Die
Dientzenhofer
waren eine
ursprünglich
aus Bamberg
stammende
Familie von
Baumeistern
und
Architekten,
die aus der
Kunstlandschaft
des
fränkisch-bayerischen,
vor allem
aber des
böhmischen
Raumes gar
nicht mehr
wegzudenken
sind. In
ihren
Werken, zu
ganz
überwiegenden
Teilen
sakrale
Bauten,
spannt sich
der gesamte
Bogen des
süddeutschen
Barock, von
den frühen
Arbeiten
eines Georg
Dientzenhofer,
des
Schöpfers
u.a. der
Wallfahrtskirche
„Kappel“ bei
Waldsassen
sowie der
Abteikirche
der
Zisterzienser
ebenda, bis
zur Kirche
St. Nikolaus
in Prag.
Diese wurde
begonnen von
Christoph
Dientzenhofer,
dem Vater
von Kilian
Ignaz, der
um 1685 aus
seiner
Heimat nach
Prag kam. In
der
böhmischen
Metropole
wurde am 1.
September
1689 dann
auch Kilian
Ignaz
geboren.
Offenbar
zunächst für
den
geistlichen
Stand
bestimmt,
besuchte
dieser das
Gymnasium in
Prag und
wandte sich
auf der
Universität,
zunächst
Philosophie,
dann
Naturwissenschaften
studierend,
auf dem Weg
über die
Mathematik
der
Architektur
zu.
Ersten
Unterricht
in der
Baukunst
erhielt er
von seinem
Vater, bevor
er sich zum
Zwecke einer
systematischen
Fortbildung
1709 nach
Wien begab,
um in der
Werkstatt
des Johann
Fischer von
Erlach zu
arbeiten. Im
Zuge seines
weiteren
Ausbildungsweges
scheint er
auch bei
Lucas von
Hildebrandt
gelernt zu
haben;
gesichert
ist dies,
wie auch die
genauen
Stationen
seiner
anschließenden
ausgedehnten
Reisen,
jedoch
nicht. An
Aufenthaltsorten
werden aber
Italien,
Frankreich
und sogar
England
genannt.
Seit
spätestens
1722 ist
Kilian Ignaz
Dientzenhofer
dann wieder
dauerhaft in
Prag
nachweisbar,
von wo aus
er bis zu
seinem Tode
eine
ausgedehnte
Bautätigkeit
entfaltete.
Den
Grundstein
seiner
Berühmtheit
legte er mit
seinen
ersten
Werken, der
„Villa
Amerika“,
einer Art
Gartenhaus
in der
Prager
Neustadt,
und der
Ursulinenkirche
St. Johannes
Nepomuk auf
dem
Hradschin.
Beide Bauten
waren in
einer Art
höfisch-elegantem,
dabei aber
von klarer
Reflexion
und an
klassischen
Vorbildern
geschulter
Kühle
gehaltenem
Stil
errichtet,
der genau
dem
Geschmack
der Zeit
entsprach
und
Dientzenhofer
allgemeine
Aufmerksamkeit
sicherte.
In der Folge
wurde er mit
einer Fülle
von
Aufträgen
überhäuft.
Um alles
bewältigen
zu können,
baute er
eine große
Werkstatt,
fast schon
eine Art
„Baukanzlei“
auf, in der
von ihm für
einzelne
Aufgaben
speziell
geschulten
Mitarbeitern
die konkrete
Ausführung
der Entwürfe
des Meisters
oblag. So
ist es
schwer,
genau den
persönlichen
Anteil
Dientzenhofers
an der Masse
der unter
seinem Namen
überlieferten
Werke zu
ermitteln,
zumal seine
Fähigkeit,
sich ganz
auf die
Wünsche der
Auftraggeber,
die
landschaftliche
und
städtebauliche
Umgebung der
Projekte
sowie den
Zeitgeschmack
einzustellen,
auch die
Identifikation
einer
persönlichen
Handschrift,
eines
spezifischen
und
unverwechselbaren
Stils,
erschwert.
Dennoch
existieren
eine
Vielzahl von
Bauwerken,
die ziemlich
eindeutig
Kilian Ignaz
Dientzenhofer
zuzuordnen
sind.
Schwerpunkt
seiner
Tätigkeit
waren
sakrale
Gebäude, und
gerade bei
den Kirchen
ist eine
gewisse
Tendenz zum
Zentralbau
nicht zu
verkennen.
Ob bereits
die
Marienkirche
in Nitzau
(vollendet
1727) ganz
von ihm
selbst
stammt, ist
nicht mit
letzter
Bestimmtheit
festzustellen,
sicherlich
aber läßt
sich dies
bei der
Bartholomäuskirche
in Prag (um
1725), der
Pfarrkirche
in Pocapel
bei
Leitmeritz
(1724–1725)
und vor
allem bei
der
Klosterkirche
in Wahlstatt
bei Liegnitz
(1727–1731)
sagen,
letztere ein
Bau von
grandiosem
Gesamteindruck.
Dientzenhofers
Vorliebe für
Kuppelbauten
zeigt sich
auch beim
Bau der
Kirche St.
Johannes am
Felsen in
Prag
(1731–1739),
doch erweist
er sich auch
als Meister
von
Langhausanlagen,
etwa bei St.
Peter und
Paul,
ebenfalls in
Prag (nach
1722), und
Klosterkomplexen,
so beim
Benediktinerkonvent
in Plass
(1730–1733)
oder in
Braunau
(1727–1733).
Ja, er
versuchte
sich sogar
beim Neubau
des
abgebrannten
Benediktinerklosters
in Kladrau,
auf Wunsch
des Abtes
Maurus, an
einer
historisierenden
Rekonstruktion
im gotischen
Stil.
