"Ich solte
vnglücklich
sein, wan er
sterben
sollte",
schrieb der
Große
Kurfürst
Friedrich
Wilhelm von
Brandenburg
im Jahre
1676 an den
Geheimen Rat
Otto von
Schwerin
über Georg
von
Derfflinger,
"vnd wuste
nicht, wo
ich wider
einen man
bekommen
solte so das
werck recht
auss dem
fundamendt
verstehet,
vndt mir
wirdts desto
schwerer
werden,
weill ich
keinen habe,
der mir
anhandt
gehen kan
(...)."
Dieses
Urteil
Friedrich
Wilhelms
über seinen
führenden
militärischen
Berater und
Feldherrn,
dessen
Verdienste
um den
brandenburgisch-preußischen
Heeresausbau
im 17.
Jahrhundert
hier
anklingen,
blieb in der
historischen
Publizistik
wie in der
Historiographie
zur
Geschichte
des Großen
Kurfürsten
und seiner
Beamten und
Offiziere
erhalten und
fand Eingang
in die
biographischen
Würdigungen
des
Feldmarschalls.
Seine
heldenhaften
und fast
schon
sagenumwobenen
Taten, die
Verknüpfung
mit
markanten
Ereignissen
und
Weichenstellungen
der
preußischen
Geschichte
und mit der
herausragenden
Gründergestalt
des
brandenburgisch-preußischen
Staates im
17.
Jahrhundert
trugen zur
Ausprägung
des Bildes
vom "Alten
Derfflinger"
bei, dem
noch Fontane
in seinen
Wanderungen
ein
literarisches
Denkmal
setzte.
Nach dem
Zeugnis
seines
Grabdenkmals,
das sich
früher in
der Kirche
des im
Oderbruch
gelegenen
Dorfes Gusow
befand,
wurde Georg
Derfflinger
am 10. März
1606 als
Sohn einer
im
oberösterreichischen
Neuhofen
ansässigen
Bauernfamilie
geboren.
Über seine
Herkunft,
Jugend und
Erziehung
gibt es
keine
verläßlichen
Nachrichten,
zumal er
kurz vor dem
Ausbruch des
Dreißigjährigen
Kriege oder
nach dem
Scheitern
des
oberösterreichischen
Bauernaufstandes
gegen die
Habsburger
1625 mit
seinen
Eltern aus
Glaubensgründen
nach Böhmen
übersiedelte.
Daß
Derfflinger
zuerst das
Schneiderhandwerk
erlernt
habe, hatten
ihm wohl der
Volksmund
oder Spötter
angehängt,
was Fontane
als
"poetischen
Zug" in der
Überlieferung
deutete.
Älteren
Berichten
zufolge hat
Derfflinger
"von der
Muskete auf"
gedient, und
er scheint
zur Zeit des
böhmischen
Aufstandes
im Gefolge
des Grafen
Matthias von
Thurn auf
pfälzischer
Seite als
Reiter
gefochten zu
haben. Nach
der Einnahme
von Glatz
durch
kaiserliche
Truppen trat
er zunächst
in
sächsische,
als
Hauptmann
1632 in
schwedische
Dienste. Als
Reiterführer
diente er
unter den
Generälen
Banér und
Torstenson
bei den
Feldzügen in
Böhmen,
Thüringen,
Sachsen und
Schlesien,
1635 wurde
er zum
Oberstleutnant,
1639
schließlich
zum Oberst
befördert.
Zudem
bediente
sich die
schwedische
Heeresführung
seiner in
diplomatischen
Missionen
nach
Siebenbürgen,
woraufhin
ihn die
schwedische
Königin 1643
zum
Generalmajor
zu Roß
ernannte.
Nach dem
Abschluß des
Westfälischen
Friedens
nahm
Derfflinger
seinen
Abschied und
zog sich
auf das aus
dem Besitz
seiner Frau,
einer
geborenen
von
Schapelow,
stammende
Gut Gusow
zurück, das
stark unter
den
Einwirkungen
des Krieges
gelitten
hatte.
