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Der Beruf des Vaters,
Ferdinand Damaschke, der als Schmied und Lokführer bei Eisenbahnbauten
im preußischen Osten weit herumkam, hatte zur Folge, daß Damaschke in
Preußisch Holland geboren
wurde. Nach häufigem Schulwechsel besuchte er schließlich die
Präparandie in Unruhstadt (Provinz
Posen) und das Lehrerseminar in Bromberg. Hier vereinten sich für ihn,
durch die fesselnde Lektüre von Hermann Itschners Unterrichtslehre
(1908-1912) und Heinrich Theodor Rötschers Kunst der dramatischen
Darstellung (1848/1919) angeregt, die beiden Ideale eines
„Menschenerziehers“ und „Menschendarstellers“ zum weit gefaßten
Lebensziel einer umfassenden „Volksbildung“. Zudem hatte das Schicksal
in Gestalt des Versailler Vertrags von 1919/1920 Damaschke
herausgefordert, Schule und Bühne als Hilfen gegen die
Abwanderungspsychose und die polnische Entdeutschungspolitik
einzusetzen.
Gerade Bromberg, wo
Damaschke schon 1913 die Lehrerprüfung bestanden und in dessen Nähe (in
Jagdschütz und Hoheneiche) er mit einer Unterbrechung durch den Ersten
Weltkrieg sich in seinen Junglehrerjahren bis 1919 bewährt hatte, war
hervorragend dazu bestimmt, das deutsche Volkstum in praktischer,
vielfach behinderter Schularbeit zu verteidigen und jahrzehntelang zu
verwirklichen. Diese aufblühende Stadt hatte einen beachtenswerten
Bestand ihres Deutschtums behalten, für das Damaschke nach der
Polonisierung des Stadttheaters eine eigene deutsche Schauspielgemeinde
schuf; unterstützt durch den Schriftsteller Karl Meissner und Dr. Otto
Schönbeck, den künftigen Leiter des Deutschen Schulvereins, sowie den
politischen Deutschtumsbund und nicht zuletzt durch seine Frau
Charlotte, geborene Röhr, welche in der „Deutschen Bühne Bromberg“ die
Leidenschaft und Herzenslust des Schauspiels mit ihm und Dr. Hans Tietze
teilte. Es war ihm ein bekennerisches Bedürfnis, „alle die großen und
schönen Rollen des deutschen und Welttheaters zu spielen“, wie es in
seinem Lebenslauf von 1948 heißt. Es ist sicher kein Zufall, daß das
seit einigen Jahren vorliegende Werk über die „Deutschen Bühnen in
Großpolen und Pommerellen 1919-1939“ (vgl. Literaturverzeichnis) auch
polnischerseits wissenschaftliche, wenn stellenweise auch mißverstehende
Beachtung gefunden hat.
Nachdem Damaschke von
den neuen polnischen Behörden die Unterrichtserlaubnis entzogen worden
war, widmete er sich im „Landesverband deutscher Lehrer und Lehrerinnen
in Polen“ und im „Deutschen Schulverein“ einer vertieften
populärwissenschaftlichen und publizistischen Tätigkeit, die weit
ostwärts über die Grenzen der ehemaligen preußischen Gebiete hinaus bis
nach Dornfeld und Ost-Schlesien (Bielitz) sowie nach Lodz und in all die
anderen Deutschtumsgebiete in Polen hineinwirkte. Er redigierte die
hervorragende Deutsche Schulzeitung in Polen, gab Pädagogische
Jahrbücher heraus, verfaßte ein landeskundliches Arbeits- und
Lesebuch über Polen, eine zweibändige Geschichte Polens
(1926, 1931), ein Quellenheft zum 3. Mai 1791, der denkwürdigen
polnischen Verfassung, ein Erdkundebuch über Polen und nicht zuletzt den
Text zum Dokumentarfilm Die deutschen Lehrer in Polen (1930). Er
betreute auch die Vierteljahresschrift Der evangelische
Religionslehrer in der Diaspora sowie den von der polnischen
Schulbehörde genehmigten Lehrplan für den Religionsunterricht an
allen Schulen mit deutscher Unterrichtssprache im Gebiet der Unierten
Evangelischen Kirche in Polen, mit denen die enge, lebenswichtige
Verbindung zwischen Kirche und Volkstum zum Ausdruck kam.
