Abwechslungsreich und
vielfältig,
ja
schillernd
wie seine
Namen war
sein Leben,
wohl auch
seine
Haltung und
sein
Charakter.
Als Johannes
von Höfen (a
oder de
Curiis,
nachdem er
1515 von
Kaiser
Maximilian
zum Ritter
geschlagen
wurde,)
wurde er am
31. Oktober
1485 in
Danzig
geboren und
nannte
sich nach
seiner
Vaterstadt
Dantiscus.
Nach dem
Beruf seines
Großvaters
und seines
Vaters, der
zugleich
Brauer und
Kaufmann
war, hieß er
auch
Johannes
Flachsbinder
(grädsiert
dann
schließlich
Linodesmos).
Seine
Familie läßt
sich seit
dem 14.
Jahrhundert
im Ermland
nachweisen,
sein
Großvater
siedelte
dann wohl
Mitte des
15.
Jahrhunderts
nach Danzig
über. Als
Stätten
seiner
Ausbildung
nennen seine
Biographen
Danzig und
Graudenz,
Greifswald
und Krakau.
Schon mit 14
Jahren nahm
er an einem
Krieg gegen
die Türken
teil; jung,
intelligent
und von
kräftiger
Statur,
geriet er in
Krakau in
Kreise des
polnischen
Hofes und
kurz darauf
in einen
Feldzug
gegen die
Tataren.
Anschließend
unternahm er
von Venedig
aus Reisen
und
Wanderungen
durch
Griechenland,
Palästina,
Syrien und
Arabien und
kehrte von
Sizilien
durch
Italien nach
Krakau
zurück. Hier
wurde er
etwa 1505
königlich
polnischer
Sekretär und
setzte seine
Studien auf
theologischem
und
juristischem
Gebiet fort.
Auch seinen
humanistischen
und
dichterischen
Ambitionen
ging er
nach, doch
ist von
seinen
frühen
Werken kaum
etwas
erhalten
geblieben.
Nachdem er
in dieser
Zeit
ebenfalls
die niederen
priesterlichen
Weihen
erhalten
hatte,
vertrat er
den
polnischen
König als
königlicher
Notar seit
dem
Pfingst-Landtag
in
Marienburg
1509 auf den
Landtagen
der
preußischen
Stände.
Gebildet und
ehrgeizig
nahm
Dantiscus
die sich ihm
bietende
Chance wahr
und vertrat
– entgegen
den
Absprachen
von 1454 und
den
Verträgen
aus dem
zweiten
Thorner
Frieden von
1466 – die
Ansprüche
Sigismund
I.,
Appellationen
preußischer
Gerichte
annehmen zu
dürfen und
von
polnischen
obersten
Gerichtshöfen
entscheiden
zu lassen.
In dem
gleichen
Maße wie er
durch seinen
Eifer in
dieser Sache
im Ansehen
der
preußischen
Stände und
Städte sank,
stieg er in
der Gunst
des
Polenkönigs.
Er
begleitete
König
Sigismund zu
den
Fürstenkongressen
in Pressburg
und Wien, wo
er 1515 zum
Doktor
beider
Rechte
ernannt, von
Maximilian
zum Ritter
geschlagen
und zum
poeta
laureatus
gekrönt
wurde. Bis
1532 nahm er
nun als
königlicher
Gesandter
Aufgaben in
Deutschland,
Italien und
Spanien
wahr: Er
sicherte der
Königin Bona
aus dem
Hause Sforza
das
mütterliche
Erbe im
Herzogtum
Bari in
Neapel,
rechtfertigte
die
Gegensätze
zwischen
Polen und
dem
Deutschen
Ritterorden
vor
europäischen
Fürsten,
versuchte
das
westliche
Europa für
die Abwehr
der Türken
(Sultan
Soliman II.)
zu gewinnen
und
versuchte
schließlich,
die
Aufhebung
der
Reichsacht
gegen Herzog
Albrecht von
Preußen
(wegen der
Säkularisierung
des
Ordensstaates)
vor Kaiser
und
Reichstag zu
erreichen.
Sein großes
diplomatisches
Geschick
machten sich
andere
Fürsten
ebenso wie
die Kaiser
Maximilian
und Karl V.
zum Vorteil,
der ihn 1529
in Spanien
erneut zum
Ritter
schlug und
die
Dichterharfe
in sein
Wappen
setzte.
Durch die
Belohnungen
aller dieser
Dienste
brachte
Dantiscus es
zu Reichtum,
Ansehen
undÄmtern:
Er erhielt
eine Pfarre
bei Krakau
(1515), die
Probstei
Gollub bei
Bromberg
1521, das
oberste
Pfarramt an
der Danziger
St.
Marienkirche
(die zu
dieser Zeit
an 47
Altären über
100 Priester
und einen
unermeßlich
reichen
Paramentenschatz
besaß) 1523
als Sinekure
und 1530 das
Bischofsamt
im Bistum
Kulm in
Abwesenheit.
