Anton Felix
Dohrn wurde
am 29.
Dezember
1840 in
Stettin
geholfen, er
war das
jüngste der
vier Kinder
von Carl
August Dohrn
und seiner
Ehefrau
Adelheid,
geb.
Dietrich.
Die Familie
Dohrn ist in
Stettin auf
mehreren
Gebieten
bekannt und
berühmt
gewesen.
Großvater
Heinrich
Dohrn
errichtete
in Stettin
das
Handelshaus
Jahn und
Dohrn und
legte 1817,
zusammen mit
Johann
Friedr.
Velthusen,
den
Grundstein
für die
pommersche
Provinzial-Zuckersiederei
und damit
auch die
Basis für
den
Familienwohlstand.
Der Vater,
Carl August
Dohrn,
studierte in
Berlin Jura,
war
Rechtsreferendar
in Stettin,
widmete sich
dann aber,
nach vielen
Auslandsreisen
uneingeschränkt
seinen
Neigungen
auf dem
naturwissenschaftlichen
– er war ein
anerkannter
Entomologe –
und
künstlerischem
Gebiet. Sein
Haus in
Stettin-Hökendorf
war u.a.
Treffpunkt
großer
Musiker der
damaligen
Zeit, so
wurde Felix
Mendelssohn
der
Patenonkel
von Anton
Felix Dohrn.
– Anton
Dohrn
besuchte das
Marienstiftsgymnasium
in Stettin
und machte
dort 1860
sein Abitur.
Schon
während
seiner
Schulzeit
experimentierte
er mit
Käfern und
Schmetterlingen
und
publizierte
die
Ergebnisse
seiner
Arbeiten in
der
„Entomologischen
Zeitschrift“,
die sein
Vater Carl
August
herausgab.
Damals
bahnte sich
gerade in
der
Naturwissenschaft
die Wende an
in der
Evolutionsauffassung
von der
Cuvierschen
Katastrophentheorie
zur
Darwinschen
Abstammungslehre.
Anton Dohrn
wollte
zunächst
Buchhändler
werden,
entschloß
sich aber
dann doch
aufgrund der
Durchsetzung
der
Darwinschen
Lehre zum
Studium der
Medizin und
Zoologie. Er
ging
zunächst
nach
Königsberg,
wo er den
Naturforscher
Ernst Karl
v. Baer, den
Begründer
der
Embryologie,
als Lehrer
hatte. In
Bonn
leistete er
neben seinem
Studium
seinen
einjährig
freiwilligen
Dienst bei
den
Königshusaren
ab. Danach
wechselte er
an die
Berliner
Universität
über, um
schließlich
an der
Universität
Breslau mit
dem Thema
„Zur
Anatomie der
Hemipteren“
zu
promovieren.
Seine
geistige
Übereinstimmung
in der
Evolutionslehre
mit dem
Prof. der
Zoologie,
Ernst
Haeckel
(1834-1919),
der das
„Biogenetische
Grundgesetz“
aufstellte
und sich
damit gegen
die
Schöpfungstheorie
wandte,
bewog ihn,
von Breslau
nach Jena zu
gehen. Anton
Dohrn
habilitierte
sich bei
Haeckel mit
dem Thema
„Studien zur
Embryologie
und
Genealogie
der
Arthropoden“.
Der Thematik
beider
Arbeiten ist
anzumerken,
wie
einflußreich
die beiden
Lehrer,
resp. ihre
Forschungsrichtungen
in der
Biologie für
Anton Dohrn
gewesen
sind. Er sah
seine
Aufgabe in
der
phylogenetischen
Forschung
mit
evolutionshistorischen
Methoden,
darüber
hinaus
wollte er
aber die
„Wandlung
der Formen
und
Leistungen
durch das
gesamte
Tierreich
hindurch“
erfassen.
Nach Studien
in
Schottland
und in
Messina ging
Anton Dohrn
im Winter
1870 mit
einer nur
geringen
Ausrüstung,
aber mit
großem
Idealismus
und mit
Forschergeist
für seine
Pläne nach
Neapel. Er
konnte und
wollte sich
nicht nur
der
Lehrtätigkeit
an einer
Universität
verschreiben.
Er hatte
klar
erkannt, daß
es Aufgabe
für
Akademien
ist, das
Gesamtgebiet
der
Wissenschaften
umfassend
darzustellen.
Ihm aber
schwebte ein
Forschungsinstitut
vor, wo ein
Forschungsobjekt
unter
vielerlei
Gesichtspunkten
untersucht
werden
konnte.
Seine
Forschungsstation
sollte nicht
nur unter
dem Aspekt
der Zoologie
experimentieren,
er holte
sich dazu
auch
Botaniker,
Physiologen,
Hydrologen,
Chemiker,
Physiker u.a.
in „seine
Station“.
Mit kaum
nachvollziehbaren
Schwierigkeiten
errichtete
Anton Dohrn
die
„Zoologische
Station“ in
Neapel, die
sein
Lebenswerk
wurde. Als
Enkel eines
erfolgreichen
Kaufmannes
in Stettin
galt sein
Augenmerk
auch den
Folgekosten
dieser auf
der Welt
einmaligen
Einrichtung.
