Ein geradezu
mythischer
Reiz geht
immer wieder
von der
Fragestellung
aus: "was
wäre
(gewesen),
wenn...?"
Realhistorie
versus
Phantasie,
wo zumindest
im Spiel der
Gedanken
letztgenannte
als die
reizvollere
zumeist die
Oberhand
behält.
Nähern wir
uns Dobeneck
versuchsweise
einmal in
einer - nur
fragenden,
nicht
beantwortenden
-
dialektischen
Retrospektive:
Wäre ein
Hegel ohne
einen Kant
denkbar
gewesen (und
ein Marx
ohne einen
Hegel)? Wäre
ein Kant
ohne die
Königsberger
Universität
vorstellbar?
Wäre die
spätere
Albertina
auch ohne
ihren
Namensgeber
entstanden,
ja, hätte es
überhaupt
ein
preußisches
Herzogtum,
eine
preußische
Reformation,
ein
preußisches
Buchwesen
(und damit
im 16.
Jahrhundert
eine
überlieferte
Schriftlichkeit
für Pruzzen,
Litauer,
Letten und
in gar nicht
geringem
Ausmaß auch
für Polen)
ohne jenen
Herzog
Albrecht
gegeben?
Schließlich:
hätte es
einen Herzog
Albrecht
ohne einen
Hiob von
Dobeneck
gegeben?
Nur auf die
letzte Frage
läßt sich
sehr klar
mit einem
Nein
antworten.
Dobenecks
größte Tat,
derer er
sich selbst
zu diesem
Zeitpunkt
ganz gewiß
nicht bewußt
war und
nicht bewußt
sein konnte,
war die
Protektion
des
Markgrafen
Albrecht von
Brandenburg,
eines Neffen
des
polnischen
Königs, den
er als
Nachfolger
des
Hochmeisters
Friedrich
von Sachsen
(1497-1510)
vorschlug
und
wesentlich
unterstützte.
Dank
Dobeneck
wurde
Albrecht
(1511) zum
Hochmeister
des
Deutschen
Ordens
gewählt -
wurde aber
auch im
Übereinstimmung
mit den
Umständen
der Zeit der
Weg zu einem
weltlichen
Herzogtum
Preußen mit
Albrecht an
der Spitze
(1525)
geebnet.
Geburtsdatum
und -ort des
Hiob von
Dobeneck
sind nicht
überliefert;
Forstreuter
nimmt als
Geburtsjahr
"um 1450"
an.
Dobeneck
entstammt
einer
Familie aus
dem
vogtländischen
Uradel. Sein
Vater war
Johannes
(Hans) von
D. auf
Blintendorf
(† vor
1486), seine
Mutter eine
von Zedtwitz.
Von seinen
Kindern sind
nur Georg (†
1561) und
Crispine (†
1564)
bekannt. In
Preußen
wurde er
auch "der
eiserne
Bischof"
genannt, "da
er immer
geharnischt
auf die
Tagfahrten
ritt" (Ersch/Gruber).
Dobeneck
trat 1489
als Propst
und
Archidiakon
des
Deutschordenshauses
Zschillen
(Wechselburg)
bei
Rochlitz/Sachsen
hervor. Als
Angehöriger
der
sächsischen
Gesandtschaft
war er
bereits an
der Wahl
Herzog
Friedrichs
von Sachsen
zum
Hochmeister
im Jahre
1498
beteiligt,
auf dessen
Betreiben er
seinerseits
1501 zum
Bischof von
Pomesanien
gewählt und
vom Papst
bestätigt
wurde.
In dieser
Eigenschaft
war Dobeneck
in
mancherlei
diplomatischen
Missionen
(besonders
nach Polen)
unterwegs
und somit
häufig von
seinem
Bistum
abwesend.
Den
Höhepunkt
seiner
politischen
Laufbahn
erreichte er
im Jahr
1507, als
der
Hochmeister
wegen seiner
Rückkehr
nach Sachsen
eine
vierköpfige
Regierung in
Preußen
einsetzte,
in der
Dobeneck als
der
eigentliche
Vertrauensmann
Friedrichs
die erste
Stelle
einnahm.
Nach der auf
seinen
Vorschlag
hin
erfolgten
Wahl
Albrechts
von
Brandenburg
zum
Hochmeister,
die er
gemeinsam
mit Dietrich
von Werthern
durchsetzte,
behielt
Dobeneck für
die ersten
fünf Jahre
die Stellung
als oberster
Ratgeber und
fungierte
bis zu
Albrechts
Eintreffen
in Preußen
(22.11.1512)
sogar selbst
als
Landesregent.
Die
Entscheidung
über die von
Polen
geforderte
Ableistung
des
Lehnseides
zögerte er
in den
Verhandlungen
der Jahre
1511 bis
1513 immer
wieder
hinaus.