Mit dem
Eintritt in
die
brandenburgisch-preußische
Armee als
Generalwachtmeister
im Jahre
1655 begann
die
glanzvolle
militärische
Karriere
Derfflingers
eigentlich
erst. Als
Heeresorganisator
oblag ihm
die Werbung,
Aufstellung
und
Ausbildung
von Truppen
zur
Verteidigung
Preußens
gegen den
Schwedenkönig
Karl Gustav,
nach den
Feldzügen in
Preußen und
Polen
1656/57
ernannte ihn
der Kurfürst
zum
Generalleutnant
der
Kavallerie.
Während der
folgenden
Kriegszüge
Brandenburgs
in Jütland,
Pommern
sowie gegen
Frankreich
und Schweden
avancierte
er zum
Generalfeldzeugmeister,
Geheimen
Kriegsrat
und
Generalfeldmarschall
(1670). Mit
Friedrich
Wilhelm von
Brandenburg
verband
Derfflinger
ein enges
Vertrauensverhältnis,
das auch
durch dessen
Rivalität
mit dem
standeshöheren
Feldmarschall
Johann Georg
von
Anhalt-Dessau,
dem er an
Kriegserfahrung
und
Sachkunde
überlegen
war, nicht
getrübt
werden
konnte. Im
Jahre 1672
hatte der
unbequeme,
leicht
verletzbare
und auf
seine Ehre
bedachte
General im
Streit mit
Johann Georg
von
Anhalt-Dessau
um den
Oberbefehl
über die
brandenburgischen
Truppen
seinen
Abschied
eingereicht,
worauf der
Kurfürst
seinem
"Feldmarschall
Murrkopf"
(Fontane)
zurückschrieb,
er könne
dies nur als
Ungehorsam
aufnehmen,
den er auch
hätte ahnden
können. Ein
ähnlicher
gereizter
Briefwechsel
mit
Friedrich
Wilhelm ist
aus dem
Jahre 1687
überliefert,
als der
Kurfürst dem
Grafen von
Schomberg
das Kommando
über die
brandenburgische
Armee
übertrug,
worauf sich
der alternde
Feldmarschall
erneut
zurückgesetzt
fühlte.
Auf Antrag
seines
Kriegsherrn
erhob Kaiser
Leopold I.
Derfflinger
1674 in den
Reichsfreiherrnstand,
im gleichen
Jahr wurde
er mit einer
diplomatischen
Mission nach
Den Haag
betraut, wo
er als
Bevollmächtigter
des
Kurfürsten
eine Allianz
mit den
Generalstaaten
schloß. Den
Höhepunkt
seines
Feldherrnruhmes
bilden
zweifelsohne
die Feldzüge
gegen die
Franzosen
und Schweden
(1674-1679),
in denen
sich
Derfflinger
bei der
Eroberung
von Rathenow
und dem Sieg
bei
Fehrbellin
1675
persönlich
auszeichnete.
In den
folgenden
Jahren
gelang es,
große Teile
Pommerns zu
erobern und
einen
erneuten
schwedischen
Vormarsch
nach Preußen
in einem
Winterfeldzug
aufzuhalten.
Als
Obergouverneuer
der
brandenburgischen
und
magdeburgischen
Festungen
und
Garnisonen
(seit 1673)
und
Statthalter
Hinterpommerns
(1678)
bekleidete
der
berühmteste
Reiterführer
seiner Zeit,
der in
Brandenburg-Preußen
als Schöpfer
der neuen
Waffengattung
der Dragoner
gilt, bis zu
seinem Tod
hohe Ämter.
In seiner
Person
vereinigte
sich der
unter
verschiedenen
Fahnen
kämpfende
Söldnerführer
und
Landsknecht
des 17.