Mehrmals
mußte er
wegen
finanzieller
Schwierigkeiten
sowohl mit
der
neapolitanischen
Stadtverwaltung,
der
italienischen
Regierung,
der
preußischen
Regierung,
der
Preußischen
Akademie der
Wissenschaften,
der damals
auch der
berühmte
Arzt Virchow
aus
Schivelbein/Pom-mern
angehörte,
u.a.
verhandeln.
Nur seiner
Zähigkeit
und seiner
Willenskraft,
die gepaart
waren mit
wissenschaftlicher
Kenntnis und
Überzeugung
an seiner
Forschungstätigkeit,
ist es zu
verdanken,
daß
zoologische
Station in
Neapel über
Jahrzehnte
hinweg
erhalten den
konnte und
anfangs von
ihm selbst
etliche
Jahre auch
geleitet
wurde.
Bereits in
Messina
verkehrte er
im Hause des
russischen
Staatsrates
v.
Baranowski.
Anton Dohrn
heiratete
die Tocher
Marie v.
Baranowska,
die Hochzeit
fand 1874,
kurz nach
der
Eröffnung
der Station,
in Warschau
statt. Aus
dieser Ehe
gingen vier
Söhne
hervor.
Nicht nur
die
Arbeitsatmosphäre
gab dieser
Station
etwas
Besonderes,
vor allem
der
menschliche
Kontakt, der
von Anton
Dohrn
geschaffen
und unter
seiner
Leitung
gepflegt
wurde. Er
nahm das
Essen
gemeinsam
mit
Wissenschaftlern
und
Hilfskräften
ein, dabei
wurden
künftige
Projekte und
Exkursionen
geplant. In
den
Bibliotheksräumen
schuf Anton
Dohrn eine
Zusammenstellung
naturwissenschaftlicher
Publikationen,
die
vollständiger
war als alle
zoologischen
Bibliotheken
deutscher
und
ausländischer
Institute
und
entsprechend
von den
Wissenschaftlern
aus aller
Welt genutzt
wurde. Kurz
vor seinem
Tode konnte
Anton Dohrn
noch die
Früchte
seines
kaufmännischen
und
diplomatischen
Geschickes
ernten: Sein
Plan, an die
Regierungen
einzelner
Länder,
wissenschaftliche
Gesellschaften
oder
Universitäten
für eine
jährliche
Pauschale
die
Arbeitstische
in der
Station zu
„vermieten“,
hatte jedem
Platz einen
2000maligen
Wechsel von
Wissenschaftlern
unterschiedlicher
Disziplinen
und
verschiedener
Nationalitäten
zu jenem
Zeitpunkt
eingebracht.
So hatte
sich dieses
„Tisch-System“
zu einem
„permanenten
Gelehrtenkongreß“
entwickelt,
das beide
Weltkriege
durch die
Fortführung
menschlicher
Beziehungen
der Söhne-
und
Enkel-Generation
der
Anton-Dohrn-Ära
überdauerte.
Am 26.
September
1909 erlag
Anton Dohrn
einem
Herzleiden
in München.
Die
Einäscherung
seiner
sterblichen
Überreste
fand an
einem
Herbsttag
1909 in Jena
statt, die
Urne wurde
im
Familiengrab
in
Stettin-Hökendorf
beigesetzt.
Sein
Nachfolger
als Leiter
der
zoologischen
Station in
Neapel wurde
sein Sohn,
Prof. Dr.
Reinhard
Dohrn,
ebenfalls
Zoologe. Er
führte den
internationalen
Geist dieser
Forschungsstätte
weiter. Das
Namensverzeichnis
der
Mitarbeiter
und Besucher
war breit
gefächert:
Wissenschaftler
aller
Fachrichtungen,
Künstler,
Politiker,
Kaufleute
u.a.
Reinhard
Dohrn starb
1963, ihm
folgte sein
Sohn Peter,
ebenfalls
Zoologe, als
Leiter
dieses
Dohrnschen
Lebenswerkes
nach. Drei
Generationen
dieser
Familie
haben es
verstanden,
nicht nur
der
Wissenschaft
zu dienen
und sie zu
prägen, auch
Kontakte
über Grenzen
und
Kontinente
zu pflegen
und Mäzene
für die
Kunst zu
sein. In der
„Stazione
Zoologica“
entstanden
unter Anton
Dohrn die
berühmten
Fresken von
Marees und
die Büsten
von
Hildebrand.
– Anton
Dohrn war
Ehrenbürger
seiner
Vaterstadt
Stettin, die
Dohrnstraße
führte auf
die berühmte
Hakenterrasse,
wo in dem
Museum die
nicht minder
berühmten
naturwissenschaftlichen
und
Kunst-Sammlungen
der Familie
Dohrn
untergebracht
waren.
Lit.: Heuß,
Theodor:
Anton Felix
Dohrn in:
Dohrn, pomm.
Familie
(ev.) Neue
Deutsche
Biographie,
Bd. 4,
München
1959. –
Leiner, M.:
Die
Bedeutung
der
zoologischen
Station in
Neapel für
die
deutschen
Biologen,
Bremen 1937.
Ilse Gudden