Ende 1515
erschien
Dietrich von
Schönberg in
Preußen und
gewann die
Gunst des
jungen
Hochmeisters.
Dobeneck
trat
anscheinend
freiwillig
aus seiner
führenden
Stellung
zurück und
widmete sich
jetzt mehr
der
Verwaltung
seines
Bistums.
Erst Ende
1519, kurz
vor dem
Ausbruch des
Krieges mit
Polen wurde
er wieder
politisch
bestimmend,
nunmehr im
Sinne
einer
Friedenspolitik
und einer
Verständigung
mit Polen.
Sein letztes
Werk ist die
Vermittlung
des Thorner
Waffenstillstandes
vom 5. April
1521.
Dobenecks
Verdienste
wurden von
Albrecht
durch die
Verleihung
von Schloß
und Gebiet
Pr. Mark und
einiger
anderer
Kammerämter
belohnt.
Neben seiner
politischen
Tätigkeit
war der
wirtschaftliche
Aufschwung
seines durch
frühere
Kriege
verwüsteten
Bistums, wie
aus
zahlreichen
Verleihungen
und
Handfesten
für
Neusiedler
und Städter
ersichtlich,
sein
ständiges
Anliegen.
Allerdings
vergaß er
auch die
Hebung
seines
eigenen
Wohlstandes
nicht: Sein
Vorgänger im
Bischofsamt
hatte eine
nicht
unerhebliche
Stiftung für
das Studium
preußischer
Studenten in
Leipzig
ausgesetzt,
die Dobeneck
für seine
persönlichen
Zwecke
einzuziehen
verstand,
was nach
heutiger
Rechtsprechung
den
Tatbestand
der
Unterschlagung
erfüllen
würde.
Dobeneck,
der den
Strömungen
des
Humanismus
aufgeschlossen
gegenüberstand,
ließ sich
die
Verbreitung
von
wissenschaftlicher
Bildung in
seiner
Umgebung
angelegen
sein. Der
gelehrte
Zwickauer
Ratsherr
Erasmus
Stella, der
sich von
1501 bis
1507 in
Preußen
aufhielt und
dessen
Arbeiten
Dobeneck
förderte,
widmete ihm
einige
Schriften
und verfaßte
auf seine
Veranlassung
das Werk
De Borussiae
antiquitatibus.
Helius
Eobanus
Hessus
weilte von
1509 bis
1513 als
Sekretär an
Dobenecks
Riesenburger
Residenz.
Das Bestehen
einer
literarischen
Gesellschaft
in
Riesenburg
(vgl. Hessus,
Heroiden)
ist nicht
sicher
belegt, aber
durchaus
möglich. In
diesem Falle
hat sie
freilich
keinen
langen
Bestand
gehabt.
Zudem weiß
man kaum
etwas über
die
Mitglieder
des Kreises,
dem wohl
Johannes
Dantiscus
angehört
hat, mit dem
Dobeneck
eine
lebenslange
Freundschaft
verband. Ein
"inneres
Verhältnis
zur
geistigen
Bewegung
seiner Zeit"
(Forstreuter
1951, S. 55)
scheint
Dobeneck
trotz allem
aber nicht
gehabt zu
haben,
vielmehr
schien er
Talente nur
dann zu
schätzen,
wenn sie ihm
persönlich
von Nutzen
waren.
Lit.:
Allgemeine
Encyklopädie
der
Wissenschaften
und Künste
[...], hrsg.
v. J.S.
Ersch u. J.G.
Gruber, Bd.
26, Leipzig
1835, S.
224. -
H. Cramer:
Geschichte
des
vormaligen
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in: Zs. des
Historischen
Vereins
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12, 1884, S.
194-216. -
A. Frhr. v.
Dobeneck:
Geschichte
der Familie
von Dobeneck,
1906, S.
252-269.
- K.
Forstreuter:
Hiob von
Dobeneck,
in: Neue
Deutsche
Biographie (NDB),
Bd. 4,
Berlin 1959,
S. 4.
- [ders.:]
Vom
Ordensstaat
zum
Fürstentum.
Geistige und
politische
Wandlungen
im
Deutschordensstaate
Preußen
unter den
Hochmeistern
Friedrich
und Albrecht
(1498-1525),
Kitzingen/Main
1951, S.
53-59 und
134-135. -
E. Joachim:
Die Politik
der letzten
Hochmeister
in Preußen,
Albrecht v.
Brandenburg
1510-1525),
3 Bde.,
1892-1895
(Publikationen
aus den
Preußischen
Staatsarchiven
50, 58, 61).
- W.C.
Pfau:
Grundriß der
Chronik über
das Kloster
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1909. -
Schwarz:
Hiob von
Dobeneck,
in:
Altpreußische
Biographie,
Bd. 1,
Königsberg
i.Pr. 1936,
S. 136.
Friedemann
Kluge