Als der
gebürtige
Berliner
Paul
Heinrich
Ebell,
Schöpfer
Freier und
Angewandter
Kunst,
anlässlich
seines 75.
Geburtstages
die
Bürgermedaille
der Stadt
Bad Waldsee
erhielt,
begrüßte das
Lokalblatt
dies
Ereignis mit
einer
Würdigung
unter dem
Titel
„Exote aus
Schlesien“.
Und ferner
hieß es im
Artikel des
Berichterstatters,
eines
ehemaligen
Schülers
Ebells:
„Kurz nach
dem Krieg
war er nach
Waldsee
gekommen als
Lehrer ans
Progymnasium.
Etwas
exotisch
mutete er
uns damals
an; er
sprach
anders als
wir. Das
Land, von
dem er oft
erzählte,
hatte noch
keiner von
uns gesehen
... Seine
Liebe zur
Heimat, die
er wegen des
Krieges
hatte
verlassen
müssen,
schlug
überall
durch in
seinem
Deutschunterricht,
im
Erdkundeunterricht
und auch im
Kunstunterricht.
Einige
Waldseer
Jahrgänge
verdanken
Paul
Heinrich
Ebell
überdurchschnittliches
Wissen,
gemessen am
oberschwäbischen
Bildungsstand,
über das
Land
zwischen
Stettin und
Breslau.“
Als Kind
übersiedelte
Paul
Heinrich mit
seiner
Familie nach
Schlesien,
wo er bis zu
seiner
Einberufung
zum
Kriegsdienst
(1940)
lebte,
ausgenommen
den
Semestern an
den
Hochschulen
in Berlin
und Leipzig.
Den
entscheidenden
Einfluss auf
seine
künstlerische
Laufbahn
hatte
allerdings
das Studium
an der
Kunstakademie
zu Breslau
unter den
berühmten
Malern Otto
Mueller,
Georg Muche,
Oskar
Schlemmer.
Sein
künstlerisches
Studium
wurde an der
dortigen
Universität
wissenschaftlich
ergänzt.
Zu Beginn
des Krieges
wurde er
auch Soldat.
Doch wegen
seiner
angegriffenen
Gesundheit
wurde er von
der Ostfront
ins Allgäu
verlegt, um
sich zu
erholen.
Nach dem
Krieg ließ
er sich in
Bad Waldsee
nieder. Hier
baute er
sich ein
neues Leben
auf und
begann beim
Punkt Null
sein
künstlerisches
Schaffen.
Seine
gesamte Habe
und alles,
was er
bisher an
Kunst
geschaffen
hatte, war
im Krieg
verloren
gegangen.
Mit ihren
Wäldern,
Hügeln und
Mooren – so
der Künstler
– erinnerte
ihn die
Landschaft
seiner neuen
Heimat stets
an
Schlesien.
Mit dem
Erlös aus
der freien
Malerei oder
gar der
Skulptur
konnte man
in den
Nachkriegsjahren
seinen
Lebensunterhalt
kaum
bestreiten.
Auf dem
Gebiet der
Angewandten
Kunst
erhielt
Ebell
zunächst
mehrere
Aufträge. Er
gestaltete
die
Eingangshalle
des
Elisabethbades
zu Bad
Waldsee.
Hier nimmt
die
Glasbetonwand
durch die
großen,
kontrastierenden,
leuchtenden
Farbflächen,
deren
Betoneinfassungen
expressionistische
Handschrift
aufweisen,
den Besucher
sogleich
gefangen.
Diese vier
mal zehn
Meter große
Komposition,
Heilkräfte
und Natur
betitelt,
erläuterte
der Künstler
wie folgt:
„Dargestellt
ist eine
Erdzone mit
Schichtungen,
Höhlen,
Meeren,
Wasserader,
Kristallen
und
Heilpflanzen.
Darüber
wölbt sich
eine hohe
und breite
Himmelsszene
mit einer
Regen- und
Sonnenwand.
Die Erde und
ihre
geheimen
Schätze, die
Feuchte des
Himmels,
sein Licht
und seine
Wärme sind
die
Heilkräfte,
die uns
geschenkt
werden.“
Eine
Glaswand
entwarf er
auch für die
Kapelle des
Kreiskrankenhausses
Bad Waldsee,
wo er sich
mit seiner
künstlerischen
Gesstaltung
bis zur
Grenze der
Abstraktion
begibt.
Ferner schuf
er auch das
große
Glasbild für
die
Volksschule
in Reute/Kr.
Ravensburg,
das den
Titel trägt
Erde,
Luft und
Wasser.
Dargestellt
sind Tiere,
die den
Kindern in
dieser
ländlichen
Gegend
wohlbekannt
sind: Eule,
Fische,
Schmettelringe,
Schnecken.
Kunst am Bau
von Ebell
gibt es auch
in der
Johannes-Kirche
zu
Dillenbach
und im
großen
Sitzungssaal
des
Rathauses zu
Friedrichshafen.