Jahrhunderts
mit einem
neuen
Offizierstypus,
der durch
Ehr- und
Pflichtgefühl
mit dem
Landesherrn
innerlich
verbunden
war. Mit
seiner
zweiten Frau
Barbara
Dorothea von
Beeren hatte
er sieben
Kinder, von
denen ein
Sohn,
Friedrich
von
Derfflinger
(1663-1724),
ebenfalls
die
militärische
Laufbahn
einschlug
und zum
preußischen
Generalleutnant
aufstieg.
Georg
Derfflinger
verstarb auf
seinem Gut
Gusow im
Alter von 89
Jahren und
wurde in der
dortigen
Kirche
beigesetzt.
Diese ist im
Zuge der
Kämpfe im
März 1945
nach
Plünderung
ausgebrannt
und hat als
Ruine
überdauert.
Das
prächtige
Epitaph auf
den
Feldmarschall
aus
Sandstein,
das der
Schlüter-Schule
nahesteht,
befindet
sich seit
1975 in der
alten
Johanniter-
(zuerst
Templer-)
und späteren
Gutskirche
von Lietzen
(wie Gusow
im Kreis
Seelow
gelegen);
die das
Grabmahl
bekrönende
Bildnisbüste
Derfflingers
aus
Alabaster
ist seit
1945
verschollen.
Wie viele
seiner
Standesgenossen
hätte
Derfflinger
auch
woanders
militärische
Karriere
machen
können. Daß
er im Auf
und Ab der
Konjunkturen
schließlich
dem
aufstrebenden
Hohenzollernstaat
verbunden
blieb, ist
sicherlich
der
Herrscherpersönlichkeit
und der
Faszination
des Großen
Kurfürsten
Friedrich
Wilhelm von
Brandenburg
zuzuschreiben.
Lit.:
(Biographien)
Allgemeine
Deutsche
Biographie
5, 1877, S.
60-63. -
Neue
Deutsche
Biographie
3, 1957, S.
605 f. -
Ernst
Fischer:
Beiträge zur
Geschichte
des
Kurbrandenburgischen
Feldmarschalls
Georg
Reichsfreiherrn
von
Derfflinger.
Wiss.
Beilage z.
Programm d.
Königstädtischen
Gymnasiums.
Berlin 1884.
- ders.:
Derfflinger
als
schwedischer
Oberst in
Berlin, in:
Forschungen
zur
Brandenburgischen
und
Preußischen
Geschichte
2, 1889, S.
291-296. -
ders.: Georg
Derfflinger.
Bruchstück
seines
Lebensbildes
(Beiheft zum
Militär-Wochenblatt
11). Berlin
1894. - Graf
zur
Lippe-Weissenfeld:
Derfflinger.
Eine
biographische
Skizze.
Berlin 1875.
- ders.:
Derfflinger.
Berlin 1880.
- Kurt von
Priesdorff:
Soldatisches
Führertum.
Hamburg o.J.
[1937], Bd.
1, S. 9-12.
- W[olfgang]
von Unger:
Feldmarschall
Derfflinger
(Beiheft zum
Militär-Wochenblatt
7/8). Berlin
1896. -
(Weitere
Literatur)
Gerd
Heinrich
(Hg.): Ein
sonderbares
Licht in
Teutschland.
Beiträge zur
Geschichte
des Großen
Kurfürsten
von
Brandenburg
(1640-1688)
(Zeitschrift
für
Historische
Forschung,
Beiheft 8).
Berlin 1990.
- Ludwig
Hüttl: Der
Große
Kurfürst.
Friedrich
Wilhelm von
Brandenburg.
München 1984
(zuerst
1981). -
Ernst
Opgenoorth:
Friedrich
Wildhelm.
Der Große
Kurfürst von
Brandenburg.
Eine
politische
Biographie.
2 Bde.
Göttingen
1971/1978.
Bild:
Derfflinger;
nach: Kurt
von
Priesdorff,
Soldatisches
Führertum,
Hamburg o.J.
[1937], Bd.
1, S. 11.
Johannes
Schellakowsky