Weil seine
Eltern,
Pastor
Hieronymus
Depkin zu
Sissegal und
dessen Frau
Katharina
von Damm,
ein Opfer
der ganz
Livland
verheerenden
Pest des
Jahres 1657
wurden, fand
der junge
Liborius
Depkin
zunächst
Aufnahme in
der
Waisenhausschule
und besuchte
dann die
Rigaer
Domschule.
Von hier
begab er
sich 1672
erst nach
Greifswald,
wo sein Name
unter dem
17. Januar
in der
Universitätsmatrikel
erscheint.
Doch schon
bald darauf,
am 18.
August des
Jahres,
schrieb
Depkin sich
an der
Universität
Rostock ein,
wo er dann
offensichtlich
den größten
Teil seines
Studiums
verbrachte
und bereits
1673 die
erste
philosophische
Disputation
de Mundo
öffentlich
absolvierte.
Daneben
besuchte er
die
Helmstedter
Universität
und das
Collegium
Carolinum in
Braunschweig,
das ihn am
29. Juni
1673
aufnahm.
Weitere
akademische
Schriften
wurden
jedoch in
Rostock 1674
und 1675
publiziert.
Hier trug er
ebenfalls im
theologischen
Auditorium
seine
deutsche
gereimte
Rede über
Das In Adam
verlohrne/
und in
Christo
wieder=gebohrne/
Gottes=Ebenbild/
vor, die
1676 im
Rostocker
Druck
erschien.
Unter dem
Jahr 1676
ist Depkin
dann
allerdings
in der
Leipziger
Universitätsmatrikel
zu finden.
An diesem
Ort
veröffentlichte
er im selben
Jahr sein
Gebundenes
Hirtengespräch,
ein
geistliches
Hirtengedicht.
Eine weitere
Schäferdichtung
– eine
literarische
Gattung, die
Depkin zu
dieser Zeit
besonders
pflegte –
legte er
1678 wieder
in Rostock
vor, den
Wißmarische[n]
Friedens-Wechsel,
in dem die
Rückgabe der
seit 1675
von Dänemark
eingenommenen
Stadt Wismar
an die
Schweden
bukolisch
gefeiert
wird. Im
darauffolgenden
Jahr trat
Depkin die
Heimreise an
– übrigens
ohne den
Magistertitel
erworben zu
haben, was
ihn von
seinem
gleichnamigen
Vetter
unterscheidet,
der zur
gleichen
Zeit in Riga
lebte. Die
Reise führte
über Lübeck,
wo sein
Landsmann
und
Kommilitone
Johannes
Welscher an
einem Fieber
erkrankte
und am 6.
Juni 1679
starb, wie
einem
Trauergedicht
Depkins zu
entnehmen
ist.
In seiner
Heimatstadt
Riga erhielt
Liborius
Depkin 1680
den Ruf auf
die Stelle
des
Domschul-Rektors,
doch scheint
er diese
nicht
angetreten
zu haben. Um
die gleiche
Zeit warb
der Rat der
Stadt Wismar
um ihn. Man
hatte seine
Predigten
gehört und
war fest
entschlossen,
den
Theologiestudenten
zu
engagieren;
der Stadt
Riga bot man
sogar an,
die
gezahlten
Stipendiengelder
zu
erstatten.
Doch die
Stadtväter
ließen ihn
nicht
ziehen. Eine
wohl
kurzfristig
angenommene
Anstellung
als
Feldprediger
beim
Regiment
Knorring
konnte
Depkin dann
im Februar
1681 mit dem
Ruf in das
Pastorat
Lemsal
aufgeben.
Eine
vorteilhafte
Verbindung
ging er am
28. November
durch die
Hochzeit
mit Anna
Stübner,
Tochter des
Pastors und
Propstes des
Rigischen
Kreises
sowie
Konsistorialassessors
Bartholomäus
Stübner,
ein. Aus der
Ehe gingen
die Söhne
Bartholomäus
und Georg
sowie die
Tochter
Gertrud
Elisabeth
hervor.
Am 22. März
1690 folgte
der Ruf an
die St.
Johannis-Kirche
in Riga, die
der
lettischen
Gemeinde
eingeräumt
war. 1701
wurde Depkin
zudem als
Assessor in
das
Stadtkonsistorium
berufen. Er
starb als
Senior des
geistlichen
Ministeriums
am 2.
Dezember
1708 und
wurde elf
Tage darauf
in Riga
bestattet.
