Die Wissenschaftsgeschichte
sieht in dem
Rechtshistoriker
Felix Dahn
„den
bedeutendsten
Vertreter
der
deutschen
Staats- und
Rechtsgeschichte“
(Hans
Helfritz),
die
Literaturgeschichtsforschung
nennt ihn
zugleich den
letzten
Vertreter
des
„Professorenromans“
und sein
Hauptwerk
„Ein Kampf
um Rom“
(1876) das
letzte große
Beispiel des
geschichtlichen
Romans im
19.
Jahrhundert.
Ein Mann von
vielfältigem
Ruhm also,
dessen
pathetische
Balladen
sich noch
bis zur
Schwelle des 20.
Jahrhunderts
und danach
als
Lesestoff in
den Schulbüchern
fanden.
Wertet man
die Fülle
seiner
poetischen
Veröffentlichungen,
die –
abgesehen
von seinen
rein
wissenschaftlichen
Schriften –
als erste
Gesamtausgabe
im Jahre
1899
immerhin 21
Bände
füllten
(neue Folge
1903), dann
wird die
Zuordnung
Felix Dahns
zur Gruppe
der
„Erfolgsschriftsteller“
(Arno Lubos)
verständlich
und
vertretbar
zugleich.
Felix Dahn, geboren am 9.
Februar
1834,
entstammte
einer
Hamburger
Schauspielerfamilie,
studierte in
München
und Berlin,
wurde 1862
Privatdozent
für
Rechtsgeschichte
an der
Universität
München, wo
er zugleich
Mitglied der
Dichtergesellschaft
„Das
Krokodil“
war, bekam
1863 eine
Professur in
Würzburg,
ging 1872
nach
Königsberg
und erhielt
1880 einen
Ruf an die
Juristische
Fakultät der
Schlesischen
Friedrich-Wilhelm-Universität
zu Breslau.
Obwohl damals schon
„ein
gefeierter
Dichter“,
wird ihm
dennoch
bezeugt, daß
er „trotz
überreicher
schriftstellerischer
Produktion
in keiner
Weise sein
Lehramt
vernachlässigt“
habe. Erst
1910 läßt er
sich von
seinen
amtlichen
Verpflichtungen
entbinden –
er war
damals
bereits 76
Jahre alt –,
nachdem er
längst zu
einer
stadtbekannten
Persönlichkeit
und sein
gastliches
Haus am
Schweidnitzer
Stadtgraben
zu Breslau
zum
Mittelpunkt
des geistig
und
künstlerisch
interessierten
Bürgertums
geworden
war. Seine
umfangreichen
geschichtlichen
Kenntnisse,
auf
gründlichen
Forschungen
fußend,
waren die
Grundlagen
seiner
zahlreichen
Romane und
Novellen,
Gedichte,
Balladen und
Dramen wie
auch seiner
historischen
Werke, die
vielfach in
fremde
Sprachen
übersetzt
wurden.
Seine
gewaltigen
Geschichtswerke
entnahmen
ihren Stoff
vorwiegend
der
germanischen
Völkerwanderung
und dem
Schicksal
der
germanischen
Stämme,
spannten
aber
zugleich den
Boden von
der Frühzeit
bis zum
Mittelalter.
Er
verherrlichte
die alte
deutsche
Geschichte
aus den
Anfängen der
christlichen
Zeit bis
hinein in
jenes
urgeschichtliche
Dunkel, das er mangels
zuverlässiger
Quellen in
die
Phantasie
des Dichters
hob, wobei
er sich
gelegentlich
des
Pseudonyms
Ludwig
Sophus
bediente.
„Ein Kampf
um Rom“,
dessen vier
Bände in
Breslau 1908
bereits die
51. Auflage
erreicht
hatten,
gehörte
damals zu
den
meistgelesenen
Büchern und
hat seine
mitreißende
Wirkung bis
heute kaum
verloren. An
Felix Dahns
späteren
Werken war
helfend und
mitarbeitend
auch seine
Frau Therese
von
Droste-Hülshoff,
eine Nichte
der Annette
von
Droste-Hülshoff,
beteiligt.
Sie
überlebte
ihren Mann,
der am 3.
Januar 1912
in Breslau
starb, um
viele Jahre
und gab
ihrem
„Salon“ eine
weithin
ausstrahlende
Wirkung, an
die sich
noch manche
der alten
Breslauer zu
erinnern
vermögen.
Felix Dahn
wurde auf
dem Friedhof
der
Breslauer
Maria-Magdalenen-Gemeinde
beigesetzt.
Sein Grab
war bis zum
Untergang
der
schlesischen
Landeshauptstadt
von Freunden
liebevoll
gepflegt.
Lit.:
Felix Dahn:
„Erinnerungen“,
5 Bände
(1890-1895)
und
„Sämtliche
Werke
poetischen
Inhalts“, 21
Bände
(1899), neue
Folge 1903.
– Neue
Deutsche
Biographie,
Band 3
(1957).
Heinz Rudolf
Pritsche