Ab 1532 nahm
er dieses
Amt wahr und
wurde damit
auch
Stellvertreter
des
ermländischen
Bischofs im
Vorsitz des
westpreußischen
Landesrates,
vor dem
selbstverständlich
deutsch
Verhandlungssprache
war. Nachdem
er im März
1533 die
höheren
Priesterweihen
erhalten
hatte,
erfolgte im
September
die
Bischofsweihe.
Die Querelen
im
Zusammenhang
mit seiner
Bewerbung um
das
Bischofsamt
in Kulm
setzten sich
in
verstärktem
Maße fort,
als er sich
um die
Koadjutorstelle
für den
erkrankten
ermländischen
Bischof
Mauritius
(Moritz)
Ferber
bemühte, als
es um die
Auslegung
des
Vertrages
von Petrikau
aus den
Jahren
1512/13 und
schließlich
um die
Nachfolge im
ermländischen
Bischofsamt
ging, die er
mit
erheblicher
Unterstützung
des
polnischen
Königs 1537
antrat.
Dantiscus
hatte in
seinem
bisherigen
Leben alle
weltlichen
Annehmlichkeiten
und Freuden
reichlich
ausgekostet,
seine
lateinischen
Gedichte
umfaßten
Epigramme,
Gelegenheitsgedichte,
Satiren und
Elegien
erotischen
Inhalts,
auch
Wettgesänge
in Prosa
gehörten
dazu. In
diesen
Jahren
jedoch
änderte sich
sein
Verhalten:
Er bemühte
sich um
ehrbaren
Lebenswandel
und achtbare
Pflichterfüllung,
schrieb
geistliche
Komödien und
religiöse
Hymnen (sein
bedeutendstes
Werk,
zugleich
eines der
besten des
Humanismus
in Preußen,
erscheint
1548, das
„Buch der
Hymnen“) und
konnte als
Präsident
des
preußischen
Landesrates
durchaus
Erfolge in
der
Verteidigung
der
Freiheiten
Preußens
gegenüber
den
Ansprüchen
des
Polenkönigs
verzeichnen.
Wird also
aus dem
Saulus ein
Paulus, oder
zeigt sich
der Welt ein
Opportunist?
Die
Schwierigkeiten
selbst in
seinem
eigenen
Domkapitel
reißen nicht
ab.
Dantiscus,
der noch als
Bischof des
Ermlands mit
seiner
Geliebten in
Spanien
korrespondiert
und seine
uneheliche
Tochter
(Johanna
Dantisca a
Curiis) in
Valladolid
in Spanien
unterstützt,
verbietet
dem
weltbekannten
Astronom und
Domherrn
Copernicus
die
Beschäftigung
einer
entfernten
Verwandten
als
Haushälterin,
benutzt aber
dessen
Dienste als
anerkannter
Arzt.
Andersdenkende
Domherren
seines
eigenen
Kapitels
werden unter
Druck
gesetzt, ja
sogar des
Landes
verwiesen.
Von den
Priestern
seiner
Diözese
verlangt er
einen
einwandfreien
Lebenswandel
und ein
Eintreten
für die
Gegenreformation.
Andererseits
haben
zahlreiche
seiner
Unternehmungen
große
Anerkennung
gefunden:
seine
Anordnung,
daß
Mitglieder
des
Domkapitels
eine
dreijährige
Universitätslaufbahn
abgeschlossen
haben
müssen, und
sein
Eintreten
für die
Freiheit
Westpreußens
gegenüber
dem
polnischen
König.
Dantiscus
galt und
gilt als
herausragender
Förderer des
Humanismus
in Preußen.
Er und seine
gelehrten
Domherren
pflegten
einen regen
und
freundschaftlichen
Austausch
sowohl mit
den
protestantischen
Gelehrten am
Königsberger
Hof als auch
mit den
katholischen
am
polnischen.
Ein
umfangreicher
Briefwechsel
verband ihn
mit
bedeutenden
Persönlichkeiten
ganz
Europas,
selbst mit
Hernán
Cortés in
Amerika. Im
Schloß zu
Heilsberg,
dem
ermländischen
Bischofssitz,
schuf er
eine
Bibliothek,
eine Münz-,
Karten- und
Gemäldesammlung
(Holbein).
Der
bedeutende
Humanist und
Diplomat
starb in der
Nähe seiner
Vaterstadt
Danzig am
27. Oktober
1548 in
Heilsberg.
Lit.:
F. Hipler:
Beiträge zur
Geschichte
der
Renaissance
und des
Humanismus
aus dem
Briefwechsel
des Johannes
Dantiscus.
in: Zschr.
für die
Geschichte
und
Altertumskunde
Ermlands,
Bd. 9, 1890;
F. Hipler:
Des Bischofs
J.D.
geistliche
Gedichte,
Münster
1857; A.
Rhode: Der
erste
Berufsdiplomat
in Polen, J.
von Höfen,
gen.
Dantiscus.
In: Deutsche
Gestalter
und Ordner
im Osten.
Leipzig
1942.
Abb.:
Holzschnitt
von A.
Lesser
Hans-Jürgen
Kämpfert