Ab der Mitte
der 1730er
Jahre setzt
Dientzenhofers
zweite große
Schaffensperiode
ein, in der
einige
seiner
bekanntesten
Werke
entstehen.
Neben
kleineren
Arbeiten,
etwa der
Prager
Katharinenkirche
(1735–1740)
sowie den
Pfarrkirchen
in Gutwasser
bei Budweis
(1733–1735),
Wodolka
(ebenfalls
1733–1735)
und Priesen
bei Komotau
(1739–1742)
ragen dabei
besonders
die
Nikolauskirche
in der
Prager
Altstadt
(1732–1737)
und die
Kirche St.
Maria
Magdalena in
Karlsbad
(1733–1736)
heraus.
Hauptwerk
Kilian Ignaz
Dientzenhofers
ist aber
wohl
zweifellos
die
Vollendung
der Kirche
St. Nikolaus
auf der
Prager
Kleinseite.
Bereits
Dientzenhofers
Vater
Christoph
hatte
1703–1711
Fassade und
Langhaus
aufgeführt,
nun lag es
am Sohn, den
Bau seinem
krönenden
Abschluß
zuzuführen.
Ab 1739
entstand der
Chor mit der
imposanten
Kuppel, ein
in seltener
Virtuosität
ausgeführtes
Werk, das
sich durch
Monumentalität
der
Raumwirkung
und
weitgehenden
Verzicht auf
ornamentale
Überladung
auszeichnet.
An weiteren
Sakralbauten
schuf
Dientzenhofer,
um nur
einige zu
nennen,
Kloster und
Kirche der
Ursulinen in
Kuttenberg
(1735–1743),
die Kirche
St. Karl
Borromäus in
Prag (um
1735), diese
wieder ein
Langhausbau,
sowie
wahrscheinlich
die
Pfarrkirche
in Grüssau
bei
Landeshut
(1728–1735)
und die
Florianskapelle
in Kladno
(1746–1748).
Außerdem
entstanden
nun auch
profane
Bauten,
eingeleitet
vom
Invalidenhaus
in
Karolinenthal
bei Prag
(1731–1735)
und
fortgesetzt
mit einigen
Prager
Adelspalais,
etwa dem
Palais
Piccolomini
oder dem
Palais
Kinsky sowie
dem
Portheimischen
Hause in
Smichow und
dem Pavillon
im dortigen
Botanischen
Garten.
Dientzenhofers
Anteil an
diesen
Bauten ist
aber meist
nur schwach
gesichert,
er dürfte
Pläne oder
vielleicht
auch nur
Entwürfe
geliefert
haben, nach
denen dann
andere,
seien es
Angehörige
seines
Umkreises in
relativer
Selbständigkeit,
seien es
sogar andere
Baumeister,
die Gebäude
aufgeführt
haben.
Jedenfalls
zeugt die
Vielzahl der
gesicherten
Bauten bzw.
Zuschreibungen
vom Ruhm,
den
Dientzenhofer
bereits Zeit
seines
Lebens
besaß. Seine
Könnerschaft,
mit der er
spielerisch-leicht
Elemente
unterschiedlichster
stilistischer
Formen
harmonisch
verband und
Bauten von
großer
Eleganz und
beeindruckender
Monumentalität
schuf, ohne
der
Versuchung
zu
verfallen,
bloße Kopien
einzelner
Versatzstücke
miteinander
zu
kombinieren
oder mittels
überladenem
Pomp
imponieren
zu wollen,
ließ Werke
entstehen,
die allen
Ansprüchen
genügten und
ihre
Umgebung bis
heute
prägen, ohne
sie zu
beherrschen.
Hoch geehrt
und im
Kreise
seiner
zahlreichen
Familie – er
war zweimal
verheiratet
und hatte 13
Kinder – ist
Kilian Ignaz
Dientzenhofer
am 18.
Dezember
1751 im
Alter von 62
Jahren in
Prag
verstorben.
Mit ihm
verlor
Böhmen einen
seiner
letzten
großen
Barockbaumeister.
Lit.:
Heinrich
Gerhard
Franz:
Kilian Ignaz
Dientzenhofer,
in:
Historische
Kommission
bei der
Bayerischen
Akademie der
Wissenschaften
(Hg.): Neue
Deutsche
Biographie,
Bd. 3,
Berlin 1957,
S. 650–651.
– Bernhard
Grueber:
Kilian Ignaz
Dinzenhofer,
in:
Historische
Commission
bei der
Königl.
Akademie der
Wissenschaften
(Hg.):
Allgemeine
Deutsche
Biographie,
Bd. 5,
Leipzig
1877, S.
245–246. –
Hugo
Schmerber:
Kilian Ignaz
Dientzenhofer,
in: U.
Thieme
(Hg.):
Allgemeines
Lexikon der
bildenden
Künstler von
der Antike
bis zur
Gegenwart.
Begründet
von Ulrich
Thieme und
Felix
Becker, Bd.
9, Leipzig
1913, S.
240–243. –
Otto Albert
Weigmann:
Eine
Bamberger
Baumeisterfamilie
um die Wende
des 17.
Jahrhunderts.
Ein Beitrag
zur
Geschichte
der
Dientzenhofer
(Schriften
zur
Deutschen
Kunstgeschichte;
34),
Straßburg
1902. – Hans
Zimmer: Die
Dientzenhofer.
Ein
bayerisches
Baumeistergeschlecht
in der Zeit
des Barock,
Rosenheim
1976.
Bernhard
Mundt