Stets bleibt
er der Natur
in seinen
Werken treu.
Auf dem
Gebiet der
Freien Kunst
sprach ihn
besonders
das Aquarell
mit seinen
fließenden,
bewegten
Formen an
und die
verschiedensten
Techniken
der
Durckkgrafik.
Seine
Holzschnitte
mit den
kantigen
Formen und
dem
Schwarz-weiß-Kontrast
befinden
sich am
Gegenpol zum
Aquarell.
Von hier
gibt es auch
eine Brücke
zu den
Arbeiten am
Bau. „Von
den
Holschnitten
habe ich das
Gerüst für
die
Glasfenster
gewonnen“,
bekennt der
Künstler.
Die
schwarzen
Stege des
Hochdrucks
entsprechen
auch den
Beton- und
Bleieinfassungen,
und hier wie
dort
begegnet man
einer
eindrucksvollen
Einfachheit,
freilich
die
Materialgerechtigkeit
berücksichtigend.
Am
schwersten
lassen sich
die in
Ölfarbe
entstandenen
Gemälde in
Ebells Werk
einordnen.
Doch sei an
die dicken
reliefartig
eingesetzten
Elemente der
Glaswand
erinnert und
an Ebells
dynamische
Gesaltungskraft.
Natürlich
haben auch
seine
Schicksalsschläge,
der Krieg
und die
verlorene
Heimat, den
Künstler und
sein
Schaffen
beeinflusst.
Aber es gibt
nur eine
kurze
makabre
Phase in
seinem
Schaffen.
Sein Werk
ist von
Licht
gekennzeichnet,
und seine
Motive holte
er sich auf
seinen
Studienreisen
in der
weiten Welt
– in Europa
und in den
USA.
Nach den
sonnigen,
produktiven
und
erfolgreichen
Jahrzehnten,
in denen die
Öffentlichkeit
in
zahlreichen
Ausstellungen
mit den
Arbeiten
Ebells
konfrontiert
wurde,
folgten
bittere,
leidvolle
Jahre. Der
Künstler
erlitt eine
rechtsseitige
Lähmung, und
der Arm und
die Finger,
die sonst so
schöne Werke
geschaffen
hatten,
waren nicht
mehr zu
gebrauchen.
Die
Redakteurin
Sabine
Ziegler
schrieb
hierüber in
der
Zeitschrift
Kurland
der
Städtischen
Kurverwaltung
Bad Waldsee
(1998):
„Paul
Heinrich
Ebell sitzt
im Rollstuhl
und malt. Er
ist
rechtsseitig
gelähmt.
Sein rechter
Arm baumelt
neben seinem
Arbeitstisch,
aber seine
Augen sind
hellwach.
Mit
zittriger
Hand
signiert er
schluss-endlich
das fertige
Aquarell. Es
sollte sein
letztes Bild
sein.“
Die
Überschrift
eines
Ausstellungsberichtes
in der
Lokalpresse
unterstreicht
das in
großen
Buchstaben
plakativ:
„Seit seinem
Schlaganfall
malt er mit
der Linken“.
Anlässlich
seines 90.
Geburtstages
erschien
eine Mappe
mit 10
Holzschnitten
des
Künstlers,
darüber
hinaus 13
weitere
Blätter in
einer
Auflage von
10 bzw. 30
Stück. Die
handsignierte
Mappe
kostete
5.000,- DM,
das einzelne
Blatt 200,-
DM. Der
Erlös dieser
Paul-Heinrich-Ebell-Stiftung
kam der
Förderung
junger
Künstlerinnen
und Künstler
zugute.
Seinen 90.
Geburtstag
feierte Paul
Heinrich
Ebell am 5.
Oktober
1998. In
zahlreichen
Ausstellungen
konnte man
sein
gesamtes
Werk der
vornehmlich
letzten
Jahrzehnte
bewundern:
im Ulmer
Museum
Tuschzeichnungen,
Gemälde und
Aquarelle,
in Bad
Waldsee in
der
Kreissparkasse
und der
Kleinen
Galerie
Ölgemälde
und
Holzschnitte
und in der
Galerie
Schloss
Mochental
Aquarelle.
Die
Vernissagen
hat der
Jubilar noch
miterlebt,
doch das
Ende der
Ausstellungen
nicht mehr.
Er starb,
fernab von
seiner
Geburtsstadt
Berlin, in
Bad Waldsee
am 4.
November
1998.
Lit.:
„Paul
Heinrich
Ebell:
Kartengrüße
für
Freunde“.
Ausstellungskatalog
Kleine
Galerie Bad
Waldsee
1980. Dort
50 Seiten
mit einer
Liste
zahlreicher
Publikationen
über den
Künstler und
sein Werk.
Bild:
Kulturstiftung.
Günther Ott