Matthäus
Deisch war
als
bildender
Künstler in
Danzig
tätig, er
stellte
Radierungen,
Kupferstiche
und
Schabkunstblätter
her
(Kupferstiche,
die durch
eine
aufgerauhte
Oberfläche
der
Kupferplatte
auch weiche
Tonabstufungen
und
-übergänge
wiedergeben).
Künstlerisch
wohl weniger
bedeutend,
was seine
Zeitgenossen
recht
drastisch zu
formulieren
pflegten,
galt er den
nachfolgenden
Generationen
dennoch als
bedeutender
Bewahrer des
nahezu
einmalig
schönen
Danziger
Stadtbildes
aus dem
frühen 18.
Jahrhundert.
Heute, nach
Bombardement
und
Vertreibung,
vor allem
aber nach
den
Brandlegungen
der Sieger
im Anschluß
an die
Einnahme
Danzigs im
Frühjahr
1945, durch
die Danzigs
Innenstadt
bis zu 90 %
zerstört
wurde, ist
die
Darstellung
des Danziger
Stadtbildes
durch Deisch
von
unschätzbarer
Bedeutung,
nicht
zuletzt für
den
Wiederaufbau
nach 1945.
Die
zeitliche
Einordnung
der
Abbildungen
aus der
Stadt Danzig
– Aegidius
Dickmann
(1617),
Reinhold
Curicke
(1687),
Matthäus
Deisch (1765
erschien das
letzte
Blatt),
Johann Carl
Schultz
(1855
erschien die
erste Folge)
usw. – wurde
in den
Ostdeutschen
Gedenktagen
1985 (S.
253) kurz
dargestellt.
Die
Lebensdaten
des Danziger
Künstlers
geben einen
außerordentlich
interessanten
Einblick in
sozialgeschichtliche
Zusammenhänge
der
damaligen
Zeit.
Matthäus
Deisch wurde
am 18. Juli
1724 in
Augsburg
geboren, der
Stadt, die
für die
Herstellung
von
Landkarten
und
Kupferstichen
ganz
allgemein
und als Sitz
bekannter
Kupferstichverleger
in Europa
bekannt war.
Hier erhielt
er seine
Ausbildung
als Maler
und
Kupferstecher
bei Rugendas
und Kilian.
Da er – wohl
wegen der
großen
Konkurrenz –
sein
Auskommen in
Augsburg
nicht finden
konnte,
unternahm er
bereits in
jungen
Jahren weite
Messefahrten,
die ihn
schon 1744
nach Danzig
führten,
vielleicht
zum großen
Dominiks-Jahrmarkt
im August.
Hier muß er
auch seine
spätere Frau
kennengelernt
haben,
Philippine
Agathe geb.
Pollet verw.
von
Pfundkeller,
derentwegen
er sich Ende
1749 – nach
eigener
Aussage –
endgültig in
Danzig
niederließ.
Er logierte
„bei Meister
Lorenz
Schneider in
Poggenpfuhl",
einer
Querstraße
zum
Vorstädtischen
Graben
parallel zur
Mottlau, wie
er in einer
Anzeige in
den
„Wöchentlichen
Danziger
Nachrichten"
mitteilte.
Danzig, der
bedeutende,
selbständige
Stadtstaat
unter der
selbstgewählten
Oberhoheit
des Königs
von Polen,
hatte seine
Blütezeit
als See- und
Handelsstaat
längst
überschritten,
zog aber
immer noch
zahlreiche
Einwanderer
in seinen
Bann. Ein
wirtschaftlicher
Aufschwung
war Deisch
auch hier
nicht
beschieden,
obwohl er in
Danzig ein
kleines
Ladengeschäft
betrieb,
weiterhin
Messen und
Märkte
besuchte
(z.B. in
Elbing,
Braunsberg
und
Königsberg),
Portraits
anfertigte
und
Tagesereignisse
– seriöse
oder
sensationelle
– in
Kupferstichen
zu geringen
Preisen
darstellte.
Er machte
sogar
Konkurs, da
er durch
Verluste auf
Märkten und
auf See etwa
1000
Reichstaler
Schulden
hatte, erbat
und erhielt
zum Schutz
vor seinen
Gläubigern
im Jahre
1754 den
„Eisernen
Brief" der
Stadt
Danzig. 1759
war der
junge
Berliner
Maler
Friedrich
Anton Lohr
ebenfalls
nach Danzig
eingewandert,
mit ihm gab
Deisch als
Unternehmer
und
Kupferstecher
die heute so
überaus
wertvollen
„Fünfzig
Prospecte
von Dantzig"
von 1761 bis
1765 für
etwa 250
Subskribenten
heraus.