Gegen alle
Schwierigkeiten, denen das Deutschtum in Polen durch die einengende
polnische Minderheitenpolitik, insbesondere auf dem Gebiet des
Schulwesens, ausgesetzt war, bemühte sich Damaschke unbeirrt darum, den
deutschen Kindern und Eltern mit Entschlossenheit des „Dableibens und
Polnischlernens“ polnische Geschichte, Kultur und Sprache verständlich
zu machen. Zeugen schon die Schulbücher davon, so war die Einladung zur
Kochanowski-Feier der Universität Krakau im Jubiläumsjahr 1930, wo
Damaschke die Threnodien (Treny) des polnischen Dichters der
Renaissance-Zeit in deutscher Sprache vortrug.
Überhaupt war Damaschke
ein bereitwilliger „Berater für deutsche Abende“ und selber ein
begnadeter Vortragender. Mit seiner Frau gleichgesinnten „Volksbildnern“
zog er zu den Deutschen in Polen, um in Wort, Bild und Musik die
„Frohbotschaft des Volkstums“ zu verkünden. Ihr Urtext bestand aus Treue
und gleichermaßen Toleranz.
Diese beiden Tugenden
wurden, so widersprüchlich dies erscheinen mag, nach Ausbruch des
Zweiten Weltkrieges auf die Probe gestellt. Mit der Eingliederung
Brombergs in den „Reichsgau Danzig-Westpreußen“ 1939/40 bot sich
Damaschke endlich wieder die Gelegenheit, selber Kinder zu unterrichten.
Gegen alle eigene Erfahrung und wider alle Grundsätze sollte er jedoch
polnische Kinder einer Bromberger Vorstadtschule zu deutschen Kindern „umvolken“,
also all das verleugnen, was er in Büchern, Aufsätzen, Reden,
Denkschriften und durch eigene Haltung gefordert und vorgelebt hatte.
Nachdem ihm auch die Möglichkeiten der Bühnenwirksamkeit durch
reichsdeutsche und deutsch-baltische Berufsschauspieler genommen worden
war, stellte sich das „Volksdeutsche Leiden“ an dem enttäuschenden,
bedenklichen „reichsgermanischen“ Unverstand und Hochmut im Umgang mit
der polnischen Bevölkerung ein, das nur durch eine vorübergehende
Tätigkeit in Krakau gemildert werden konnte, wo sich die Möglichkeit
bot, Richtlinien für den Unterricht für polnische und ukrainische Kinder
im Sinne der eigenen klassisch-romantisch-humanistisch geprägten
Grundsätze zu entwerfen. Doch ging alles mit der Flucht der Familie im
Januar 1945, im Volkssturm und den Endkämpfen in Berlin, die in
veröffentlichungswürdigen Aufzeichnungen festgehalten sind, unter.
In Nentershausen bei
Bebra fand die Familie – Ehefrau, Sohn, Tochter mit Enkelkind – im
Mai/Juni 1945 wieder zusammen. Sehr bald begann ein neuer Dienst an
Bühne und Musik, der besonders von Rotenburg an der Fulda aus weite
Kreise Nordhessens, besonders Vertriebene, erfaßte; nicht zuletzt durch
die Begründung und Leitung einer Volkshochschule, so daß die Dreiheit
von „Schulmann-Bühnenmann-Volksbildungsmann“ voll zur Geltung kam. Aus
mancherlei neuen Möglichkeiten riß ihn nach schwerer Krankheit der Tod
mit 65 Jahren. Er wurde auf dem Rotenburger Friedhof begraben.
Weitere Werke:
Selbstverfaßter
Lebenslauf, Nentershausen 1948.
Lit.:
R. Breyer: Willi
Damaschke – Leben und Werk. Gedächtnisansprache 1977,
in-Westpreußen-Jahrbuch 1987. – G. Ohlhoff: Im Gedenken an Willi
Damaschke. In: Der Westpreuße Nr. 4/1982. – Kotowski: Teatry Deutsche
Bühne w Wielkopolsce i na Pomorzu 1919-1939 (Deutsche Bühnen in
Großpolen und Pommerellen) Warschau-Posen 1985. – E. Bahr: Damaschke,
Willi, Fritz. In: Altpreußische Biographie, Bd. IV, 2. Lieferung, 1989.
Richard Breyer
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