In den
zahlreichen
erhaltenen
Trauergedichten
von
Mitbrüdern,
Kollegen und
Freunden
wird – neben
der üblichen
Klage über
den Verlust
des
geistlichen
Seelenhirten
und Hirten
der
Gemeinde,
also des
Pastors, –
vor allem
des Poeten
gedacht, der
in der Stadt
offensichtlich
als „sonderbahrer
Sonnetten-Freund“
großes
Ansehen
genoss. Ein
„Gewogener
Gönner“
betrauerte
den
Verstorbenen
in einem
Sonett und
vermisste
„Die Hand/
die hier bei
uns den
besten Vers
geschrieben/
Ein
künstliches
Sonnet
gleich
setzte nach
belieben/“.
Depkin galt
als Meister
der Verse;
in der
städtischen
Gelegenheitsdichtung
war er mit
unzähligen
deutschen
Carmina
vertreten,
vor allem
seit dem
Amtsantritt
an St.
Johannis.
Dabei ist
die weit
überwiegende
Anzahl der
Gedichte als
Sonett
gestaltet.
Seinen Ruhm
hinsichtlich
dieser
literarischen
Kleinform
begründeten
jedoch wohl
die
Gott-geheiligten
Evangelien-Andachten
über das
gantze
Kirchen-Jahr
(Riga 1681),
die Depkin
in hundert
Sonetten
„zur Ehre
Gottes und
Erbauung des
Neben-Christen
abgefasset“
hatte.
Erstaunlich
an den
Trauergedichten
ist das
Fehlen der
anderen
Seite von
Depkins
reicher
Tätigkeit,
der
Beschäftigung
mit der
lettischen
Sprache.
Lediglich in
den
lateinischen
Parentalia
des
Professors
Adam
Gottfried
Hörnick wird
diese
erwähnt und
ausdrücklich
gewürdigt.
Überraschend
ist auch der
Befund, dass
zwar ein
sechssprachiger
Beitrag des
gekrönten
Poeten Erik
Notmann zum
Tod Depkins
hebräisch,
griechisch,
oskisch,
lateinisch,
schwedisch
und deutsch
erschien,
jedoch kein
lettisches
Trauergedicht
nachweisbar
ist. Dabei
hatte der
Verstorbene
nicht nur
als Pastor
an der
lettischen
Landgemeinde
in Lemsal
und der
lettischen
Stadtgemeinde
an St.
Johannis
diese
Sprache
gepflegt,
sondern auch
tatkräftig
an der
Revision der
ersten
lettischen
Bibelausgabe
mitgewirkt.
Ebenso war
er an der
dritten
Ausgabe der
Lettischen
Postill
des Georg
Mancelius
(Riga 1699)
beteiligt
und hatte
für das
livländische
lettische
Gesangbuch,
das unter
seiner
Bearbeitung
in mehreren
Auflagen
erschien,
lettische
Lieder
beigesteuert,
die mit
seinen
Initialen
gekennzeichnet
sind. Von
einer
intensiven
Beschäftigung
mit der
Sprache
kündet
Depkins 1704
erschienener
Vortrab
zu einem
längst
gewünschten
Lettischen
Wörter-Buche,
mit dem er
Werbung für
sein
Wörterbuch
betrieb.
Dieses
konnte
jedoch nicht
mehr zu
Lebzeiten
veröffentlicht
werden; im
handschriftlichen
Nachlass
fand sich
der
fertiggestellte
deutsch-lettische
Teil in
einem Band,
während der
lettisch-deutsche
in zwei
Bänden noch
unvollendet
war.
Publiziert
war
allerdings
Depkins
viersprachiges
Wörterbüchlein,
wie etzliche
gebräuchliche
Sachen auf
Teutsch,
Schwedisch,
Polnisch und
Lettisch zu
benennen
seynd
(Riga 1705),
eine
Bearbeitung
des lange
Zeit Georg
Dressel
zugeschriebenen
viersprachigen
Vocabulariums
(Riga
1688).
Depkin hatte
das Werk
nicht nur
überarbeitet,
sondern
gegenüber
der Vorlage
auch das
Lateinische
gegen das
Schwedische
ausgetauscht.
So ist es
wenig
überraschend,
dass
Liborius
Depkin in
der
lettischen
Sprachgeschichte
und der
Entwicklung
der
lettischen
Kirchenliteratur
einen festen
Platz
einnehmen
konnte.
Seine
literarische
Bedeutung
für die
deutsche
Dichtung in
Stadt und
Region
hingegen
wurde bis
heute fast
gänzlich
vernachlässigt,
ein
vollständiges
Verzeichnis
der Gedichte
und
sonstigen
Schriften
fehlt
genauso wie
eine
Sammlung
derselben,
von einer
entsprechenden
Würdigung
ganz zu
schweigen.
