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Vor 150 Jahren wurde in Arensburg auf der estländischen Insel Oesel der
Maler Eugen Dücker geboren. „Der hochbegabte Künstler und seine ebenso
berühmten Landsleute von Gebhardt und Bochmann bilden in Düsseldorf ein
baltisches Künstlergestirn, das leuchtend und befruchtend auf die
deutsche Kunst wirkt.“ Nachzulesen in dem Werk „Baltische Maler und
Bildhauer des XIX. Jahrhunderts“ des Kunsthistorikers Wilhelm Neumann
(1908).
Der
Trieb zu malen, oder wichtiger
damals, wie Eugen Dücker bekannte, zu kopieren, saß wohl von Kind auf in
ihm und fand seine erste Anregung und Nahrung in den Arbeiten seines
Vaters, des Tischlers und Baumaterialienhändlers im estländischen Pernau,
Eduard Dücker. Sein nächster Mentor war der Zeichner und Lithograph
Friedrich Sigismund Stern (1812-1889), der seit 1841 als Schreib-
und Zeichenlehrer
an der Adligen Kreisschule, seit 1861 am Progymnasium in Arensburg tätig
war und durch gute landschaftliche Vorlagen Dückers Liebe zur Kunst
wesentlich gefördert hat. Als Dücker mit seinen Eltern nach Pernau
übersiedelte, trat an die Stelle Sterns der aus Genf gebürtige Lehrer
der französischen Sprache Saget, der Mappen voll interessanter Stiche
und Farbendrucke aller Art besaß. Dücker wurde nicht müde, sie zu
kopieren. Als seine Eltern über die Berufswahl ihres Sohnes zu
entscheiden hatten, entsprachen sie seinem Wunsch, Künstler zu werden.
So begab er sich im Jahre 1858 nach St. Petersburg, um an der dortigen
Akademie der Künste zu studieren. Ein Onkel, bei dem er wohnte, brachte
ihn in Verbindung mit verschiedenen Künstlern, die ihn bestimmten,
Bildhauer zu werden. So arbeitete er zunächst unter der Leitung von
Professor Jenssen in dessen Privat-Atelier, wandte sich jedoch alsbald
der Malerei zu und arbeitete bei Professor Worobjew, dem damaligen
Vertreter der Landschaftsmalerei, an der Akademie. Daß er hier das
seinen Neigungen entsprechende Gebiet gefunden hatte, bewies die
Tatsache, daß ihm in rascher Folge Medaillen zuerkannt wurden: die
Kleine goldene für zwei Landschaften aus Livland (1861), die Große
goldene für eine Waldlandschaft aus der Umgebung von Reval (1862).
Darüber hinaus wurde er als Stipendiat der Akademie für die Dauer von
sechs Jahren zu weiterer Ausbildung ins Ausland geschickt.
Dücker ging zunächst nach Karlsruhe, anschließend nach München, weilte
auch in Berlin und Stuttgart und zog im Jahre 1864 nach Düsseldorf,
wohin bereits 1860 der 1838 in St. Johannis/Estland geborene Eduard von
Gebhardt gegangen war und 1868 der im Jahre 1850 in Nehat/Estland
geborene Gregor von Bochmann folgen sollte. In Düsseldorf wurde Dücker
1872 als Nachfolger Oswald Achenbachs an die Akademie berufen. Seit
Herbst 1874 lehrte er dort als Akademieprofessor. Im Jahre 1873 hatte
ihn auch die Akademie der Künste zu St. Petersburg, deren Ausstellungen
er wiederholt beschickte, zum Professor ernannt. Dücker war
Landschaftsmaler und galt damals als Vertreter eines gesunden Realismus,
als Bahnbrecher der modernen Richtung der Landschaftsmalerei. Die Motive
zu seinen Bildern stammten teilweise aus seiner estländischen Heimat,
aus der Umgebung von Reval, von der Insel Margen, bevorzugt aber auch
von der Insel Rügen, deren landschaftlicher Charakter nach seiner
Aussage so viel Ähnlichkeit mit seiner baltischen Heimat hatte. Seine
Bilder, so hieß es, seien auf Ausstellungen nur selten zu sehen gewesen,
da die Mehrzahl seiner Arbeiten aus seinem Atelier direkt in
Öffentlichen oder privaten Besitz übergegangen seien. Werke des
Künstlers finden sich heute in zahlreichen Museen und Galerien von
Hannover und Bremen, über Münster, Düren und Mainz bis Stuttgart, in
Düsseldorf und Wiesbaden, in der Ostdeutschen Galerie Regensburg, den
Staatlichen Museen in Berlin (Ost) und in Weimar, in Riga und Reval,
auch in St. Petersburg. Andere befanden sich früher auch in Königsberg,
Breslau und Dresden. Kollektivausstellungen des Künstlers wurden 1910
und 1917 in Düsseldorf gezeigt, ebenso im Jahre 1918 eine
Nachlaßausstellung mit 454 Exponaten und eine Gedächtnisausstellung im
Jahre 1941. Eugen Dücker starb in Düsseldorf am 6. Dezember 1916.
Eine jüngere Schwester des Künstlers, Marie Dücker, am 25. Juli 1847 in
Arensburg geboren, wurde als Schülerin ihres Bruders ebenfalls Malerin.
Sie schuf Blumenstücke von leuchtendem Kolorit, Stillleben und
Landschaften, überwiegend in Öl, und war als freischaffende Künstlerin
und private Mallehrerin in Pernau tätig.
Lit.:
Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710-1960. Köln/Wien 1970. –
Wilhelm Neumann: Baltische Maler und Bildhauer des XIX. Jahrhunderts.
Riga 1902. – Wilhelm Neumann (Hrsg.): Lexikon baltischer Künstler. Riga
1908. – Kuno Hagen: Lexikon deutschbaltischer bildender Künstler, 20.
Jahrhundert. Köln 1983.
Bild:
Bildarchiv E. Thomson, Lüneburg.
Erik Thomson
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