Diese
Sammlung
enthält 7
Gesamtansichten,
4 Außentore,
etwa 30
Ansichten
von Plätzen
und Gebäuden
der
Innenstadt
und einige
Ansichten
der selten
dargestellten
Vorstädte
und Vororte.
Auch dieses
Unternehmen
erfüllte
nicht ganz
seine
finanziellen
Erwartungen,
obwohl er
von der
Stadt, der
die „Prospecte"
gewidmet
waren, noch
300 Gulden
als Geschenk
erhielt.
Fast
gleichzeitig
mit diesem
Werk gab er
von 1762 bis
1765 „Die
Herumrufer"
heraus, 40
Darstellungen
von Danziger
Straßenverkäufern
und
Ausrufern,
für die wohl
ebenfalls
Lohrmann als
Maler
gewonnen
wurde.
Deisch
wohnte
inzwischen
in der
Wollwebergasse,
einer
Querstraße
zwischen
Langgasse
und
Jopengasse
am
Kohlenmarkt.
Unmittelbar
im Anschluß
an die
beiden
erwähnten
Serien
kündigte
Deisch schon
1765 eine
dritte über
in Danzig
lebende
Persönlichkeiten
an, von
denen bis
1785 auch
mindestens
20 Portraits
erschienen.
1766 gab er
dann ein
erstes
Danziger
Wappenbuch
von 12
Blatt, 1767
ein zweites
von 41 Blatt
heraus,
deren Wappen
und
Monogramme
der
Mitglieder
des Danziger
Senates und
der
Verwaltung
für
Genealogie
und
Wappenforschung
von großer
Bedeutung
sind.
Daneben hat
er stets
Visitenkarten,
Glückwunsch-
und
Neujahrskarten
u. ä.
angeboten.
Erst im
Jahre 1763
erhielt
Deisch das
Danziger
Bürgerrecht
als
„Arbeitsmann",
1769 wurde
er auf
eigenen
Antrag als
Unterschreiber
Beamter bei
der
Zulagekammer
der Stadt
und 1779
„Erster
Zulageschreiber".
Damit besaß
er wohl im
45.
Lebensjahr
erstmals ein
festes
Gehalt, und
als er zwei
Jahre nach
dem Tode
seiner Frau
(1781) sein
Testament
machte,
sogar ein
Vermögen von
3500 Gulden.
Im Jahre
1773
besuchte der
gebürtige
Danziger und
in Berlin zu
Ruhm und
Erfolg
gekommene
Daniel
Chodowiecki
seine
Vaterstadt.
Am 15. Juni
notierte er
in sein
Tagebuch:
„Hier soll
Herr Wessel
der beste
Maler sein,
für
Kupferstiche
ist nur
Donet da,
ein Mennonit,
und Deisch,
ein
Augsburger,
beide
Pfuscher.“
Oder: „Ein
paar
schlechte
eigene
Arbeiten
nach Ostade
zeigte er
noch.“
Dennoch
besuchte er
Deisch, der
wieder nahe
der
Petrikirche
wohnte, noch
am gleichen
Tage und
auch später,
tauschte mit
ihm Bilder
und
zeichnete
Deisch und
seine Frau
am
Kaffeetisch,
zahlreiche
Bilder an
den Wänden
und Deisch,
eine lange
Pfeife in
der Linken
haltend.
Matthäus
Deisch starb
am 28.1.1789
in Danzig,
er blieb
kinderlos.
Das
Schabkunstblatt
seiner
eigenen
Person, um
1760
entstanden
nach einem
Gemälde von
Jakob
Wessel, gilt
als recht
gut
gelungen, so
wie seine
Portraits
allgemein
vom
künstlerischen
Standpunkt
aus vor
seinen
Stadtansichten
den Vorzug
erhalten
haben.
Lit.: Daniel
Chodowieckis
Künstlerfahrt
nach Danzig
im Jahre
1773. Eingel,
u. hrsg. v.
W. Franke,
Berlin, o.
J. (um
1900). –
Schwarz,
Friedrich:
M. D. in:
Mitteilungen
des
Westpreußischen
Geschichtsvereins,
Band 23
(1924), S.
54ff. Mit
Bild. –
Bahr, Ernst:
in: Fünfzig
Prospecte
von Dantzig.
Nachdruck
der
Originalausgabe
von Matthäus
Deisch,
Lüneburg
1976.
Hans-Jürgen
Kämpfert