegründeten Institut für experimentelle
Krebsforschung (Samariterhaus). Nachdem Vincenz Czerny zunächst auf
experimentellem und histologischem Gebiet tätig gewesen war, leistete er
Herausragendes im klinischen Bereich, namentlich in der Chirurgie,
speziell auf dem Sektor der Bauchchirurgie: Er begründete moderne
Vorgehensweisen bei der Bruchoperation, modifizierte die bekannte
Lembertsche Darmnaht, setzte die vaginale Uterusexstirpation in der
Frauenheilkunde durch – eine bedeutende Pionierleistung, die ihm im
Jahre 1878 erstmals gelungen war –, arbeitete außerordentlich
erfolgreich bei der Gastrotomie, verbesserte die Verfahren der Magen-
und Darmresektion sowie bei Gallenoperationen bzw. Eingriffen an Blase
und Nieren. Außerdem gelang es Czerny, die Methodik bei Ösophagus-,
Kropf-, Zungen- und Larynxexstirpation zu vervollkommnen.
Rege war auch die Veröffentlichungstätigkeit Czernys. Er äußerte sich in
renommierten Fachorganen wie der Wiener medizinischen Wochenschrift.
An wichtigen Arbeiten Vincenz Czernys seien genannt: Versuche
über Kehlkopfexstirpation (1870), Ueber die Beziehungen der
Chirurgie zu den Naturwissenschaften (1872), Studien zur
Radikalbehandlung der Hernien (1877), Beiträge zur operativen Chirurgie
(1878), Ueber die Ausrottung des Gebärmutterkrebses (1879),
Ueber die Enukleation subperitonealer Fibromyome der Gebärmutter
durch das Scheidengewölbe; vaginale Myomotomie (1881) und Über
die Entwicklung der Chirurgie während des 19. Jahrhunderts und ihre
Beziehung zum Unterricht (1903). Des weiteren gab Vincenz Czerny
Teile der Lebenserinnerungen Adolf Kußmauls, seines Schwiegervaters,
heraus (Adolf Kußmaul: Aus meiner Dozentenzeit in Heidelberg,
hrsg. von Vincenz Czerny, Stuttgart 1903). Vincenz Czerny gilt als
Forscher und Lehrer von internationalem Ruf. Seine Neuerungen waren
wegweisend für die moderne Chirurgie, nicht nur in Deutschland. Als
Präsident und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie war
er ein Vorbild für zahlreiche Kollegen und Schüler.
Lit.:
[Anonym]: Czerny, Vincenz, in: Biographisches Lexikon der hervorragenden
Ärzte der letzten fünfzig Jahre. Zugleich Fortsetzung des Biographischen
Lexikons der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, hrsg. von
I[sidor] Fischer, I, Berlin und Wien 1932, S. 286. – [Anonym]: Czerny,
Vincenz, in: Biographisches Lexikon hervorragender Ärzte des neunzehnten
Jahrhunderts, hrsg. von J[ulius] Pagel, Berlin und Wien 1901, Sp. 367
[mit oben reproduzierter Abb.]. – [Anonym]: Czerny, in: Röche Lexikon
Medizin, hrsg. von der Hoffmann-La Roche AG und Urban &
Schwarzenberg, München, Wien und Baltimore 1984, S. 309. – Georg Schöne:
Czerny, Vincenz, in: Neue Deutsche Biographie, hrsg. von der
Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften,
III, Berlin 1957, S. 461 [dort Verzeichnis der wichtigsten Werke Czernys
und weiterführende Literatur]. – Helmut Wycklicky: Vincenz Czerny.
Pionier der interdisziplinären Krebsbekämpfung, in: Rheuma 6 (1986), S.
1-4.
Werner Gerabek
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