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Kulturstiftung
der deutschen
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Droysen

Johann Gustav

Historiker

* 6.7.1808, Treptow/ Rega (Pommern)

† 19.7.1884, Berlin

 

 

Als Junge hatte Gustav Gottvertrauen, Pflichttreue, Menschenliebe und Opferbereitschaft fürs Vaterland gelernt, durch seinen Vater, einen protestantischen Soldatenpfarrer, war er mit den hohen Militärs jener Jahre in Berührung gekommen. Nach dem Besuch des Marienstift-Gymnasiums in Stettin („Geschichte mangelhaft“) wandte sich Droysen an der neuen Universität Berlin zunächst der Theologie zu. Nachdem er aber den politisch aktiven Frühgeschichtler Boeck, den Geographen Ritter sowie Hegel, Schleiermacher, Gans u. a. gehört hatte, wechselte er zum Studium der Philologie und Philosophie.

In Berlin entfaltete er ein rastloses Leben: Er unterrichtete am Gymnasium, promovierte (über Äschylus), lehrte an der Universität, war Mittelpunkt eines gelehrten Kreises und verfaßte erste historische Werke. Als 25jähriger reihte er sich mit der „Geschichte Alexanders des Großen“ in die bedeutenden Historiker ein. Es folgte die Erweiterung zur „Geschichte des Hellenismus“. Für die Zeit vom Fall Athens bis zum Beginn des Christentums, in der griechisches Wesen mit orientalischem Kult verschmolz, schuf er den Begriff „Hellenismus“. In diesen Arbeiten wie auch in der Nachdichtung der Tragödien des Aristophanes kommen seine Kritik am starren preußischen Absolutismus und seine Forderung nach Liberalisierung zum Ausdruck.

So wurde eine Anstellung an der Universität in Berlin unmöglich, und Droysen ging 1840 nach Kiel. Als Dänemark trachtete, das Lehen Schleswig-Holstein zu annektieren, schloß sich Droysen in Kiel alsbald den nationalen Bewegungen an. Er nahm am Märzaufstand 1848 und dann an der deutschen Revolution teil. Gegen den dänischen König verfaßte er Flugschriften. Da die Presse verboten war, verlangte man politische Belehrung vom Katheder (Zeit der „Professorenpolitik“). In den „Vorlesungen über die Freiheitskriege“ schilderte Droysen alle Bewegungen von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß. Als Mitglied der Kasinopartei wurde Droysen Vertrauensmann der provisorischen schleswig-holsteinischen Regierung im Bundestag, wählte man ihn zum Abgeordneten in die Nationalversammlung, wirkte er als Schriftführer im Verfassungsausschuß. Er war überzeugt, daß sich Deutschland nur mit Preußen an der Spitze und unter Ausschluß Österreichs behaupten könne. Nach der Weigerung des Preußenkönigs, die deutsche Kaiserkrone anzunehmen und Preußen aufzulösen, und nach der Olmützer Punktation waren die Bemühungen der Paulskirche und auch die Sache Schleswig-Holsteins gescheitert.

In der dritten Phase seines Lebens, die er nun in Jena (und ab 1859 in Berlin) in ruhigem Gelehrtendasein verbrachte (über seine zweite Frau fand er Zugang zu den Honoratioren), wandte sich Droysen von der Politik ab und vollendete u. a. die „Geschichte der preußischen Politik“, das populäre „Leben des Grafen York von Wartenburg“ und den „Grundriß der Historik“. Darin hielt er, enttäuscht über das Scheitern in Frankfurt, seinen Landsleuten das alte Preußentum vor Augen. Auch hatte er erkannt, daß ein „volles und ganzes Leben“ nach griechischem Ideal für ihn nicht möglich war, er ein Professor, ein Spezialist, bleiben würde. Die einseitige preußische Sicht Droysens muß man freilich bemängeln. Einflußreich war seine Vorstellung von Geschichte, die man nicht als Naturwissenschaft (wie Buckle, der auch Kirche und Staat als Feinde des Fortschrittes sieht) behandeln dürfe, nicht auf „Fakten“ der Vergangenheit („aus dem Kehrricht auf eine Hochzeitsfeier schließen“) reduzieren könne (wie Ranke), sondern bei der durch „Verstehen“ ein historisches Bewußtsein erzeugt werden soll und die mit Politik gepaart sein muß. Die universalhistorische Idee Hegels und die Theodizee durchziehen Droysens Werk. Die Geschichte zum Rang einer Wissenschaft erhoben, eine umfassende Geschichte der neuen Zeit erarbeitet, das Interesse für Aristophanes geweckt zu haben sowie ein sittliches Vorbild gewesen zu sein, blieben seine Verdienste.

Die Vielseitigkeit der Arbeiten Droysens, die gerade dadurch breiteste Aussagekraft erhalten, hat zu einer Unterbewertung seines Schaffens geführt.

Lit.: B. Bravo: Philologie, Histoire, Philosophie de l'Histoire; Breslau 1968. F. Gilbert: Johann Gustav Droysen, in: Pommersche Lebensbilder; Stettin 1934. K.-H. Spieler: Untersuchungen zu Johann Gustav Droysens „Historik“; Berlin 1970.

Karl Röttel

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