Werke:
Theses
philosophicae
de Mundo,
Rostock
1673. –
Disp.
metaphys. de
cognoscibilitate,
Rostock
1674. –
Semicenturia
prior [-posterior]
thesium
miscellanearum
philosophicarum,
Rostock
1675. – Das
in Adam
verlohrne
und in
Christo
wiedergebohrne
Gottes-Ebenbild,
der
hochheiligen
Christ-Geburt
zu Ehren in
Teutsch-gebundener
Rede
entworffen,
Rostock
1676. –
Pflichtschuldigster
Ehren-Zuruff,
Als der
Wohl-Ehrwürdige
Herr
Heinricus
Hornemann
zum Pastor
Adjunctus
der Gemeine
zu
Wittenberg
eingeführt
ward,
Parchim
1676. –
Gebundenes
Hirtengespräch,
dem
blutrünstigen
Jesuleiden
zu Ehren
abgefasset,
Leipzig
1676. –
Wißmarischer
Friedens-Wechsel,
in einem
Schäfer-Gedicht
beglückwünschet,
Rostock
1678. –
Gott-geheiligte
Evangelien-Andachten
über das
gantze
Kirchen-Jahr,
in hundert
Sonnetten
bestehende,
zur Ehre
Gottes und
Erbauung des
Neben-Christen
abgefasset,
Riga 1681. –
Sawadi
Karra-Teesas
Likkumi,
Riga 1696
[Übersetzung
d. schwed.
Kriegsartikel].
– G.
Mancelius:
Lettische
Postille, 3.
Ausg., Riga
1699
[Mitarbeit].
– Latweescha
Deewu-Peeluhgschanu
Grahmata,
Riga 1703
u.ö. [lett.
Gesangbuch,
darin auch
lett.
Lieder]. –
Des durch
sein
vielfältiges
Verbrechen
zum Tode
verurtheilten
Johann
Stakkel’s
... kurtz
abgefasste
Buß-Gedanken
etc., Riga
1703 [auch
in lett.
Sprache]. –
Vortrab zu
einem längst
gewünschten
Lettischen
Wörter-Buche,
mehrenteils
aller derer
Wörter, so
in der
Lettischen
Bibel und
allen andern
in der
Lettischen
Sprache
ausgefertigten
Büchern
befindlich
sind, und
aus genauer
Nachfrage
der
Lettischen
Sprachkündigen
haben
angeschaffet
werden, auch
immerhin in
derselbigen
Sprache
sowohl in
Kurland, als
auch in
Liefland
gebräuchlich
seyn können;
welches denn
mit
göttlicher
Hülfe
künftigen
Johannis
unter die
Presse zu
geben
gesonnen,
inzwischen
aber auch
durch diesen
Vortrab
geübterer
und
gelahrterer
Leute Sinnen
zur
Communication
ihres
geneigten
Beytrages
aufmuntern
und erbitten
wollen, Riga
1704. –
Wörterbüchlein,
wie etzliche
gebräuchliche
Sachen auf
Teutsch,
Schwedisch,
Polnisch und
Lettisch zu
benennen
seynd, Riga
1705. –
Deutsch-lettisches
und
lettisch-deutsches
Wörterbuch
[unvollendete
Handschrift];
über
einhundert
Gelegenheitsgedichte.
Lit.:
A.G.
Hörnick:
Parentalia,
Riga (1708).
– F.K.
Gadebusch. –
Livländische
Bibliothek,
Riga 1777,
Bd. I, S.
202-203. –
Jöcher/Adelung
II (1787)
Sp. 663. –
Recke/Napiersky,
Schriftsteller-
und
Gelehrtenlexikon
I (1827) S.
415-417. –
Napiersky/Beise,
Schriftsteller-
und
Gelehrtenlexikon,
Nachträge
und
Fortsetzungen
I (1859) S.
148. – C. E.
Napiersky,
Beiträge zur
Geschichte
der Kirchen
und Prediger
in Livland.
Fortges. v.
A. W.
Keussler,
Bd.
I-IV, Riga
u.a.
1843-1852,
1877, Bd.
II,
S. 49; Bd.
IV, S. 188.
– Chr. A.
Berkholz,
Die alte
Pastorenfamilie
Depkin, Riga
1881 (S.-A.
aus Neue
Zeitung für
Stadt und
Land). – Die
evangelischen
Prediger
Livlands bis
1918, hrsg.
von M. Ottow
u. W. Lenz,
Köln u.a.
1977, Nr.
341, S.
204-205. –
M. Redlich,
Lexikon
deutschbaltischer
Literatur,
Köln 1989,
S. 76-77. –
Latviešu
rakstniecība
biogrāfijās.
Red. V.
Hausmanis,
Rīga 1992. –
Handbuch des
personalen
Gelegenheitsschrifttums,
hrsg. v. K.
Garber, Bd.
12-15
[Riga],
Hildesheim
u.a. 2004.
Bild:
Titelblatt
der
Evangelien-Andachten
von 1681.
Martin
Klöker