Der baltische Publizist
und Diplomat
Julius von
Eckardt,
Sohn eines
Syndicus und
Hofgerichtsadvokaten
gleichen
Namens wurde
am 20. Juli
1836, in der
livländischen
Kreisstadt
Wolmar
geboren. Er
besuchte
verschiedene
Schulen in
seiner
Heimat,
zuletzt das
Gouvernements-Gymnasium
in Riga, und
bezog im
Jahre 1855
die
Universität
St.
Petersburg,
um Jura zu
studieren.
Er setzte
sein Studium
von
1856-1859 in
Dorpat fort
und schloß
es mit dem
Grad eines
cand. jur.
ab. Er war
von
1860-1867
Sekretär des
Livländischen
Evangelisch-Lutherischen
Konsistoriums
Riga und
zugleich von
1861-1867
Redakteur
der
Rigaschen
Zeitung. Im
Jahre 1867
verließ er
seine
baltische
Heimat und
ging nach
Leipzig, wo
er (bis
1870) mit
Gustav
Freytag
Redakteur
des
„Grenzboten“
war und 1868
zum Dr. phil.
promovierte.
Im Jahre
1870 ließ er
sich in
Hamburg
nieder. Dort
war er bis
zum Jahre
1874
Chefredakteur
des
„Hamburger
Korrespondenten“
und der
„Hamburger
Börsenhalle“,
wobei er
sich durch
seine
Kenntnis
wirtschaftlicher
und
handelspolitischer
Fragen
auszeichnete,
und von
1874—1882
Sekretär des
Hamburgischen
Senats und
präsidierendes
Mitglied der
Schulbehörde.
Im Jahre
1882 folgte
er einem Ruf
nach Berlin
und trat als
Geheimer
Regierungsrat
in den
Preußischen
Staatsdienst;
1884 berief
ihn
Bismarck,
der seine
Arbeitskraft
schätzte,
als
Hilfsarbeiter
in das
Auswärtige
Amt. Er ging
im Sommer
1885 als
deutscher
Konsul nach
Tunis, 1889
nach
Marseille
und wurde
1892 zum
deutschen
Generalkonsul
in Stockholm
ernannt.
Danach war
er von
1897-1900
Konsul des
Deutschen
Reiches in
Basel und
von
1903-1907 in
Zürich.
Nachdem er
im Winter
1907 seinen
Abschied
genommen
hatte, starb
er kurz nach
seinem
Eintritt in
den
Ruhestand,
am 20.
Januar 1908,
in Weimar.
Julius
von Eckardt
hat sich als
Publizist
und
Schriftsteller
einen
hervorragenden
Namen
gemacht.
Bereits die
Rigasche
Zeitung und
die
Baltische
Monatsschrift
gewannen in
ihm eine
publizistische
Kraft
allerersten
Ranges. Doch
er war nicht
nur
Journalist,
der im
Deutschen
Reich
unermüdlich
gegen die
Russifizierungsbestrebungen
in seiner
baltischen
Heimat und
für die
Erhaltung
der
deutschen
Kultur in
den
damaligen
baltischen
Ostseeprovinzen
Rußlands
gekämpft hat
und zum
einflußreichen
Berater der
Regierungspresse
in
Deutschland
wurde.
Eine
lange Reihe
größerer und
kleinerer
Werke
politischen,
geschichtlichen
und
kulturgeschichtlichen
Inhalts hat
ihn zu einem
vielgelesenen
Schriftsteller
werden
lassen. Zu
seinen
Werken
gehören u.a.:
„Die
baltischen
Provinzen
Rußlands“
(1868),
„Baltische
und
russische
Kulturstudien
aus zwei
Jahrhunderten“
(1869), „Bürgerthum
und
Bureaukratie“
(1870),
„Russische
und
baltische
Charakterbilder
aus
Geschichte
und
Literatur“
(1876), „Livland
im
Achtzehnten
Jahrhundert“
(1876),
„Erzählungen
meines
Großvaters“
(1883),
„Bilder aus
der
Petersburger
Gesellschaft“,
„Jungrussisch
und
Altlivländisch.
Rußlands
ländliche
Zustände
seit der
Aufhebung
der
Leibeigenschaft“.
Seine
Lebenserinnerungen,
die zu einer
lesenswerten
Kulturgeschichte
seiner Zeit
wurden,
erschienen
1910 in zwei
Bänden.
Die
vielseitigen
geistigen
Interessen
Julius von
Eckardts
umfaßten
neben der
europäischen
Geschichte
philosophische,
theologische
und
literarische
Fragen. In
klarer
Voraussicht
der in
seiner
baltischen
Heimat im
Zusammenhang
mit deren
Klassifizierung
bevorstehenden
Ereignisse
hatte er
sich
schweren
Herzens vom
heimatlichen
Boden
gelöst, um
in
Deutschland
und anderen
Ländern für
gefährdete
baltische
Deutschtum
Retter zu
gewinnen. Er
war und
blieb sein
Leben lang
Balte; auch
in
Deutschland
blieb seine
Liebe und
Sorge und
Arbeit der
Heimat
zugewandt,
für die er
warb und
schrieb.
„Ich war zu
sehr
Livländer“,
hat er
einmal
gesagt, „um
mich darüber
zu täuschen,
daß
Deutschland
mir
allenfalls
zum
politischen
Vaterlande,
aber niemals
zur Heimat
werden
würde.“
Julius von Eckardt, der
seine letzte
Ruhestätte
in
Travemünde
fand, war
mit Isabella
David, einer
Tochter des
berühmten
Geigenvirtuosen
Ferdinand
David
(1810-1873)
verheiratet
und hatte
neun Kinder.
Ein Sohn,
Felix von
Eckardt, war
30 Jahre
lang
Chefredakteur
des
„Hamburger
Fremdenblattes“
und dessen
gleichnamiger
Sohn
Chefredakteur
des
„Weser-Kurier“
in Bremen,
danach
Bundespressechef
unter Konrad
Adenauer,
Staatssekretär,
MdB und
Botschafter
der
Bundesrepublik
Deutschland
bei den
Vereinten
Nationen in
New York.
Lit.:
Deutsch-Baltisches
Biographisches
Lexikon
1710-1960.
Köln/Wien
1970; Felix
von Eckardt:
Ein
unordentliches
Leben.
Lebenserinnerungen.
Düsseldorf/Wien
1967.
Erik Thomson